Folgen Sie uns

Allgemein

Coronavirus: Warum der Sonderweg in Schweden NICHT gescheitert ist

Avatar

Veröffentlicht

am

In Schweden sind fast 3.000 Menschen an Corona gestorben – ist der schwedische Sonderweg im Kampf gegen das Coronavirus damit gescheitert? Die Antwort gibt es in dieser Analyse, basierend auf fünf Kategorien.

Wir haben Anfang Mai und der Gegensatz zwischen Deutschland und Schweden könnte größer nicht sein: Bei uns sind die Restaurants und Bars weiterhin geschlossen, die meisten Schülerinnen und Schüler müssen zu Hause bleiben. Und beim Einkaufen gilt eine Maskenpflicht.
In Schweden dagegen sitzen die Leute bei einem Bierchen mit Freunden in der Sonne, gehen ganz entspannt shoppen und bis zur 9. Klasse wird ganz normal unterrichtet. Auf der ganzen Welt spricht man über den schwedischen Sonderweg in Sachen Coronavirus – manche bewundern die Strategie, andere sind verwundert. Warum das Land nicht auf Verbote, sondern auf Vernunft und Verantwortung setzt, habe ich euch in diesem Video gezeigt. Jetzt wird‘s Zeit für ein Zwischenfazit: Was haben diese Maßnahmen eigentlich gebracht?

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Wir klären jetzt anhand von fünf Kategorien, ob die schwedische Strategie bei der Bekämpfung des Coronavirus richtig oder falsch war – und ob sie ein Vorbild für Deutschland sein könnte. Beginnen wir mit dem Allerwichtigsten.

Coronavirus in Schweden: 1. Todesfälle

In Schweden sind (Stand: 6. Mai) bereits mehr als 2.800 Menschen an den Folgen des Coronavirus gestorben. Um diese Zahl einorden zu können, muss man sie ins Verhältnis der Einwohnerzahl setzen. Our World in Data zeigt, wie sich die Zahl der Todesfälle pro eine Million Einwohner seit dem Ausbruch der Pandemie entwickelt hat. Im Vergleich zu Deutschland sind in Schweden mehr als drei Mal so viele Menschen gestorben, im Vergleich zu den Nachbarländern Finnland und Norwegen sogar fast sieben Mal so viele.

Was ist der Grund für die hohe Sterberate in Schweden? Dazu werfen wir einen genaueren Blick auf die Statistik. Mehr als die Hälft der Toten stammt aus Stockholm. In der Hauptstadt hat sich das Virus sehr stark ausgebreitet. Der Kopf hinter der schwedischen Strategie – der Staatsepidemiologe Anders Tegnell – sagt dazu in diesem Video: „Some 70,000 people in the Stockholm area probably got infected. We believe that some 25 % of the population have had the disease by the 1st of May.“

Das wäre schon ein großer Schritt in Richtung Herdenimmunität gegen das Coronavirus – also ein Zustand, in dem die Mehrheit der Bevölkerung immun gegen das Virus ist und damit die Ausbreitung gestoppt wird. Das Problem ist aber, wenn sich auf dem Weg dahin alte und schwache Menschen anstecken – und genau das ist in Stockholm passiert. Laut einem Zeitungsbericht gibt es in drei von vier Altenheimen infizierte Personen.

Die Kritik am schwedischen Sonderweg

In diesen Einrichtungen sind Besuche zwar verboten, aber anscheinend haben die Pflegekräfte das Coronavirus eingeschleppt. Und weil es dort viel zu wenig Schutzkleidung und Masken gibt, breitete sich die Lungenkrankheit schnell aus. Für hunderte schwedische Senioren endete das tödlich. Man muss also ganz klar sagen: Schweden hat dabei versagt, diesen Teil der Bevölkerung ausreichend zu schützen. Kein Wunder also, dass es Kritik an der Strategie von Anders Tegnell gibt.

In einem Artikel fordern mehr als 20 schwedische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Restaurants und Schulen zu schließen – andernfalls befürchten sie Todeszahlen wie in Italien. Und zwei Forscher haben berechnet, dass die endgültige Todeszahl in Schweden bei über 10.000 liegen wird.

Das Erstaunliche ist: Trotz dieser Fakten hält die oberste Gesundheitsbehörde an der Strategie fest, das alltägliche Leben nicht weiter einzuschränken. Dabei würde es in Deutschland vermutlich einen Riesenaufschrei geben, wenn wir so viele Tote hätten. Wie die schwedische Bevölkerung das sieht, klären wir in Punkt 2.

Coronavirus in Schweden: 2. Stimmung

An der Spitze der schwedischen Regierung steht seit fast sechs Jahren der Sozialdemokrat Stefan Löfven. Er hätte theoretisch das Recht dazu, per Notstandsgesetz den Lockdown zu verordnen. Bisher hat er das aber nicht getan, stattdessen folgt er den Empfehlungen von Anders Tegnell. Und die Schweden stützen diesen Kurs.

