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Coronavirus: Kann Deutschland eine zweite Welle vermeiden?

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Die aktuellen Vorfälle auf dem Xinfadi-Markt in Peking bringen das Thema schlagartig wieder auf den Radar: Das Coronavirus ist auch in China, wo es angeblich nur noch ganz wenig „active cases“ gegeben haben soll, nicht besiegt.

Während die Zahlen der aktiven Infektionen mit dem Coronavirus in Deutschland und Europa beständig sinken, wird deshalb unaufhörlich vor einer zweiten Welle gewarnt. Man gewinnt jede Woche neue Erkenntnisse über das Virus und die Art seiner Ausbreitung, aber selbst der führende Virologe Deutschlands spricht bereits von der Möglichkeit, dass unser Land eine zweite oder dritte bedeutsame Welle verhindern könne. Wie ist die Lage, viereinhalb Monate nach dem Auftreten des ersten Coronafalls bei einem Mann aus dem Landkreis Starnberg?

Coronavirus: Der stetige Rückgang der aktuellen Infektionen

Es ist für manche schon eine tägliche Gewohnheit, auf die Statistikzahlen des Robert-Koch-Instituts oder der John-Hopkins-Universität mit den aktuellen Infektionszahlen zu blicken. Obwohl man schon im April immer wieder vor der ominösen Reproduktionszahl R >1 gewarnt wird, gehen die aktiven Fälle beständig zurück. Deutschland wird in der westlichen Welt oft als positives Beispiel erwähnt, insbesondere in den USA.

Von etwa 188.000 Infektionen mit dem Coronavirus gesamt haben wir derzeit noch in etwa 6600 aktuelle Fälle, also nicht einmal mehr jeder zehntausendste Bundesbürger. Das Robert-Koch-Institut rechnete noch vor einem Monat damit, dass sich die Zahl der Infektionen pro Tag bei etwa 1000 einpendeln könnte. Mittlerweile sind wir unter 400 angelangt.

Glücklicherweise haben sich all die Befürchtungen nach den Lockerungen nach Ostern, zum Beispiel bei der Öffnung von Handel und Gastronomie, nicht bewahrheitet. Die Zahl der aktiven Fälle hatte in Deutschland am 6. April mit 72.665 Personen ihren Höhepunkt erlebt, am gestrigen Tag bei der erwähnten Fallzahl und in über 100 deutschen Städten und Landkreisen war in den letzten Tagen kein einziger neuer Infektionsfall aufgetreten.

Die active cases mit dem Coronavirus

Das Coronavirus in Deutschland

Noch positiver sind die Zahlen in anderen europäischen Ländern – Aktive Fälle:

Österreich (373), Schweiz (379), Dänemark (528), Norwegen (251), Finnland (578) und selbst im ehemaligen Hotspot Italien ist man vom Höhepunkt der Zahlen mit über 108.000 aktuell mit dem Coronavirus Infizierten bereits bei 26.274 angelangt.

Und in der Welt?

Auch wenn die Gesamtzahlen weiter steigen, gehen in den Industriestaaten (auch in den USA) die Zahlen bei den Genesenen schneller in die Höhe, als die Zahl der Neuinfizierten. Die USA haben zwar bereits über 2,1 Millionen Covid-19-Fälle, aber die Zahl der „Recovered“ rennt auf die Ein-Millionengrenze, die man bereits in der nächsten Woche erreichen wird.

Superspreading, die Hauptursache für die große Verbreitung des Coronavirus

Das Verbot von Massenveranstaltungen war wahrscheinlich der Haupttreiber für eine Verringerung der massenhaften Ausbreitung des Coronavirus. Die meisten Infizierten sind gar nicht so ansteckend, wie immer mehr Studien zeigen (wie zum Beispiel die Studie in Heinsberg durch Professor Streeck). Viele kennen mittlerweile schon Familien, in denen sich Angehörige nicht bei einem Infizierten angesteckt haben, obwohl man tagelang in der gleichen Wohnung gelebt hat.

