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Coronavirus: Volkswirte fordern schnellen Stimulus – was macht Merkel?

Angesichts der massiven ökonomischen Risiken durch das Coronavirus fordern deutsche Volskwirte zügig Stimulusmaßnahmen von der Bundesregierung. In einem 15-seitigen Papier von Peter Bofinger, Sebastien Dullien, Gabriel Felbermayr, Clemens Fuest, Michael Hüther, Jens Südekum und Beatrice Weder di Mauro (gewissermaßen die Aristokratie der deutschen Volkswirtschaftler).

Vor allem für Deutschland seien die Folgen des Coronavirus gravierend:

„Deutschland wäre aufgrund seiner Wirtschaftsstruktur von diesen Entwicklungen besonders betroffen: Mit einem Verhältnis der Exporte zum BIP von 47 Prozent und der Importe von 41 Prozent ist die deutsche Volkswirtschaft sehr viel stärker in die internationale Verflechtung eingebunden als andere große Volkswirtschaften (zum Vergleich: Frankreichs Exporte entsprechen 31 Prozent des BIP, die Importe 32 Prozent). Dies spiegelt sich auch einem Anteil der Industrie an der Wertschöpfung und dabei insbesondere des Automobilsektors.“

Das Coronavirus löse – anders als in der Finanzkrise, gleichzeitig einen Angebots- und Nachfrageschock aus:

„Bei Corona ist die Lage insofern komplexer, als ein simultaner Angebots- und Nachfrageschock vorliegt und der Einbruch der Nachfrage nach „sozialem Konsum“ aus medizinischen Gründen nicht durch staatliche Nachfragestützung ausgeglichen werden soll und wohl auch nicht kann. Dort, wo Angebotsausfälle auftreten, ist eine staatliche Nachfragestützung eher kontraproduktiv, hier geht es um staatliche Maßnahmen, die Störungen auf der Angebotsseite entgegenwirken. Die Aussichten auf wirtschaftliche Erholung sind insofern besser, als nach Ende der Epidemie schnell wieder Normalbetrieb aufgenommen werden könnte und positive Nachholeffekte die Erholung unterstützen würden. Das setzt allerdings voraus, dass die Epidemie unter Kontrolle gebracht wird und negative Wirkungen mit andauernder Wirkung, wie eine Insolvenzwelle und vor allem größere Entlassungswellen, ausbleiben.“

Die Autoren weiter:

„Das Ausmaß dieser Schocks ist stark von Erwartungen und damit von psychologischen Faktoren abhängig. Wirtschaftspolitische Maßnahmen müssen auf diese Spezifika hin abgestimmt und zielgerichtet sein. Entscheidende Bedeutung haben dabei das Timing und die Kommunikation der Maßnahmen. Das wichtigste Ziel besteht in der Sicherung des Vertrauens, dass die Gesundheitskrise nicht zu einer systemischen Wirtschaftskrise wird, die den Arbeitsmarkt, Banken und Finanzmärkte erfasst und so die heimische Nachfrage zusätzlich schwächt“.

Von der Geldpolitik sei in der Krise durch das Coronavirus wenig zu erwarten, da der Spielraum der europäischen Notenbank extrem begrenzt sei:

„Die Spielräume der EZB zur Beeinflussung der Zinsbelastung von Unternehmen sind äußerst begrenzt. Dies gilt für weitere Zinssenkungen am kurzen wie am langen Ende im Rahmen der konventionellen Geldpolitik sowie im Rahmen von Anleihekäufen.“

–  „Der Ankauf von Unternehmensanleihen durch die EZB, z.B. von Fluggesellschaften, wäre möglich. Es ist aber ordnungspolitisch problematisch, weil viel kleine und mittlere Unterneh-men ebenfalls von der Krise betroffen sind, davon aber nicht profitieren würden. Der Ankauf von Aktien, wie er durch die japanische Notenbank betrieben wird, ist ebenfalls kritisch zu sehen. Bisherige Erfahrungen mit Kurseinbrüchen an den Börsen zeigen, dass die davon ausgehenden Effekte für die Gesamtwirtschaft begrenzt sind. Die Lösung des Helikoptergelds wäre schon technisch nur schwer umzusetzen, ganz abgesehen von der fehlenden Zielgerichtetheit.“

Daher seien es nur die Fiskalmaßnahmen des Staates, die einen durch das Coronavirus eskalierenden Schock verhindern könnten: Hier sie Deutschland in einer sehr guten Position, da „die deutsche Finanzpolitik, nicht zuletzt wegen der im internationalen Vergleich niedrigen Schuldenstandquote, über große Potentiale zur Stabilisierung der Wirtschaft“ verfüge. Weder Schuldenbremse noch europäische Fiskalregeln stünden dem im Wege. „Die Schuldenbremse weist explizit eine Ausnahme für Krisensituationen auf“.

Man darf gespannt sei, ob die Bundesregierung den Ruf der Volkswirte hört. Heute um 11.30Uhr will Merkel mit Gesundheitsminister Spahn eine Pressekonferenz geben – kündigt sie dort Maßnahmen zur Bekämpfung der ökonomischen Folgewirkungen an? Laut der seriösesten aller deutschen Presseorgane – gemeint ist natürlich die Bild – warnte sie gestern das Parlament, dass 60% bis 70% der Deutschen mit dem Coronavirus infiziert sein könnten. Christine Lagarde wiederum warnte gestern offenkundig die europäischen Regierungen vor einer durch das Coronavirus ausgelösten Krise wie einst 2008. Die EZB-Chefin fürchtet daher einen ähnlichen Crash wie in der Finanzkrise.

Wird Angela Merkel angesichts des Coronavirus Stimulusmaßnahmen verkünden?
Angela Merkel. Foto: kremlin.ru CC BY 4.0



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5 Kommentare

  1. Was macht Merkel???
    Nichts, wie immer!!!
    Was will sie auch machen, dass Pulver ist verschossen. Sie versucht genau wie die Notenbänkster Zeit für sich selbst zu gewinnen.
    Aber wir schaffen das.

  2. „Die Lösung des Helikoptergelds wäre schon technisch nur schwer umzusetzen, ganz abgesehen von der fehlenden Zielgerichtetheit.“

    Ob die Top-Ökonomen das mit dem „Helikoptergeld“ nicht vielleicht doch etwas zu wörtlich nehmen?

    In Deutschland haben die Finanzämter die Kontodaten von jedem der Einkommenssteuer zahlt und das wird anderswo in Europa nicht viel anders sein…

  3. Die Teflonmutti, die wir ja noch sooo vermissen werden, ist in Deckung gegangen.
    Hoffentlich fegt das Virus diese Fehlbesetzung aus dem Amt.

    1. Ja, die Frage ist nur ob das Volk dann endlich AfD wählt oder die Pest gleich wieder mit der Cholera ablöst. Hoffentlich wird der Osten uns Flüchtlinge später aufnehmen. Laut Otte hat sich die BRD schon zur Aufnahme von Kindern (<=35 Jahre, Kinderärzte müssen behandeln oder verlieren ihre Zulassung) der Ankömmlinge auf den Griechichen Inseln bereit erklärt

      1. @Shong09, warum sollte das Volk dann AfD wählen? Und wieso endlich? Das klingt so nach Ende oder End(licher)lösung. Weil die das Virus einfach erschießen oder ausgrenzen? So wie die Türkei, dort gibt es nur einen einzigen Fall. Oder Ungarn, dort sind es zwar 13. Doch die Zahlen zeigen: Ohne Pest und Cholera auch kaum Covfefe-19-Virus 😂

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