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Coronavirus: Warum die Krise für Finanzsystem und Politik ein Glücksfall ist

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Ein Koffer voll mit Dollars - Coronavirus als Sündenbock für das Finanzsystem

Warum soll das Coronavirus ein Glücksfall sein für unser Finanzsystem und für unsere Politik? Wie bitte? Gleich vorab. Es geht mir an dieser Stelle nicht um die kurzfristige Betrachtung der aktuellen Situation. Es geht mir um das große Ganze, den Ausblick auf die nächsten Jahre, und von der Zukunft aus gesehen um den Rückblick auf die aktuelle Situation! Und die ist dramatisch, keine Frage. Der Dax ist gerade sogar ganz frisch unter die Marke von 10.000 Punkten gerutscht. Die Fed hat erst letzte Nacht gigantische Geldsummen in den Markt gepumpt, Donald Trump verhängt einen 30-tägigen Einreisestopp für Europäer in die USA (hier dazu der aktuellste Kommentar von Markus Fugmann). Fluggesellschaften, Hotels, Messebauer, Industrieunternehmen, Gastronomie uvm werden massive Umsatzverluste erleiden. Unternehmenspleiten und eine Rezession sind in vielen Ländern wohl unausweichlich. Also, was soll daran bitteschön gut sein?

Blick zurück auf die letzte Finanzkrise

Dazu lohnt es sich einen Blick zurück auf die letzte Finanzkrise rund um das Jahr 2008. Alles lief vorher doch bestens. Zumindest dachte man das, denn die Wirtschaft lief bestens, jeder Amerikaner war in Lohn und Brot, hatte ein großes Haus, drei Autos, fünf Fernseher usw. Auch in Europa lief es doch ganz gut? Aber es gab eine Hand voll Spinner, die rum nörgelten und vor dem großen totalen Zusammenbruch im Finanzsystem warnten. Die wurden natürlich ausgelacht und in die Clown-Ecke gestellt. Nicht nur wir, sondern auch andere Finanzportale (siehe hier) sind der Meinung, dass der Film „The Big Short“ wie kein anderer die Abläufe perfekt, detailgetreu und gut verständlich erklärt, die zum großen Zusammenbruch 2008 führten. Gier, Dummheit, Inkompetenz und Ignoranz sind mal eben vier Begriffe, die mir in dem Zusammenhang einfallen. Und heute? Da gibt es auch ein paar „Spinner“, die seit Jahren vor einem neuen großen Zusammenbruch warnen. Von den deutschen Leitmedien werden sie hierzulande etwas freundlicher mit dem Begriff „Crash-Prophet“ in die Clown-Ecke gestellt. Dazu gehören unter anderem Marc Friedrich und Matthias Weik (Buch: Der größte Crash aller Zeiten) und Max Otte (Buch: Weltsystemcrash: Krisen, Unruhen und die Geburt einer neuen Weltordnung), aber auch Markus Krall (Buch: Der Draghi-Crash: Warum uns die entfesselte Geldpolitik in die finanzielle Katastrophe führt). Aber wird man ihnen in der  hohen Politik jetzt besser zuhören? Das müsste man doch eigentlich, wo die Börsenkurse jetzt brutal abstürzen, und das Finanzsystem massive Probleme bekommen könnte? Nein, man wird wohl weiterhin Personen wie Herrn Fratzscher vom DIW zuhören. Hoch mit den Staatsausgaben bitte, mehr Geld ins System, immer mehr?

Das Coronavirus ist der ideale Sündenbock für das Finanzsystem

Das aktuelle Finanzsystem lebt unter anderem von massiven schuldenfinanzierten Aktienrückkäufen der Konzerne (vor allem in den USA). Aber vor allem lebt man von ständigen Injektionen der Notenbanken. Krisen sozusagen wegdrucken mit frischem Geld, lautet das Motto. Zinsen runter, Anleihen kaufen, Banken Liquidität zur Verfügung stellen. Alles muss getan werden um Krisen im Keim zu ersticken. Und so erschuf man die letzten Jahre eine gigantische Blase am Markt für Aktien und Immobilien. Aber würde man Politiker und Notenbanker in einigen Wochen oder Monaten fragen, wenn sich die aktuelle Krise rund um das Coronavirus eventuell beruhigt hat, warum die Aktienmärkte so brutal abgestürzt sind, warum diese oder jede Bank in Schieflage gerät, warum es so viele Probleme gibt, dann wird es wohl lauten: Wir hatten doch zehn Jahre lang eine super tolle Konjunktur, das Finanzsystem war ja nach 2008 solide aufgestellt worden – schuld an der Krise war das Coronavirus, das die Volkswirtschaften lähmte. So wird man es verkünden. Das mag zwar oberflächlich richtig sein.