Schon im zweiten Monat in Folge legten die Sozialdemokraten – hier ganz links in rot – im Wählerbarometer des schwedischen Senders SVT deutlich zu. Der Grund dafür: Die Bevölkerung hat nach wie vor ein großes Vertrauen darin, dass die Behörden das Virus unter Kontrolle haben. Diese Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Novus zeigt: Zwei von drei Schweden finden, dass ihr Land gut mit der Krise umgeht.

Es gibt sogar einen regelrechten Personenkult um den Staatsepidemiologen Anders Tegnell – vor allem bei jungen Leuten. Manche Schwedinnen tragen ihn als T-Shirt, andere drucken sein Konterfei auf Stoffbeutel. Oder sie bauen ihm gleich ein Denkmal – aus Seife. Und einer hat sich sein Gesicht sogar als Tattoo stechen lassen.

Trotz der hohen Todeszahlen muss man also sagen: Der Großteil der schwedischen Bevölkerung ist nach wie vor einverstanden mit dem Sonderweg. Sie wollen keine Verbote, sondern leben lieber mit Empfehlungen. Aber halten sie sich auch wirklich daran? Damit kommen wir zu Kategorie 3.

Corona in Schweden: 3. Eigenverantwortung

Am Anfang dieses Videos habe ich euch aktuelle Bilder aus Schweden gezeigt, auf denen alles ziemlich normal aussieht. Das sind aber nur Momentaufnahmen. Eine bessere Übersicht liefert der Mobility Report von Google, der die Bewegungsdaten von einzelnen Ländern in Zeiten von Corona auswertet. Und tatsächlich: Im Vergleich zum Beginn des Jahres gehen die Stockholmer weniger in Cafés und Kaufhäuser, außerdem hat die Nutzung des Nahverkehrs deutlich abgenommen.

Das Osterwochenende war ein besonders wichtiger Test für die Strategie der Eigenverantwortung – und die Schweden haben ihn bestanden. Laut der Daten des Mobilfunkanbieters Telia hat die Zahl der Reisen von Stockholm in beliebte Urlaubsgebiete wie zum Beispiel Gotland im Vergleich zum Vorjahr um 80 bis 90 Prozent abgenommen.

Wenn es mal doch Menschengedränge gibt, greift die Politik durch. In Stockholm wurden vor Kurzem mehrere Bars und Restaurants für ein paar Tage dicht gemacht, weil der Abstand zwischen den Gästen zu gering war. Und in der Studentenstadt Lund hat sich der Gemeinderatsvorsitzende etwas besonderes einfallen lassen: Um eine Tanz in den Mai-Party zu verhindern, ließ er eine Tonne Hühnerkot im Stadtpark verteilen.

Pragmatische Entscheidung, würde ich sagen – und eben typisch schwedisch: Scheiß auf Verbote, es lebe die Vernunft! Dieser Teil des Sonderwegs scheint also gut zu funktionieren. Deshalb würde ich jetzt sagen: Zeit für Kategorie 4.

Schweden und Coronavirus: 4. Gesundheitssystem

Obwohl Schwedens Weg so anders ist, wollen sie doch das gleiche Ziel wie alle anderen Länder erreichen: das Gesundheitssystem nicht überlasten, damit alle Schwerkranken behandelt werden können. Am Anfang war ich ehrlich gesagt skeptisch ob die das hinbekommen, der Grund dafür ist diese Statistik:

Das Coronavirus in Schweden: Intensivbetten

Schweden hat die geringste Zahl an Krankenhausbetten für die Akutversorgung in Europa – pro 1.000 Einwohner waren 2017 im Schnitt gerade einmal zwei vorhanden. Trotzdem hat Schweden es geschafft, dass die Kapazitäten zu keiner Zeit überlastet waren. Das berichtet der Epidemiologe Anders Tegnell: „When it comes to our health care system it has been working very well. At least 20 % of the beds have been empty.“

Der entscheidende Grund dafür ist, dass die Zahl der Betten in den vergangenen Wochen erhöht wurden, so wie in Deutschland auch. In diesem Punkt hat der schwedische Sonderweg also auf jeden Fall funktioniert. Kommen wir damit zum letzten Punkt.

Corona in Schweden: 5. Wirtschaft

Zuerst ein Blick nach Deutschland: Ende April hat unser Wirtschaftsminister Peter Altmaier bei der sogenannten Frühjahrsprojektion berichtet, welche dramatischen Folgen das Virus hat. „Wir gehen davon aus, dass die Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland in diesem Jahr um 6,3 Prozent, also um rund 6 Prozent schrumpfen wird“, sagte er in dieser Pressekonferenz.

