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Coronavirus: Wann kommt der Boden für die Aktienmärkte?

Wolfgang Müller

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Angesichts der dramatisch ansteigenden Zahlen an Infektionen durch das Coronavirus, täglich veröffentlicht durch die John-Hopkins-Universität, ist es das allgegenwärtige Thema, verbunden mit der Frage aller Fragen. Wie tief wird der wirtschaftliche Einbruch durch vom Coronavirus ausgelösten Pandemie sein, wie lange müssen die Bürger zur Eindämmung der Lungenkrankheit schwere Einschränkungen ihres Alltagslebens ertragen und wie tief werden die Börsen weltweit sinken – ungeachtet der derzeit laufenden Bärenmarktrally. Für die Finanzmärkte gibt es aus meiner Sicht zwei große Themen.

Die Bazooka von Notenbanken und Regierungen als Reaktion auf die Krise druch Coronavirus

Es sind Zahlen, die schwindlig machen. Während die Federal Reserve nach der Finanzkrise 2009 noch 1,65 Billionen Dollar Anleihekäufe tätigte (bis zum März 2010), waren es bei Quantitive Easing 2 schon 1,7 Billionen in Zusammenarbeit mit der Bank of Japan und bei Q3 1,8 Billionen. Das Ganze wurde in den USA im Oktober 2014 beendet, in der Hoffnung die Bilanz künftig wieder reduzieren zu können. Das Ergebnis konnten wir im Verlauf des Jahres 2018 bestaunen.

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Diese „Quantativen Lockerungen“ dürften jedoch nur ein Bruchteil dessen sein, was man weltweit durch die Notenbanken und die Regierungen in den Markt pumpen wird, um das Jahrhundertereignis Coronavirus einzudämmen. Die europäische Zentralbank mit 750 Milliarden Euro, die US Notenbank mit 1,5 Billionen Dollar, die Schweizer Zentralbank mit ihrer unlimitierten Ankündigung, dazu noch beispielsweise die billionenschweren Rettungspakete (USA 2 Bio.$, Deutschland 750 Mrd.€) für Firmen und Konsumenten (Helikopter Geld – USA: 1200 Dollar pro Bürger, 500 Dollar pro Kind), es werden Finanzmittel in noch nie da gewesener Höhe in die Hand genommen. Und da gibt es auch noch andere Staaten. Where is the limit?

Das Welt-Bruttosozialprodukt beträgt gerade mal gut 90 Billionen Dollar – und China hat mit seinem Produktionsprozess auch schon wieder begonnen. Mit dieser Bazooka wird man dem Wirtschaftseinbruch wegen des Coronavirus kurz- und mittelfristig wohl schon gegenhalten können. Was mit der Geldflut später passieren wird, wenn sie auf die reduzierte Gütermenge wirkt (Inflation), dies steht auf einem anderen und später auszufüllenden Blatt.

Die USA werden auf alle Fälle kurzfristig keinerlei Hemmungen haben, so viel Geld in den Markt zu schleusen, so dass es nicht zu einer Depression in den USA kommen wird. Trump will wiedergewählt werden und muss den ganz großen Aktiencrash verhindern. Ich habe erst vor wenigen Tagen darüber geschrieben, welche Vermögensverluste in den USA auftreten, wenn sich die großen Aktienindizes halbieren sollten und die US-Marktkapitalisierung von 35 Billionen Dollar (Februar 2020) auf 17 Billionen fallen würden. Die Vermögenseinbußen müssten den großen US-Konsum zertrümmern.

Nichtsdestotrotz werden die Volkswirtschaften infolge des Coronavirus dennoch gewaltig einbrechen. Goldmann Sachs prognostiziert für die USA das extremste Szenario mit minus 24 Prozent im zweiten Quartal 2020. Das Ifo-Institut rechnet für Deutschland für 2020 mit einem Einbruch der Konjunktur zwischen 5 und 20,6 Prozent, als „die Mutter aller Rezessionen“, so bezeichnete es dies IfW-Präsident Gabriel Felbermayr in einer Stellungnahme. Die Wirtschaftsprognosen sind erschreckend und zugleich zumindest aus kurzer Sicht ansolut nachvollziehbar.