Aber in Wirklichkeit war der Crash längst überfällig, denn die Märkte waren aufgebeläht bis zum Geht nicht mehr durch Aktienrückkäufe und Notenbank-Pumperei. Das Coronavirus war lediglich der Brandbeschleuniger, oder besser gesagt die Nadel, die den Luftballon zum Platzen brachte. Es hätte auch eine andere Nadel sein können als das Coronavirus. Aber, da bin ich mir sicher… es wird rückwirkend heißen, dass dieser Crash ein Corona-Crash war, und dass das Finanzsystem doch völlig in Ordnung war vor dem Ausbruch des Virus in China. Ein perfekter Sündenbock ist dieses Virus. Und weil man diese Krise und diesen Absturz so wunderbar auf das Coronavirus schieben kann, wird Folgendes passieren. Man wird diese Krise mit noch mehr Notenbankgeld weg drucken, oder es zumindest versuchen. Es wird zum Beispiel auf EU-Basis eventuell Ausnahmeregeln vom Maastricht-Vertrag geben, damit vor allem Länder wie Italien so richtig kräftig neue Schulden machen können. Dass das Land auch kurz vor Ausbruch des Coronavirus in einer üblen Rezession steckte, mit kaputten Banken und einem völlig überschuldeten Staat, interessiert dann niemanden mehr. Schuld war halt einfach nur dieses nervige Coronavirus.

Immer weiter drucken

Also, alles festhalten. Es wird weiter verschuldet, gedruckt, gestützt, gerettet. Denn je größer das Problem ist, desto mehr muss man pumpen, drucken, retten? Wie Markus Krall es immer wieder sagt…  vor allem die Politik (damit ist auch die Geldpolitik der Notenbanken gemeint) wollen Krisen nicht mehr zulassen. Sie müssen im Keim erstickt werden. Dadurch summieren sich die Probleme im Finanzsystem immer weiter auf. Sie werden aufgespart, bis es zu einem großen Knall kommt. Hätte man normalen Konjunkturzyklen mit Auf- und Abschwung freien Lauf gelassen, wäre es die letzten Jahre zu normalen wirtschaftlichen Bereinigungen gekommen (kaputte Unternehmen gehen pleite, neue entstehen), und die europäischen Volkswirtschaften wären womöglich moderner, wirtschaftlich resistenter und weniger verschuldet auf das Coronavirus getroffen. Aber es wird heißen mit Rückblick auf die heutige Lage: Wir mussten ab 2020 immer weiter Geld drucken, denn das durch das Coronavirus angegriffene und „eigentlich gesunde“ Finanzsystem musste ja „ausnahmsweise“ gestützt werden.

By the way… Sie finden beim Klick an dieser Stelle einen interessanten Artikel von Hannes Zipfel, warum die Geldanlage jetzt ganz neu gedacht werden muss.

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    olli

    12. März 2020 13:46 at 13:46

    hm Gold kommt nicht aus dem Knick, und Krypto den Bach runter. Will jemand TINA für den Aktienmarkt Nachdruck verleihen?

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    Übelkeit

    12. März 2020 14:33 at 14:33

    Deflationärer-Schock + Margin-Calls. Da wird alles abverkauft.

    Die Zinsen fallen seit Jahrzehnten Richtung 0. Genauso wie man dem Corona-Virus nicht die Schuld geben kann, so ist eben auch der Euro nicht der Sündenbock, sondern der Versuch sich vom restlichen System abzuschotten (Wettbewerbsverweigerung). Das muss man auch erst einmal verstehen.