Und in Schweden? Da geht die schwedische Zentralbank davon aus, dass die Wirtschaft in diesem Jahr um 6,9 Prozent schrumpfen wird – also auf den ersten Blick kein Vorteil gegenüber Deutschland. Wenn man sich aber die Situation während des Shutdowns anschaut, ergibt sich ein anderes Bild. Das Münchner ifo Institut meldet dafür einen Einbruch von 16 Prozent in Deutschland. Besonders schwer getroffen ist neben der Reise- und Tourismusindustrie das Gastgewerbe. Logisch: hat ja alles dicht.

In Schweden dagegen haben Restaurants, Cafés und Bars weiter geöffnet. Weil weniger Leute kommen, geht der Umsatz natürlich trotzdem runter – aber eben bei weitem nicht so stark wie in Deutschland. Der schwedische Minister für Unternehmertum schätzt, dass manche Gastronomiebetriebe einen Einbruch von 50 Prozent haben. Und die schwedische Finanzministerin sagte der New York Times, dass Friseure Restaurants und Hotels im Vergleich zu anderen Ländern weniger Einbußen haben.

Unterm Strich sind also schwedische Konzerne ähnlich stark betroffen wie in Deutschland, weil sie deutlich weniger Ware im Ausland verkaufen können und Fabriken für eine Zeit lang stillstanden. Bei den kleineren Unternehmen aber ist Schweden etwas im Vorteil, weil die Nachfrage nicht komplett eingebrochen ist.

Fazit: Der schwedische Sonderweg ist nicht gescheitert!

Ob der schwedische Sonderweg richtig ist oder nicht – das kann man zum jetzigen Zeitpunkt auf keinen Fall abschließend beurteilen. Aber sicher ist auf jeden Fall: Er ist nicht gescheitert! Natürlich ist die Zahl der Toten erschreckend hoch. Aber vielleicht wird man in einem Jahr sehen, dass es im Vergleich zu anderen Ländern gar nicht so viele mehr waren – und dass der Anstieg am Anfang einfach nur sehr steil war, weil Schweden weniger strikte Maßnahmen hatte. Die schwedische Politik jedenfalls vertraut darauf – und betont dabei eine Sache immer wieder: Der Kampf gegen das Coronavirus ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

Während wir uns in Deutschland also vor einer zweiten oder vielleicht sogar dritten Infektionswelle fürchten, bei der wir dann wieder zurück zum Lockdown müssten, ist der Kern der schwedischen Philosophie: „What we are doing in Sweden we can continue doing that for a long time and I think that’s gonna proof to be very very important in the long run.“

Es geht also darum, die Bevölkerung nicht nur kurzfristig und körperlich vor dem Virus zu schützen – sondern sie auch langfristig davor zu bewahren, wirtschaftlich runiert zu sein und die Lust am Leben zu verlieren. Und tatsächlich hat jetzt sogar der Nothilfedirektor der Weltgesundheitsorganisation dieses Modell empfohlen:

Zum Schluss habe ich noch zwei Zahlen für euch die zeigen, dass der schwedische Sonderweg bisher tatsächlich in die richtige Richtung geführt hat. Da ist zum einen die Reproduktionszahl. Sie gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Wenn diese Zahl kleiner als 1 ist, bedeutet das: Corona stirbt langsam aber sicher aus. Schauen wir doch mal, wie sich das in Schweden entwickelt hat.

Schweden Reproduktionszahlen mit Coronavirus

Und tatsächlich ist die Reproduktionszahl Ende April deutlich unter 1 gesunken – ein echter Erfolg für die Strategie der Gesundheitsbehörde. Außerdem gibt es noch eine andere Entwicklung, die Mut macht: In der schwedischen Hauptstadt Stockholm, die am stärksten von der Lungenkrankheit betroffen ist, sinkt seit Mitte April die Anzahl der Todesfälle pro Woche. Es könnte also sein, dass Schweden das Schlimmste bereits hinter sich hat – und all das ohne Lockdown.

Da stellt sich natürlich die Frage: Hätten wir das bei uns nicht auch so machen können? Meine Meinung ist: nein. Denn man muss sich ja überlegen, was diese hohe Sterberate in einem bevölkerungsreichen Land wie Deutschland bedeutet hätte: mehrere Zehntausend Tote! Ich bin froh, dass unsere Politik dieses Risiko nicht in Kauf genommen hat.