Selbst bei Paaren, wo der wohl intensivste Austausch von Aerosolen stattfinden muss, nachgewiesen bei Antikörpertests. Es sind bestimmte Menschen, so genannte Superspreader, die Hunderte andere mit edm Coronavirus anstecken können – und das ist bei Massenveranstaltungen genau die Problematik. Nachgewiesen schon im Februar bei einer Superspreaderin in Daegu (Südkorea) in einer kirchlichen Sekte, bei einem Discjockey in einer Apres-Skibar in Ischgl, bei Groß-Gottesdiensten im französischen Mulhouse, im Fasching in Heinsberg – aber auch schon dort, wo in geschlossenen Räumen gesungen wird, in Gottesdiensten oder bei Chören.

Aber mit den aktuellen Maßnahmen kann man diese Gefahr minimieren, sie lokal eingrenzen und die exponentielle Verbreitung des Coronavirus verhindern. Die 400 Gesundheitsämter in Deutschland sind sich alle dieser Sachlage bewusst.

Das Thema Dunkelziffer

Wir haben weltweit die Infiziertenzahl von 8 Millionen Menschen erreicht, das bedeutet, dass bereits jeder Tausendste Erdenbürger sich „offiziell“ mit dem Coronavirus infiziert hat. Aber muss die Zahl der wirklich Infizierten nicht um ein Vielfaches höher liegen, vor allen in Metropolen, in denen ein Social Distancing gar nicht möglich war? Wie zum Beispiel in Mumbai in Indien, wo die Bevölkerungsdichte um ein Vielfaches höher liegt als selbst in New York.

Für die amerikanische Metropole rechnet man auch bereits mit ein paar Millionen Infizierten und bereits Geheilten, die bei einer zweiten Welle nicht betroffen sein dürften. Neue Untersuchungen bringen neue Erkenntnisse über die wahre Zahl der Infizierten. Im italienischen Bergamo lassen Antikörpertests und Auswertungen von Corona-Apps darauf schließen, dass sich bereits die Hälfte der dortigen Bevölkerung mit dem Coronavirus infiziert hatte. Für ganz Norditalien soll diese Zahl, Wissenschaftlern zufolge, in die Millionen gehen.

Die warme Jahreszeit ist Gift für das Virus, aber….?

Sind nicht gerade erst die Infektionszahlen in Florida und anderen Südstaaten der USA deutlich angestiegen, obwohl es dort sehr hohe Temperaturen gibt – und meldet man nicht aus den heißen Wüstenstaaten Saudi-Arabien, Katar, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten mit die höchsten Infektionszahlen pro Einwohner? Dafür gibt es meines Erachtens eine recht plausible Erklärung. Die Virologen sind sich sehr einig, dass sich die Aerosole besonders in geschlossenen Räumen aggressiv ausbreiten und sitzt man bei brütender Hitze in diesen Regionen nicht in klimatisierten Räumen mit geschlossenen Fenstern, in denen das Coronavirus dann so richtig verteilt wird?

Fazit

Mit jeder Woche der Wiederaufnahme des öffentlichen Lebens bei gleichzeitig zurückgehenden Infektionszahlen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man hierzulande eine „schwerwiegende“ zweite Welle verhindern kann. Wenn selbst der omnipräsente Virologie Professor Drosten diese Möglichkeit immer öfter in den Raum gestellt: Die Reproduktionszahl R >1 bedeutet eben bei 5000 Personen etwas anderes als bei 50.000.

Das Problem dürfte bei der Genehmigung von Massenveranstaltungen, Fußballspielen mit Zuschauern oder Volksfesten und Musikfestivals auftreten, ohne die der Deutsche sicher nicht auf Dauer leben will. Aber wie schaffen es die Japaner im Großraum Tokio mit 35 Millionen Menschen, von denen täglich Millionen mit U-Bahnen und Zügen, eingepfercht, Gesicht an Gesicht stehend, die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten so niedrig zu halten? Nicht einmal mehr als 900 aktuell Infizierte bei einer Bevölkerungszahl von 126 Millionen.