Wann gab es außerhalb von Kriegszeiten schon einmal so einen abrupten Stillstand in der Wirtschaft? Vergleichbar sind eigentlich nur Wirtschaftseinbrüche in der Region Kobe beim japanischen Erdbeben nach 1992 und der nach dem Atomunfall in Fukushima 2011, regional.

Die meisten Weltbörsen haben binnen 20 Tagen zwischen 35 und 40 Prozent an Marktkapitalisierung verloren. Damit haben die Aktienmärkte schon ganz schlechte Konjunkturzahlen eskomptiert. Die Börsen sind in der Lage Informationen blitzschnell einzupreisen, aber keine Ereignisse, so wie das Coronavirus.

Derzeit jubeln die Märkte kurzfristig über die größten Rettungsmaßnahmen der Nachkriegsgeschichte, aber sie wollen mehr. Zum einen, dass Donald Trump endlich das Coronavirus ernst nimmt – und dass man Licht am Ende des „Infektionstunnels“ sieht.

Wer oder was stoppt die Ausbreitung des Coronavirus?

Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht die täglichen Ausbreitungsdaten von Covid-19 im Auge hat. In welcher Region gibt es den Wechsel der Infektionskurve aus dem anfangs hyperbolischen in einen parabolischen Kurvenverlauf?

Derzeit gehen die Infektionszahlen in Europa noch dramatisch nach oben, besonders in Italien und Spanien. Aber auch in den USA, wo man bereits in ganz kurzer Zeit bei über 68.000 infizierten Menschen angelangt ist (Dunkelziffer ein Vielfaches). Die USA werden in wenigen Tagen die Werte des Ursprungslandes China übertreffen, mit immer steiler werdender Tendenz – und was macht Donald Trump? Er redet so, als sei schon das Schlimmste überstanden und man darüber nachdenken müsse, das Geschäftsleben wieder zu reaktivieren.

In den nächsten Monaten wird eine Entwicklung spannend. Welche Firma wird den Impfstoff gegen das Coronavirus auf den Markt bringen? Der Börse wird es egal sein, ob dies Gilead, Fuji Film, CureVac, oder sonstwer sein wird. Man hört sie auf jeder Pressekonferenz, die mit dem Coronavirus zu tun hat – die Frage nach dem Zeitpunkt eines möglichen Einsatzes eines Impfstoffes gegen die Pandemie. Wie laufen erst die Telefon heiß bei den Pharma- und Biotech-Unternehmen, die sich mit der Entwicklung des Impfstoffes beschäftigen? Für Analysten und Fondsmanager schlichtergreifend die Eine-Million Dollar-Frage. Wer bekommt diese so börsenrelevante Information als Erster?

Das Ausstiegsszenario und kommt das Cocooning für Risikogruppen?

Die harten Maßnahmen der Regierungen zur Eindämmung des Coronavirus – beginnend beim Social Distancing, über Schulschließungen, bis hin zu Ausgehverboten – laufen in den westlichen Ländern bereits seit einigen Tagen oder Wochen (Italien). Schon werden erste Stimmen laut, die nach einer Exitstrategie rufen.

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Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Axel

    26. März 2020 11:09 at 11:09

    Was denkt sich Coroni eigentlich dabei, so einen Mist zu verzapfen?
    Oder agiert es in seinem jugendlichen Leichtsinn nur aus reinem Bauchgefühl heraus?
    Kann mir ein Virolog bitte eine ernsthafte Antwort geben?

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Goldpreis: Gestern Bitcoin-Absturz, heute Gold! Marktgeflüster (Video)

Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar. Was ist da los?

