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Coronavirus: Warum der Sonderweg in Schweden NICHT gescheitert ist

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In Schweden sind fast 3.000 Menschen an Corona gestorben – ist der schwedische Sonderweg im Kampf gegen das Coronavirus damit gescheitert? Die Antwort gibt es in dieser Analyse, basierend auf fünf Kategorien.

Wir haben Anfang Mai und der Gegensatz zwischen Deutschland und Schweden könnte größer nicht sein: Bei uns sind die Restaurants und Bars weiterhin geschlossen, die meisten Schülerinnen und Schüler müssen zu Hause bleiben. Und beim Einkaufen gilt eine Maskenpflicht.
In Schweden dagegen sitzen die Leute bei einem Bierchen mit Freunden in der Sonne, gehen ganz entspannt shoppen und bis zur 9. Klasse wird ganz normal unterrichtet. Auf der ganzen Welt spricht man über den schwedischen Sonderweg in Sachen Coronavirus – manche bewundern die Strategie, andere sind verwundert. Warum das Land nicht auf Verbote, sondern auf Vernunft und Verantwortung setzt, habe ich euch in diesem Video gezeigt. Jetzt wird‘s Zeit für ein Zwischenfazit: Was haben diese Maßnahmen eigentlich gebracht?

Wir klären jetzt anhand von fünf Kategorien, ob die schwedische Strategie bei der Bekämpfung des Coronavirus richtig oder falsch war – und ob sie ein Vorbild für Deutschland sein könnte. Beginnen wir mit dem Allerwichtigsten.

Coronavirus in Schweden: 1. Todesfälle

In Schweden sind (Stand: 6. Mai) bereits mehr als 2.800 Menschen an den Folgen des Coronavirus gestorben. Um diese Zahl einorden zu können, muss man sie ins Verhältnis der Einwohnerzahl setzen. Our World in Data zeigt, wie sich die Zahl der Todesfälle pro eine Million Einwohner seit dem Ausbruch der Pandemie entwickelt hat. Im Vergleich zu Deutschland sind in Schweden mehr als drei Mal so viele Menschen gestorben, im Vergleich zu den Nachbarländern Finnland und Norwegen sogar fast sieben Mal so viele.

Was ist der Grund für die hohe Sterberate in Schweden? Dazu werfen wir einen genaueren Blick auf die Statistik. Mehr als die Hälft der Toten stammt aus Stockholm. In der Hauptstadt hat sich das Virus sehr stark ausgebreitet. Der Kopf hinter der schwedischen Strategie – der Staatsepidemiologe Anders Tegnell – sagt dazu in diesem Video: „Some 70,000 people in the Stockholm area probably got infected. We believe that some 25 % of the population have had the disease by the 1st of May.“

Das wäre schon ein großer Schritt in Richtung Herdenimmunität gegen das Coronavirus – also ein Zustand, in dem die Mehrheit der Bevölkerung immun gegen das Virus ist und damit die Ausbreitung gestoppt wird. Das Problem ist aber, wenn sich auf dem Weg dahin alte und schwache Menschen anstecken – und genau das ist in Stockholm passiert. Laut einem Zeitungsbericht gibt es in drei von vier Altenheimen infizierte Personen.

Die Kritik am schwedischen Sonderweg

In diesen Einrichtungen sind Besuche zwar verboten, aber anscheinend haben die Pflegekräfte das Coronavirus eingeschleppt. Und weil es dort viel zu wenig Schutzkleidung und Masken gibt, breitete sich die Lungenkrankheit schnell aus. Für hunderte schwedische Senioren endete das tödlich. Man muss also ganz klar sagen: Schweden hat dabei versagt, diesen Teil der Bevölkerung ausreichend zu schützen. Kein Wunder also, dass es Kritik an der Strategie von Anders Tegnell gibt.

In einem Artikel fordern mehr als 20 schwedische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Restaurants und Schulen zu schließen – andernfalls befürchten sie Todeszahlen wie in Italien. Und zwei Forscher haben berechnet, dass die endgültige Todeszahl in Schweden bei über 10.000 liegen wird.