    Dieses Finanzsystem ist eine Einbahnstraße und am Ende wartet der große Aufprall. Es gibt keine Möglichkeit umzudrehen, wenn man einmal hineinfährt. Die Eliten müssten dafür sorgen, dass die Vermögenskonzentration abnimmt. Das wird nicht passieren, daher wird ein Crash das Ungleichgewicht ausgeleichen, auch wenn die ärmere Bevölkerung am meisten leiden wird.

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    Hinterfrager

    12. März 2020 14:37 at 14:37

    Außerdem wird der Irrsinn einer bis in die letzte just-in-time-Optimierungspotenz durchstrukturierten Globalisierung, bei der Fälle wie diese ja offensichtlich nie näher betrachtet wurden, wohl auch im weiteren Verlauf nicht ernsthaft hinterfragt werden.

    Wie weit lehrbuchhafte Ratschläge seitens „rennommierter“ Wirtschaftswissenschaftler in der Coronakrise von der realen Welt entfernt liegen, zeigen Einlassungen von Herrn Fratzscher & Co. in den letzten Tagen: Da sollen Steuern gesenkt und Konjunkturprogramme aufgelegt werden. Na klar, weil man damit ganz trefflich leere Geschäfte, Restaurants, Hotels und Veranstaltungsorte wiederbeleben, Bahnen und Flugzeuge wieder füllen und aufgrund von Ansteckungen geschlossene Büros und Produktionsstätten wieder öffen kann…

  4. Pingback: Must-Read! Aktuelles vom 12. März 2020 – Teil 2 | das-bewegt-die-welt.de

  5. Pingback: Coronavirus: Warum die Krise für Finanzsystem und Politik ein Glücksfall ist – Unser Geld- und Zinssystem

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    Jürgen H sgh

    12. März 2020 22:00 at 22:00

    Totale Wahrheit
    Mir (77) seit 2wochen schon bewußt
    War in DDR ü 20 Jahre ve Industrie Planer und AV (modernes pps/ü100 PC)
    15 Jahre priv Handwerk HSL
    Die Finanzwelt erledigt nun global alles
    Geld verschwindet nicht, das hat jemand die nun glauben Die Welt zu retten
    Schade für unsere urenkel

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    Piraten Kapitän

    13. März 2020 17:22 at 17:22

    Ich denke wir sollten das Helikoptergeld einführen und Geld an alle Bürger ausschütten um so den privaten Konsum anzukurbeln !

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    sabine

    31. März 2020 17:42 at 17:42

    Auch ist ja der Virus gar keine so große Katastrophe. Die Sterblichkeit absolut hat sich bisher nirgends auch nur geändert. Die Todeszahlen sind viel zu hoch, da oft der Virus gar nicht die Todesursache ist. S. z.B.:

    Prof. Bhakdi von der Uni Mainz.

    Oder Dr. Schiffmann von der Schwindelambulanz Sinsheim (Eine Ambulanzanlaufstelle, wenn man Schwindel hat!).

    • Avatar

      sabine

      31. März 2020 19:11 at 19:11

      „Die Todeszahlen des Virus“ im Verhältnis zu dieser absoluten Sterberate.

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Immobilien: Nach der Coronakrise wird es einen Gewinner geben!

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Mieter von gewerblichen Immobilien sind wohl die Gewinner nach der Krise

Alle Bereiche des Lebens und der Wirtschaft sind derzeit von der Coronakrise betroffen, so auch die Immobilien. So hört man die letzten Tage, dass zahlreiche gewerbliche Großmieter wie Adidas, Deichmann und Co einfach Mietzahlungen für ihre Ladengeschäfte aussetzen. Aber wie wird die Lage bei Immobilien nach der Coronakrise aussehen? Wird alles weitergehen wie bisher? Ich möchte hier ein Szenario besprechen, dass nicht mit hundertprozentiger Garantie so eintreten muss. Aber die im folgenden Text beschriebene Auswirkung der Coronakrise auf die Branche scheint mir logisch.