Außerdem ist Schweden ja abgesehen von der Region Stockholm sehr dünn besiedelt. Und selbst in der Hauptstadt wohnen viel mehr Leute alleine als bei uns – da ist Social Distancing natürlich deutlich leichter. Als Fazit würde ich sagen: Der schwedische Sonderweg ist richtig für die Bedindungen und die Bevölkerung in Schweden. Er ist aber nicht wirklich übertragbar auf andere Länder. Jetzt bin ich gespannt auf eure Meinung:

Wie bewertet ihr die Maßnahmen in Schweden? Schreibts mir gerne in die Kommentare, ich freue mich sehr auf die Diskussion. Ich hoffe, euch hat dieses Video gefallen. Wenn ihr meine Arbeit als unabhängiger Journalist unterstützen wollt, abonnniert gerne meinen Youtube-Kanal WasmitWirtschaft – und dann sehen wir uns bei vielen weiteren Videos wieder. Machts gut! Euer Max.

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Mic

    6. Mai 2020 18:54 at 18:54

    Ich suche die ganze Zeit nach einer einzigen Studie, die belegt, dass die Maßnahmen die über das Großveranstaltungsverbot hinaus gehen, einen Effekt haben. Ich finde nur Untersuchungen die besagen, dass das kaum messbar ist.

    https://www.heise.de/tp/features/COVID-19-WHO-Studie-findet-kaum-Belege-fuer-die-Wirksamkeit-von-Eindaemmungsmassnahmen-4706446.html

    https://www.theguardian.com/world/2020/apr/17/antibody-study-suggests-coronavirus-is-far-more-widespread-than-previously-thought

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32179701

    https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/corona-nach-saarland-urteil-riesen-zweifel-ob-massnahmen-wirklich-helfen-70361550.bild.html

    https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/feuchte-aussprache-wie-verteilt-sich-das-coronavirus-16756426.html

    https://www.zdf.de/gesellschaft/markus-lanz/markus-lanz-vom-31-maerz-2020-100.html

    Und wenn es einen Unterschied machen sollte, wie man agiert, dann sind die Todeszahlen in Schweden ja nur höher, weil die bereits weiter fortgeschritten in der Pandemie sind.

    Aber ich finde wie gesagt nichts, das belegt, das Kontaktbeschränkungen in jeglicher Form je was gebracht hätten.

    • Avatar

      Andy

      25. Mai 2020 01:54 at 01:54

      Eine merkwürdig unkritische Verteidigung des hochriskanten Kurses, die die erschreckenden Todeszahlen zwar erwähnt, aber versucht mit Punkten aufzuwiegen, die nahezu lächerlich sind…Als Beispiel seien hier gewisse evt. nicht ganz so schwere Verluste von Gastronomen und Fanboys für einen Virologen angeführt. Zudem wird völlig ignoriert dass man Gestorbene nicht mehr zum Leben erwecken kann, sollten mittlerweile wirksame Medikamente oder ein Impfstoff gefunden werden…

  2. Avatar

    Becker

    6. Mai 2020 19:02 at 19:02

    Hallo ich find den Schwedischen Weg teilweise gut. Hätten die Schweden in den Ballungsgebieten die Maßnahmen verstärkt wäre wahrscheinlich weniger passiert.
    Bei uns richtet sich alles nach Bundes und Landespolitischer Auffassung. Ich wohne auf dem Land und hier in meinem Ort und in den Nachbargemeinden hat es bis jetzt keinen Coronafall gegeben Trotzdem sind alle Schulen Kneipen und Restaurates Fitnisstudios geschlossen.
    Eine Einschätzung der Stadträte und Bürgermeister wird nicht gefragt und diese können für Ihre Bürger auch nichts tun. find ich sehr schade.

  3. Avatar

    Columbo

    6. Mai 2020 21:16 at 21:16

    Wenn Sie den Epidemiologen Karl Lauterbach fragen, sagt er Ihnen, der Weg Schwedens sei verantwortungslos.

  4. Avatar

    Tino Gruchmann

    6. Mai 2020 21:35 at 21:35

    Schweden hat einen Fehler wie fast alle mit dem Schutz der Altenheime gemacht. Wenn man Schweden mit Spanien, also dem stärksten Shutdown Vergleicht dann schneidet Schweden um Meilen besser ab. Abgesehen davon die 3000 Coronatoten sind teilweise auch mit und nicht nur durch Corona gestorben.

    • Avatar

      Andy

      25. Mai 2020 01:47 at 01:47

      Was soll eigentlich diese ausgesprochen dumme Unterscheidung bringen, die höchstens als Todeskosmetik taugt. Covid19 ist ein Multi Organ Virus, das gerade bei Älteren und Vorerkrankten zu schweren und tödlichen Verläufen führt. Es verkürzt Lebenszeit und vermindert Lebensqualität durch dauerhafte Schäden an der Lunge, den Nieren oder Gefäßen. Wenn sich eine Grunderkrankung wie Diabetes, mit der man noch viele Jahre hätte leben können, so verschlechtert dass Menschen versterben, weil das Virus einen befällt, dann trägt es auch die Schuld, weil es den Sterbeprozess über Umwege einleitet. Den Toten und Hinterbliebenen nutzt Ihre zynische Differenzierung wenig…

  5. Avatar

    F. Beyer

    7. Mai 2020 08:39 at 08:39

    Ein schnelles Ende des Lockdown läuft den Interessen von Bill Gates zuwider. Und da unsere Bundesregierung offensichtlich seine Interessen vertritt, werden die Lockerungsmaßnahmen so lange wie möglich hinausgezögert werden.