Das Erstaunliche ist: Trotz dieser Fakten hält die oberste Gesundheitsbehörde an der Strategie fest, das alltägliche Leben nicht weiter einzuschränken. Dabei würde es in Deutschland vermutlich einen Riesenaufschrei geben, wenn wir so viele Tote hätten. Wie die schwedische Bevölkerung das sieht, klären wir in Punkt 2.

Coronavirus in Schweden: 2. Stimmung

An der Spitze der schwedischen Regierung steht seit fast sechs Jahren der Sozialdemokrat Stefan Löfven. Er hätte theoretisch das Recht dazu, per Notstandsgesetz den Lockdown zu verordnen. Bisher hat er das aber nicht getan, stattdessen folgt er den Empfehlungen von Anders Tegnell. Und die Schweden stützen diesen Kurs.

Schon im zweiten Monat in Folge legten die Sozialdemokraten – hier ganz links in rot – im Wählerbarometer des schwedischen Senders SVT deutlich zu. Der Grund dafür: Die Bevölkerung hat nach wie vor ein großes Vertrauen darin, dass die Behörden das Virus unter Kontrolle haben. Diese Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Novus zeigt: Zwei von drei Schweden finden, dass ihr Land gut mit der Krise umgeht.

Es gibt sogar einen regelrechten Personenkult um den Staatsepidemiologen Anders Tegnell – vor allem bei jungen Leuten. Manche Schwedinnen tragen ihn als T-Shirt, andere drucken sein Konterfei auf Stoffbeutel. Oder sie bauen ihm gleich ein Denkmal – aus Seife. Und einer hat sich sein Gesicht sogar als Tattoo stechen lassen.

Trotz der hohen Todeszahlen muss man also sagen: Der Großteil der schwedischen Bevölkerung ist nach wie vor einverstanden mit dem Sonderweg. Sie wollen keine Verbote, sondern leben lieber mit Empfehlungen. Aber halten sie sich auch wirklich daran? Damit kommen wir zu Kategorie 3.

Corona in Schweden: 3. Eigenverantwortung

Am Anfang dieses Videos habe ich euch aktuelle Bilder aus Schweden gezeigt, auf denen alles ziemlich normal aussieht. Das sind aber nur Momentaufnahmen. Eine bessere Übersicht liefert der Mobility Report von Google, der die Bewegungsdaten von einzelnen Ländern in Zeiten von Corona auswertet. Und tatsächlich: Im Vergleich zum Beginn des Jahres gehen die Stockholmer weniger in Cafés und Kaufhäuser, außerdem hat die Nutzung des Nahverkehrs deutlich abgenommen.

Das Osterwochenende war ein besonders wichtiger Test für die Strategie der Eigenverantwortung – und die Schweden haben ihn bestanden. Laut der Daten des Mobilfunkanbieters Telia hat die Zahl der Reisen von Stockholm in beliebte Urlaubsgebiete wie zum Beispiel Gotland im Vergleich zum Vorjahr um 80 bis 90 Prozent abgenommen.

Wenn es mal doch Menschengedränge gibt, greift die Politik durch. In Stockholm wurden vor Kurzem mehrere Bars und Restaurants für ein paar Tage dicht gemacht, weil der Abstand zwischen den Gästen zu gering war. Und in der Studentenstadt Lund hat sich der Gemeinderatsvorsitzende etwas besonderes einfallen lassen: Um eine Tanz in den Mai-Party zu verhindern, ließ er eine Tonne Hühnerkot im Stadtpark verteilen.

Pragmatische Entscheidung, würde ich sagen – und eben typisch schwedisch: Scheiß auf Verbote, es lebe die Vernunft! Dieser Teil des Sonderwegs scheint also gut zu funktionieren. Deshalb würde ich jetzt sagen: Zeit für Kategorie 4.