Im Übrigen denke ich, dass die Gefahren bei einer zweiten Welle für die Gefährdeten in Industrieländern um Stufen geringer ausfallen sollten. Ein wesentlicher Anteil für die vielen Todesfälle in New York oder auch in London war der, dass Pfleger/innen in überfüllten U-Bahnen täglich zur Arbeit fuhren, um dann als Infizierte sich ungeschützt in Krankenhäusern und Pflegeheimen um die hochgradig Gefährdeten kümmerten. Nur ein Beispiel, aber der Mensch hat im Falle des Coronavirus dazu gelernt. Es dürfte kaum ein Risikopatient oder auch das Pflegepersonal der Hochgefährdeten im Falle eines weiteren Ausbruchs sich so ungeschützt und auch ahnungslos in die Gefahr begeben, wie im Februar/März diesen Jahres.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    15. Juni 2020 16:18 at 16:18

    Je mehr das Virus erforscht wird, desto harmloser erscheint es. Sollte sich diese Erkenntnis immer mehr bestätigen, sollten sich die Bären langsam was überlegen.
    Gerade auch was Gold betrifft…bevor es steinmäßig fällt.

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    sabine

    15. Juni 2020 16:26 at 16:26

    Wenn die Staatsquote beim Regulieren zu hoch ist, wird das hier draus. https://www.youtube.com/watch?v=UW-OslczCf0
    Hühnerstempel ab 2004. Da stimmt überhaupt nichts.
    a) Ich kenn viele Bauern, die gesagt haben, Stempel-Maschinen können wir uns nicht leisten. Auch sind die Preise der Bio-Eier in den Läden zu niedrig. Ende.
    b) Gewonnen haben die Massenbetriebe, und eher noch im Ausland. Danke Verbotspartei. Die haben Maschinen und Pressesprecher mit Rechtsabteilung, können jahrelang alles umgehen, und wenn dann doch mal über illegalem Weg etwas herauskommt, haben die anderen 80% dann Glück gehabt und sind davongekommen.

    c) Das kommt davon, wenn alles reguliert wird. Die Bioeier in dem Film sind nicht mal gute Käfighaltung. Und finden sich im Aldi, Rewe, sowie in jeder Biopizza. Was Markus Krall sagt, wenn der Bürger zu sehr nach Staat schreit, hat er ihn. Das gilt für Corona, Finanzkrise, Jobmotor usw. Und jetzt läuten sie die 2. Welle ein.
    Dann kauft die EU endgültig alles auf und wir haben den Staatskapitalismus, da gehts ab wie in dem Film, aber noch krasser. Da würde der illegale Filmer mal gleich an die Wand gestellt. Leute mit etwas Fieber in ihren Wohnungen zugeschweißt, egal was sie haben. usw.
    https://www.youtube.com/watch?v=YKogyVukT_8
    Ab Minute 3.10. und noch besser ab Min. 7.30.

    Tja, und seit die Flugzeuge nicht mehr fliegen, regnets ohne Ende. Ich kann gar nicht mehr draußen sitzen. Nix mit Dürresommer. “Das Wetter verarscht uns” sagen die Klimahysteriker. Nein, ihr Schwachsinn fliegt auf.

  3. Pingback: Coronavirus: Kann Deutschland eine zweite Welle vermeiden? – finanzmarktwelt.de – Coronavirus #BleibtZuhause #WirVSVirus

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    Wirrologe

    15. Juni 2020 18:52 at 18:52

    Unverständlich, @Columbo hat in einem zivilisierten Land mit gutem Gesundheitssystem kathastrophale Zustände bei def Pandemie erlebt. er wird aber nicht müde die Situation in entfernteren Ländern schönzureden. Dieser Herr ist für mich der Theoretiker wie er im Buch steht .

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      Adrian Monk

      15. Juni 2020 22:08 at 22:08

      @Wirrologe, @Columbo.
      Auch ich wundere mich seit einigen Tagen oder Wochen über die abnehmende Qualität und überbordene Quantität von @Columbos Kommentaren. Umso mehr, als er das katastrophale Drama in Norditalien monatelang live miterlebt hat. Schreibt hier ein Alias unter seinem Namen? Oder befindet er sich in einer Wut-Akzeptanzphase nach einer Krise?

      Mir war der alte Columbo lieber. Langsam, ohne Hektik, dafür mit Durchblick…

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        Columbo

        16. Juni 2020 09:19 at 09:19

        @Adrian Monk @Wirrologe

        Meine Aussage zum Corona-Virus deckt sich mit der Aussage der besten Virologen Deutschlands.
        Man hat inzwischen viel dazugelernt.
        Aber um das zu verstehen, müßten sich die beiden oben genannten Herren auch etwas mehr mit der Materie beschäftigen.

