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Coronavirus: Sind Italiens Banken am Ende?

Wahrzeichen in Rom - Coronavirus stellt Banken in Italien vor Riesenproblem

Schon vor der aktuellen Krise, ausgelöst durch das Coronavirus, hingen Banken in Italien am Tropf der Regierung. Der Stillstand großer Teile der italienischen Wirtschaft wird die Probleme der Kreditinstitute nun drastisch verschärfen. Ein systemisches Risiko rollt damit auf das gesamte europäische Bankensystem zu.

Das Coronavirus als riesiges Problem für das italienische Bankensystem

Selbst große und bislang relativ solide Banken wie die Unicredit sind mittlerweile komplett abhängig von der Unterstützung der Europäischen Zentralbank (EZB), wenn sie sich am Kapitalmarkt, z. B. via Senior Bonds, refinanzieren wollen. Hätte die EZB in der vergangenen Woche nicht durch das Aufstocken ihres QE-Programms um 750 Mrd. Euro den europäischen Markt für Schuldpapiere beruhigt, wären die Renditen für italienische Staatsanleihen weiter durch die Decke gegangen. Am 19. März schoss der Zinsaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen auf bis zu 320 Basispunkte (3,2 Prozent) nach oben.

Das Problem des Landes wird dadurch auch zum Problem für im Kern gesunde Banken Italiens. Das Rating und damit verbunden der Zinsaufschlag, den Italien gegenüber solider aufgestellten Ländern, wie zum Beispiel Deutschland, zahlen muss, gilt auch für die Banken. Die Kreditinstitute Italiens, deren Vermögenswerte im Falle des Stiefelstaates nach wie vor zu großen Teilen aus heimischen Staatsanleihen bestehen, können am Kapitalmarkt niemals besser bewertet werden und sich niemals günstiger refinanzieren als der Staat selbst. Trotz der Interventionen der EZB beträgt der Risikoaufschlag zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen nach wie vor über 170 Basispunkte (1,73 Prozent). Diesen Aufschlag müssen auch die Banken der drittgrößten Volkswirtschaft Europas mindestens am Kapitalmarkt bezahlen. Damit wird die Refinanzierung für die ohnehin wegen der schlechten Konjunktur unter Druck stehenden Institute teurer.

Bisher hat fast jede Regierung des Landes die heimischen Kreditinstitute dazu genötigt, die Rekordverschuldung Italiens mitzufinanzieren und die Schuldpapiere aufzukaufen. So haben sich die Kreditinstitute mit den Anleihen des Ministero dell’Economia e delle Finanze (MEF) im Volumen von über 380 Mrd. Euro vollgesogen. Dabei haben die Schatzmeister (Treasurer) der Banken dieses Volumen schon versucht zu reduzieren. In der Spitze betrug die Summe an italienischen Staatsobligationen auf den Büchern der Banken Italiens 413 Mrd. Euro. Was circa 20 Prozent aller ausstehenden Staatsobligationen entsprach.

Es droht eine Abwärtsspirale im italienischen Bankensektor

Mit 137 Prozent ist Italien nach Griechenland das am höchsten verschuldete Land der Eurozone. Gleichzeitig schrumpft die Wirtschaftsleistung. In Italien bahnte sich bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus eine Rezession an. Dies führt nun zu einer Welle an Kreditausfällen, womit sich die Qualität der Kreditportfolios der Banken drastisch verschlechtert. Dies gilt v. a. für Darlehen an KMUs, die wie in Deutschland das Rückgrat der italienischen Volkswirtschaft darstellen, sowie für Kredite an Privathaushalte und Hypothekenschuldner.

In Italien steht die Wirtschaft nach dem von Ministerpräsident Guiseppe Conte am 22. März angeordneten „Shutdown“ wegen des Coronavirus de facto still. Rund 60 Millionen Einwohner sind mittlerweile davon betroffen. Die Aktien der an der Mailänder Börse gelisteten italienischen Finanzinstitute haben seit Jahresbeginn nochmals rund die Hälfte ihres Wertes verloren. Damit ist auch der Zugang zum Eigenkapitalmarkt versperrt. Kaum ein privater Investor wäre in der momentanen Phase der Unsicherheit bereit, die Kapitalerhöhung einer italienischen Bank mitzutragen.

Doch der Kapitalbedarf ist zuletzt enorm angestiegen. Die Risikovorsorge muss massiv aufgestockt werden, das Eigenkapital droht wie Butter in der Sonne abzuschmelzen und das Volumen der „Non Performing Loans“ (notleidende Kredite) geht durch die Decke. Damit fehlen den italienischen Banken Milliardenzuflüsse an Zins- und Tilgungszahlungen. Wie hoch der Schaden tatsächlich ist, kann man noch nicht beziffern. Doch eines ist klar: Ohne die Alimentierung durch die Notenpresse der EZB wären Banken wie die Monte de Paschi aus Siena bereits zahlungsunfähig. Das älteste Kreditinstitut der Welt leidet unter faulen Krediten in Höhe von 12,3 Prozent aller ausstehenden Forderungen. Nicht viel besser sieht es bei der Intesa Sanpaolo mit 8,4 Prozent oder der der Banco BPM mit rund 8 Prozent faulen Krediten aus. Das Erschreckende daran ist, dass diese Zahlen im europäischen Vergleich mehr als doppelt so sind und noch aus der Zeit vor der durch das Coronavirus verursachten Stilllegung der italienischen Wirtschaft stammen.

Fazit, Ausblick und Notwendigkeiten

Für die italienischen Banken und damit für das gesamte europäische Bankensystem ist es überlebensnotwendig, dass sich die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen nicht wieder erhöhen. Das kann nur die EZB durch anhaltend hohe Wertpapierkaufprogramme verhindern. Vermutlich sogar bis lange nach der Zeit des Coronavirus. Auch die Refinanzierung der Banken muss indirekt über den italienischen Staat durch die Notenpresse der EZB zu bezahlbaren Konditionen sichergestellt werden.

Es ist absehbar, dass die ökonomischen Folgen des Coronavirus die italienische Wirtschaft in eine tiefe Rezession drücken werden. Das Gleiche gilt für das italienische Bankensystem, dessen Geschäfte aktuell größtenteils ruhen, womit dringend benötigt Einnahmen wegfallen. Auf der anderen Seite steigt mit jedem Tag des Stillstands das Volumen der uneinbringlichen Forderungen auf den Büchern der Banken an.

Die schon vor der Krise durch das Coronavirus auf staatliche Hilfe angewiesenen Banken, wie die Monte de Paschi, drohen als abschreckendes Beispiel für Investoren eine Kettenreaktion auszulösen. Wie die Menschen versuchen das Virus zu meiden, versucht das internationale Kapital die Banken Italiens zu meiden. Ohne eine Daueralimentierung durch Rom und Frankfurt (EZB) droht eine Pleitewelle im italienischen Bankensystem, die selbst für eine europäische Einlagensicherung nicht zu bewältigen wäre. Wenn sich der Staub der Krise gelegt hat, würde ohne öffentliche Hilfsgelder von einigen systemrelevanten Banken in Italien nicht mehr viel übrig sein.



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1 Kommentar

  1. Waren die in den letzten 10 Jahren mal „nicht am Ende“? Das Virus deckt jetzt alles auf und gibt denen den Rest. Aber wozu haben wir denn den größten Schrotthedgefond der Welt in Frankfurt. Der löst jedes Problem.

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