Die Lage am Markt für Immobilien wird sich nach der Krise ändern

Bislang war es so: Die Eigentümer von Immobilien waren die Gewinner. Egal ob gewerblich oder privat, wer besitzt und vermietet, konnte jahrelang immer höhere Mieten kassieren. Und die jahrelange Flutung der Märkte mit Notenbankgeld und die abgeschafften Zinsen trieben Assets wie Aktien und Immobilien immer weiter nach oben. Die Käufer von Wohnungen und Projektentwickler von Gewerbeimmobilien mussten immer höhere Grundstückspreise und Erstellungskosten zahlen – und waren somit gezwungen die Mietpreise immer weiter hochzuschrauben, wenn sie denn noch eine nennenswerte Rendite auf ihren Kapitaleinsatz erzielen wollten. Aber jetzt wird sich einiges ändern. Womöglich nicht für private Mieter.

Aber die Mieter von Gewerbeimmobilien im Bereich Einzelhandel und in der Gastronomie, die werden nach der Coronakrise die großen Gewinner sein. Natürlich meine ich diejenigen Mieter, die diese aktuelle Durststrecke finanziell überleben werden, und auch danach ihre Cafes, Restaurants und Bekleidungsgeschäfte weiter betreiben. Bisher war es so: Der Immobilien-Eigentümer konnte bei Auslauf des Mietvertrags für den nachfolgenden Zeitraum stets kräftige Mietpreissteigerungen verlangen. Aber was passiert jetzt? Selbst nach gigantischen Rettungspaketen und KfW-Kreditprogrammen werden zahlreiche Gastronomen und Bekleidungsgeschäfte nicht überleben. By the way… viele kleine Unternehmer werden diese Kredite wohl gar nicht erhalten (mehr dazu hier). Entweder gehen zahlreiche Unternehmer in den nächsten Monaten pleite, oder dank der KfW-Kredite werden sie vielleicht erst in einem Jahr überschuldet aufgeben und ihren Laden dicht machen.

Angebot und Nachfrage

Dadurch, dass zahlreiche dieser Mieter aus dem Markt ausscheiden, verschiebt sich das Machtgefüge zwischen Mietern und Vermietern bei Immobilien im gewerblichen Bereich. Es wird viel Leerstand geben. Die Entwicklung hatte ja schon vor der Coronakrise in Innenstädten und Einkaufszentren eingesetzt. Zu viel Fläche, zu hohe Ladenmieten und immer mehr Online-Konkurrenz machen den Mietern schon seit Jahren zunehmend das Leben schwer. Nach und nach gaben einige auf und machten ihre Läden dicht. Dieser Trend wird nun durch die Coronakrise massiv beschleunigt werden. Der Leerstand wird deutlich zunehmen. Und die Eigentümer der Flächen werden auf einmal den bestehenden Mietern entgegenkommen. Ja, diese Prognose wage ich, auch wenn ich selbst kein Experte für Immobilien bin. Es geht um das Grundprinzip von Angebot und Nachfrage.

Mieter werden nach Auslauf der Verträge womöglich günstigere Anschlussverträge aushandeln können, weil die Vermieter sehen, wie links und rechts schon Flächen leer stehen. Da hat man Angst seinen noch vorhandenen Bestandsmieter zu verlieren, denn der hat nun die freie Auswahl. Und ganz schnell werden wohl auch die Neuvermietungspreise für Flächen im gewerblichen Bereich purzeln. Wer also die Coronakrise finanziell überlebt, und/oder wer nach der Krise ganz neu mit einer Geschäftsidee im Einzelhandel oder in der Gastronomie startet, der wird womöglich spürbar geringere Mietkosten erwarten dürfen, oder aushandeln können! Vielleicht noch nicht Ende April oder im Mai. Aber wohl in sechs Monaten, wenn nach und nach andere Gewerbemieter pleite gehen und ihre Läden dicht machen. Die letzten Tage haben Restaurantketten wie Maredo und Vapiano bereits Insolvenz angemeldet. Ob und wie viele dieser Läden fortbestehen werden nach einer möglichen Restrukturierung? Unklar, aber die Pleitewelle wird wohl kommen. Was man jetzt in Einzelfällen sieht, ist erst der Anfang.