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Hongkong: Die Wahrheit über das Nationale Sicherheitsgesetz

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Ich bin ein Hongkonger und hier ist meine Heimat, aber das Nationale Sicherheitsgesetz macht es für viele von uns schwierig in Hongkong zu bleiben. Das Hongkong, in dem wir aufgewachsen sind gibt es nämlich seit dem 30.06.2020 so nicht mehr. Meinen Erfahrungsbericht schreibe ich aus Sicherheitsgründen anonym. Auch ich bin mit dem Gefühl von Freiheit und Demokratie herangewachsen, aber die Situation hat sich dramatisch verändert. Denn seit Juli gilt das Sicherheitsgesetz, hiermit hat China faktisch die Macht übernommen.

Seit fast zwei Wochen ist das Nationale Sicherheitsgesetz in Hongkong aktiv – was ist seitdem passiert? Für uns hat sich in der Zeit viel verändert. Die Menschen haben Angst für Demokratie auf die Straße zu gehen und machen sich große Sorgen um ihre Sicherheit. Der 30.06.2020 wird als schwarzer Tag in die Geschichte Hongkongs eingehen. Aktivisten und Anführer der Demokratiebewegung verlassen scharenweise die Stadt. Entsprechend zählt die Auswanderungsagentur so viele Anträge wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs, im Folgenden können Sie sich ein Bild von der aktuellen Lage machen.

Auswirkungen auf Presse- und Redefreiheit

Die meisten Nachrichtenagenturen in Hongkong gehören mittlerweile der Kommunistischen Partei. Damit erleben wir zukünftig die gleiche Propaganda, die auch in Festland China zum Alltag gehört. Es gibt inzwischen nur noch eine Medienanstalt die Unabhängig berichtet, das ist Apple Daily, aber auch diese könnte mit zunehmender Zeit dem immer größerem Einfluss aus China unterliegen oder bald gänzlich verschwinden. Journalisten sind hier ebenfalls großen Gefahren ausgesetzt. Die Pressefreiheit, wie wir sie kannten, existiert nämlich nicht mehr. Dadurch entsteht eine sehr einseitige Berichterstattung, Kritik und Meinungen sind nicht erwünscht, außer sie sind pro China. Es ist so weit, auch wir geraten in die Mühlen der Propagandamaschine der chinesischen Regierung. Jeder öffentliche Aufruf zu Demokratie und Freiheit könnte demnach strafrechtlich verfolgt werden.

Nicht nur die Pressefreiheit wurde uns genommen, auch die Redefreiheit. Dies betrifft mehrere Bereiche des alltäglichen Lebens, unter anderem die Sozialen Medien, das öffentliche Leben und sogar Schulen und Universitäten. Zum Beispiel hat man bisher die Sozialen Medien genutzt, um seine Meinung kund zu tun, Diskussionen über Demokratie zu führen und sich zu informieren. Facebook-Gruppen haben dabei geholfen sich auszutauschen und Beiträge und News zu posten. Außerdem halfen Apps wie Telegram dabei die Massenproteste zu organisieren. Das ist aber wegen des Sicherheitsgesetzes nicht mehr möglich, da die Regierung jetzt freie Bahn hat alles und jeden zu überwachen.

Nicht nur das, darüber hinaus können Informationen geblockt oder komplett gelöscht werden und die Verfasser strafrechtlich verfolgt. Tausende von uns mussten deswegen ihre Posts und Chatverläufe löschen. Trotz der Angst steht die absolute Mehrheit der Hongkonger hinter der Demokratiebewegung. Zahlreiche Restaurants und öffentliche Einrichtung haben Plakate und Aufkleber in ihren Schaufenstern, um die Bewegung zu unterstützen. Aber seit Anfang Juli besucht die Polizei diese Einrichtungen und droht den Eigentümern mit Verhaftungen, sollten sie diese nicht entfernen.

Das Ende der Demokratie-Bewegung in Hongkong?

