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Coronavirus: Die Panik erreicht Hongkong

Skyline von Hongkong

In der Sonderverwaltungszone Chinas gesellt sich zu den politischen Unruhen der letzten Monate nun auch noch die Panik vor dem Coronavirus. Die Regierung versagt erneut dabei, das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen.

Die Regierung in Hongkong versagt beim Coronavirus genauso wie bei den politischen Protesten

Vor den Filialen von Apotheken, Supermärkten und Kiosken bilden sich bereits Stunden vor der Belieferung mit neuen Atemschutzmasken lange Schlangen. Die Masken muss Hongkong vom chinesischen Festland, aus Taiwan oder aus Thailand importieren. Die Unzufriedenheit der Bürger Hongkongs, die wegen der politischen Proteste seit September letzten Jahres ohnehin bereits ein hohes Level erreicht hat, steigt im Zuge der Epidemie des Coronavirus weiter an. Die Regierung trägt eine Mitschuld an der sich ausbreitenden Panik in Hongkong, da sie zunächst versuchte zu beschwichtigen und dann nur halbherzige Entscheidungen traf. So hatte z. B. die Regierungschefin der 7,5 Millionen Metropole, Carrie Lam, nur eine teilweise Schließung der Grenze zum Festland anstelle einer vollständigen Abriegelung angewiesen. Gewerkschaften und vor allem die Beschäftigten im Gesundheitswesen Hongkongs hatten eine totale Einreisesperre für Festlandchinesen gefordert.

Bis zum Donnerstagabend waren nur sechs von 14 Grenzkontrollpunkten geschlossen. Viele Hongkonger befürchten, dass es bereits zu spät ist und sich der Coronavirus in den nächsten Tagen und Wochen in der Stadt ausbreitet. Insgesamt verzeichnet Hongkong bereits 12 infizierte Personen, aber noch keinen Todesfall. In China selbst liegt die Zahl der Erkrankten aktuell schon bei über 10.000 mit weit über 200 Todesopfern (hier permanent aktuelle Zahlen zu Infizierten und Toten weltweit). Da Hongkong direkt an China angrenzt, ist die Wahrscheinlichkeit der Einschleppung des Virus besonders groß, wie das Beispiel Thailand zeigt, wo ebenfalls bereits 14 Erkrankte identifiziert wurden. Das große Problem des neuartigen Coronavirus ist, dass infizierte Personen auch ohne Symptome bereits hochansteckned sind (Tröpfchenübertragung).

In einer Erklärung teilte das Hongkonger Amt für Handel und wirtschaftliche Entwicklung am Donnerstag mit, es habe sich am Mittwoch mit Vertretern des Einzelhandels und der Wirtschaft über die Verfügbarkeit von Körperschutzkleidung und Atemschutzmasken beraten. Konkrete Ergebnisse oder gar Zusagen der Regierung, wie die Versorgungslage mit Schutzutensilien gewährleistet werden könne, gab es jedoch nicht. Die Öffentlichkeit wurde lediglich mit einer unkonkreten Pressemitteilung abgespeist, die das Vertrauen in die Regierung weiter unterhöhlt. So hieß es vonseiten der Hongkonger Regierungsverwaltung lediglich, dass „Die Regierung alles in ihrer Macht Stehende tun wird, um durch Gespräche und Zusammenarbeit mit der Wirtschaft das Angebot an Schutzressourcen gegen den Coronavirus zu erhöhen“.

Angst vor Mangel in der Megametropole

Allein den Bedarf an Atemschutzmasken schätzt die Universität Hongkongs auf 300 Millionen Stück, die in der Stadt in den nächsten Monaten verkonsumiert würden und zudem fachgerecht entsorgt werden müssten. Für eine einzelne Person werden bis zu drei Einwegmasken pro Tag benötigt. Wenn sich also von den 7,5 Millionen Einwohnern Hongkongs nur eine Million pro Tag in die Öffentlichkeit begeben, werden drei Millionen Masken pro Tag oder 90 Millionen pro Monat benötigt. Wie diese hohe Zahl an Masken in die Stadt gelangen soll, ist bislang völlig unklar.
Während der SARS-Epidemie im Winter 2002/2003 haben allein die Angestellten im Gesundheitswesens und in öffentlichen Krankenhäusern Hongkongs bis zu 300.000 Masken täglich verbraucht.

Die Epidemie des neuen Coronavirus scheint zudem eine noch höhere Ausbreitungsdynamik zu haben als SARS. Gleichzeitig überträgt sich der Virus auch ohne vorherige Krankheitssymptome. Dies führt dazu, dass man nicht selektiv erkrankte Personen identifizieren und an Grenzübergängen abweisen kann, sondern ganze Metropolen unter Quarantäne stellen muss, mit erheblichen Auswirkungen auf die gesamte Versorgungslage. Dies gilt auch für Waren des täglichen Bedarfs, wie Zigaretten, Milchprodukte, Getränke, Backwaren, Reinigungs-, Waschmittel oder Hygieneartikel. All das muss Hongkong importieren. Die Versorgungslage könnte von der zunehmenden Abschottung Hongkongs wegen der Epidemie zu signifikanten Versorgungsengpässen führen.

In Antizipation einer möglichen Knappheit diverser Produkte kommt es bereits jetzt zu Hamsterkäufen und leeren Regalen in der Handelsmetropole, in der normalerweise in allen Bereichen des Einzelhandels Überfluss herrscht. Bereits jetzt wird die Anzahl der Atemschutzmasken in vielen Geschäften pro Person rationiert. Eine Schachtel mit 50 Einwegmasken kostet ca. 70 Hongkong-Dollar (etwa EUR 8,50). Neben den Masken sind auch Desinfektions- und Bleichmittel knapp geworden. Wer kein Mitarbeiter eines Krankenhauses, einer Behörde oder Einwanderungs- und Zollbeamter ist, wird nachrangig versorgt. Aber selbst für Regierungsmitarbeiter reichen die von den Behörden bereitgestellten Kontingente nicht mehr aus, so dass sich auch Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger privat die unter Umständen lebensrettende Schutzkleidung selbst besorgen müssen.

Fazit und Ausblick

Da Hongkong, wie andere Megastädte auch, nahezu den gesamten Bedarf an täglich benötigten Produkten aus dem Umland einführen muss, kann eine länger anhaltende Quarantäne zu sehr problematischen Zuständen führen. Spätestens mit dem Ausrufen des internationalen Gesundheitsnotstands durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstagabend, werden die Kontrollmaßnahmen sowie Einfuhr- und Zugangsbeschränkungen an den Checkpoints nun noch weiter verschärft.

Wie problematisch die Isolierung von Großstädten sein kann, zeigte die Hurrikan-Katastrophe Katrina im Jahr 2005, die die Großstadt New Orleans im Bundesstaat Louisiana für Tage von der Außenwelt komplett abschnitt. In der Stadt kam es zu Plünderungen, Gewalt, Hunger und Tausenden von Todesopfern. Für die Stadtregierung in Hongkong unter Führung der bislang glücklos agierenden Carrie Lam ist dies eine weitere Bewährungsprobe und könnte zum Ende ihrer Karriere oder schlimmer noch zu einem noch größeren Aufstand in Hongkong führen.



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