    • Avatar

      Nico

      7. Mai 2020 09:58 at 09:58

      @F. Beyer. Sie haben schon verstanden, dass die Umsetzung der Maßnahmen Sache der Bundesländer geworden ist.
      Mecklenburg-Vorpommern wird sich zum Beispiel bei der Umsetzung des Tourismus-Konzepts eher nicht um Bill Gates scheren. Zu viel Verschwörungstheorie.

  6. Avatar

    Ottmar Kienle

    8. Mai 2020 12:40 at 12:40

    Grundsätzlich sind unterschiedliche Strategien beim Umgang mit Corona hilfreich da man nur voneinander lernen kann. Möglicherweise klappt es in Schweden, allerdings zum Preis von 7x mehr Toten wie in den vergleichbaren Nachbarländer Finnland und Norwegen! Übertragen auf Deutschland hätten wir also jetzt um die 35 tsd Tote.
    Großbritannien ist mit der gleichen Methode krachend gescheitert und ist nun trauriger Rekordhalter in Mitteleuropa was Corona-Tote angeht, ähnliches Szenario in den USA.
    Trotzdem müssen auch wir uns an eine Lösung herantasten mit möglichst wenig Beschränkungen bei gerade noch medizinisch beherrschbaren Infektionszahlen. Ein Tanz auf der Rasierklinge klar, aber wollen wir tatsächlich evtl. jahrelang mit teils erheblichen Einschränkungen leben, von den wirtschaftlichen Folgen gar nicht zu reden.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Atemmasken: Deutschland produziert sie ab Mitte 2021

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Es klingt ein bisschen wie ein Scherz, dass man jetzt den ersten Förderbescheid für die Produktion von Atemmasken seitens der Regierung erteilt hat, eine Allzweckwaffe für die Eindämmung von Covid-19. Im Frühjahr hatte man schmerzlich die Abhängigkeit von China in Sachen medizinischer Schutzausrüstung erkennen müssen. Der kleine Schönheitsfehler dabei: Die Produktion von Atemmasken beginnt erst im Sommer des neuen Jahres.

Der unvorhergesehene Mangel bei Atemmasken

Es war im Frühjahr ein kleiner Schock für das Hochtechnologieland Deutschland: Wir haben hierzulande zwar einen der Weltmarktführer für Beatmungsgeräte (Drägerwerk in Lübeck – Nummer drei für Intensivstationen, Nummer eins für mobile Geräte), aber bei Atemmasken war man in großem Maße abhängig von China. Die weltweite Ausbreitung von Covid-19 sorgte rasch für Ausfuhrverbote medizinischer Schutzausrüstungen und der Bundesregierung wurde klar, dass man handeln musste. Es wurde im Frühjahr ein Förderprogramm für alle Arten von Schutzmasken aufgelegt – und jetzt wurde der erste Förderbescheid an ein deutsches Unternehmen von Wirtschaftsminister Peter Altmaier übergeben. Vorher wurden notfallmäßig Mund-Nasen-Schutzmasken produziert. Unglaublich, wer sich dabei alles an der Produktion beteiligt hat.

Die erste Firma ist Skylotec aus dem rheinland-pfälzischen Neuwied, ein Unternehmen, welches vorher hauptsächlich Absturzsicherungen für Kletterer in der Industrie und im Freizeitbereich hergestellt hat.

Der Bund gab 3,2 Millionen Euro an Fördermitteln, zur Produktion von einer halben Milliarde Masken, ab Sommer diesen Jahres. Anschließend sollen auch die effektiveren FFP2- Masken hergestellt werden, 54 Millionen Stück. Skylotec bekommt damit ein Drittel der Investitionssumme vom Staat. Insgesamt liegen dem Wirtschaftsministerium 270 Anträge für eine staatliche Unterstützung in dieser Produktion vor. Wirtschaftsminister Peter Altmaier weiß natürlich, dass es kritische Fragen geben wird, warum es so lange dauert, bis ein so einfaches Produkt in die Massenfertigung geht. Seine Antwort:

„Man kann solche Programme nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampfen. Wir wissen nicht, wie lange es dauert, bis wir alle, die geimpft werden wollen, auch impfen können.“ Die Atemmasken würden in jedem Fall gebraucht werden. „Ob Corona oder nicht, es wird auch künftig Pandemien geben“, so der Minister.

