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Coronavirus: Wer gewinnt die Milliardenwette um den Impfstoff ? (Teil 2)

Über ein medizinisches Wettrennen mit immensen politischen Dimensionen!

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Wann kommt der Impfstoff gegen das Coronavirus, die laut Bill Gates „dringendste Erfindung der Welt“? So arbeiten China, die USA und Deutschland unter höchstem Druck an der Entwicklung – ein Erklärstück in 2 Teilen.

In Teil 1 meines Beitrags habt ihr erfahren, was bei einer Impfung im Körper passiert, wie die Zulassung funktioniert, welche Risiken für uns Menschen bestehen und warum die Entwicklung meist kein lohnendes Geschäft ist. Jetzt schauen wir uns konkret das Rennen um den Impfstoff gegen das Coronavirus an – und beginnen mit den USA.

Die Amerikaner sind weltweit am stärksten vom Coronavirus betroffen, das Land verzeichnet über 120.000 Todesopfer. Dementsprechend hoch ist der Druck für Präsident Donald Trump, eine Lösung für dieses Problem zu finden. Außerdem will er ja im November wiedergewählt werden. Für sein Impfstoff-Projekt hat er einen Begriff aus der Science Fiction-Serie Star Trek gewählt: „Operation Warp Speed“.

Er verglich die Suche nach dem Impfstoff sogar mit der Entwicklung der Atombombe im Zweiten Weltkrieg. In jedem Fall stecken unfassbare Summen hinter diesem Projekt: Fast zehn Milliarden Dollar stellt der amerikanische Staat über das U.S. Department of Health & Human Services bereit, um medizinische Maßnahmen gegen das Coronavirus möglichst schnell zu entwickeln, zu produzieren und zu verteilen.

Das ganze Geld kommt von den amerikanischen Bürgern, dementsprechend will der Präsident ihnen natürlich auch als erstes den Zugang zum Serum ermöglichen. Ganz nach dem Motto: „America first“. Das Land, das den Impfstoff als erstes zulässt, kann seine Leute am schnellsten wieder normal leben und arbeiten lassen und damit wieder zurückkehren zum Lebensstil, auf den wir unseren Wohlstand bauen. Während der Rest der Welt gemeinsam die Impfstoff-Forschung vorantreibt, unterstützen die Amerikaner einzig und allein ihre eigene Operation Warp Speed.

Anfang Mai zum Beispiel gab es einen Spendenmarathon, initiiert von der EU-Kommission, in dem knapp zehn Milliarden Euro für den Kampf gegen Covid-19 zusammenkamen. Neben Stiftungen wie der Gates Foundation waren 47 Länder beteiligt, darunter Deutschland, Frankreich und China. Die USA hielten sich raus.

Und Ende Mai gab der US-Präsident sogar bekannt, dass sein Land die Beziehungen mit der WHO beendet. Zur Erinnerung: Das ist die Weltgesundheitsorganisation, dessen Logo auf unserem Impfpass steht. Was genau deren Aufgabe ist, habe ich schon mal in einem anderen Video erklärt:

Jetzt aber zurück zu Donald Trump: Er will möglichst noch vor der Wahl im Herbst den ersten Impfstoff auf dem Markt haben – und wettet dafür auf fünf Firmen. Die New York Times hat die Namen Anfang Juni veröffentlicht und da sind drei Kandidaten dabei, die wir uns jetzt mal genauer anschauen, weil sie schon besonders weit in der Entwicklung sind: Moderna, die Oxford University zusammen mit Astra Zeneca und Pfizer, die mit einem deutschen Unternehmen zusammenarbeiten. Beginnen wir mit einer amerikanischen Firma, von der ihr vermutlich vor diesem Jahr noch nie gehört habt.

Impfstoff gegen Coronavirus: Was steckt hinter Moderna und mRNA?

Moderna hat weniger als 1.000 Mitarbeiter und noch kein einziges Produkt auf dem Markt. Doch an der Börse war das Unternehmen Mitte Juni rund 20 Milliarden Euro wert. Das ist mehr als der aktuelle Wert der Deutschen Bank. Seit Beginn dieses Jahres hat sich der Aktienkurs von Moderna mehr als verdreifacht – Corona sei dank.