Schweden und Coronavirus: 4. Gesundheitssystem

Obwohl Schwedens Weg so anders ist, wollen sie doch das gleiche Ziel wie alle anderen Länder erreichen: das Gesundheitssystem nicht überlasten, damit alle Schwerkranken behandelt werden können. Am Anfang war ich ehrlich gesagt skeptisch ob die das hinbekommen, der Grund dafür ist diese Statistik:

Das Coronavirus in Schweden: Intensivbetten

Schweden hat die geringste Zahl an Krankenhausbetten für die Akutversorgung in Europa – pro 1.000 Einwohner waren 2017 im Schnitt gerade einmal zwei vorhanden. Trotzdem hat Schweden es geschafft, dass die Kapazitäten zu keiner Zeit überlastet waren. Das berichtet der Epidemiologe Anders Tegnell: „When it comes to our health care system it has been working very well. At least 20 % of the beds have been empty.“

Der entscheidende Grund dafür ist, dass die Zahl der Betten in den vergangenen Wochen erhöht wurden, so wie in Deutschland auch. In diesem Punkt hat der schwedische Sonderweg also auf jeden Fall funktioniert. Kommen wir damit zum letzten Punkt.

Corona in Schweden: 5. Wirtschaft

Zuerst ein Blick nach Deutschland: Ende April hat unser Wirtschaftsminister Peter Altmaier bei der sogenannten Frühjahrsprojektion berichtet, welche dramatischen Folgen das Virus hat. „Wir gehen davon aus, dass die Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland in diesem Jahr um 6,3 Prozent, also um rund 6 Prozent schrumpfen wird“, sagte er in dieser Pressekonferenz.

Und in Schweden? Da geht die schwedische Zentralbank davon aus, dass die Wirtschaft in diesem Jahr um 6,9 Prozent schrumpfen wird – also auf den ersten Blick kein Vorteil gegenüber Deutschland. Wenn man sich aber die Situation während des Shutdowns anschaut, ergibt sich ein anderes Bild. Das Münchner ifo Institut meldet dafür einen Einbruch von 16 Prozent in Deutschland. Besonders schwer getroffen ist neben der Reise- und Tourismusindustrie das Gastgewerbe. Logisch: hat ja alles dicht.

In Schweden dagegen haben Restaurants, Cafés und Bars weiter geöffnet. Weil weniger Leute kommen, geht der Umsatz natürlich trotzdem runter – aber eben bei weitem nicht so stark wie in Deutschland. Der schwedische Minister für Unternehmertum schätzt, dass manche Gastronomiebetriebe einen Einbruch von 50 Prozent haben. Und die schwedische Finanzministerin sagte der New York Times, dass Friseure Restaurants und Hotels im Vergleich zu anderen Ländern weniger Einbußen haben.

Unterm Strich sind also schwedische Konzerne ähnlich stark betroffen wie in Deutschland, weil sie deutlich weniger Ware im Ausland verkaufen können und Fabriken für eine Zeit lang stillstanden. Bei den kleineren Unternehmen aber ist Schweden etwas im Vorteil, weil die Nachfrage nicht komplett eingebrochen ist.

Fazit: Der schwedische Sonderweg ist nicht gescheitert!

Ob der schwedische Sonderweg richtig ist oder nicht – das kann man zum jetzigen Zeitpunkt auf keinen Fall abschließend beurteilen. Aber sicher ist auf jeden Fall: Er ist nicht gescheitert! Natürlich ist die Zahl der Toten erschreckend hoch. Aber vielleicht wird man in einem Jahr sehen, dass es im Vergleich zu anderen Ländern gar nicht so viele mehr waren – und dass der Anstieg am Anfang einfach nur sehr steil war, weil Schweden weniger strikte Maßnahmen hatte. Die schwedische Politik jedenfalls vertraut darauf – und betont dabei eine Sache immer wieder: Der Kampf gegen das Coronavirus ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

Während wir uns in Deutschland also vor einer zweiten oder vielleicht sogar dritten Infektionswelle fürchten, bei der wir dann wieder zurück zum Lockdown müssten, ist der Kern der schwedischen Philosophie: „What we are doing in Sweden we can continue doing that for a long time and I think that’s gonna proof to be very very important in the long run.“

Es geht also darum, die Bevölkerung nicht nur kurzfristig und körperlich vor dem Virus zu schützen – sondern sie auch langfristig davor zu bewahren, wirtschaftlich runiert zu sein und die Lust am Leben zu verlieren. Und tatsächlich hat jetzt sogar der Nothilfedirektor der Weltgesundheitsorganisation dieses Modell empfohlen:

Zum Schluss habe ich noch zwei Zahlen für euch die zeigen, dass der schwedische Sonderweg bisher tatsächlich in die richtige Richtung geführt hat. Da ist zum einen die Reproduktionszahl. Sie gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Wenn diese Zahl kleiner als 1 ist, bedeutet das: Corona stirbt langsam aber sicher aus. Schauen wir doch mal, wie sich das in Schweden entwickelt hat.