Aber anscheinend hätte die Firma auch ohne Fördergelder mit der Investition begonnen, so der Geschäftsführer von Skylotec, Kai Rinklake.

Ob man im Spätherbst wirklich gleich noch Millionen an Atemmasken (zusätzlich) benötigen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Fazit

Inmitten der Euphorie um die Impfstoffzulassungen, bereits mit ganz konkreten Zahlen – in Hamburg plant man anfangs mit 7000 Impfungen pro Tag, in Berlin mit 5000 -, kommt die Meldung über die ersten Subventionsbescheide der Regierung in Sachen Atemmasken. Irgendwie ein grotesker Widerspuch: Eine Impfstoffentwicklung in noch nie gesehener Geschwindigkeit und die planerische Vorbereitung eines „Hightech-Produktes“ mit Produktionsbeginn in ein paar Quartalen. Ein Gutes hat die Sache: Laut dem Countrymeter liegt die Weltbevölkerung aktuell bereits bei über 7,85 Milliarden Menschen, der Zuwachs 2020 beträgt schon fast 89 Millionen neue Erdenbürger. Da ist es nicht verkehrt, sich prophylaktisch mit Infektionsschutzgerät auszurüsten: nach dem Virus ist vor dem Virus.

Deutschland produziert Atemmasken ab Sommer 2021

weiterlesen

Allgemein

Autoindustrie: Alles Euphorie oder was? Nur Tesla boomt!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Autos auf Parkplatz

Tesla boomt, aber so richtig! Aber dazu später mehr in diesem Artikel. Haben wir uns geirrt? Was ist hier los? Nein, schauen wir genauer hin. Gestern berichteten wir über die Meldung des ifo-Instituts zu den Geschäftsaussichten (!) der Autoindustrie für die nächsten Monate. Und die haben sich übelst verschlechtert dank dem zweiten Corona-Lockdown. Sie werden von ifo in einem Punkte-Index gemessen. Die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sanken demnach dramatisch von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November (hier die Details).

Verband der Autoindustrie erwähnt bei Inlandsproduktion erstes Plus in diesem Jahr

Aber die stark verfinsterten Aussichten der Autoindustrie sind ja etwas anderes als der derzeitige Zustand der Branche. Und geht man danach, dann ist die Laune gerade heute am 3. Dezember ziemlich gut. Da wäre zunächst der Automobilverband VDA mit seiner ganz frischen Meldung zu nennen. Die deutsche Autoindustrie hat im November zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Im abgelaufenen Monat liefen – unterstützt durch einen zusätzlichen Arbeitstag – 7 Prozent mehr Pkw in Deutschland vom Band (449.900 Einheiten). Damit wurde erstmals in diesem Jahr das Produktionsniveau eines Vorjahresmonats übertroffen. Zwar erwartet der VDA für das Gesamtjahr 2020 ein Volumen von rund 2,9 Millionen Neuzulassungen. Das sei ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber für den Pkw-Inlandsmarkt erwartet man im kommenden Jahr ein Wachstum von 9 Prozent auf 3,1 Millionen Neuzulassungen. Damit sei das Vor-Krisenniveau allerdings noch in weiter Ferne.

Analysten mit aktuellem Kommentar

Die Analysten der Commerzbank sehen in ihrem aktuellen Kommentar die Lage für die Autoindustrie recht optimistisch. Die deutsche Automobilindustrie habe den Einbruch aus dem Frühjahr wettgemacht. Im November wurden in Deutschland zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Dies sei ein weiterer Hinweis darauf, dass zumindest die Industrie bisher durch die gestiegenen Infektionszahlen und die neuerlichen Corona-Einschränkungen nicht spürbar beeinträchtigt wurde, so der Analyst Dr. Ralph Solveen. Er erwähnt, dass auf Basis einer Saisonbereinigung fast 19 Prozent mehr Autos produziert worden seien als im Oktober. Damit seien die saisonbereinigten Produktionszahlen sogar etwas höher ausgefallen als im Durchschnitt des Jahres 2019, also vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Weiter sagt er, hier auszugsweise im Wortlaut: Zunächst einmal zeigen die heutigen Zahlen aber einmal mehr, dass die Industrie von den deutlich gestiegenen Infektionszahlen und den neuerlichen von der Politik verhängten Corona-Einschränkungen kaum beeinträchtigt wird.

