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Coronavirus: Warum die Krise für Finanzsystem und Politik ein Glücksfall ist

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Ein Koffer voll mit Dollars - Coronavirus als Sündenbock für das Finanzsystem

Warum soll das Coronavirus ein Glücksfall sein für unser Finanzsystem und für unsere Politik? Wie bitte? Gleich vorab. Es geht mir an dieser Stelle nicht um die kurzfristige Betrachtung der aktuellen Situation. Es geht mir um das große Ganze, den Ausblick auf die nächsten Jahre, und von der Zukunft aus gesehen um den Rückblick auf die aktuelle Situation! Und die ist dramatisch, keine Frage. Der Dax ist gerade sogar ganz frisch unter die Marke von 10.000 Punkten gerutscht. Die Fed hat erst letzte Nacht gigantische Geldsummen in den Markt gepumpt, Donald Trump verhängt einen 30-tägigen Einreisestopp für Europäer in die USA (hier dazu der aktuellste Kommentar von Markus Fugmann). Fluggesellschaften, Hotels, Messebauer, Industrieunternehmen, Gastronomie uvm werden massive Umsatzverluste erleiden. Unternehmenspleiten und eine Rezession sind in vielen Ländern wohl unausweichlich. Also, was soll daran bitteschön gut sein?

Blick zurück auf die letzte Finanzkrise

Dazu lohnt es sich einen Blick zurück auf die letzte Finanzkrise rund um das Jahr 2008. Alles lief vorher doch bestens. Zumindest dachte man das, denn die Wirtschaft lief bestens, jeder Amerikaner war in Lohn und Brot, hatte ein großes Haus, drei Autos, fünf Fernseher usw. Auch in Europa lief es doch ganz gut? Aber es gab eine Hand voll Spinner, die rum nörgelten und vor dem großen totalen Zusammenbruch im Finanzsystem warnten. Die wurden natürlich ausgelacht und in die Clown-Ecke gestellt. Nicht nur wir, sondern auch andere Finanzportale (siehe hier) sind der Meinung, dass der Film “The Big Short” wie kein anderer die Abläufe perfekt, detailgetreu und gut verständlich erklärt, die zum großen Zusammenbruch 2008 führten. Gier, Dummheit, Inkompetenz und Ignoranz sind mal eben vier Begriffe, die mir in dem Zusammenhang einfallen. Und heute? Da gibt es auch ein paar “Spinner”, die seit Jahren vor einem neuen großen Zusammenbruch warnen. Von den deutschen Leitmedien werden sie hierzulande etwas freundlicher mit dem Begriff “Crash-Prophet” in die Clown-Ecke gestellt. Dazu gehören unter anderem Marc Friedrich und Matthias Weik (Buch: Der größte Crash aller Zeiten) und Max Otte (Buch: Weltsystemcrash: Krisen, Unruhen und die Geburt einer neuen Weltordnung), aber auch Markus Krall (Buch: Der Draghi-Crash: Warum uns die entfesselte Geldpolitik in die finanzielle Katastrophe führt). Aber wird man ihnen in der  hohen Politik jetzt besser zuhören? Das müsste man doch eigentlich, wo die Börsenkurse jetzt brutal abstürzen, und das Finanzsystem massive Probleme bekommen könnte? Nein, man wird wohl weiterhin Personen wie Herrn Fratzscher vom DIW zuhören. Hoch mit den Staatsausgaben bitte, mehr Geld ins System, immer mehr?

Das Coronavirus ist der ideale Sündenbock für das Finanzsystem

Das aktuelle Finanzsystem lebt unter anderem von massiven schuldenfinanzierten Aktienrückkäufen der Konzerne (vor allem in den USA). Aber vor allem lebt man von ständigen Injektionen der Notenbanken. Krisen sozusagen wegdrucken mit frischem Geld, lautet das Motto. Zinsen runter, Anleihen kaufen, Banken Liquidität zur Verfügung stellen. Alles muss getan werden um Krisen im Keim zu ersticken. Und so erschuf man die letzten Jahre eine gigantische Blase am Markt für Aktien und Immobilien. Aber würde man Politiker und Notenbanker in einigen Wochen oder Monaten fragen, wenn sich die aktuelle Krise rund um das Coronavirus eventuell beruhigt hat, warum die Aktienmärkte so brutal abgestürzt sind, warum diese oder jede Bank in Schieflage gerät, warum es so viele Probleme gibt, dann wird es wohl lauten: Wir hatten doch zehn Jahre lang eine super tolle Konjunktur, das Finanzsystem war ja nach 2008 solide aufgestellt worden – schuld an der Krise war das Coronavirus, das die Volkswirtschaften lähmte. So wird man es verkünden. Das mag zwar oberflächlich richtig sein.

Aber in Wirklichkeit war der Crash längst überfällig, denn die Märkte waren aufgebeläht bis zum Geht nicht mehr durch Aktienrückkäufe und Notenbank-Pumperei. Das Coronavirus war lediglich der Brandbeschleuniger, oder besser gesagt die Nadel, die den Luftballon zum Platzen brachte. Es hätte auch eine andere Nadel sein können als das Coronavirus. Aber, da bin ich mir sicher… es wird rückwirkend heißen, dass dieser Crash ein Corona-Crash war, und dass das Finanzsystem doch völlig in Ordnung war vor dem Ausbruch des Virus in China. Ein perfekter Sündenbock ist dieses Virus. Und weil man diese Krise und diesen Absturz so wunderbar auf das Coronavirus schieben kann, wird Folgendes passieren. Man wird diese Krise mit noch mehr Notenbankgeld weg drucken, oder es zumindest versuchen. Es wird zum Beispiel auf EU-Basis eventuell Ausnahmeregeln vom Maastricht-Vertrag geben, damit vor allem Länder wie Italien so richtig kräftig neue Schulden machen können. Dass das Land auch kurz vor Ausbruch des Coronavirus in einer üblen Rezession steckte, mit kaputten Banken und einem völlig überschuldeten Staat, interessiert dann niemanden mehr. Schuld war halt einfach nur dieses nervige Coronavirus.

Immer weiter drucken

Also, alles festhalten. Es wird weiter verschuldet, gedruckt, gestützt, gerettet. Denn je größer das Problem ist, desto mehr muss man pumpen, drucken, retten? Wie Markus Krall es immer wieder sagt…  vor allem die Politik (damit ist auch die Geldpolitik der Notenbanken gemeint) wollen Krisen nicht mehr zulassen. Sie müssen im Keim erstickt werden. Dadurch summieren sich die Probleme im Finanzsystem immer weiter auf. Sie werden aufgespart, bis es zu einem großen Knall kommt. Hätte man normalen Konjunkturzyklen mit Auf- und Abschwung freien Lauf gelassen, wäre es die letzten Jahre zu normalen wirtschaftlichen Bereinigungen gekommen (kaputte Unternehmen gehen pleite, neue entstehen), und die europäischen Volkswirtschaften wären womöglich moderner, wirtschaftlich resistenter und weniger verschuldet auf das Coronavirus getroffen. Aber es wird heißen mit Rückblick auf die heutige Lage: Wir mussten ab 2020 immer weiter Geld drucken, denn das durch das Coronavirus angegriffene und “eigentlich gesunde” Finanzsystem musste ja “ausnahmsweise” gestützt werden.

By the way… Sie finden beim Klick an dieser Stelle einen interessanten Artikel von Hannes Zipfel, warum die Geldanlage jetzt ganz neu gedacht werden muss.

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    olli

    12. März 2020 13:46 at 13:46

    hm Gold kommt nicht aus dem Knick, und Krypto den Bach runter. Will jemand TINA für den Aktienmarkt Nachdruck verleihen?

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    Übelkeit

    12. März 2020 14:33 at 14:33

    Deflationärer-Schock + Margin-Calls. Da wird alles abverkauft.

    Die Zinsen fallen seit Jahrzehnten Richtung 0. Genauso wie man dem Corona-Virus nicht die Schuld geben kann, so ist eben auch der Euro nicht der Sündenbock, sondern der Versuch sich vom restlichen System abzuschotten (Wettbewerbsverweigerung). Das muss man auch erst einmal verstehen.

    Dieses Finanzsystem ist eine Einbahnstraße und am Ende wartet der große Aufprall. Es gibt keine Möglichkeit umzudrehen, wenn man einmal hineinfährt. Die Eliten müssten dafür sorgen, dass die Vermögenskonzentration abnimmt. Das wird nicht passieren, daher wird ein Crash das Ungleichgewicht ausgeleichen, auch wenn die ärmere Bevölkerung am meisten leiden wird.

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    Hinterfrager

    12. März 2020 14:37 at 14:37

    Außerdem wird der Irrsinn einer bis in die letzte just-in-time-Optimierungspotenz durchstrukturierten Globalisierung, bei der Fälle wie diese ja offensichtlich nie näher betrachtet wurden, wohl auch im weiteren Verlauf nicht ernsthaft hinterfragt werden.

    Wie weit lehrbuchhafte Ratschläge seitens “rennommierter” Wirtschaftswissenschaftler in der Coronakrise von der realen Welt entfernt liegen, zeigen Einlassungen von Herrn Fratzscher & Co. in den letzten Tagen: Da sollen Steuern gesenkt und Konjunkturprogramme aufgelegt werden. Na klar, weil man damit ganz trefflich leere Geschäfte, Restaurants, Hotels und Veranstaltungsorte wiederbeleben, Bahnen und Flugzeuge wieder füllen und aufgrund von Ansteckungen geschlossene Büros und Produktionsstätten wieder öffen kann…

  4. Pingback: Must-Read! Aktuelles vom 12. März 2020 – Teil 2 | das-bewegt-die-welt.de

  5. Pingback: Coronavirus: Warum die Krise für Finanzsystem und Politik ein Glücksfall ist – Unser Geld- und Zinssystem

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    Jürgen H sgh

    12. März 2020 22:00 at 22:00

    Totale Wahrheit
    Mir (77) seit 2wochen schon bewußt
    War in DDR ü 20 Jahre ve Industrie Planer und AV (modernes pps/ü100 PC)
    15 Jahre priv Handwerk HSL
    Die Finanzwelt erledigt nun global alles
    Geld verschwindet nicht, das hat jemand die nun glauben Die Welt zu retten
    Schade für unsere urenkel

  7. Avatar

    Piraten Kapitän

    13. März 2020 17:22 at 17:22

    Ich denke wir sollten das Helikoptergeld einführen und Geld an alle Bürger ausschütten um so den privaten Konsum anzukurbeln !

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    sabine

    31. März 2020 17:42 at 17:42

    Auch ist ja der Virus gar keine so große Katastrophe. Die Sterblichkeit absolut hat sich bisher nirgends auch nur geändert. Die Todeszahlen sind viel zu hoch, da oft der Virus gar nicht die Todesursache ist. S. z.B.:

    Prof. Bhakdi von der Uni Mainz.

    Oder Dr. Schiffmann von der Schwindelambulanz Sinsheim (Eine Ambulanzanlaufstelle, wenn man Schwindel hat!).

    • Avatar

      sabine

      31. März 2020 19:11 at 19:11

      “Die Todeszahlen des Virus” im Verhältnis zu dieser absoluten Sterberate.

    • Avatar

      Michael Luka

      10. April 2020 11:32 at 11:32

      Liebe Sabine,
      ich halte solche Leute für gefährlich, die mit erfundenen Zahlen suggerieren, das das Virus harmlos ist und zur Sorglosigkeit im Umgang mit den Mitmenschen ermuntern. Wenn die offiziellen Zahlen auch nur annähernd der Wahrheit entsprechen, möglicherweise sind diese mit Faktor 10 zu multiplizieren, haben wir ein globales Problem. Selbst der König der Narren und sein englischer Pendant haben dies inzwischen begriffen. Sind die Beerdigungen in den Parks von NY ein Fake ? Die vielen infizierten und verstorbenen Ärzte und ihre Helfer auch ? Wir stehen erst am Anfang der Pandemie. Lassen Sie sich überraschen. Angst war schon immer ein guter Ratgeber, Scharlatane nicht. In einem haben die Verharmloser natürlich recht: Wir alle werden eines Tages sterben, woran auch immer….

  9. Pingback: Wird das Denken anderen überlassen? Verschwörungstheorien, Fake News, Mainstream und Corona – anjas-weg.de

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Banken vor großer Krise: 127 Milliarden Ausfälle drohen, Baukredit-Boom endet

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Hochhäuser zahlreicher Banken in Frankfurt

Den deutschen Banken steht wohl ab Herbst eine große Krise bevor. Oder anders formuliert: Sie ist wohl schon längst da, wird aber ab Herbst erst richtig sichtbar! Die Buchautorin und Finanzjournalistin Jessica Schwarzer erwähnt im folgenden aktuellen Interview, dass Wirtschaftsforscher davon ausgehen, dass auf Banken Kreditausfälle von mindestens 127 Milliarden Euro zukommen können. Das folgende Video gibt grundsätzlich einen aufschlussreichen Ausblick über die anstehende Krise bei den deutschen Banken.

Banken mit massenweise Stundungen

Jüngst wurde von 70.000 Kredit-Stundungen alleine bei der Deutschen Bank berichtet im Zuge der Coronakrise. Es ist verständlich. Millionen Kurzarbeiter, mehr Arbeitslose, viele Selbständige vor dem Nichts. Da nimmt man die gesetzlichen Möglichkeiten einer mehrmonatigen Stundung seiner Kreditzahlungen gerne in Anspruch. Aber auch bei der Commerzbank und den Sparkassen hört man offenbar von jeder Menge Stundungen. Klar, es wird flächendeckend alle Banken betreffen, die Konsumentenkredite vergeben.

Wir haben die letzten Monate schon mehrmals darüber berichtet, und weisen jetzt erneut darauf hin. Wie kaputt die Bücher der deutschen Banken bereits sind, weiß niemand. Der staatlich genehmigte “bilanzielle Betrug” (so nannte es Markus Krall) wurde jüngst von Ende Juni bis Ende September verlängert. Von März bis Ende September sind Banken nicht verpflichtet, gestundete Kredite als Kreditausfall in ihren Büchern zu deklarieren. Also, offiziell keine Verluste, sondern saubere, werthaltige Kreditforderungen – offiziell, wie gesagt. Und ab Oktober? Entweder der Staat verlängert diese Regelung, oder ab Oktober könnten gigantische Milliarden-Löcher in den Büchern der Banken sichtbar werden, die jetzt wohl schon vorhanden sind.

Bundesbank mit aktuellen Umfragedaten

Von der Bundesbank liegen aktuell Umfragedaten von deutschen Banken vor. Daraus geht hervor, dass die Banken ihre Kreditrichtlinien verschärfen. Zitat Bundesbank:

Die befragten Banken verschärften die Kreditrichtlinien (d. h. die internen Richtlinien oder Kriterien einer Bank für die Gewährung von Krediten) im Unternehmenskreditgeschäft erneut in größerem Umfang (Nettoanteil von +9 % der befragten Banken nach netto +13 % der Banken, die im Vorquartal die Richtlinien verschärft hatten). Auch bei den Kreditvergaberichtlinien für private Wohnungsbaukredite (Nettoanteil von +21 % der befragten Banken, nach +3 % im Vorquartal) und Konsumenten- und sonstige Kredite (Nettoanteil von +20 % der befragten Banken, nach +10 % im Vorquartal) schlagen sich die Auswirkungen der Pandemie in strengeren Vergabemaßstäben nieder. Für die kommenden drei Monate planen die Banken keine nennenswerten Änderungen der Standards in allen erfragten Bereichen. Gleichzeitig verschärften die befragten Institute die Kreditbedingungen (d. h. die in den Kreditverträgen vereinbarten tatsächlichen Bedingungen für die Gewährung von Krediten) in allen erfragten Geschäftsfeldern. Als Hauptgründe für die Verschärfung der Kreditstandards und -bedingungen nannten die Institute das höher eingeschätzte Kreditrisiko sowie eine geringere Risikotoleranz.

Die Coronakrise schlägt auf die Praxis im Kreditgeschäft durch, was man ganz klar aus den Worten der Bundesbank herauslesen kann. So scheint der Kreditboom bei Immobilienkrediten erst einmal vorbei zu sein. Zitat Bundesbank:

Die Nach­fra­ge nach Woh­nungs­bau­kre­di­ten ging erst­ma­lig seit Ende 2017 zu­rück, wenn­gleich der Rück­gang deut­lich schwä­cher aus­fiel als im Vor­quar­tal er­war­tet wor­den war. Auch bei den Kon­su­men­ten- und sons­ti­gen Kre­di­ten kam es zu einem kräf­ti­gen Nach­fra­ge­rück­gang. Nach An­ga­ben der Ban­ken waren ein deut­lich ge­sun­ke­nes Ver­brau­cher­ver­trau­en in­fol­ge der Covid-19-Pan­de­mie sowie die Fi­li­al­schlie­ßun­gen der Ban­ken wäh­rend des Lock­down die we­sent­li­chen Grün­de für die ge­rin­ge­re Kre­dit­nach­fra­ge sei­tens der pri­va­ten Haus­hal­te. Für die kom­men­den drei Mo­na­te er­war­ten die Ban­ken einen wei­te­ren An­stieg der Nach­fra­ge nach Un­ter­neh­mens­kre­di­ten, einen er­neu­ten Nach­fra­ge­rück­gang bei den pri­va­ten Woh­nungs­bau­kre­di­ten und eine Zu­nah­me des Mit­tel­be­darfs bei Kon­su­men­ten- und sons­ti­ge Kre­di­ten. Der An­teil der ab­ge­lehn­ten Kre­dit­an­trä­ge stieg in­fol­ge der ge­straff­ten Kre­dit­ver­ga­be­maß­stä­be und auch wegen einer ver­schlech­ter­ten Bo­ni­tät der An­trag­stel­ler in­fol­ge der wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen der Co­ro­na-Pan­de­mie in allen Kre­dit­seg­men­ten deut­lich an.

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Warum in Euroland erst einmal keine Inflation droht

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Die EZB sprach jüngst in Szenarien eher von drohender Deflation statt Inflation (mehr dazu hier). Zahlreiche kritische Zeitgeister wie Markus Krall und Dirk Müller (hier zu den dramatischen Corona-Folgen) sprechen von einer bevorstehenden kräftigen Inflation, oder sogar Hyperinflation. Warum sie “erst einmal” nicht ansteht, dazu liefert, so meine ich, das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) aktuell eine sehr interessante und einfach zu verstehende Denkschrift. Dabei geht es auch viel um das einfache, nachvollziehbare Verhalten der Bürger (Konsumenten) in und nach der Krise.

Erstmal Deflation statt Inflation

Zahlreiche Südländer in Europa sind schon in der Deflation (14 Euro-Länder im Monat Mai). Das ist nachvollziehbar. Denn wenn der Großteil der Touristen den Stränden fern bleibt, passiert was? Richtig, die Anbieter senken die Preise drastisch um die Touristen anzulocken. Hotels, Getränke, Ausflüge. Alles wird verbilligt angeboten, um zum Konsumenten zu animieren. Dazu sagt das IW, Zitat:

Besonders betroffen von der zurückhaltenden Nachfrage sind unter anderem das Gastgewerbe und der Tourismus. Viele Reisen konnten und können nicht stattfinden, darunter leiden besonders Länder, die sich auf den Tourismus spezialisiert haben. Das hat Folgen für die Inflation: Sinkt die Nachfrage, sinken gewöhnlich auch die Preise. Die fehlenden Touristen waren unter anderem ein Grund, warum die Preise in Griechenland im Juni um 1,7 Prozent und in Zypern um 2,5 Prozent einbrachen. Deflation zeigt sich aber auch in Estland und Lettland. In Italien sanken die Preise um 0,4 Prozent und in Spanien um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Aber auch zuhause ist es eine klare einfache Sache. Man braucht nur online zu surfen oder in die Innenstädte zu gehen. Nichts mit Inflation. Rabatte überall, und dazu nun auch noch die Mehrwertsteuersenkung, die zahlreiche Einzelhändler auch tatsächlich weitergeben. Dies senkt die Preise gleich doppelt (hier offizielle Berechnungen), was die Angst vor der Inflation erst recht in weite Ferne rücken lässt. Und wollen die Konsumenten einfach nicht konsumieren, müssen die Preise eben noch weiter runter gehen, bis man der Verlockung nicht mehr widerstehen kann? Dazu das IW, Zitat:

Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass die Deutschen weniger Geld ausgeben. Umsätze sind ausgefallen, durch Kurzarbeit schrumpft das Einkommen – entsprechend überlegen sich viele ganz genau, was sie kaufen und welche Ausgaben sie vielleicht lieber verschieben. Zudem besuchen die Bundesbürger weniger Geschäfte, Cafés oder Restaurants, um sich nicht anzustecken. Auch das Homeoffice senkt die monatlichen Ausgaben, beispielsweise, weil sich das Mittagessen vergleichsweise günstig zuhause kochen lässt. Insgesamt sinken die Ausgaben dadurch stärker als die Einkommen. Dieser allgemeine Trend zeigt sich bereits in der Sparquote der Haushalte: Während in Deutschland im vierten Quartal 2019 noch fast 18 Prozent des verfügbaren Einkommens gespart wurden, so waren es im ersten Quartal 2020 fast 24 Prozent.

Kommt die Inflation doch noch?

Tja, wird die Inflation doch noch “über uns kommen”? Denn wo die Bürger jetzt möglichst viel auf die hohe Kante legen aus Angst vor der Ungewissheit, da wird es zukünftig womöglich einen Nachholeffekt beim Konsum geben, was die Preise antreiben wird? Dazu IW, Zitat:

Fallende Preise sind nur auf den ersten Blick vorteilhaft für Konsumenten. Wer davon ausgeht, dass die Preise weiter fallen, schiebt alle Käufe auf, die nicht dringend notwendig sind. Das wiederum sorgt dafür, dass die Umsätze der Unternehmen weiter schrumpfen und sich eine Wirtschaftskrise verfestigen kann. In der aktuellen Situation wäre das sehr problematisch, weshalb die Europäische Zentralbank versucht, mit einer sehr expansiven Geldpolitik eine Deflation zu vermeiden.

Vermutlich wird die Geldpolitik in der aktuellen Situation erfolgreicher sein als bei der Bekämpfung der Deflation im Jahr 2015. Denn anders als damals sparen die Haushalte nicht, um Schulden abzubauen, sondern weil viele das Geld durch die Vermeidung einer Ansteckung mit dem Corona-Virus nicht ausgeben können. Dieses Geld werden sie aber wieder ausgeben – zumindest sobald etwas mehr Zuversicht besteht und absehbar ist, dass die Pandemie langfristig unter Kontrolle ist. Dann werden sich auch die Inflationsraten wieder normalisieren.

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Kreditausfälle und die Deutsche Bank – bilanziell ist das gar kein Problem!

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Drohen Kreditausfälle? In den USA beginnt die Berichtssaison mit den Großbanken. Da lohnt es sich doch auch Mal ein Blick auf die Deutsche Bank zu werfen. Wie heute Morgen gemeldet, aber bereits von vielen vermutet, steigen die Zahlen an möglichen Kreditausfällen drastisch. Die Deutsche Bank berichtet, dass circa 70.000 Stundungsanträge von Privatkunden bei der Deutschen Bank und der Postbank bereits eingegangen sind.

Viele Kunden können aufgrund der Corona-Krise ihre Kredite nicht bedienen. Zwar steigt die Zahl nicht mehr so rapide wie noch im Frühjahr, aber ein langsamer Anstieg ist immer noch zu verzeichnen. Wie wir bereits vor drei Wochen berichtet haben, hat das aber erstmal keinen negativen Effekt auf die Bilanz. Grund dafür ist, dass die Stundung von Krediten während der Corona-Krise gesetzlich ermöglicht wurde.

Die Bankenaufsicht verlängert den „legalen Bilanzbetrug“

Im März tätigte die Bankenaufsicht die ausschlaggebende Aussage, die bei der Deutschen Bank, aber auch bei allen anderen Banken, sicherlich einen Freudensprung ausgelöst hat. Die Bafin meldete, dass ein Schuldner „nicht zwingend als ausgefallen einzustufen ist, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden”. Anders gesagt, Banken brauchen die Kredite nicht mehr abschreiben, dadurch sehen die Bilanzen weiterhin hübsch aus. Die Kreditausfälle werden in den Bilanzen einfach nicht als Solche gewertet.

Die Banken können also wertlose Kredite als werthaltige Vermögenswerte in den Büchern verbuchen. Diese Regelung wurde von der EBA um 3 Monate verlängert und gilt noch bis Ende September. Was danach passiert, steht noch nicht fest. Aber eine Verlängerung bis zum Ende des Jahres würde Sinn machen. Damit könnte man nämlich in der Jahresbilanz wunderbare gesunde Kredite präsentieren.

Großbanken in den USA droht eine Welle an Kreditausfällen

Wegen der Corona-Krise können auch immer mehr Amerikaner ihre Kredite nicht zurückzahlen, zudem gehen etliche Firmen Pleite. Das spüren insbesondere die Banken. In dieser Woche starten die Großbanken mit der Berichtssaison, dann werden wir die genauen Auswirkungen feststellen können. Man geht davon aus, dass die Institute durchschnittlich 70 Prozent Gewinneinbruch zu verzeichnen haben, das prognostiziert der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank. Der Hauptgrund dafür sind die drastisch steigenden Kreditausfälle von Unternehmen und Privatkunden. Analysten gehen davon aus, dass bei den sechs größten US-Banken die Rückstellungen für faule Kredite daher auf fast 32 Milliarden Dollar ansteigen. Die Summe muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Damit hätte sich der Wert im Vergleich zum Vorjahr versechsfacht.

Nicht nur die wachsenden Kreditausfälle, sondern auch die sinkenden Zinsen setzen den US-Banken zu. Wie Kostolany schon vor etlichen Jahren gesagt hat, die tatsächliche Stärke der Wirtschaft und Börsen erkennt man an dem Zustand der Banken. Zwar sind die Börsen seit dem März-Tief enorm gestiegen und haben eine V-Erholung hingelegt, aber schaut man sich nur den Bankensektor an, dann hinkt dieser ein großes Stück hinterher. Man kann mit Spannung die Offenlegung der Bilanzen verfolgen. Diese Woche wird uns gewiss einen Einblick über den Zustand der Banken gewähren.

Die Deutsche Bank leidet wie viele Banken an Kreditausfällen

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