Markus Fugmann

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Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar (und das im buchstäblich selben Moment, als auch der VIX deutlich fiel). Was ist da los? Wiederholt sich das Geschehen aus dem März, als ein heftiger Abverkauf von Bitcoin das Vorspiel für den Absturz der Aktienmärkte im März-Crash war? Auffallend ist die Schwäche im Goldpreis und gestern die Schwäche bei Bitcoin) vor allem deshalb, weil der Dollar alles andere als Stärke zeigt – normalerweise unterstützt ein schwacher Dollar das gelbe Edelmetall. Die heute in den USA verkürzt handelnden US-Aktienmärkte nun immer mehr im „Gier-Modus“ – wie lange geht das noch?

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Rüdiger Born: Die aktuelle Lage am verkürzten US-Handelstag

Rüdiger Born

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Ich melde mich im folgenden Video mit einem kurzen Überblick zur aktuellen Marktlage. Denken Sie an den heute verkürzten Handelstag in den USA!

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Nikkei 225: Das Comeback des japanischen Leitindex

Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Nikkei 225 – trotz explodierender Schulden

Wolfgang Müller

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Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Sammelindex Nikkei 225, inmitten der Corona-Krise und bei explodierenden Staatsschulden. Dieser bemüht sich nach Kräften, endlich das Trauma des Immobilien-Crashs von 1989 zu neutralisieren, der Index kletterte jüngst auf ein fast 30-Jahreshoch.

Der japanische Index – auf dem Weg zu alten Höhen?

Immer wieder wird von Aktienpessimisten Japan als Negativbeispiel angeführt. Der unheimliche Aktien-Boom in den 1980-er-Jahren, verbunden mit der Immobilienblase (Hans-Werner Sinn: Für Tokyo hätte man ganz Kanada kaufen können!) führte zu abstrusen Börsenbewertungen:

 

Die Mutter aller Index-Fahnenstangencharts (bis zur Corona-Krise):

Die Aktienmärkte - hier der Nikkei

Der Höchststand des Nikkei 225 vom 29. Dezember 1989 lag auf Schlusskursbasis bei 38.913 Punkten, dann erfolgte ein Absturz ohnegleichen mit vielen erratischen Schwankungen und einem Tief am Ende der Finanzkrise von 7054 Punkten.

Aber wer hat im Jahr 1989 all sein Geld in den Nikkei 225 investiert und nicht vorher und danach? Im Übrigen hätte ein monatlicher Sparplan auf den Index über viele Jahre eine gewaltige Rendite gebracht, durch den Cost-Average-Effekt, nur muss der Index irgendwann einmal kräftig anziehen, dann schießt der Wert mit all den billig erworbenen Anteilen kräftig in die Höhe. So wie es beim Nikkei 225 schon seit geraumer Zeit aufwärts geht.

Ein Vergleich der Marktperformance:

Seit dem Corona-Tief:

S&P 500: plus 60 Prozent
Dax: plus 52 Prozent
Nikkei: plus 50 Prozent

Seit dem Tief in der Finanzkrise 2009:

S&P 500: plus 436 Prozent
Dax: plus 362 Prozent
Nikkei: plus 364 Prozent
Jetzt ist der Index noch weiter gestiegen und erreichte gestern 26.537 Punkte.

Wobei hier wieder einmal festzustellen ist, dass bei unserem Dax als Performanceindex die ausgeschütteten Dividenden mit eingerechnet wurden, anders als bei den international üblichen Kursindizes. Was im Jahresvergleich nicht viel ausmacht, verzerrt das Bild bei einem 11-Jahreszeitraum durch den Zinseszinseffekt doch sehr deutlich.

Was also fast nach einem Gleichlauf aussieht, wird im 3-Monatsvergleich nach dem Einstieg von Warren Buffett deutlicher, Japan fiel im Oktober nicht mehr so stark und erholte sich stärker.