Schweden Reproduktionszahlen mit Coronavirus

Und tatsächlich ist die Reproduktionszahl Ende April deutlich unter 1 gesunken – ein echter Erfolg für die Strategie der Gesundheitsbehörde. Außerdem gibt es noch eine andere Entwicklung, die Mut macht: In der schwedischen Hauptstadt Stockholm, die am stärksten von der Lungenkrankheit betroffen ist, sinkt seit Mitte April die Anzahl der Todesfälle pro Woche. Es könnte also sein, dass Schweden das Schlimmste bereits hinter sich hat – und all das ohne Lockdown.

Da stellt sich natürlich die Frage: Hätten wir das bei uns nicht auch so machen können? Meine Meinung ist: nein. Denn man muss sich ja überlegen, was diese hohe Sterberate in einem bevölkerungsreichen Land wie Deutschland bedeutet hätte: mehrere Zehntausend Tote! Ich bin froh, dass unsere Politik dieses Risiko nicht in Kauf genommen hat.

Außerdem ist Schweden ja abgesehen von der Region Stockholm sehr dünn besiedelt. Und selbst in der Hauptstadt wohnen viel mehr Leute alleine als bei uns – da ist Social Distancing natürlich deutlich leichter. Als Fazit würde ich sagen: Der schwedische Sonderweg ist richtig für die Bedindungen und die Bevölkerung in Schweden. Er ist aber nicht wirklich übertragbar auf andere Länder. Jetzt bin ich gespannt auf eure Meinung:

Wie bewertet ihr die Maßnahmen in Schweden? Schreibts mir gerne in die Kommentare, ich freue mich sehr auf die Diskussion. Ich hoffe, euch hat dieses Video gefallen. Wenn ihr meine Arbeit als unabhängiger Journalist unterstützen wollt, abonnniert gerne meinen Youtube-Kanal WasmitWirtschaft – und dann sehen wir uns bei vielen weiteren Videos wieder. Machts gut! Euer Max.

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Mic

    6. Mai 2020 18:54 at 18:54

    Ich suche die ganze Zeit nach einer einzigen Studie, die belegt, dass die Maßnahmen die über das Großveranstaltungsverbot hinaus gehen, einen Effekt haben. Ich finde nur Untersuchungen die besagen, dass das kaum messbar ist.

    https://www.heise.de/tp/features/COVID-19-WHO-Studie-findet-kaum-Belege-fuer-die-Wirksamkeit-von-Eindaemmungsmassnahmen-4706446.html

    https://www.theguardian.com/world/2020/apr/17/antibody-study-suggests-coronavirus-is-far-more-widespread-than-previously-thought

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32179701

    https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/corona-nach-saarland-urteil-riesen-zweifel-ob-massnahmen-wirklich-helfen-70361550.bild.html

    https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/feuchte-aussprache-wie-verteilt-sich-das-coronavirus-16756426.html

    https://www.zdf.de/gesellschaft/markus-lanz/markus-lanz-vom-31-maerz-2020-100.html

    Und wenn es einen Unterschied machen sollte, wie man agiert, dann sind die Todeszahlen in Schweden ja nur höher, weil die bereits weiter fortgeschritten in der Pandemie sind.

    Aber ich finde wie gesagt nichts, das belegt, das Kontaktbeschränkungen in jeglicher Form je was gebracht hätten.

    • Avatar

      Andy

      25. Mai 2020 01:54 at 01:54

      Eine merkwürdig unkritische Verteidigung des hochriskanten Kurses, die die erschreckenden Todeszahlen zwar erwähnt, aber versucht mit Punkten aufzuwiegen, die nahezu lächerlich sind…Als Beispiel seien hier gewisse evt. nicht ganz so schwere Verluste von Gastronomen und Fanboys für einen Virologen angeführt. Zudem wird völlig ignoriert dass man Gestorbene nicht mehr zum Leben erwecken kann, sollten mittlerweile wirksame Medikamente oder ein Impfstoff gefunden werden…

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    Becker

    6. Mai 2020 19:02 at 19:02

    Hallo ich find den Schwedischen Weg teilweise gut. Hätten die Schweden in den Ballungsgebieten die Maßnahmen verstärkt wäre wahrscheinlich weniger passiert.
    Bei uns richtet sich alles nach Bundes und Landespolitischer Auffassung. Ich wohne auf dem Land und hier in meinem Ort und in den Nachbargemeinden hat es bis jetzt keinen Coronafall gegeben Trotzdem sind alle Schulen Kneipen und Restaurates Fitnisstudios geschlossen.
    Eine Einschätzung der Stadträte und Bürgermeister wird nicht gefragt und diese können für Ihre Bürger auch nichts tun. find ich sehr schade.

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    Columbo

    6. Mai 2020 21:16 at 21:16

    Wenn Sie den Epidemiologen Karl Lauterbach fragen, sagt er Ihnen, der Weg Schwedens sei verantwortungslos.

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    Tino Gruchmann

    6. Mai 2020 21:35 at 21:35

    Schweden hat einen Fehler wie fast alle mit dem Schutz der Altenheime gemacht. Wenn man Schweden mit Spanien, also dem stärksten Shutdown Vergleicht dann schneidet Schweden um Meilen besser ab. Abgesehen davon die 3000 Coronatoten sind teilweise auch mit und nicht nur durch Corona gestorben.

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      Andy

      25. Mai 2020 01:47 at 01:47

      Was soll eigentlich diese ausgesprochen dumme Unterscheidung bringen, die höchstens als Todeskosmetik taugt. Covid19 ist ein Multi Organ Virus, das gerade bei Älteren und Vorerkrankten zu schweren und tödlichen Verläufen führt. Es verkürzt Lebenszeit und vermindert Lebensqualität durch dauerhafte Schäden an der Lunge, den Nieren oder Gefäßen. Wenn sich eine Grunderkrankung wie Diabetes, mit der man noch viele Jahre hätte leben können, so verschlechtert dass Menschen versterben, weil das Virus einen befällt, dann trägt es auch die Schuld, weil es den Sterbeprozess über Umwege einleitet. Den Toten und Hinterbliebenen nutzt Ihre zynische Differenzierung wenig…

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    F. Beyer

    7. Mai 2020 08:39 at 08:39

    Ein schnelles Ende des Lockdown läuft den Interessen von Bill Gates zuwider. Und da unsere Bundesregierung offensichtlich seine Interessen vertritt, werden die Lockerungsmaßnahmen so lange wie möglich hinausgezögert werden.

    • Avatar

      Nico

      7. Mai 2020 09:58 at 09:58

      @F. Beyer. Sie haben schon verstanden, dass die Umsetzung der Maßnahmen Sache der Bundesländer geworden ist.
      Mecklenburg-Vorpommern wird sich zum Beispiel bei der Umsetzung des Tourismus-Konzepts eher nicht um Bill Gates scheren. Zu viel Verschwörungstheorie.

  6. Avatar

    Ottmar Kienle

    8. Mai 2020 12:40 at 12:40

    Grundsätzlich sind unterschiedliche Strategien beim Umgang mit Corona hilfreich da man nur voneinander lernen kann. Möglicherweise klappt es in Schweden, allerdings zum Preis von 7x mehr Toten wie in den vergleichbaren Nachbarländer Finnland und Norwegen! Übertragen auf Deutschland hätten wir also jetzt um die 35 tsd Tote.
    Großbritannien ist mit der gleichen Methode krachend gescheitert und ist nun trauriger Rekordhalter in Mitteleuropa was Corona-Tote angeht, ähnliches Szenario in den USA.
    Trotzdem müssen auch wir uns an eine Lösung herantasten mit möglichst wenig Beschränkungen bei gerade noch medizinisch beherrschbaren Infektionszahlen. Ein Tanz auf der Rasierklinge klar, aber wollen wir tatsächlich evtl. jahrelang mit teils erheblichen Einschränkungen leben, von den wirtschaftlichen Folgen gar nicht zu reden.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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