Durch die Einführung des Sicherheitsgesetzes ist sehr viel Unsicherheit bei den Hongkongern zu spüren, Massenproteste wie im vergangenen Jahr werden in Zukunft unmöglich sein. Zwar gibt es fast täglich kleinere Demonstrationen in der Mittagspause, aber diese müssen sehr achtsam sein und sich schnell auflösen, bevor die Polizei eingreifen kann. Die Gefahr verhaftet zu werden, ist einfach zu groß. Auf allen Demonstrationen sieht man nur noch weiße Plakate, da die Slogans der Demokratiebewegung verboten sind. Die Hongkonger wenden immer wieder kreative Lösungen an, um die entwürdigenden Einschränkungen der Regierung zu umgehen.

Der bekannte Hongkonger Aktivist Joshua Wong musste aufgrund des Sicherheitsgesetzes aus der Demosisto Partei austreten und diese auflösen. Seine langjährigen Wegbegleiter Nathan Law und Agnes Chow verließen ebenfalls die Partei, bevor das Sicherheitsgesetz in Kraft getreten ist. Nathan Law hat Hongkong bereits verlassen und kämpft weiterhin in Übersee. Im kommenden September findet eine wichtige Wahl statt. Peking befürchtet, dass wie im letzten Jahr das pro-demokratische-Lager auch die kommende Parlamentswahl im September 2020 haushoch gewinnen könnte. Deshalb besteht die Gefahr einer Disqualifizierung der pro-demokratischen Partei. Damit hätte sie keine Chance mehr ein Teil des gesetzgebenden Rates zu sein. Schließlich würde es keinen Sitz und keine Stimme im Parlament geben, die für die Belange der Hongkonger einsteht.

Abteilung zur nationalen Sicherheit in Hongkong

Die kommunistische Partei hat in Hongkong die Abteilung zur nationalen Sicherheit gegründet. Diese Abteilung erweitert die Befugnisse der Hongkonger Polizei enorm. Die Polizei ist jetzt berechtigt, Orte, Menschen und deren Mobiltelefone zu durchsuchen und auszuspionieren. Dafür benötigt sie keine Ermächtigung des Gerichtshofs. Außerdem kann so fortan Sicherheitskräfte aus China hinzuziehen, um die ortsansässige Polizei bei der nationalen Sicherheit zu unterstützen. Dies ist eigentlich ein Verstoß gegen das Grundrecht (Basic Law), ist aber jetzt rechtens. Die Hongkonger Polizei ist nun ein Organ mit allen Befugnissen – quasi wie die Stasi.

Zukünftig werden alle Straftaten, die unter die Kategorie “Nationale Sicherheit” fallen, anders behandelt als bisher. Zur Erklärung, fast jede kleine Straftat unterliegt nun diesen Regeln. Das heißt, Peking kann Hongkonger nach China ausliefern, wo sie ohne faires Gerichtsverfahren ins Gefängnis oder Umerziehungslager kommen. Gemäß dem Sicherheitsgesetz haften alle Menschen, unabhängig davon, ob sie Bürger von Hongkong sind. Gleichfalls ist es egal, ob die Taten innerhalb oder außerhalb Hongkongs geschehen. Ja, sie haben richtig gelesen, jeder egal wo er sich befindet kann angeklagt werden, sobald die Taten gegen das Gesetz verstoßen. Damit ist der letzte Funken Rechtsstaatlichkeit Hongkongs zerstört. Die Abmachung Großbritanniens und China, dass Hongkong 50 Jahre nach der Methode “Ein Land, zwei Systeme” agieren kann, ist somit zu Ende. Es hat nur 23 Jahre gehalten.

Ein paar Worte zum Schluss

Ich kann mir vorstellen, dass Sie an manchen Stellen gedacht haben – das kann doch nicht sein? oder das ist doch nicht möglich? Aber ja, es ist möglich und es passiert in diesem Moment. Für jemanden der Demokratie und Freiheit für selbstverständlich hält, ist das kaum nachvollziehbar. Leider erleben wir jeden Tag, dass es nicht selbstverständlich ist. Ich hoffe, Sie konnten einen Eindruck gewinnen und eventuell hat es Ihnen auch ein wenig die Augen geöffnet. Wir stehen nämlich ziemlich allein dar mit unserer Forderung auf Einhaltung der 50 Jahre Autonomie für Hongkong. Am Beispiel von Hongkong sieht man, wozu China fähig ist. Wir Hongkonger haben uns 23 Jahre lang für die richtige Sache eingesetzt, aber wie es aussieht werden wir verlieren.