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Schwellenländer drohen durch die Pandemie im Chaos zu versinken

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Christus-Statue in Rio - Schwellenländer hart getroffen durch Pandemie

Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung schauen die Märkte zur Zeit vor allem auf die dramatischen Entwicklungen in den USA und Europa. Doch für die Schwellenländer, die bereits vor der Pandemie angeschlagenen waren, droht nun der ökonomische Super-GAU.

Schwellenländer leiden bereits unter dem Abzug von Kapital

Wie wir schon vor der Pandemie berichteten, bewegten sich wichtige Schwellenländer bereits vor der Pandemie in schwerem Fahrwasser. Einige Länder, wie Argentinien, Brasilien, die Türkei, Venezuela, Südafrika oder Chile haben bereits Schlagseite. Die sich jetzt bereits in Ansätzen abzeichnenden globalen Verwerfungen drohen diese Staaten ökonomisch zum Kentern zu bringen. Die Schwellenländer sind besonders abhängig von Mittelzuflüssen aus den Industriestaaten und reagieren in einer Krise wie jetzt sehr sensibel auf eine Umkehr der Kapitalströme. Doch genau das passiert bereits, wie das Institute of International Finance (IIF) berichtet: Seit Ende Januar 2020 sind 95 Mrd. USD aus Aktien und -Anleihen der Emerging-Markets von ausländischen Investoren abgezogen worden.

Damit sind in dieser relativ kurzen Zeitspanne deutlich mehr Gelder rapatriiert worden als in der Finanzkrise ab September 2008. Die Kapitalflucht der Investoren aus Nordamerika und Europa aus den Schwellenländer-Märkten ist in weltweit unruhigen Zeiten ein bekanntes Phänomen. Gerade dann stellen stark überschuldete und politisch instabile Länder ein besonderes Verlustrisiko dar, das es zu meiden gilt. Kommt es zeitgleich zu Turbulenzen an den großen Finanzmärkten in New York, Tokio und London, wird die Liquidität dringend zu Hause benötigt, um Vermögenslöcher zu stopfen oder Margin-Calls zu bedienen.

Für eine Pandemie schlecht gewappnet

Im speziellen Fall der COVID-19-Pandemie befürchten die Investoren wahrscheinlich zu Recht, dass die Gesundheits- und Sozialsysteme einiger Schwellenländer mit der Seuche überfordert sein könnten. Eine Befürchtung, die in Indien bereits Realität ist. Dort sind soziale Sicherungssysteme kaum vorhanden, das Gesundheitssysteme ist extrem fragil und die Bevölkerungsdichte sehr hoch. Die jetzt eingeleiteten Maßnahmen zum Schutz der Menschen verursachen Chaos im indischen Verkehrssystem und bringen die Menschen ohne jeden Schutz noch dichter zusammen. In Brasilien, wo das Virus mittlerweile ebenfalls angekommen ist, folgte die Regierung um Präsident Jair Bolsonaro zunächst der Strategie Londons und Washingtons und verharmloste das Virus. Jetzt rudert die Staatsführung in Brasília zurück, wahrscheinlich wie in den USA und England viel zu spät.

Die bereits getätigten und sich aktuell verstärkenden Kapitalabflüsse werden die fiskalpolitischen Möglichkeiten in den Schwellenländern stark beeinträchtigen. Zum einen wird weniger Geld für die Seuchenbekämpfung und zur Abmilderung der ökonomischen und sozialen Folgen mobilisiert werden können. Zum anderen steigen die Kosten für die Kreditaufnahme ausgerechnet jetzt deutlich an. Gleichzeitig schwinden auch die Devisenreserven, die nicht nur für die hohen Zinslasten der zum Teil hoffnungslos in US-Dollar überschuldeten Länder benötigt werden, sondern auch für den Ankauf von Schutzkleidung, Test-Kits und teuren medizinischen Geräten. Staaten wie Venezuela, Brasilien, Südafrika oder Argentinien sind zudem wichtige Rohstofflieferanten. Die Preise für natürliche Ressourcen waren in den letzten Wochen stark rückläufig, was die Ökonomien dieser Staaten zusätzlich belastet. Außerdem müssen viele Förderstätten zum Schutz der Arbeiter vorübergehend stillgelegt werden. In Südafrika für mindestens drei Wochen. Es ist daher zu befürchten, dass die Schwellenländer die Pandemie noch schwerer werden bewältigen können als die Industriestaaten.

Schwellenländer bekommen den Stress im Finanzsystem zu spüren

Seit Mitte März bekommen die Schwellenländer die Krise bereits an den Finanzmärkten zu spüren. Die Zinsaufschläge, die Entwicklungsländer aktuell gegenüber zehnjährigen US-Staatsanleihen zahlen müssen, sind seitdem stark angestiegen. Besonders hart trifft es die Ukraine. Der osteuropäische Pleitestaat muss nun statt 400 Basispunkten Zinsaufschlag über 1.200 Basispunkte mehr bezahlen. Der Risikoaufschlag türkischer Staatsanleihen hat sich von 352 Anfang März auf aktuell über 700 erhöht. Russland steht trotz des Ölpreisverfalls mit 350 Basispunkten aufgrund der niedrigen Staatsverschuldung von lediglich 12,5 Prozent des BIP noch vergleichsweise gut da. Deutlich dramatischer stellt sich die Lage für den afrikanischen Ölproduzenten Nigeria dar, der nach einer Verdreifachung der Zinsaufschläge nun ebenfalls bei über 1.200 Basispunkten Zinsaufschlag gegenüber US-Anleihen angekommen ist. Auch Südafrika ist mit in den Aufwärtssog bei den Renditen geraten und muss aktuell 1.120 Basispunkte Zinsaufschlag bezahlen. Argentinien, dass seinen Schuldendienst bereits ausgesetzt hat, ist sogar gezwungen, für seine stark ausfallgefährdeten Anleihen (S&P-Rating: CCC-) Mehrkosten in Höhe von 2.640 Basispunkten am Kapitalmarkt zu akzeptieren. Das Land ist bereits de facto bankrott.

Die Kapitalflucht und die steigenden Risikoprämien werden auch in den Währungsentwicklungen der Schwellenländer sichtbar. Seit der verstärkten Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus Anfang Februar über die Landesgrenzen Chinas hinaus, kam es auch an den Devisenmärkten zu heftigen Bewegungen. Der mexikanische Peso verlor seitdem 23 Prozent, der russische Rubel über 20 Prozent (was übertrieben scheint), der argentinische Peso von niedrigem Niveau aus nochmals 5 Prozent und der südafrikanische Rand 16 Prozent.

Fazit und Möglichkeiten der Stabilisierung

Die bereits sichtbaren Folgen für die Schwellenländer sind wahrscheinlich nur der Beginn schwerer ökonomischer, sozialer und politischer Verwerfungen. In den kommenden Wochen und Monaten könnten sich die Turbulenzen infolge der Rezession in den USA und Europa, der zunehmenden Anzahl von COVID-19-Fällen auch in den Schwellenländern, einer fortschreitenden Unterbrechung der Lieferketten und einer sinkenden Nachfrage nach Rohstoffen, Waren und Dienstleistungen noch vergrößern. Der für viele Entwicklungsländer als Devisenquelle enorm wichtige Tourismus ist bereits weitgehend kollabiert.

Ein Großteil der Schwellenländer hat keine ausreichenden Rückstellungen oder fiskalischen Spielräume, um die heimische Wirtschaft mit großen Konjunkturpaketen á la USA oder Deutschland zu unterstützen. Würde die Zentralbank Argentiniens vergleichbar der US-Notenbank Fed eine staatliche Schuldensause von 10 Prozent des BIP durch Gelddrucken finanzieren, würde sich der Restwert des argentinischen Peso in Luft auflösen. Der makroökonomische Handlungsspielraum der Schwellenländer ist generell im Vergleich zu fortgeschrittenen Volkswirtschaften aufgrund der begrenzten Glaubwürdigkeit ihrer Währungen stark limitiert. Selbst Staaten mit niedriger Verschuldung, wie Russland, bekommen dies bereits durch die massive Abwertung ihrer Währung zu spüren. Daher sind die Schwellenländer auf externe Hilfe mittels harter Devisen angewiesen.

Die Fed hat diesem Bedürfnis bereits Rechnung getragen und ihre Dollar-Swap-Linien geografisch stark ausgeweitet und bietet nun auch Entwicklungsländern über diesen Weg einen Zugang zu US-Dollar-Liquidität. Bereits 80 Länder haben zudem den Internationalen Währungsfonds (IWF), gemäß dessen Direktorin Kristalina Georgiewa, um finanzielle Hilfe gebeten. Der supranationalen Institution stehen zur Zeit dafür 1 Billion US-Dollar zur Verfügung. Dieser Betrag muss dringend in Anbetracht der Vielzahl der Hilfegesuche aufgestockt werden.

Auf Ebene der G20-Staaten wurde beim jüngsten virtuellen Sondergipfel ebenfalls über Hilfen für Entwicklungsländer diskutiert – allerdings sehr abstrakt. So sollen Handelsbeschränkungen abgebaut und die Entwicklungshilfe ggf. aufgestockt werden. Dem Rest der Welt sollten die Schwellenländer nicht egal sein. Wenn diese im Zuge der jetzt bevorstehenden Weltrezession noch tiefer in finanziellem Chaos versinken, würde dies für die gesamte Weltwirtschaft einen zusätzlichen Schock bedeuten. Eine schnelle wirtschaftliche Erholung exportorientierte Länder wie Deutschland nach dem Abebben der Pandemie wäre dann unwahrscheinlich.

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Dirk Müller über die dramatischen Folgen der Corona-Krise

„Unser Finanzsystem hat fertig“

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Die Corona-Krise nimmt immer dramatischere Foolgen für die Wirtschaft an – der Einbruch ist heftiger als in der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929, sagt Dirk Müller. Eigentlich sollte „Mr. Dax“ bei einer Finanzmesse auftreten – aber da das aufgrund der Corona-Krise nicht möglich ist, hielt Dirk Müller seinen Vortrag von zuhause aus per Video.

Corona-Krise schlimmer als Weltwirtschaftskrise 1929

Der Crash der Aktienmärkte passierte sogar schneller als in der Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929 (und folgende). Und das wird bedeuten, dass da viele Finanz-Player erwischt wurden – daher sind viele Pleiten im Finanzsektor wahrscheinlich, von denen wir in den nächsten Wochen und Monaten erfahren werden. Das gilt auch und vor allem für Banken – Dirk Müller erwartet daher Banken-Pleiten. Wenn aber Banken pleite gehen, werden auch die Gelder auf deren Konten in Gefahr sein, sagt Dirk Müller – denn faktisch ist ein Kontoguthaben bei einer Bank eine Art Kredit, den man der Bank gibt.

Dirk Müller über den Crash des Kreditsystems

„Unser Finanzsystem hat fertig“, so Dirk Müller – wir erleben jetzt einen reset des Systems. Das Coronavirus sei nur der Auslöser für diesen reset – und die Ausrede zugleich, warum eben dieser „reset“ nun vermeintlich nötig sei. Bisher haben die Notenbanken es nicht geschafft, die Märkte zu beruhigen, was aber eigentlich durch das „plunge protection team“ der Amerikaner möglich gewesen, aber eben nicht erfolgt sei, meint Dirk Müller.

Das eigentliche Problem könnten die Notenbanken so oder so nicht lösen, so „Mr. Dax“: den „Credit Crunch„. Alle brauchen nun Liquidität, um Kredite und Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Cash ist King im deflationären Schock.

Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gesellschaft

Was fast noch schlimmer ist: die Menschen haben Angst um ihre Jobs und damit um ihre Zukunft. Dazu kommt noch die Angst um die Gesundheit der eigenen Familie – Müller spricht daher von einer so noch nie dagewesenen „Angstkombination“, die massive und bisher unkalkulierbare Auswirkungen auf die psychische Verfassung der Gesellschaft haben dürfte. Es könne daher zu sehr häßlichen Szenen kommen, die wir bisher nicht für möglich halten. Diese „Angstkombination“ in der Gesellschaft verstärke dann die Neigung der Menschen, Sündenböcke zu suchen – vielleicht die Flüchtlinge, die mit der einheimische Bevölkerung etwa um Arztbesuche konkurrieren?

Sehen Sie hier das Szenario von Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise:

Dirk Müller über die Folgen der Corona-Krise

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