Der Grund für die großen Hoffnungen auf dieses kleine Unternehmen hat vier Buchstaben: mRNA. Bei dieser Impfstoff-Technologie bekommt unser Körper eine Art Bauplan für den entscheidenden Teil des Coronavirus verabreicht: die Zacken am äußeren Rand des Erregers, mit dem er unsere Zellen befällt. Das wird Spike-Protein genannt.

mRNA-Impfstoffe enthalten darüber genetische Informationen und geben diese an die Körperzellen weiter. Als Reaktion darauf stellt der Körper genau dieses Spike-Protein selbst her und das Immunsystem produziert Abwehrstoffe dagegen. Hier in rot und orange dargestellt. Wenn dann irgendwann das Virus tatsächlich auftaucht, erkennt der Körper dessen Proteine und kann es erfolgreich abwehren. Nur sechs Wochen nach der genetischen Entschlüsselung des neuartigen Coronavirus hatte Moderna bereits den ersten Impfstoff entwickelt – ein absoluter Rekord.

Zum Vergleich: Bei Sars – einer Lungenkrankenheit, die Covid-19 sehr ähnelt – dauerte dieser Vorgang 20 Monate. Schon Mitte März begann Moderna mit den ersten klinischen Studien an 45 gesunden Freiwilligen. Einer davon berichtet sogar auf dem Karriere-Netwerk LinkedIn stolz über seine Erfahrungen als menschliches Versuchskaninchen.

Weil bei dieser Technologie kein echtes Virus injiziert wird, sondern lediglich ein genetischer Code, durfte Moderna in den USA seinen Impfstoff direkt an Menschen testen. Ehrlich gesagt finde ich es schon mutig da mit zu machen, wenn man bedenkt, dass an mRNA-Impfstoffen zwar schon seit Jahrzehnten geforscht wird – sie in Studien bisher aber nur an Tieren getestet wurden.

Doch tatsächlich berichtete Moderna dann schon Mitte Mai über vielversprechende Ergebnisse der Phase 1-Studie: Bei acht Probanden seien Antikörper gegen das Coronavirus nachweisbar gewesen, und zwar in der gleichen Größenordnung, wie sie durch eine natürlich ausgelöste Infektion hervorgerufen werden.

Mit anderen Worten: Der Impfstoff hat gewirkt. An den Börsen sorgte diese Nachricht für einen Rausch, der Aktienkurs von Moderna schoss um mehr als 20 Prozent in die Höhe. Doch schon am nächsten Tag folgte der Kater:

Das medizinische Fachportal Stat veröffentlichte einen Expertenbericht, der die Aussagekraft der veröffentlichten Ergebnisse für sehr gering befindet. Prompt fiel der Aktienkurs wieder um zehn Prozent. Das alles hat Moderna aber nicht aufgehalten: Am 11. Juni gab die Firma bekannt, dass auch schon die zweite Phase abgeschlossen sei und schon im Juli die dritte und letzte Phase startet – mit 30.000 Teilnehmern. Schon ab 2021 könne man mehr als 500 Millionen Impfdosen pro Jahr liefern.

Die Studie in solch einer Geschwindigkeit durchzuziehen ist ziemlich einmalig, ziemlich teuer – und nur möglich, weil Moderna starke Sponsoren hat. Die von Bill Gates initiierte Impfstoff-Koalition Cepi unterstützte die Forschung schon Ende Januar. Und der amerikanische Staat steuerte im April noch mal knapp eine halbe Milliarde Dollar bei.

Warum bekommt dieses Vorhaben so viel Vertrauensvorschuss? Der erste Grund lautet Vitamin B. Moncef Slaoui, der Chef des amerikanischen Impfprogramms, saß nämlich bis vor Kurzem noch sowohl im Aufsichtsrat von Moderna, als auch bei Lonza – einem Schweizer Hersteller von Impfstoffen, mit dem Moderna kooperiert.

Der zweite Grund sind die Vorteile der mRNA-Technologie gegenüber herkömmlichen Impfstoffen: Weil man kein echtes Virus spritzt, sollen die Nebenwirkungen geringer sein. Außerdem ist die Massenproduktion deutlich schneller machbar. Denn pro Patient braucht man nur eine sehr geringe Dosis, kann also in kurzer Zeit mehr Menschen versorgen. Auch weil mRNA-Impfstoffe nicht gekühlt werden müssen und dadurch schneller transportiert werden können. Und noch ein dritter Vorteil: Wenn das Virus mutiert, also seinen genetischen Code verändert, kann man bei genbasierten Impfstoffen deutlich schneller darauf reagieren.

Demgegenüber gibt es aber eben einen großen Nachteil: Bisher wurde noch nie ein Impfstoff auf Basis dieser Technologie zugelassen – sie wird also beim Coronavirus quasi in Echtzeit getestet. Und weil die klinischen Studien jetzt unter so einem Zeitdruck stehen, steigt die Gefahr, dass Nebenwirkungen übersehen werden. Und das weckt natürlich massives Misstrauen.

Schon jetzt gehen in Deutschland Beiträge in sozialen Medien viral, die vor mRNA warnen – zum Beispiel von einem Biologen, der genbasierte Impfstoffe als „globale Gesundheitsbedrohung“ charakterisiert.

Neben Moderna gibt es noch einige andere Firmen, die an genbasierten Impfstoffen forschen – zum Beispiel Curevac. An diesem Tübinger Unternehmen hat sich der deutsche Staat gerade mit 300 Millionen Euro beteiligt.

Und ein sehr aussichtsreicher Kandidat ist Biontech aus Mainz, die als erstes deutsches Unternehmen eine Zulassung für klinische Tests bekamen. Biontech arbeitet mit dem amerikanischen Pharmakonzern Pfizer zusammen, sie stehen ebenfalls auf der Finanzierungsliste der „Operation Warp Speed“.

Das Besondere: Die beiden Firmen testen gleich vier Impfstoff-Kandidaten, um die Chancen auf den Erfolg zu erhöhen. Ende Juni sollen die Ergebnisse der ersten Studien kommen. Wenn es gut läuft, kann es auch hier bis Ende des Jahres Millionen Impfstoffdosen geben.

So, jetzt kommen wir zu einer zweiten Impfstoff-Technologie, die schon etabliert ist und auf deren Basis Dutzende Firmen an einem Schutz gegen Corona forschen. Für den aussichtsreichsten Kandidaten hat sich jetzt auch Deutschland ein großes Kontingent gesichert. Also – auf geht’s!

Impfstoff: Wie stehen die Chancen für Impfstoffe gegen das Coornavirtus der Oxford University?

Vector heißt im Lateinischen Reisender und steht in der Biologie ganz allgemein für Krankheitsüberträger. Bei einem Vektor-Impfstoff werden einzelne Proteine des zu bekämpfenden Virus auf harmlose Viren gepackt. Auf dieses Virenpaket reagiert dann das Immunsystem mit der Bildung von Antikörpern. Im Gegensatz zu mRNA wurde dieser Impfstofftyp schon zugelassen, zum Beispiel zum Schutz vor Dengue-Fieber und Ebola.

Die britische Universität Oxford hat jahrzehntelange Erfahrung mit dieser Technologie und hatte sogar bereits einen Protoypen gegen Sars hergestellt – einen Erreger, der ebenfalls aus der Familie der Coronaviren stammt. Fast so schnell wie Moderna entwickelte das Team aus Oxford einen ersten Impfstoff-Kandidaten gegen Covid-19, der seit Ende April an Menschen getestet wird.

Hergestellt wird der Impfstoff unter anderem vom britisch-schwedischen Pharmaunternehmen AstraZeneca – und die haben für das Projekt rekordverdächtige Summen eingesammelt. 1,2 Milliarden Dollar von der US-Regierung, 750 Millionen Dollar von den von Bill Gates initiierten Impfallianzen Gavi und Cepi, ebenfalls für 300 Millionen Dosen. Und es gibt eine ähnliche Abmachung mit der EU, angetrieben auch von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn.

Das muss man sich mal vorstellen: Noch während der Entwicklung investieren Staaten und Stifter mehrere Milliarden, um sich große Mengen eines Produktes zu sichern, bei dem noch gar nicht klar ist, ob es jemals zugelassen wird. Der Chef von AstraZeneca ist dabei aber ziemlich optimistisch: „We will start getting substantial doses by September / October“, sagte er in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender CNN. „Lots of people will be able to be vaccinated before the end of the year.“

Und tatsächlich gibt es auch schon messbare Ergebnisse: In einer Studie berichtet ein Forscherteam über den erfolgreichen Einsatz des Impfstoffes – allerdings nicht bei Menschen, sondern bei Primaten. Entscheidend wird aber die Phase 3-Studie – und da gibt es eine zentrale Herausforderung: Um zu beweisen, dass der Impfstoff funktioniert, bekommen ihn tausende Menschen – und gleichzeitig wird einer ähnlich großen Gruppe ein Placebo verabreicht.

Dann beobachten Forscher, wie das Immunsystem bei einer Ansteckung reagiert – doch das geht nur, wenn das Virus weiterhin in der Bevölkerung verbreitet ist. In früh betroffenen Ländern wie Großbritannien gibt es aber immer weniger infizierte Personen. Die Entwicklung ist also in jeder Hinsicht ein Wettlauf gegen die Zeit – unter höchstem öffentlichen Druck. Es ist aber nicht nur der Westen, in dem geforscht wird – auch China mischt mit. Und damit kommen wir zum letzten Kapitel:

Impfstoff: Wie läuft die Entwicklung in China?

In China, dem Ursprungsland des Coronavirus, gibt es zwei Projekte, die ich euch kurz vorstellen möchte. Zum einen ist da das Unternehmen Cansino, sie forschen ebenfalls an einem Vektor-Impfstoff und starteten zeitgleich mit Moderna die erste Phase der klinischen Studien. Ende Mai kamen die Ergebnisse: Bei 108 Teilnehmern konnten bereits nach zwei Wochen Antikörper nachgewiesen werden. Die häufigsten Nebenwirkungen seien Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen gewesen.

Jetzt müssen die Chinesen aber in der nächsten Phase auch beweisen, dass der Impfstoff den Menschen ausreichend schützt – und dabei haben sie ebenfalls das Problem, dass ihnen im eigenen Land die Infizierten ausgehen.

Zu guter Letzt gibt es neben mRNA und Vektorviren noch eine dritte Möglichkeit: Totimpfstoffe. Die enthalten entweder ausgewählte Proteine oder gleich das ganze Material eines Virus. Diese Technologie hat sich schon lange bewährt, zum Beispiel sind Impfstoffe gegen Hepatitis B oder Grippe so zusammengesetzt.

Die Entwicklung ist aufwendig, weil die Erreger erst genauestens ausfindig gemacht, dann in großen Mengen angezüchtet – und zuletzt inaktiviert also quasi getötet werden müssen. Damit sie zwar das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern anregen, gleichzeitig aber den Menschen nicht krank machen.

Wenn das einmal gelungen ist, könnte die Massenproduktion dann aber schneller gehen – und genau darauf setzt der chinesische Präsident Xi Jingping. Im Gegensatz zu US-Präsident Donald Trump will er einen Impfstoff Made in China auch anderen Ländern zur Verfügung stellen:

Das könnten zum Beispiel afrikanische Staaten sein, mit denen China seit Jahrzehnten strategisch verbündet ist. Dieser Totimpfstoff-Kandidat hier ist aktuell besonders vielversprechend: Sinovac hat Mitte Juni positive vorläufige Ergebnisse für ihre PhaseI/II-Studie verkündet: 90 Prozent der Probanden entwickelten Antikörper. In naher Zukunft soll Phase III in Brasilien starten – dort wurden rund eine Million Menschen positiv auf das Coronavirus getestet.

Sinovac erhielt Kredite vom chinesischen Staat und die schnelle Zusage dafür, eine Fabrik zu bauen, um mehr als 100 Millionen Dosen pro Jahr zu produzieren. Das klingt noch klein im Vergleich zu den Versprechen aus dem Westen. Aber die Chinesen haben schon mehrmals bewiesen, dass sie medizinische Einrichtungen sehr schnell hochziehen können.

Chinas Regierungschef Xi Jinping würde durch eine erfolgreiche Impfstoff-Entwicklung seinen Status als mächtigster Mann der Welt untermauern und sein Land an die Weltspitze der Forschung führen. Das wäre ein großer strategischer Sieg.

So, jetzt haben wir die wichtigsten Kandidaten durch. Ich hoffe, ich habe euch nicht zu viele Fakten eingeimpft und ihr könnt jetzt dem weltweiten Wettrennen ein bisschen besser folgen. Ich bin sehr gespannt, wann der erste Impfstoff zugelassen wird – und welches Land und vor allem welche Bevölkerungsgruppen dann als Erste den Zugang bekommen.

Wie ist denn eure Meinung zu diesem Thema? Auf welchen Hersteller und welche Technologie wettet ihr? Wartet ihr schon gespannt auf den Impfstoff oder findet ihr vielleicht, dass wir ihn gar nicht brauchen – und habt stattdessen einen anderen Lösungsvorschlag? Ich freue mich sehr auf eure Gedanken, schreibt sie mir gerne in die Kommentare unter meinem Youtube-Video.

Wenn euch mein Beitrag gefallen hat und ihr meine Arbeit als unabhängiger Journalist unterstützen wollt, dann abonniert gerne meinem Kanal #WasmitWirtschaft und wir sehen uns bei vielen weiteren Erklärvideos wieder.

Ich wünsche euch alles Gute, bleibt vor allem gesund! Euer Max.

Das Rennen um den Impfstoff gegen das Coronavirus

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Petkov

    26. Juni 2020 07:06 at 07:06

    Ähm, darf ich mal zusammenfassen? Es werden auf Verdacht roulettemäßig Unsummen öffentlicher Gelder in Impfungen mit irrsinnig verkürzten Entwicklungszyklen gesteckt.

    Welche ist die Zielgruppe für solche Impfungen?

    Wer von euch ist bereit, an sich und seiner Familie einen praktisch unerforschten Impfstoff zu testen, wenn man weiß, dass selbst echte Corona Erkrankte und Genesene nur wenige Wochen bis Monate immun sind und durchaus erneut erkranken können?

    Wie sieht es eigentlich mit einem Virostatikum aus? Ist es nicht der bessere und realistischere Weg, der erheblich höhere Akzeptanzchancen hat?

    Die meisten, die an Covid-19 erkranken, haben einen relativ milden Infektionsverlauf und brauchen somit keine riskante Impfung mit ungewisser Wirkung. Und der Rest braucht ein wirksames Medikament. Die Virostatika-Forschung hinkte immer der Antibiotika-Forschung hinterher. Ist das nicht das Pferd, worauf es sich am meisten lohnt, zu setzen?

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      Optimist

      26. Juni 2020 09:04 at 09:04

      Guten Morgen @Petkov,
      sehr gute Zusammenfassung!
      Ich denke auch, dass durch C19 die Virostatika-Forschung die Antibiose nicht nur einholen wird sondern auch viel mehr an Bedeutung gewinnen wird.

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    Steffen Loebel

    26. Juni 2020 10:17 at 10:17

    So unabhängig scheint der Bericht ja wohl nicht zu sein !Gates hat großen Ärger in Indien und Afrika,weil es wohl viele tote und dauergeschädigte Kinder nach seinen Impfkampagnen gegeben hat !
    Es gibt auch ein Youtubevideo von ihm ,da sagt er auf einer Bühne,man könne durch Impfung die Bevölkerungszahl bei rund 6 Mrd. halten !

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Hongkong: Die Wahrheit über das Nationale Sicherheitsgesetz

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Ich bin ein Hongkonger und hier ist meine Heimat, aber das Nationale Sicherheitsgesetz macht es für viele von uns schwierig in Hongkong zu bleiben. Das Hongkong, in dem wir aufgewachsen sind gibt es nämlich seit dem 30.06.2020 so nicht mehr. Meinen Erfahrungsbericht schreibe ich aus Sicherheitsgründen anonym. Auch ich bin mit dem Gefühl von Freiheit und Demokratie herangewachsen, aber die Situation hat sich dramatisch verändert. Denn seit Juli gilt das Sicherheitsgesetz, hiermit hat China faktisch die Macht übernommen.

Seit fast zwei Wochen ist das Nationale Sicherheitsgesetz in Hongkong aktiv – was ist seitdem passiert? Für uns hat sich in der Zeit viel verändert. Die Menschen haben Angst für Demokratie auf die Straße zu gehen und machen sich große Sorgen um ihre Sicherheit. Der 30.06.2020 wird als schwarzer Tag in die Geschichte Hongkongs eingehen. Aktivisten und Anführer der Demokratiebewegung verlassen scharenweise die Stadt. Entsprechend zählt die Auswanderungsagentur so viele Anträge wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs, im Folgenden können Sie sich ein Bild von der aktuellen Lage machen.

Auswirkungen auf Presse- und Redefreiheit

Die meisten Nachrichtenagenturen in Hongkong gehören mittlerweile der Kommunistischen Partei. Damit erleben wir zukünftig die gleiche Propaganda, die auch in Festland China zum Alltag gehört. Es gibt inzwischen nur noch eine Medienanstalt die Unabhängig berichtet, das ist Apple Daily, aber auch diese könnte mit zunehmender Zeit dem immer größerem Einfluss aus China unterliegen oder bald gänzlich verschwinden. Journalisten sind hier ebenfalls großen Gefahren ausgesetzt. Die Pressefreiheit, wie wir sie kannten, existiert nämlich nicht mehr. Dadurch entsteht eine sehr einseitige Berichterstattung, Kritik und Meinungen sind nicht erwünscht, außer sie sind pro China. Es ist so weit, auch wir geraten in die Mühlen der Propagandamaschine der chinesischen Regierung. Jeder öffentliche Aufruf zu Demokratie und Freiheit könnte demnach strafrechtlich verfolgt werden.

Nicht nur die Pressefreiheit wurde uns genommen, auch die Redefreiheit. Dies betrifft mehrere Bereiche des alltäglichen Lebens, unter anderem die Sozialen Medien, das öffentliche Leben und sogar Schulen und Universitäten. Zum Beispiel hat man bisher die Sozialen Medien genutzt, um seine Meinung kund zu tun, Diskussionen über Demokratie zu führen und sich zu informieren. Facebook-Gruppen haben dabei geholfen sich auszutauschen und Beiträge und News zu posten. Außerdem halfen Apps wie Telegram dabei die Massenproteste zu organisieren. Das ist aber wegen des Sicherheitsgesetzes nicht mehr möglich, da die Regierung jetzt freie Bahn hat alles und jeden zu überwachen.

Nicht nur das, darüber hinaus können Informationen geblockt oder komplett gelöscht werden und die Verfasser strafrechtlich verfolgt. Tausende von uns mussten deswegen ihre Posts und Chatverläufe löschen. Trotz der Angst steht die absolute Mehrheit der Hongkonger hinter der Demokratiebewegung. Zahlreiche Restaurants und öffentliche Einrichtung haben Plakate und Aufkleber in ihren Schaufenstern, um die Bewegung zu unterstützen. Aber seit Anfang Juli besucht die Polizei diese Einrichtungen und droht den Eigentümern mit Verhaftungen, sollten sie diese nicht entfernen.

Das Ende der Demokratie-Bewegung in Hongkong?

Durch die Einführung des Sicherheitsgesetzes ist sehr viel Unsicherheit bei den Hongkongern zu spüren, Massenproteste wie im vergangenen Jahr werden in Zukunft unmöglich sein. Zwar gibt es fast täglich kleinere Demonstrationen in der Mittagspause, aber diese müssen sehr achtsam sein und sich schnell auflösen, bevor die Polizei eingreifen kann. Die Gefahr verhaftet zu werden, ist einfach zu groß. Auf allen Demonstrationen sieht man nur noch weiße Plakate, da die Slogans der Demokratiebewegung verboten sind. Die Hongkonger wenden immer wieder kreative Lösungen an, um die entwürdigenden Einschränkungen der Regierung zu umgehen.

Der bekannte Hongkonger Aktivist Joshua Wong musste aufgrund des Sicherheitsgesetzes aus der Demosisto Partei austreten und diese auflösen. Seine langjährigen Wegbegleiter Nathan Law und Agnes Chow verließen ebenfalls die Partei, bevor das Sicherheitsgesetz in Kraft getreten ist. Nathan Law hat Hongkong bereits verlassen und kämpft weiterhin in Übersee. Im kommenden September findet eine wichtige Wahl statt. Peking befürchtet, dass wie im letzten Jahr das pro-demokratische-Lager auch die kommende Parlamentswahl im September 2020 haushoch gewinnen könnte. Deshalb besteht die Gefahr einer Disqualifizierung der pro-demokratischen Partei. Damit hätte sie keine Chance mehr ein Teil des gesetzgebenden Rates zu sein. Schließlich würde es keinen Sitz und keine Stimme im Parlament geben, die für die Belange der Hongkonger einsteht.

Abteilung zur nationalen Sicherheit in Hongkong

Die kommunistische Partei hat in Hongkong die Abteilung zur nationalen Sicherheit gegründet. Diese Abteilung erweitert die Befugnisse der Hongkonger Polizei enorm. Die Polizei ist jetzt berechtigt, Orte, Menschen und deren Mobiltelefone zu durchsuchen und auszuspionieren. Dafür benötigt sie keine Ermächtigung des Gerichtshofs. Außerdem kann so fortan Sicherheitskräfte aus China hinzuziehen, um die ortsansässige Polizei bei der nationalen Sicherheit zu unterstützen. Dies ist eigentlich ein Verstoß gegen das Grundrecht (Basic Law), ist aber jetzt rechtens. Die Hongkonger Polizei ist nun ein Organ mit allen Befugnissen – quasi wie die Stasi.

Zukünftig werden alle Straftaten, die unter die Kategorie “Nationale Sicherheit” fallen, anders behandelt als bisher. Zur Erklärung, fast jede kleine Straftat unterliegt nun diesen Regeln. Das heißt, Peking kann Hongkonger nach China ausliefern, wo sie ohne faires Gerichtsverfahren ins Gefängnis oder Umerziehungslager kommen. Gemäß dem Sicherheitsgesetz haften alle Menschen, unabhängig davon, ob sie Bürger von Hongkong sind. Gleichfalls ist es egal, ob die Taten innerhalb oder außerhalb Hongkongs geschehen. Ja, sie haben richtig gelesen, jeder egal wo er sich befindet kann angeklagt werden, sobald die Taten gegen das Gesetz verstoßen. Damit ist der letzte Funken Rechtsstaatlichkeit Hongkongs zerstört. Die Abmachung Großbritanniens und China, dass Hongkong 50 Jahre nach der Methode “Ein Land, zwei Systeme” agieren kann, ist somit zu Ende. Es hat nur 23 Jahre gehalten.

Ein paar Worte zum Schluss

Ich kann mir vorstellen, dass Sie an manchen Stellen gedacht haben – das kann doch nicht sein? oder das ist doch nicht möglich? Aber ja, es ist möglich und es passiert in diesem Moment. Für jemanden der Demokratie und Freiheit für selbstverständlich hält, ist das kaum nachvollziehbar. Leider erleben wir jeden Tag, dass es nicht selbstverständlich ist. Ich hoffe, Sie konnten einen Eindruck gewinnen und eventuell hat es Ihnen auch ein wenig die Augen geöffnet. Wir stehen nämlich ziemlich allein dar mit unserer Forderung auf Einhaltung der 50 Jahre Autonomie für Hongkong. Am Beispiel von Hongkong sieht man, wozu China fähig ist. Wir Hongkonger haben uns 23 Jahre lang für die richtige Sache eingesetzt, aber wie es aussieht werden wir verlieren.

Hongkong: Die Wahrheit über das Nationale Sicherheitsgesetz

 

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Aktienmärkte: Warum sie laut “NorthmanTrader” nicht weiter steigen

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Tja, warum können die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht mehr ansteigen? Warum komplettieren sie nicht die V-förmige Erholung nach dem großen Crash im März? Derzeit sagt zum Beispiel der Experte Andre Stagge (siehe beispielsweise hier), dass wir derzeit voll in der Saisonalität angekommen sind, wo die Sommermonate grundsätzlich eine maue Nummer abliefern. Das ist nachvollziehbar. Und ja, grundsätzlich kann man derzeit vom Sommerloch sprechen?

Aktienmärkte in Angst vor der Fed?

Der im Netz inzwischen gut bekannte und anerkannte Experte Sven Henrich ist bei Twitter mit seinem dortigen Accountnamen “NorthmanTrader” zu finden. Er hat eine eigene Theorie, warum die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht weiter steigen können. Und er hat dazu auch eine gut nachvollziehbare Begründung, nämlich einen Vergleichschart. Im folgenden Tweet sieht man basierend auf Daten der St. Louis Fed (die Statistik-Grube der Fed) einmal den Verlauf der gesamten Bilanz der Federal Reserve seit Dezember 2019, als blaue Linie. Im Vergleich dazu sieht man in rot in den Verlauf des S&P 500, der dank der 500 enthaltenen Aktien die Marktbreite der Aktienmärkte in den USA besser darstellt als der Dow Jones mit seinen 30 Werten.

Und was sieht man? Die Aktienmärkte korrelieren sehr gut mit der Bilanz der Fed. Exakt am 9. Juni erreichte der S&P 500 seinen höchsten Punkt seit dem Crash im März, um seitdem seitwärts oder leicht fallend zu tendieren. Und wir haben nachgeschaut. Tatsächlich, genau am 9. Juni erreichte die Fed-Bilanz ihren Hochpunkt mit 7,168 Billionen Dollar (hier im Detail nachzuschauen). Bis jetzt fällt sie auf 6,92 Billionen Dollar. Wolfgang Müller hatte jüngst schon von einer Pause bei der Geldflut gesprochen. Und ja, die Fed legt derzeit eine Pause ein.

248,1 Milliarden Dollar Bilanzrückgang in vier Wochen

Auch Holger Zschaepitz erwähnt aktuell den Rückgang der Fed-Bilanz, nun die vierte Woche in Folge. Liquidität in Höhe von 248,1 Milliarden Dollar sei den Märkten in den letzten vier Wochen entzogen worden. Haben die großen Player mit dem “intelligenten” Geld (darf man es so sagen?) genau darauf ein Auge? Herrscht so viel Angst vor diesem Abbau an Geldflutung, dass die Aktienmärkte sich deshalb ausgebremst haben? Dieses Szenario ist jedenfalls nicht zu ignorieren.

Im folgenden Chart haben wir den S&P 500 und den Dax auf CFD-Basis in im Verlauf der letzten zwölf Monate übereinander gelegt. Wie es zu erwarten war, laufen die Aktienmärkte im Gleichschritt – natürlich läuft der Dax nach der Vorgabe der Amerikaner, da machen wir uns alle bitte nichts vor. Seit gut vier Wochen ist der Wurm drin – genau seit dem Augenblick, wo die Fed begann mit ihrer Geldflut zu pausieren.

Aktienmäkte wollen seit vier Wochen nicht mehr richtig steigen

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Coronakrise: Deutsche Exportwirtschaft bleibt pessimistisch

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Auch der Hamburger Hafen wurde von der Coronakrise hart getroffen

Eigentlich mehren sich derzeit die Indikatoren, die auf eine Erholung der Wirtschaft nach der Coronakrise im dritten Quartal hindeuten. Ob Konsumdaten, Ifo-Index oder Einkaufsmanagerindizes – die Ausnahme bildet die Exportindustrie, hier verschlechterte sich die Stimmung sogar.

Sonderumfrage zu den Auswirkungen der Coronakrise – AHK World Business Outlook

Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) bei den Mitgliedsunternehmen der Deutschen Auslandshandelskammern zu den Auswirkungen der Coronakrise brachte eine Ernüchterung für die Erholung der Exportwirtschaft. Die rund 3300 deutschen Unternehmen vermeldeten sogar eine Verschlechterung der Lage im Vergleich zum April. Jetzt erwarten 83 Prozent einen Umsatzrückgang, vor drei Monaten waren es noch 79 Prozent.Der Außenwirtschaftschef des DIHK, Volker Treier, hält das Thema V-förmige Erholung der Exportwirtschaft für erledigt, die Krise durch die Pandemie werde langwieriger als erwartet. Diese Meinung stützt er auf das Ergebnis der Sonderumfrage:

– 43 Prozent der Firmen gehen erst im Jahr 2022 oder sogar noch später von einer Erholung aus.
-50 Prozent rechnen bereits 2021 damit, sieben Prozent glauben noch in 2020 an eine Rückkehr zur Normalität.
-Besonders schlecht ist die Stimmung bei Firmen mit Nord-, Mittel- und Südamerika-Geschäften. Hier glaubt die Mehrheit, dass es sogar bis 2022 dauern könnte. Kaum verwunderlich bei den aktuellen Infektionszahlen aus Übersee.
-59 Prozent der Unternehmen berichten von einer schwächeren Nachfrage nach ihren Produkten, dabei sind für 63 Prozent der befragten Unternehmen die Reisebeschränkungen ein massives Problem.
-56 Prozent der Exportunternehmen kündigen an weniger investieren zu wollen, gegenüber 35 Prozent im April.
-43 Prozent gehen von Stellenstreichungen aus (April 35 Prozent).
– Die Investitionen im Ausland sollen laut DIHK von bisher 100 Milliarden Euro in diesem Jahr nur die Hälfte dieser Summe betragen.
-Von den 7,8 Millionen Arbeitsplätzen deutscher Firmen im Ausland könnten 2020 etwa 200.000 in diesem Jahr wegfallen.

Fazit der Umfrage: Insgesamt rechnet der DIHK 2020 mit einem Rückgang der deutschen Exporte um 15 Prozent, die Erholung in 2021 dürfte mit sieben Prozent plus nur einen Teil davon wieder gutmachen.

Das Außenhandelsdefizit

Als Folge dieses pandemiebedingten Rückgangs der Auslandsnachfrage sollte die Exportbilanz um 300 Milliarden Euro schrumpfen, die Importe hingegen deutlich weniger. Damit rechnet der DIHK von einem Rückgang des Handelsbilanzüberschusses von 223 Milliarden Euro auf dann nur noch rund 50 Milliarden Euro im Jahr 2020. Ein weiteres Problem sei aber der anhaltende Protektionismus in zahlreichen Ländern. Auch das ergab die Umfrage:

22 Prozent der Unternehmen sprachen davon, ihre Produktion verlagern zu wollen, 19 Prozent mit einer Rückkehr der Produktion nach Deutschland.

Fazit

Klar leidet die deutsche Exportwirtschaft besonders unter den Folgen der Coronakrise sowie auch dem beobachtbaren Trend zur Glokalisierung oder des Protektionismus. Der Anteil des Exports am deutschen Bruttoinlandsprodukt betrug im letzten Jahr 47 Prozent. Beim Export, insbesondere in westliche Ländern in Nord-, Mittel- und Südamerika, wo derzeit die Hälfte aller weltweiten Covid-19-Infektionen zu zählen sind, ist das Problem besonders groß. Allerdings ist die mit Abstand wichtigste Region für unsere Außenwirtschaft die EU-Zone (60 Prozent der Exporte) und nicht vergessen sollte man die Bedeutung des Konsums für Deutschlands Wirtschaft im Ganzen. Aber insgesamt betrachtet kann man nach den Ergebnissen zum World Business Outlook nur feststellen: Ohne eine Eindämmung von Covid-19 keine substanzielle Erholung der Weltwirtschaft und auch keine Rückkehr zu alten Wachstumszahlen in Deutschland.

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