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Aktienmärkte: Warum sie laut “NorthmanTrader” nicht weiter steigen

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Tja, warum können die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht mehr ansteigen? Warum komplettieren sie nicht die V-förmige Erholung nach dem großen Crash im März? Derzeit sagt zum Beispiel der Experte Andre Stagge (siehe beispielsweise hier), dass wir derzeit voll in der Saisonalität angekommen sind, wo die Sommermonate grundsätzlich eine maue Nummer abliefern. Das ist nachvollziehbar. Und ja, grundsätzlich kann man derzeit vom Sommerloch sprechen?

Aktienmärkte in Angst vor der Fed?

Der im Netz inzwischen gut bekannte und anerkannte Experte Sven Henrich ist bei Twitter mit seinem dortigen Accountnamen “NorthmanTrader” zu finden. Er hat eine eigene Theorie, warum die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht weiter steigen können. Und er hat dazu auch eine gut nachvollziehbare Begründung, nämlich einen Vergleichschart. Im folgenden Tweet sieht man basierend auf Daten der St. Louis Fed (die Statistik-Grube der Fed) einmal den Verlauf der gesamten Bilanz der Federal Reserve seit Dezember 2019, als blaue Linie. Im Vergleich dazu sieht man in rot in den Verlauf des S&P 500, der dank der 500 enthaltenen Aktien die Marktbreite der Aktienmärkte in den USA besser darstellt als der Dow Jones mit seinen 30 Werten.

Und was sieht man? Die Aktienmärkte korrelieren sehr gut mit der Bilanz der Fed. Exakt am 9. Juni erreichte der S&P 500 seinen höchsten Punkt seit dem Crash im März, um seitdem seitwärts oder leicht fallend zu tendieren. Und wir haben nachgeschaut. Tatsächlich, genau am 9. Juni erreichte die Fed-Bilanz ihren Hochpunkt mit 7,168 Billionen Dollar (hier im Detail nachzuschauen). Bis jetzt fällt sie auf 6,92 Billionen Dollar. Wolfgang Müller hatte jüngst schon von einer Pause bei der Geldflut gesprochen. Und ja, die Fed legt derzeit eine Pause ein.

248,1 Milliarden Dollar Bilanzrückgang in vier Wochen

Auch Holger Zschaepitz erwähnt aktuell den Rückgang der Fed-Bilanz, nun die vierte Woche in Folge. Liquidität in Höhe von 248,1 Milliarden Dollar sei den Märkten in den letzten vier Wochen entzogen worden. Haben die großen Player mit dem “intelligenten” Geld (darf man es so sagen?) genau darauf ein Auge? Herrscht so viel Angst vor diesem Abbau an Geldflutung, dass die Aktienmärkte sich deshalb ausgebremst haben? Dieses Szenario ist jedenfalls nicht zu ignorieren.

Im folgenden Chart haben wir den S&P 500 und den Dax auf CFD-Basis in im Verlauf der letzten zwölf Monate übereinander gelegt. Wie es zu erwarten war, laufen die Aktienmärkte im Gleichschritt – natürlich läuft der Dax nach der Vorgabe der Amerikaner, da machen wir uns alle bitte nichts vor. Seit gut vier Wochen ist der Wurm drin – genau seit dem Augenblick, wo die Fed begann mit ihrer Geldflut zu pausieren.

Aktienmäkte wollen seit vier Wochen nicht mehr richtig steigen

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Coronakrise: Deutsche Exportwirtschaft bleibt pessimistisch

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Auch der Hamburger Hafen wurde von der Coronakrise hart getroffen

Eigentlich mehren sich derzeit die Indikatoren, die auf eine Erholung der Wirtschaft nach der Coronakrise im dritten Quartal hindeuten. Ob Konsumdaten, Ifo-Index oder Einkaufsmanagerindizes – die Ausnahme bildet die Exportindustrie, hier verschlechterte sich die Stimmung sogar.