S&P 500: plus 4 Prozent
Dax: plus 1 Prozent
Nikkei: plus 13 Prozent

Die Entwicklung der Wirtschaft

Dass die Börse in Japan so stark gestiegen ist, liegt zum einen natürlich an der Bank of Japan, die bereits 53 Prozent der japanischen Staatsanleihen in ihren Büchern hält und immer wieder ETFs auf den Aktienmarkt erwirbt.

Der Nikkei 225 mit seinen über 12 Billionen Euro Marktkapitalisierung hat natürlich noch andere Investoren.

Aber vonseiten der Wirtschaft gibt es auch einige Signale der Hoffnung.

Doch zunächst zum Einstieg von Warren Buffett. Seine Gesellschaft Berkshire Hathaway kaufte im Herbst etwas mehr als fünf Prozent der Aktien der fünf großen japanischen Handelshäuser, die jahrzehntelang Japans Außenhandel bestimmt haben. Für uns relativ unbekannte Namen wie Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo. Und seine Gesellschaft sei bereit, den Einsatz auf bis zu 9,9 Prozent zu erhöhen.

Japan ist verglichen mit den USA erheblich preiswerter. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des Dow Jones liegt bei 2,9, jenes des Nikkei 225 hingegen nur mit bei 1,1.

Japans Wirtschaft erholt sich derzeit von einer Rezession, die schon im vierten Quartal 2019 begonnen hatte. Japans Konsumenten erhöhten ihre Ausgaben im Sommer um 4,7 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal auf Jahresbasis um 21,4 Prozent, 2,5 Prozent stärker als von Analysten erwartet wurde.

Hinzu kommt, dass die XXVII. Olympischen Sommerspiele in Tokyo doch vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 stattfinden sollen, wie IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bei seinem letzen Besuch in Japan angekündigt hat.

Ein Schub durch das Freihandelsabkommen RCEP

Das vor knapp zwei Wochen abgeschlossene Freihandelsabkommen RCEP, abgekürzt für Regional Comprehensive Economic Partnership, zwischen 15 Ländern Ostasiens und Ozeaniens, gab der Börse einen weiteren Kick. Japan erhält dadurch erstmals bevorzugten Zugang zu China und Südkorea. Die Annäherung der drei Länder gilt als historischer Vorgang. Das Abkommen wird als Wegbereiter für ein künftiges asiatisches Wirtschaftswachstum gesehen, auch zu einer Zeit, in der sich die Region ohnehin aufgrund der Eindämmung der Pandemie konjunkturell besser als der Rest der Welt entwickelt.

Fazit

Was kann man aus der diesjährigen Entwicklung des Nikkei für Lehren ziehen? Staatsschulden, selbst in astronomischer Höhe (über 250 % zum Bruttoinlandsprodukt), führen nicht zwangsläufig zum Einbruch. Nämlich dann, wenn die Bürger an die Stabilität der eigenen Währung glauben und genügend Sparvermögen bilden und natürlich von der Funktionsfähigkeit der eigenen Notenbank überzeugt sind, die viele der Staatssschulden in ihren Büchern hält. Das Vertrauen in das Geld ist Grundvoraussetzung für die Schuldentragfähigkeit.

Dann sollte die eigene Währung eine gewisse Stabilität aufweisen, damit die Exportwirtschaft nicht unter die Räder gerät, aber auch ausländische Produkte für die Bürger erschwinglich bleiben. Ganz besonders wichtig ist natürlich die Stabilität des Geldes im Hinblick auf die Inflation. In Japan lag die Teuerungsrate über 20 Jahre gerade mal bei 0,5 Prozent per annum. Aber aus dieser Argumentation könnte man auch schlussfolgern, dass es dann krachen wird, wenn auch nur einer der drei Faktor nicht mehr gegeben ist, insbesondere wenn die Inflation zu galoppieren beginnt. Inflation, das Thema der nächsten Jahre nach der epochalen Geldschwemme des Corona-Jahres 2020?

 

Der Nikkei in Japan mit zuletzt starker Entwicklung

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