Autozulassungen

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat heute Mittag Daten für die Autozulassungen im November veröffentlicht. Die zeigen einen guten Ist-Zustand für die Autoindustrie. Im November wurden in Deutschland 290.150 Neuwagen zum Straßenverkehr zugelassen. Damit liegt man 3,0 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahresmonats. Die Anzahl privater Zulassungen nahm um +22,8 Prozent zu, ihr Anteil betrug 39,4 Prozent. Die gewerblichen Zulassungen gingen um -14,7 Prozent zurück. Die Autozulassungen bei Tesla explodieren mit +500 Prozent! Hier weitere Details des KBA, auszugsweise im Wortlaut:

Die deutschen Marken Opel (+17,1 %), Audi (+3,1 %) und Mercedes (+0,5 %) erzielten Zulassungssteigerungen. Bei den weiteren deutschen Marken zeigten sich Rückgänge, die bei Smart (-49,2 %), VW (-18,4 %) und Ford (-15,8 %) zweistellig ausfielen. Mit 17,6 Prozent erreichte VW erneut den größten Neuzulassungsanteil.

Bei den Importmarken fiel die Neuzulassungsbilanz im November überwiegend positiv aus. Zweistellige Zuwächse von mehr als 30 Prozent zeigten sich bei Tesla (+500,0 %), Fiat (+42,7 %) und Toyota (+33,1 %). Um mehr als 20 Prozent waren die Zulassungen bei Renault (+29,2 %) und Citroen (+28,6 %) gestiegen. Ein Zulassungsminus von mehr als 20 Prozent zeigte sich hingegen bei Ssangyong (-48,0 %), Jaguar (-34,8 %), Mitsubishi (-27,0 %), Alfa Romeo (-21,9 %) und Seat (-21,6 %). Den größten Neuzulassungsanteil verzeichnete hier Skoda mit 5,9 Prozent.

Neuzulassungen mit alternativen Antrieben erfuhren im November eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vergleichsmonat. Mit 28.965 Elektrofahrzeugen legte diese Antriebsart um +522,8 Prozent zu. 71.904 Hybridfahrzeuge bescherten ein Plus von +177,2 Prozent, darunter 30.621 Plug-in-Hybride, die einen Zuwachs von +383,4 Prozent erreichten. Flüssig- und Erdgasfahrzeuge erzielten zusammen ein Plus von +51,9 Prozent wobei der Anteil 0,5 Prozent betrug. Den größten Anteil bildeten dennoch mit 40,4 Prozent die Benziner, deren Neuzulassungsvolumen gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um -32,3 Prozent zurückging, gefolgt von den Diesel-Pkw, deren Anteil nach einem Minus von -25,2 Prozent 24,3 Prozent betrug.

Die folgende Grafik zeigt vor allem ganz rechts mit den roten Balken, wie alle Hersteller bei den Neuzulassungen (teils dramatisch) verlieren im Vergleich Januar-November 2020 zu Januar-November 2019. Nur Tesla boomt mit +37,2 Prozent!

Heute Statistik zeigt im Zulassungsrückgänge für die Autoindustrie

weiterlesen

Allgemein

Finanzaufseher reaktivieren den „legalen Bilanzbetrug“ bei Banken

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Hochhäuser von Banken in Frankfurt

Vom legalen Bilanzbetrug bei den Banken sprach schon vor Monaten Markus Krall. Ja und auch Nein, kann man dazu sagen. Wenn der Staat durch neue Gesetze oder Verordnungen eine Änderung vornimmt, wird eben aus einer Straftat oder einem Vergehen eine legale Vorgehensweise – so kann man es auch sehen. Werden Kreditforderungen bei Banken uneinbringbar, und der Kreditnehmer zahlt monatlich Tilgung und Zins nicht mehr, müssen die Banken die Forderung unter normalen Umständen eigentlich abschreiben.

Damit entsteht ein Verlust, der aus dem Eigenkapital der Bank ausgeglichen werden muss. Da die Finanzaufseher von BaFin und EBA (europäische Aufsichtsbehörde) aber richtigerweise annahmen, dass die Coronakrise massenweise Kreditausfälle und somit gigantische Verluste bei den Banken bescheren könnte, entschloss man sich im April dazu, den Banken europaweit eine kleine und unauffällige, aber extrem wichtige Erleichterung zuzugestehen. Sie waren von April bis Ende September nicht verpflichtet, bei gestundeten Krediten Abschreibungen vorzunehmen beziehungsweise Rückstellungen zu bilden.

Oder um es klarer auszudrücken: Schrottkredite mussten nicht länger als Verlust verbucht werden, womit die Bankbilanzen keine milliardenschweren Verluste ausweisen mussten. Und das, obwohl die Kreditforderungen in den Büchern Schrott waren. In welchem Umfang dies der Fall ist und war, wissen wir nicht. Denn wenn die Banken in ihren Büchern wertlose Forderungen weiter als werthaltig deklarieren, wie soll ein externer Beobachter dann wissen können, wie groß der Umfang des Schrotts ist?

