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Coronavirus: Trumps Leichtsinn schwächt die USA, Vorteil China

Das Ignorieren des Problems

Während Trump anfangs noch mit zynischen Bemerkungen über das Coronavirus aufgefallen war, reagierte er auf die ersten Warnungen seiner Gesundheitsexperten richtig sauer. Über ein Monat nach dem ersten Coronafall warnte am 24. Februar eine Gesundheitsexpertin aus dem Ministerium, Dr. Nancy Messonnier, öffentlich vor dem Coronavirus, was den Präsidenten zu einer heftigen Attacke gegen den zuständigen Minister Alex Azar – da die Direktorin des Nationalen Zentrums für Atemwegserkrankungen es gewagt hatte, über Alltagseinschränkungen zu sprechen.

Zunächst diskutierte man nur über Reisebeschränkungen, ab Mitte März wurden dann die Maßnahmen des Social Distancings und der Schließung von Geschäften verhängt. Dazu die massenweisen Testungen auf Covid-19. In dieser Woche wurde bereits die Millionengrenze überschritten, während es einige Wochen zuvor nur ganze 10.000 davon gegeben hat. Im wesentlich kleineren Südkorea hat man diese Zahl schon vor Langem überschritten – pro Tag. Aber Trump war es wieder einmal, der von einem vorzeitigen Ausstieg aus dem Programm sprach, weil es zuviel Schäden für die Wirtschaft verursache – und man wolle doch gemeinsam Ostern feiern. Erst der drastische Anstieg der Todesfälle und das Absinken seiner Umfragewerte brachten ihn zum Umdenken. Außerdem der Fall eines älteren Freundes von ihm, der infolge des Coronavirus im Krankenhaus liegt, im künstlichen Koma.

Mittlerweile läuft der Kampf gegen das Coronavirus auf Hochtouren, insbesondere die Gouverneure treiben die Maßnahmen voran. Zum Medienstar wurde New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo, der auf seinen Pressekonferenzen schon vom Krieg gegen den unsichtbaren Feind sprach. Aber auch die Coronavirus-Taskforce des Weißen Hauses strahlt große Umsicht aus. Allen voran die Immunologen Anthony Fauci und Deborah Birx, die mit viel Fachkompetenz überzeugen, aber bei manchen Bemerkungen die Zähne zusammenbeißen müssen.

Fazit

US-Präsident Trump hat seinem Land vermutlich einen Bärendienst erwiesen, als er im Januar und noch im Februar das Coronavirus als „Petitesse“ betrachtet hatte, als eine harmlose Grippe oder sogar als „Erfindung“ der Demokraten. Jetzt müssen die USA unglaublich intensive Schutzmaßnahmen ergreifen, um den Schaden von der gefährdeten Bevölkerung abzuwenden, auch unter Inkaufnahme heftigster wirtschaftlicher Folgeschäden (Arbeitslosigkeit, Firmenpleiten, Schuldenexplosion).

Diesen ökonomischen Stillstand werden die Länder in Asien nutzen, die aufgrund ihres konsequenten Vorgehens – nicht China zu Beginn, als man noch vertuschen wollte – wieder mit der Normalisierung beginnen können und damit zum Aufbau von Lieferketten. Die US-Regierung oder besser ihr Präsident hat in seinem fast zweijährigen Handelsstreit mit asiatischen Ländern eine Entwicklung in Gang gesetzt, die das Bestreben der Staaten förderte, sich wirtschaftlich unabhängiger von den USA zu machen. Die Förderung von Handelsbeziehungen innerhalb der Asean-Staaten, die immerhin einen Wirtschaftsraum von 3,5 Milliarden Menschen verkörpern.

Damit könnte Donald Trump auch den weiteren Wirtschaftsaufschwung Chinas zur Nummer eins ungewollt befördert haben. Das Coronavirus war ein so genannter „Schwarzer Schwan“ und nicht vorhersehbar, die möglichen Folgen eines leichtsinnigen Umgangs einer Virusinfektion schon. Vor allem, wenn man wochenlangen Anschauungsunterricht bekam.

Donald Trump hat das Coronavirus völlig unterschätzt



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8 Kommentare

  1. Corona war KEIN „schwarzer Schwan“. Epidemien sind kein unbekanntes Event. Der Zeitpunkt alleine, der nicht vorhersehbar ist, reicht nicht aus. Auf sowas muss man vorbereitet sein in Wirtschaft und Politik. Nassim Taleb hat sich dazu mehrfach geäußert.

    1. @Leo. Natürlich sind Viren keine schwarzen Schwäne. Es gibt allein sieben Arten von Coronaviren, von denen einige ganz harmlos sind. Das Perfide an Sars-CoV-19 ist seine Kombination von Harmlosigkeit und Gefährlichkeit. Wenn Sie einen Grippevirus erwischen, mit 40 Grad Fieber, dann setzen Sie keinen Fuß vor die Tür und bleiben im Bett. Der junge Coronainfizierte spürt diesen lange nicht oder nur milde und geht damit zum Feiern, wie zum Beispiel zum Fasching und zum Fußballspiel und er wird eventuell zum Superspreader. Streng genommen käme keine Erkrankung völlig unerwartet. Kein Vulkanausbruch oder auch kein Meteoriteneinschlag. Aber die aktuelle Konstellation ist etwas Besonderes, mit seiner globalen Bedeutung. Streng genommen ist das Virus kein schwarzer Schwan, umgangssprachlich schon, nach Taleb könnte man Covid-19 als grauen Schwan bezeichnen.
      Gruß

      1. Hallo, Wolfgang.
        Wer behauptet, und das ist wirklich nicht abwertend gemeint, „Corona ist kein schwarzer Schwan“, hat mMn das Prinzip „The black Swan“ nicht verstanden. Covid-19 ist ganz eindeutig ein weißer Schwan. Wir kennen die Studie des RKI bezüglich einer SARS Pandemie in D aus dem Jahre 2012 – das ist kein Gerücht, diesen Bericht gibt es (Drucksache 17/12051). Das Szenario war hinlänglich bekannt, man hat darauf hingewiesen, dass wir nicht vorbereitet sind. Es wurde ignoriert. Taleb erwähnt übrigens auch GENAU so eine Pandemie in seinem Buch.
        Das Risiko wurde völlig falsch bewertet. In einer vernetzten Welt muss man wissen, dass Gefahren dieser Art bestehen. Es wurde viel zu spät zu lasch interveniert. Grenzschließungen und Quarantänen müssen kurzfristig realisierbar sein. Es wäre schnell und vor allem günstig gewesen. Die WHO ist absolut planlos, revidiert permanent Aussagen. Man hat sich ausgeruht und ist seiner Verantwortung nicht nachgekommen. Wirtschaft&Politik haben versagt! Wer auf großen Fuß gelebt hat, das Geld zum Fenster rausgeschmissen hat, wird gerettet. Wer vorsichtig war, wurde jahrelang belächelt und zahlt die Zeche jetzt trotzdem mit. Massives Versagen, aber KEIN schwarzer Schwan.

      2. Avatar

        Sehr geehrter Herr Müller!
        Ich schätze ihre Berichte bei FMW sehr und muss ihnen Respekt zollen für ihre weitsichtigen Analysen. Hinsichtlich KORONAVIREN bitte ich sie jedoch ihr Wissen darüber zu verbessern und sich nicht an die Vielzahl von Kommentatoren in diesem Forum anzuschließen und Teilwissen zu verbreiten. Ich schicke ihnen einen Link zu einem Interview mit Prof. Dr. Penninger um ein wenig mehr über KORONAVIREN zu erfahren.
        https://www.youtube.com/watch?v=qZ1rkKJYEPc
        LG

        1. Avatar

          Einen Nachtrag noch:
          Das Medikament von Prof. Dr. PENNINGER wird seit einigen Tagen bereits in klinischen Studien, Phase 2B, in A, D u. DK getestet und könnte bereits im Sommer, sofern die klinischen Studien positiv ausfallen, ein Medikament zugelassen werden, da man parallel zu diese Studien bereits mit der Produktion des Medikaments begonnen hat.

  2. Es gibt keine Schwarzen Schwäne mehr, der ROBERT VON DER HALVERN hat einmal gesagt, die Notendrucker würden alle umlackieren. Sein Konto hat er nun auch von rot auf schwarz lackiert.

  3. Durch die Corona-Krise wird Trump als Schwätzer entblößt. Anfangs die Gefahr herunterspielen, und dann aussehen wie ein begossener Pudel. Herr Trump scheint von Naturwissenschaften nicht die leiseste Ahnung zu haben. In solchen Dingen sollte er lieber den Mund halten. In puncto Klimawandel sieht es genauso aus. Diesen leugnen – aus welchen Gründen auch immer – aber von nichts eine Ahnung haben. Und in Wirtschaftssachen sowieso. Die wirklichen Probleme der USA scheint er niemals erkannt zu haben: Eine Wirtschaft auf dem absteigenden Ast – abgesehen von ein paar High-Flyern. Das Land breitflächig deindustrialisiert, und – aufgrund eines stetigen Lebens auf Pump – hochgradig verschuldet. Die Bombe, die jetzt zu platzen droht, hat sich über Jahrzehnte aufgebaut, und Trump ist nur der ideale Hampelmann, der die Sache als Witzfigur begleitet.

  4. Europa muß anerkennen, das kommunistisch regiertes China in vergleich zu kapitalistischen USA seid Jahren Nase vorn hat. Europa wird sich der zukünftigen Nummer Eins unterordnen. Weltweite Revolution und das Chinamodell werden kommen.

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