Sonderumfrage zu den Auswirkungen der Coronakrise – AHK World Business Outlook

Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) bei den Mitgliedsunternehmen der Deutschen Auslandshandelskammern zu den Auswirkungen der Coronakrise brachte eine Ernüchterung für die Erholung der Exportwirtschaft. Die rund 3300 deutschen Unternehmen vermeldeten sogar eine Verschlechterung der Lage im Vergleich zum April. Jetzt erwarten 83 Prozent einen Umsatzrückgang, vor drei Monaten waren es noch 79 Prozent.Der Außenwirtschaftschef des DIHK, Volker Treier, hält das Thema V-förmige Erholung der Exportwirtschaft für erledigt, die Krise durch die Pandemie werde langwieriger als erwartet. Diese Meinung stützt er auf das Ergebnis der Sonderumfrage:

– 43 Prozent der Firmen gehen erst im Jahr 2022 oder sogar noch später von einer Erholung aus.
-50 Prozent rechnen bereits 2021 damit, sieben Prozent glauben noch in 2020 an eine Rückkehr zur Normalität.
-Besonders schlecht ist die Stimmung bei Firmen mit Nord-, Mittel- und Südamerika-Geschäften. Hier glaubt die Mehrheit, dass es sogar bis 2022 dauern könnte. Kaum verwunderlich bei den aktuellen Infektionszahlen aus Übersee.
-59 Prozent der Unternehmen berichten von einer schwächeren Nachfrage nach ihren Produkten, dabei sind für 63 Prozent der befragten Unternehmen die Reisebeschränkungen ein massives Problem.
-56 Prozent der Exportunternehmen kündigen an weniger investieren zu wollen, gegenüber 35 Prozent im April.
-43 Prozent gehen von Stellenstreichungen aus (April 35 Prozent).
– Die Investitionen im Ausland sollen laut DIHK von bisher 100 Milliarden Euro in diesem Jahr nur die Hälfte dieser Summe betragen.
-Von den 7,8 Millionen Arbeitsplätzen deutscher Firmen im Ausland könnten 2020 etwa 200.000 in diesem Jahr wegfallen.

Fazit der Umfrage: Insgesamt rechnet der DIHK 2020 mit einem Rückgang der deutschen Exporte um 15 Prozent, die Erholung in 2021 dürfte mit sieben Prozent plus nur einen Teil davon wieder gutmachen.

Das Außenhandelsdefizit

Als Folge dieses pandemiebedingten Rückgangs der Auslandsnachfrage sollte die Exportbilanz um 300 Milliarden Euro schrumpfen, die Importe hingegen deutlich weniger. Damit rechnet der DIHK von einem Rückgang des Handelsbilanzüberschusses von 223 Milliarden Euro auf dann nur noch rund 50 Milliarden Euro im Jahr 2020. Ein weiteres Problem sei aber der anhaltende Protektionismus in zahlreichen Ländern. Auch das ergab die Umfrage:

22 Prozent der Unternehmen sprachen davon, ihre Produktion verlagern zu wollen, 19 Prozent mit einer Rückkehr der Produktion nach Deutschland.

Fazit

Klar leidet die deutsche Exportwirtschaft besonders unter den Folgen der Coronakrise sowie auch dem beobachtbaren Trend zur Glokalisierung oder des Protektionismus. Der Anteil des Exports am deutschen Bruttoinlandsprodukt betrug im letzten Jahr 47 Prozent. Beim Export, insbesondere in westliche Ländern in Nord-, Mittel- und Südamerika, wo derzeit die Hälfte aller weltweiten Covid-19-Infektionen zu zählen sind, ist das Problem besonders groß. Allerdings ist die mit Abstand wichtigste Region für unsere Außenwirtschaft die EU-Zone (60 Prozent der Exporte) und nicht vergessen sollte man die Bedeutung des Konsums für Deutschlands Wirtschaft im Ganzen. Aber insgesamt betrachtet kann man nach den Ergebnissen zum World Business Outlook nur feststellen: Ohne eine Eindämmung von Covid-19 keine substanzielle Erholung der Weltwirtschaft und auch keine Rückkehr zu alten Wachstumszahlen in Deutschland.

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