„Legaler Bilanzbetrug“ bei Banken wieder erlaubt

Und nun lief diese Sonderregel bis Ende September. Von da an mussten auch diese wackligen Forderungen wieder wie früher sauber verbucht werden. Aber nun läuft ja die zweite Corona-Welle durch Europa. Viele neue Insolvenzen und damit ausgefallene Kredite drohen. Und was sehen wir da? Zack, EBA und BaFin veröffentlichten gestern die „Reaktivierung der Leitlinien zu allgemeinen Zahlungsmoratorien“. Dass es im Kern darum geht, dass Banken Schrott erneut nicht mehr als Schrott deklarieren müssen und daher auch keine Verluste ausweisen müssen, das wird so nicht direkt erwähnt. Man verweist nur auf die Reaktivierung einer alten Leitlinie (aber dort kann man es bei genauem Hinschauen nachlesen).

Zitat EBA aus April:

The aim of these Guidelines is to clarify the requirements for public and private moratoria, which if fulfilled, will help avoid the classification of exposures under the definition of forbearance or as defaulted under distressed restructuring.

Zitat BaFin im März:

So ist beispielsweise ein Schuldner nicht zwingend als ausgefallen einzustufen, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden.

Das Gute an dem Zeitpunkt könnte auch sein, dass sie über den Jahreswechsel (Stichtag 31.12.) gültig sind. Könnten Banken so die Chance haben, für das Gesamtjahr 2020 massenweise Schrottkredite als vollwertige Forderung im Jahresabschluss auszuweisen, womit gigantische Verluste vermieden werden können, obwohl sie real vorhanden sind? Denn die von nun an erfolgte Reaktivierung bedeutet, dass die Banken bis März 2021 wieder so tun können, als würden Schrottkredite vollwertige Forderungen in ihren Büchern darstellen. Ohne diese Reaktivierung müssen Banken automatisch damit beginnen Rückstellungen zu bilden für ausgefallene Kredite, bei denen die Kunden mit ihren Zahlungen mehr als 90 Tage im Verzug sind. Laut EBA können auch Kredite, die bislang nicht in den Genuss dieser „Erleichterungen“ kamen, nun auch von Zahlungsaufschüben profitieren.

Die BaFin erwähnt dazu, dass problematische Kredite auch weiterhin als solche in den Büchern ausgewiesen werden sollen. Aber hey, wenn ich Problemkredite als saubere Kredite deklarieren darf, dann nutze ich diese Gelegenheit doch? Zitat BaFin:

Die Reaktivierung werde sicherstellen, dass Darlehen, die bisher nicht in Zahlungsmoratorien einbezogen waren, nun auch einbezogen werden können. Die EBA will erreichen, dass die Institute weiter Kredite an die Realwirtschaft vergeben. Problematische Engagements sollen sie aber sauber in ihren Bilanzen abbilden. Daher darf eine neue Zahlungsentlastung – einschließlich ggf. bereits schon gewährter Zahlungsentlastungen – nur innerhalb von insgesamt neun Monaten fällige Zahlungen betreffen.

Die EBA erlaubt den Banken neue Zahlungsziele ohne genaue Prüfung jeden Kredits zu akzeptieren. Die neue Regelung soll wie gesagt bis Ende März 2021 gelten. Wohl um so zu tun, als würde man die Zügel diesmal enger anziehen und die Lage genau im Griff haben, führt man zwei verschärfende Beschränkungen ein, die aber auch für bereits bestehende Moratorien schon gelten.

So sollen die Banken ihrer jeweiligen Aufsichtsbehörde (in Deutschland der BaFin) Pläne vorlegen, aus denen hervorgehen soll, wie man sicherstellen will, dass man rechtzeitig die Zahlungsunfähigkeit eines Kreditkunden in Bezug auf die dem Moratorium unterliegenden Kredite bemerkt. Klingt doch ziemlich nach Erstellung von ein paar schönen Seiten Papier, die abgeheftet werden. Wir denken uns einen Notfallplan aus, reichen den beim Amt ein, und hoffen das Beste. Die Aufsichtsbehörde hofft auch das beste, und ist froh, dass wie vorgeschrieben ein „Plan“ eingereicht wurde?

Und noch was. Wenn im Rahmen eines allgemeinen Zahlungsmoratoriums durch Banken neue Zahlungsziele vereinbart werden, dann dürfen sie nicht länger als neun Monate dauern. Damit wird die Dauer eines Moratoriums gegenüber einem Kreditnehmer ab 30. September insgesamt gekappt. Dabei sollen auch die vor dem 30. September bestehenden Moratorien mit einbezogen werden. Auch für sie gelten die neuen Regeln, selbst wenn dann die Spanne von neun Monaten überschritten werden sollte.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage