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Coronavirus: Warum die Krise für Finanzsystem und Politik ein Glücksfall ist

Claudio Kummerfeld

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am

Ein Koffer voll mit Dollars - Coronavirus als Sündenbock für das Finanzsystem

Warum soll das Coronavirus ein Glücksfall sein für unser Finanzsystem und für unsere Politik? Wie bitte? Gleich vorab. Es geht mir an dieser Stelle nicht um die kurzfristige Betrachtung der aktuellen Situation. Es geht mir um das große Ganze, den Ausblick auf die nächsten Jahre, und von der Zukunft aus gesehen um den Rückblick auf die aktuelle Situation! Und die ist dramatisch, keine Frage. Der Dax ist gerade sogar ganz frisch unter die Marke von 10.000 Punkten gerutscht. Die Fed hat erst letzte Nacht gigantische Geldsummen in den Markt gepumpt, Donald Trump verhängt einen 30-tägigen Einreisestopp für Europäer in die USA (hier dazu der aktuellste Kommentar von Markus Fugmann). Fluggesellschaften, Hotels, Messebauer, Industrieunternehmen, Gastronomie uvm werden massive Umsatzverluste erleiden. Unternehmenspleiten und eine Rezession sind in vielen Ländern wohl unausweichlich. Also, was soll daran bitteschön gut sein?

Blick zurück auf die letzte Finanzkrise

Dazu lohnt es sich einen Blick zurück auf die letzte Finanzkrise rund um das Jahr 2008. Alles lief vorher doch bestens. Zumindest dachte man das, denn die Wirtschaft lief bestens, jeder Amerikaner war in Lohn und Brot, hatte ein großes Haus, drei Autos, fünf Fernseher usw. Auch in Europa lief es doch ganz gut? Aber es gab eine Hand voll Spinner, die rum nörgelten und vor dem großen totalen Zusammenbruch im Finanzsystem warnten. Die wurden natürlich ausgelacht und in die Clown-Ecke gestellt. Nicht nur wir, sondern auch andere Finanzportale (siehe hier) sind der Meinung, dass der Film „The Big Short“ wie kein anderer die Abläufe perfekt, detailgetreu und gut verständlich erklärt, die zum großen Zusammenbruch 2008 führten. Gier, Dummheit, Inkompetenz und Ignoranz sind mal eben vier Begriffe, die mir in dem Zusammenhang einfallen. Und heute? Da gibt es auch ein paar „Spinner“, die seit Jahren vor einem neuen großen Zusammenbruch warnen. Von den deutschen Leitmedien werden sie hierzulande etwas freundlicher mit dem Begriff „Crash-Prophet“ in die Clown-Ecke gestellt. Dazu gehören unter anderem Marc Friedrich und Matthias Weik (Buch: Der größte Crash aller Zeiten) und Max Otte (Buch: Weltsystemcrash: Krisen, Unruhen und die Geburt einer neuen Weltordnung), aber auch Markus Krall (Buch: Der Draghi-Crash: Warum uns die entfesselte Geldpolitik in die finanzielle Katastrophe führt). Aber wird man ihnen in der  hohen Politik jetzt besser zuhören? Das müsste man doch eigentlich, wo die Börsenkurse jetzt brutal abstürzen, und das Finanzsystem massive Probleme bekommen könnte? Nein, man wird wohl weiterhin Personen wie Herrn Fratzscher vom DIW zuhören. Hoch mit den Staatsausgaben bitte, mehr Geld ins System, immer mehr?

Das Coronavirus ist der ideale Sündenbock für das Finanzsystem

Das aktuelle Finanzsystem lebt unter anderem von massiven schuldenfinanzierten Aktienrückkäufen der Konzerne (vor allem in den USA). Aber vor allem lebt man von ständigen Injektionen der Notenbanken. Krisen sozusagen wegdrucken mit frischem Geld, lautet das Motto. Zinsen runter, Anleihen kaufen, Banken Liquidität zur Verfügung stellen. Alles muss getan werden um Krisen im Keim zu ersticken. Und so erschuf man die letzten Jahre eine gigantische Blase am Markt für Aktien und Immobilien. Aber würde man Politiker und Notenbanker in einigen Wochen oder Monaten fragen, wenn sich die aktuelle Krise rund um das Coronavirus eventuell beruhigt hat, warum die Aktienmärkte so brutal abgestürzt sind, warum diese oder jede Bank in Schieflage gerät, warum es so viele Probleme gibt, dann wird es wohl lauten: Wir hatten doch zehn Jahre lang eine super tolle Konjunktur, das Finanzsystem war ja nach 2008 solide aufgestellt worden – schuld an der Krise war das Coronavirus, das die Volkswirtschaften lähmte. So wird man es verkünden. Das mag zwar oberflächlich richtig sein.

Aber in Wirklichkeit war der Crash längst überfällig, denn die Märkte waren aufgebeläht bis zum Geht nicht mehr durch Aktienrückkäufe und Notenbank-Pumperei. Das Coronavirus war lediglich der Brandbeschleuniger, oder besser gesagt die Nadel, die den Luftballon zum Platzen brachte. Es hätte auch eine andere Nadel sein können als das Coronavirus. Aber, da bin ich mir sicher… es wird rückwirkend heißen, dass dieser Crash ein Corona-Crash war, und dass das Finanzsystem doch völlig in Ordnung war vor dem Ausbruch des Virus in China. Ein perfekter Sündenbock ist dieses Virus. Und weil man diese Krise und diesen Absturz so wunderbar auf das Coronavirus schieben kann, wird Folgendes passieren. Man wird diese Krise mit noch mehr Notenbankgeld weg drucken, oder es zumindest versuchen. Es wird zum Beispiel auf EU-Basis eventuell Ausnahmeregeln vom Maastricht-Vertrag geben, damit vor allem Länder wie Italien so richtig kräftig neue Schulden machen können. Dass das Land auch kurz vor Ausbruch des Coronavirus in einer üblen Rezession steckte, mit kaputten Banken und einem völlig überschuldeten Staat, interessiert dann niemanden mehr. Schuld war halt einfach nur dieses nervige Coronavirus.

Immer weiter drucken

Also, alles festhalten. Es wird weiter verschuldet, gedruckt, gestützt, gerettet. Denn je größer das Problem ist, desto mehr muss man pumpen, drucken, retten? Wie Markus Krall es immer wieder sagt…  vor allem die Politik (damit ist auch die Geldpolitik der Notenbanken gemeint) wollen Krisen nicht mehr zulassen. Sie müssen im Keim erstickt werden. Dadurch summieren sich die Probleme im Finanzsystem immer weiter auf. Sie werden aufgespart, bis es zu einem großen Knall kommt. Hätte man normalen Konjunkturzyklen mit Auf- und Abschwung freien Lauf gelassen, wäre es die letzten Jahre zu normalen wirtschaftlichen Bereinigungen gekommen (kaputte Unternehmen gehen pleite, neue entstehen), und die europäischen Volkswirtschaften wären womöglich moderner, wirtschaftlich resistenter und weniger verschuldet auf das Coronavirus getroffen. Aber es wird heißen mit Rückblick auf die heutige Lage: Wir mussten ab 2020 immer weiter Geld drucken, denn das durch das Coronavirus angegriffene und „eigentlich gesunde“ Finanzsystem musste ja „ausnahmsweise“ gestützt werden.

By the way… Sie finden beim Klick an dieser Stelle einen interessanten Artikel von Hannes Zipfel, warum die Geldanlage jetzt ganz neu gedacht werden muss.

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    olli

    12. März 2020 13:46 at 13:46

    hm Gold kommt nicht aus dem Knick, und Krypto den Bach runter. Will jemand TINA für den Aktienmarkt Nachdruck verleihen?

  2. Avatar

    Übelkeit

    12. März 2020 14:33 at 14:33

    Deflationärer-Schock + Margin-Calls. Da wird alles abverkauft.

    Die Zinsen fallen seit Jahrzehnten Richtung 0. Genauso wie man dem Corona-Virus nicht die Schuld geben kann, so ist eben auch der Euro nicht der Sündenbock, sondern der Versuch sich vom restlichen System abzuschotten (Wettbewerbsverweigerung). Das muss man auch erst einmal verstehen.

    Dieses Finanzsystem ist eine Einbahnstraße und am Ende wartet der große Aufprall. Es gibt keine Möglichkeit umzudrehen, wenn man einmal hineinfährt. Die Eliten müssten dafür sorgen, dass die Vermögenskonzentration abnimmt. Das wird nicht passieren, daher wird ein Crash das Ungleichgewicht ausgeleichen, auch wenn die ärmere Bevölkerung am meisten leiden wird.

  3. Avatar

    Hinterfrager

    12. März 2020 14:37 at 14:37

    Außerdem wird der Irrsinn einer bis in die letzte just-in-time-Optimierungspotenz durchstrukturierten Globalisierung, bei der Fälle wie diese ja offensichtlich nie näher betrachtet wurden, wohl auch im weiteren Verlauf nicht ernsthaft hinterfragt werden.

    Wie weit lehrbuchhafte Ratschläge seitens „rennommierter“ Wirtschaftswissenschaftler in der Coronakrise von der realen Welt entfernt liegen, zeigen Einlassungen von Herrn Fratzscher & Co. in den letzten Tagen: Da sollen Steuern gesenkt und Konjunkturprogramme aufgelegt werden. Na klar, weil man damit ganz trefflich leere Geschäfte, Restaurants, Hotels und Veranstaltungsorte wiederbeleben, Bahnen und Flugzeuge wieder füllen und aufgrund von Ansteckungen geschlossene Büros und Produktionsstätten wieder öffen kann…

  4. Pingback: Must-Read! Aktuelles vom 12. März 2020 – Teil 2 | das-bewegt-die-welt.de

  5. Pingback: Coronavirus: Warum die Krise für Finanzsystem und Politik ein Glücksfall ist – Unser Geld- und Zinssystem

  6. Avatar

    Jürgen H sgh

    12. März 2020 22:00 at 22:00

    Totale Wahrheit
    Mir (77) seit 2wochen schon bewußt
    War in DDR ü 20 Jahre ve Industrie Planer und AV (modernes pps/ü100 PC)
    15 Jahre priv Handwerk HSL
    Die Finanzwelt erledigt nun global alles
    Geld verschwindet nicht, das hat jemand die nun glauben Die Welt zu retten
    Schade für unsere urenkel

  7. Avatar

    Piraten Kapitän

    13. März 2020 17:22 at 17:22

    Ich denke wir sollten das Helikoptergeld einführen und Geld an alle Bürger ausschütten um so den privaten Konsum anzukurbeln !

  8. Avatar

    sabine

    31. März 2020 17:42 at 17:42

    Auch ist ja der Virus gar keine so große Katastrophe. Die Sterblichkeit absolut hat sich bisher nirgends auch nur geändert. Die Todeszahlen sind viel zu hoch, da oft der Virus gar nicht die Todesursache ist. S. z.B.:

    Prof. Bhakdi von der Uni Mainz.

    Oder Dr. Schiffmann von der Schwindelambulanz Sinsheim (Eine Ambulanzanlaufstelle, wenn man Schwindel hat!).

    • Avatar

      sabine

      31. März 2020 19:11 at 19:11

      „Die Todeszahlen des Virus“ im Verhältnis zu dieser absoluten Sterberate.

    • Avatar

      Michael Luka

      10. April 2020 11:32 at 11:32

      Liebe Sabine,
      ich halte solche Leute für gefährlich, die mit erfundenen Zahlen suggerieren, das das Virus harmlos ist und zur Sorglosigkeit im Umgang mit den Mitmenschen ermuntern. Wenn die offiziellen Zahlen auch nur annähernd der Wahrheit entsprechen, möglicherweise sind diese mit Faktor 10 zu multiplizieren, haben wir ein globales Problem. Selbst der König der Narren und sein englischer Pendant haben dies inzwischen begriffen. Sind die Beerdigungen in den Parks von NY ein Fake ? Die vielen infizierten und verstorbenen Ärzte und ihre Helfer auch ? Wir stehen erst am Anfang der Pandemie. Lassen Sie sich überraschen. Angst war schon immer ein guter Ratgeber, Scharlatane nicht. In einem haben die Verharmloser natürlich recht: Wir alle werden eines Tages sterben, woran auch immer….

  9. Pingback: Wird das Denken anderen überlassen? Verschwörungstheorien, Fake News, Mainstream und Corona – anjas-weg.de

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Inflation, Bitcoin, Aktien: Beck gegen Marc Friedrich

Markus Fugmann

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Kommt bald die Inflation – und was wird mit Aktien oder Bitcoin passieren? Bedeutet Inflation gleichzeitig, dass Bitcoin und Aktien und auch Rohstoffe steigen werden?

Bitcoin, Aktien und Inflation – was wird passieren?

Derzeit gehen fast alle davon aus, dass die Inflation anziehen wird: mit dem Impfstoff werde sich das Corona-Problem erledigen, woraufhin die Nachfrae anziehen werde, was dann wiederum Inflation mit sich bringe (der Reflations-Trade). Diese Inflation zeigt sich bereits bei den Asset-Preisen vor allem bei Immobilien, mit gewissen Abstrichen auch bei Aktien (vor allem aus dem US-Tech-Sektor). Sind Aktien inzwischen zu teuer?

Der Potzfolioverwalter Andreas Beck bringt die Dinge in einem Interview mit Marc Friedrich in Relation: er hält Immobilien für zu teuer (aufgrund des demografischen Wandels – der ab dem Jahr 2025 kippen wird), bei Aktien sei das „Glas halbvoll“ – während er Bitcoin für eine „Thema-Verfehlung“ hält („Bitcoin ist ein Anrecht für nichts auf niemanden“) und dabei auf eine russische Firma verweist, die dafür ein Muster gegeben hat (was für den Bitcoin-Gläubigen Marc Friedrich schwer zu ertragen ist!). Andreas Beck gegen Marc Friedrich – wer hier die besseren Argumente hat, könne Sie entscheiden. So sagt Andreas Beck zu Bitcoin: „Was nichts ist, kann nicht knapp sein“ – und demaskiert damit das Argument der Bitcoin-Jünger!

 

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Inflation, Aktien und Bitcoin - Marc Friedrich gegen Andreas Beck

 

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Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlen? EU-Urteil liegt vor – mit erstaunlicher Begründung

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Scheine Euro Bargeld

Darf der deutsche Michel darauf bestehen, dass er seinen Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlt, und nicht per Banküberweisung oder Lastschrift? Deswegen war der Wirtschaftsexperte und Journalist Norbert Häring durch alle Instanzen gegangen, und landete vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Seine Klage basierte auf dem Bundesbankgesetz, welches Bargeld als uneingeschränktes gesetzliches Zahlungsmittel ansieht – womit impliziert werden könnte, dass alle öffentlichen Einrichtungen gezwungen sind Zahlungen in bar zu akzeptieren.

Panische Angst vor Zahlung mit Bargeld?

Aber es ist klar. Die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten wehren sich mit allen Mitteln gegen die Bargeldzahlung. Man stelle sich vor hunderttausende unzufriedene Gebührenzahler würden von diesem Recht Gebrauch machen, und bei den Anstalten vor Ort mit 1 Cent Münzen zahlen, aus Protest. Der Verwaltungsaufwand wäre gigantisch. Und jetzt wird es spannend. Der Europäische Gerichtshof hat heute sein Urteil gefällt (hier im Wortlaut nachzulesen). Gleich die Headline zeigt die erstaunliche Argumentation der Richter. Sie argumentieren nämlich nicht mit Inhalten, sondern begründen ihr Urteil damit, ob die Auswirkungen für die betroffenen Einrichtungen (ARD und ZDF) verwaltungstechnisch umsetzbar sind. Zitat EuGH:

Ein Mitgliedstaat des Euro-Währungsgebiets kann seine Verwaltung zur Annahme von Barzahlungen verpflichten, aber er kann diese Zahlungsmöglichkeit auch aus Gründen des öffentlichen Interesses beschränken. Eine solche Beschränkung kann insbesondere gerechtfertigt sein, wenn die Barzahlung aufgrund der sehr großen Zahl der Zahlungspflichtigen zu unangemessenen Kosten für die Verwaltung führen kann.

Also: Das EU-Gericht verweist die letztliche Entscheidung zurück an den Bundesgerichtshof. Aber der erhält von den EU-Richtern de facto eine Vorlage für eine Entscheidung gegen die Zahlung mit Bargeld. Nämlich in dem man sagt: Bei potenziell hunderttausenden oder Millionen Barzahlern des Rundfunkbeitrags werden die Verwaltungskosten derart hoch sein, dass dies zu ernsthaften Problemen für die Rundfunkanstalten führt. Daher wäre es angemessen für Deutschland ein Barzahlungsverbot auszusprechen. So darf man den zweiten Satz aus der Headline-Aussage des Urteils interpretieren. Und man darf vermuten, dass die deutschen Richter diesen Hinweis auch genau so aufnehmen und in ihr Urteil einfließen lassen werden. Also wird es (vermutlich) keine wirklich inhaltliche Begründung für die bevorstehende Ablehnung der Bargeldzahlung in Deutschland geben, sondern nur eine verwaltungstechnische. Das ist ziemlich armselig, so möchte ich es ausdrücken!

Der Klageführer Norbert Häring hat dazu vor wenigen Minuten seinen eigenen Kommentar veröffentlicht (hier nachzulesen). Die Richtung der deutschen Richter dürfte klar sein. Reihenweise könnten Beitragszahler auf Barzahlung bestehen, also wäre der Verwaltungsaufwand für ARD und ZDF bei nur 17,50 Euro pro Beitragszahler nicht mehr verhältnismäßig. Man kann das endgültige Urteil der deutschen Richter schon Monate im Voraus am Horizont sehen, bevor es ausgesprochen wurde. Hier auszugsweise im Wortlaut aus dem heutigen EuGH-Urteil die wohl wichtigsten Aussagen:

In einem zweiten Schritt stellt der Gerichtshof fest, dass der Status der Euro-Banknoten und -Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel zwar grundsätzlich eine Verpflichtung zur Annahme dieser Banknoten und Münzen impliziert, diese Verpflichtung aber von den Mitgliedstaaten grundsätzlich aus Gründen des öffentlichen Interesses eingeschränkt werden kann, vorausgesetzt, dass diese
Einschränkungen im Hinblick auf das verfolgte Ziel von öffentlichem Interesse verhältnismäßig sind, was u. a. bedeutet, dass andere rechtliche Mittel für die Begleichung von Geldschulden verfügbar sein müssen.

Insoweit weist der Gerichtshof darauf hin, dass es im öffentlichen Interesse liegt, dass die Begleichung von Geldschulden gegenüber öffentlichen Stellen dergestalt erfolgen kann, dass diesen keine unangemessenen Kosten entstehen, die sie daran hindern würden, ihre Leistungen kostengünstiger zu erbringen. Daher kann der Grund des öffentlichen Interesses, der sich aus der Notwendigkeit ergibt, die Erfüllung einer hoheitlich auferlegten Geldleistungspflicht zu gewährleisten, eine Beschränkung der Barzahlungen rechtfertigen, insbesondere, wenn die Zahl der Beitragspflichtigen, bei denen die Forderungen einzutreiben sind, sehr hoch ist.

Es ist jedoch Sache des Bundesverwaltungsgerichts, zu prüfen, ob eine solche Beschränkung im Hinblick auf das Ziel des tatsächlichen Einzugs des Rundfunkbeitrags verhältnismäßig ist, insbesondere in Anbetracht dessen, dass die anderen rechtlichen Zahlungsmittel möglicherweise nicht allen beitragspflichtigen Personen leicht zugänglich sind.

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Exporte koppeln sich ab vom Lockdown-Pessimismus

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

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Hamburger Hafen

Man hört es dieser Tage öfter, und es ist auch logisch nachvollziehbar. Der zweite deutlich längere Corona-Lockdown sorgt für eine Abwärts-Revision bei der Erwartung für die deutsche Wirtschaftsleistung (siehe hier neue Prognose von Seiten der Bundesregierung). Immer mehr Unternehmen und Kleinst-Unternehmer aus den Bereichen Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Urlaub werden wohl den Bach runtergehen. Aber gleichzeitig läuft die deutsche Industrie sowie Exportwirtschaft auf Hochtouren. Die folgende Grafik zeigt seit dem Jahr 2014 die Erwartungen an die deutschen Exporte aufgrund von heute veröffentlichten Daten des ifo-Instituts.

Noch vor der Krise bei einem Wert von 0, liegen die Erwartungen für die deutschen Exporte aktuell bei +6 Punkten, nach +1,9 Punkten im Dezember. Das ist der beste Wert seit Oktober. Klarheit beim Brexit und der US-Präsidentschaft, eine robuste Industriekonjunktur
und der weltweite Impfstart führten laut ifo-Institut zu einem vorsichtigen Optimismus in der deutschen Exportwirtschaft. Deutliche Zuwächse beim Export würden die Hersteller von Computern und elektrischen Ausrüstungen erwarten. Auch die Unternehmen aus dem Bereich des Maschinenbaus und der Chemischen Industrie blicken zuversichtlich auf ihre künftigen Exporte. Bei den Herstellern von Nahrung und Getränken haben sich die Erwartungen deutlich erholt. Gegenwärtig gehen sie von einem konstanten Exportgeschäft aus. Schwierig bleibt laut ifo der Auslandsmarkt für die Bekleidungsindustrie. Auch die Möbelhersteller gehen von rückläufigen Auslandsumsätzen aus.

Grafik zeigt Erwartungen an deutsche Exporte seit dem Jahr 2014

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