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Coronavirus: Wer gewinnt die Milliardenwette um den Impfstoff ? (Teil 2)

Über ein medizinisches Wettrennen mit immensen politischen Dimensionen!

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Wann kommt der Impfstoff gegen das Coronavirus, die laut Bill Gates „dringendste Erfindung der Welt“? So arbeiten China, die USA und Deutschland unter höchstem Druck an der Entwicklung – ein Erklärstück in 2 Teilen.

In Teil 1 meines Beitrags habt ihr erfahren, was bei einer Impfung im Körper passiert, wie die Zulassung funktioniert, welche Risiken für uns Menschen bestehen und warum die Entwicklung meist kein lohnendes Geschäft ist. Jetzt schauen wir uns konkret das Rennen um den Impfstoff gegen das Coronavirus an – und beginnen mit den USA.

Die Amerikaner sind weltweit am stärksten vom Coronavirus betroffen, das Land verzeichnet über 120.000 Todesopfer. Dementsprechend hoch ist der Druck für Präsident Donald Trump, eine Lösung für dieses Problem zu finden. Außerdem will er ja im November wiedergewählt werden. Für sein Impfstoff-Projekt hat er einen Begriff aus der Science Fiction-Serie Star Trek gewählt: „Operation Warp Speed“.

Er verglich die Suche nach dem Impfstoff sogar mit der Entwicklung der Atombombe im Zweiten Weltkrieg. In jedem Fall stecken unfassbare Summen hinter diesem Projekt: Fast zehn Milliarden Dollar stellt der amerikanische Staat über das U.S. Department of Health & Human Services bereit, um medizinische Maßnahmen gegen das Coronavirus möglichst schnell zu entwickeln, zu produzieren und zu verteilen.

Das ganze Geld kommt von den amerikanischen Bürgern, dementsprechend will der Präsident ihnen natürlich auch als erstes den Zugang zum Serum ermöglichen. Ganz nach dem Motto: „America first“. Das Land, das den Impfstoff als erstes zulässt, kann seine Leute am schnellsten wieder normal leben und arbeiten lassen und damit wieder zurückkehren zum Lebensstil, auf den wir unseren Wohlstand bauen. Während der Rest der Welt gemeinsam die Impfstoff-Forschung vorantreibt, unterstützen die Amerikaner einzig und allein ihre eigene Operation Warp Speed.

Anfang Mai zum Beispiel gab es einen Spendenmarathon, initiiert von der EU-Kommission, in dem knapp zehn Milliarden Euro für den Kampf gegen Covid-19 zusammenkamen. Neben Stiftungen wie der Gates Foundation waren 47 Länder beteiligt, darunter Deutschland, Frankreich und China. Die USA hielten sich raus.

Und Ende Mai gab der US-Präsident sogar bekannt, dass sein Land die Beziehungen mit der WHO beendet. Zur Erinnerung: Das ist die Weltgesundheitsorganisation, dessen Logo auf unserem Impfpass steht. Was genau deren Aufgabe ist, habe ich schon mal in einem anderen Video erklärt:

Jetzt aber zurück zu Donald Trump: Er will möglichst noch vor der Wahl im Herbst den ersten Impfstoff auf dem Markt haben – und wettet dafür auf fünf Firmen. Die New York Times hat die Namen Anfang Juni veröffentlicht und da sind drei Kandidaten dabei, die wir uns jetzt mal genauer anschauen, weil sie schon besonders weit in der Entwicklung sind: Moderna, die Oxford University zusammen mit Astra Zeneca und Pfizer, die mit einem deutschen Unternehmen zusammenarbeiten. Beginnen wir mit einer amerikanischen Firma, von der ihr vermutlich vor diesem Jahr noch nie gehört habt.

Impfstoff gegen Coronavirus: Was steckt hinter Moderna und mRNA?

Moderna hat weniger als 1.000 Mitarbeiter und noch kein einziges Produkt auf dem Markt. Doch an der Börse war das Unternehmen Mitte Juni rund 20 Milliarden Euro wert. Das ist mehr als der aktuelle Wert der Deutschen Bank. Seit Beginn dieses Jahres hat sich der Aktienkurs von Moderna mehr als verdreifacht – Corona sei dank.

Der Grund für die großen Hoffnungen auf dieses kleine Unternehmen hat vier Buchstaben: mRNA. Bei dieser Impfstoff-Technologie bekommt unser Körper eine Art Bauplan für den entscheidenden Teil des Coronavirus verabreicht: die Zacken am äußeren Rand des Erregers, mit dem er unsere Zellen befällt. Das wird Spike-Protein genannt.

mRNA-Impfstoffe enthalten darüber genetische Informationen und geben diese an die Körperzellen weiter. Als Reaktion darauf stellt der Körper genau dieses Spike-Protein selbst her und das Immunsystem produziert Abwehrstoffe dagegen. Hier in rot und orange dargestellt. Wenn dann irgendwann das Virus tatsächlich auftaucht, erkennt der Körper dessen Proteine und kann es erfolgreich abwehren. Nur sechs Wochen nach der genetischen Entschlüsselung des neuartigen Coronavirus hatte Moderna bereits den ersten Impfstoff entwickelt – ein absoluter Rekord.

Zum Vergleich: Bei Sars – einer Lungenkrankenheit, die Covid-19 sehr ähnelt – dauerte dieser Vorgang 20 Monate. Schon Mitte März begann Moderna mit den ersten klinischen Studien an 45 gesunden Freiwilligen. Einer davon berichtet sogar auf dem Karriere-Netwerk LinkedIn stolz über seine Erfahrungen als menschliches Versuchskaninchen.

Weil bei dieser Technologie kein echtes Virus injiziert wird, sondern lediglich ein genetischer Code, durfte Moderna in den USA seinen Impfstoff direkt an Menschen testen. Ehrlich gesagt finde ich es schon mutig da mit zu machen, wenn man bedenkt, dass an mRNA-Impfstoffen zwar schon seit Jahrzehnten geforscht wird – sie in Studien bisher aber nur an Tieren getestet wurden.

Doch tatsächlich berichtete Moderna dann schon Mitte Mai über vielversprechende Ergebnisse der Phase 1-Studie: Bei acht Probanden seien Antikörper gegen das Coronavirus nachweisbar gewesen, und zwar in der gleichen Größenordnung, wie sie durch eine natürlich ausgelöste Infektion hervorgerufen werden.

Mit anderen Worten: Der Impfstoff hat gewirkt. An den Börsen sorgte diese Nachricht für einen Rausch, der Aktienkurs von Moderna schoss um mehr als 20 Prozent in die Höhe. Doch schon am nächsten Tag folgte der Kater:

Das medizinische Fachportal Stat veröffentlichte einen Expertenbericht, der die Aussagekraft der veröffentlichten Ergebnisse für sehr gering befindet. Prompt fiel der Aktienkurs wieder um zehn Prozent. Das alles hat Moderna aber nicht aufgehalten: Am 11. Juni gab die Firma bekannt, dass auch schon die zweite Phase abgeschlossen sei und schon im Juli die dritte und letzte Phase startet – mit 30.000 Teilnehmern. Schon ab 2021 könne man mehr als 500 Millionen Impfdosen pro Jahr liefern.

Die Studie in solch einer Geschwindigkeit durchzuziehen ist ziemlich einmalig, ziemlich teuer – und nur möglich, weil Moderna starke Sponsoren hat. Die von Bill Gates initiierte Impfstoff-Koalition Cepi unterstützte die Forschung schon Ende Januar. Und der amerikanische Staat steuerte im April noch mal knapp eine halbe Milliarde Dollar bei.

Warum bekommt dieses Vorhaben so viel Vertrauensvorschuss? Der erste Grund lautet Vitamin B. Moncef Slaoui, der Chef des amerikanischen Impfprogramms, saß nämlich bis vor Kurzem noch sowohl im Aufsichtsrat von Moderna, als auch bei Lonza – einem Schweizer Hersteller von Impfstoffen, mit dem Moderna kooperiert.

Der zweite Grund sind die Vorteile der mRNA-Technologie gegenüber herkömmlichen Impfstoffen: Weil man kein echtes Virus spritzt, sollen die Nebenwirkungen geringer sein. Außerdem ist die Massenproduktion deutlich schneller machbar. Denn pro Patient braucht man nur eine sehr geringe Dosis, kann also in kurzer Zeit mehr Menschen versorgen. Auch weil mRNA-Impfstoffe nicht gekühlt werden müssen und dadurch schneller transportiert werden können. Und noch ein dritter Vorteil: Wenn das Virus mutiert, also seinen genetischen Code verändert, kann man bei genbasierten Impfstoffen deutlich schneller darauf reagieren.

Demgegenüber gibt es aber eben einen großen Nachteil: Bisher wurde noch nie ein Impfstoff auf Basis dieser Technologie zugelassen – sie wird also beim Coronavirus quasi in Echtzeit getestet. Und weil die klinischen Studien jetzt unter so einem Zeitdruck stehen, steigt die Gefahr, dass Nebenwirkungen übersehen werden. Und das weckt natürlich massives Misstrauen.

Schon jetzt gehen in Deutschland Beiträge in sozialen Medien viral, die vor mRNA warnen – zum Beispiel von einem Biologen, der genbasierte Impfstoffe als „globale Gesundheitsbedrohung“ charakterisiert.

Neben Moderna gibt es noch einige andere Firmen, die an genbasierten Impfstoffen forschen – zum Beispiel Curevac. An diesem Tübinger Unternehmen hat sich der deutsche Staat gerade mit 300 Millionen Euro beteiligt.

Und ein sehr aussichtsreicher Kandidat ist Biontech aus Mainz, die als erstes deutsches Unternehmen eine Zulassung für klinische Tests bekamen. Biontech arbeitet mit dem amerikanischen Pharmakonzern Pfizer zusammen, sie stehen ebenfalls auf der Finanzierungsliste der „Operation Warp Speed“.

Das Besondere: Die beiden Firmen testen gleich vier Impfstoff-Kandidaten, um die Chancen auf den Erfolg zu erhöhen. Ende Juni sollen die Ergebnisse der ersten Studien kommen. Wenn es gut läuft, kann es auch hier bis Ende des Jahres Millionen Impfstoffdosen geben.

So, jetzt kommen wir zu einer zweiten Impfstoff-Technologie, die schon etabliert ist und auf deren Basis Dutzende Firmen an einem Schutz gegen Corona forschen. Für den aussichtsreichsten Kandidaten hat sich jetzt auch Deutschland ein großes Kontingent gesichert. Also – auf geht’s!

Impfstoff: Wie stehen die Chancen für Impfstoffe gegen das Coornavirtus der Oxford University?

Vector heißt im Lateinischen Reisender und steht in der Biologie ganz allgemein für Krankheitsüberträger. Bei einem Vektor-Impfstoff werden einzelne Proteine des zu bekämpfenden Virus auf harmlose Viren gepackt. Auf dieses Virenpaket reagiert dann das Immunsystem mit der Bildung von Antikörpern. Im Gegensatz zu mRNA wurde dieser Impfstofftyp schon zugelassen, zum Beispiel zum Schutz vor Dengue-Fieber und Ebola.

Die britische Universität Oxford hat jahrzehntelange Erfahrung mit dieser Technologie und hatte sogar bereits einen Protoypen gegen Sars hergestellt – einen Erreger, der ebenfalls aus der Familie der Coronaviren stammt. Fast so schnell wie Moderna entwickelte das Team aus Oxford einen ersten Impfstoff-Kandidaten gegen Covid-19, der seit Ende April an Menschen getestet wird.

Hergestellt wird der Impfstoff unter anderem vom britisch-schwedischen Pharmaunternehmen AstraZeneca – und die haben für das Projekt rekordverdächtige Summen eingesammelt. 1,2 Milliarden Dollar von der US-Regierung, 750 Millionen Dollar von den von Bill Gates initiierten Impfallianzen Gavi und Cepi, ebenfalls für 300 Millionen Dosen. Und es gibt eine ähnliche Abmachung mit der EU, angetrieben auch von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn.

Das muss man sich mal vorstellen: Noch während der Entwicklung investieren Staaten und Stifter mehrere Milliarden, um sich große Mengen eines Produktes zu sichern, bei dem noch gar nicht klar ist, ob es jemals zugelassen wird. Der Chef von AstraZeneca ist dabei aber ziemlich optimistisch: „We will start getting substantial doses by September / October“, sagte er in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender CNN. „Lots of people will be able to be vaccinated before the end of the year.“

Und tatsächlich gibt es auch schon messbare Ergebnisse: In einer Studie berichtet ein Forscherteam über den erfolgreichen Einsatz des Impfstoffes – allerdings nicht bei Menschen, sondern bei Primaten. Entscheidend wird aber die Phase 3-Studie – und da gibt es eine zentrale Herausforderung: Um zu beweisen, dass der Impfstoff funktioniert, bekommen ihn tausende Menschen – und gleichzeitig wird einer ähnlich großen Gruppe ein Placebo verabreicht.

Dann beobachten Forscher, wie das Immunsystem bei einer Ansteckung reagiert – doch das geht nur, wenn das Virus weiterhin in der Bevölkerung verbreitet ist. In früh betroffenen Ländern wie Großbritannien gibt es aber immer weniger infizierte Personen. Die Entwicklung ist also in jeder Hinsicht ein Wettlauf gegen die Zeit – unter höchstem öffentlichen Druck. Es ist aber nicht nur der Westen, in dem geforscht wird – auch China mischt mit. Und damit kommen wir zum letzten Kapitel:

Impfstoff: Wie läuft die Entwicklung in China?

In China, dem Ursprungsland des Coronavirus, gibt es zwei Projekte, die ich euch kurz vorstellen möchte. Zum einen ist da das Unternehmen Cansino, sie forschen ebenfalls an einem Vektor-Impfstoff und starteten zeitgleich mit Moderna die erste Phase der klinischen Studien. Ende Mai kamen die Ergebnisse: Bei 108 Teilnehmern konnten bereits nach zwei Wochen Antikörper nachgewiesen werden. Die häufigsten Nebenwirkungen seien Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen gewesen.

Jetzt müssen die Chinesen aber in der nächsten Phase auch beweisen, dass der Impfstoff den Menschen ausreichend schützt – und dabei haben sie ebenfalls das Problem, dass ihnen im eigenen Land die Infizierten ausgehen.

Zu guter Letzt gibt es neben mRNA und Vektorviren noch eine dritte Möglichkeit: Totimpfstoffe. Die enthalten entweder ausgewählte Proteine oder gleich das ganze Material eines Virus. Diese Technologie hat sich schon lange bewährt, zum Beispiel sind Impfstoffe gegen Hepatitis B oder Grippe so zusammengesetzt.

Die Entwicklung ist aufwendig, weil die Erreger erst genauestens ausfindig gemacht, dann in großen Mengen angezüchtet – und zuletzt inaktiviert also quasi getötet werden müssen. Damit sie zwar das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern anregen, gleichzeitig aber den Menschen nicht krank machen.

Wenn das einmal gelungen ist, könnte die Massenproduktion dann aber schneller gehen – und genau darauf setzt der chinesische Präsident Xi Jingping. Im Gegensatz zu US-Präsident Donald Trump will er einen Impfstoff Made in China auch anderen Ländern zur Verfügung stellen:

Das könnten zum Beispiel afrikanische Staaten sein, mit denen China seit Jahrzehnten strategisch verbündet ist. Dieser Totimpfstoff-Kandidat hier ist aktuell besonders vielversprechend: Sinovac hat Mitte Juni positive vorläufige Ergebnisse für ihre PhaseI/II-Studie verkündet: 90 Prozent der Probanden entwickelten Antikörper. In naher Zukunft soll Phase III in Brasilien starten – dort wurden rund eine Million Menschen positiv auf das Coronavirus getestet.

Sinovac erhielt Kredite vom chinesischen Staat und die schnelle Zusage dafür, eine Fabrik zu bauen, um mehr als 100 Millionen Dosen pro Jahr zu produzieren. Das klingt noch klein im Vergleich zu den Versprechen aus dem Westen. Aber die Chinesen haben schon mehrmals bewiesen, dass sie medizinische Einrichtungen sehr schnell hochziehen können.

Chinas Regierungschef Xi Jinping würde durch eine erfolgreiche Impfstoff-Entwicklung seinen Status als mächtigster Mann der Welt untermauern und sein Land an die Weltspitze der Forschung führen. Das wäre ein großer strategischer Sieg.

So, jetzt haben wir die wichtigsten Kandidaten durch. Ich hoffe, ich habe euch nicht zu viele Fakten eingeimpft und ihr könnt jetzt dem weltweiten Wettrennen ein bisschen besser folgen. Ich bin sehr gespannt, wann der erste Impfstoff zugelassen wird – und welches Land und vor allem welche Bevölkerungsgruppen dann als Erste den Zugang bekommen.

Wie ist denn eure Meinung zu diesem Thema? Auf welchen Hersteller und welche Technologie wettet ihr? Wartet ihr schon gespannt auf den Impfstoff oder findet ihr vielleicht, dass wir ihn gar nicht brauchen – und habt stattdessen einen anderen Lösungsvorschlag? Ich freue mich sehr auf eure Gedanken, schreibt sie mir gerne in die Kommentare unter meinem Youtube-Video.

Wenn euch mein Beitrag gefallen hat und ihr meine Arbeit als unabhängiger Journalist unterstützen wollt, dann abonniert gerne meinem Kanal #WasmitWirtschaft und wir sehen uns bei vielen weiteren Erklärvideos wieder.

Ich wünsche euch alles Gute, bleibt vor allem gesund! Euer Max.

Das Rennen um den Impfstoff gegen das Coronavirus

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Petkov

    26. Juni 2020 07:06 at 07:06

    Ähm, darf ich mal zusammenfassen? Es werden auf Verdacht roulettemäßig Unsummen öffentlicher Gelder in Impfungen mit irrsinnig verkürzten Entwicklungszyklen gesteckt.

    Welche ist die Zielgruppe für solche Impfungen?

    Wer von euch ist bereit, an sich und seiner Familie einen praktisch unerforschten Impfstoff zu testen, wenn man weiß, dass selbst echte Corona Erkrankte und Genesene nur wenige Wochen bis Monate immun sind und durchaus erneut erkranken können?

    Wie sieht es eigentlich mit einem Virostatikum aus? Ist es nicht der bessere und realistischere Weg, der erheblich höhere Akzeptanzchancen hat?

    Die meisten, die an Covid-19 erkranken, haben einen relativ milden Infektionsverlauf und brauchen somit keine riskante Impfung mit ungewisser Wirkung. Und der Rest braucht ein wirksames Medikament. Die Virostatika-Forschung hinkte immer der Antibiotika-Forschung hinterher. Ist das nicht das Pferd, worauf es sich am meisten lohnt, zu setzen?

    • Avatar

      Optimist

      26. Juni 2020 09:04 at 09:04

      Guten Morgen @Petkov,
      sehr gute Zusammenfassung!
      Ich denke auch, dass durch C19 die Virostatika-Forschung die Antibiose nicht nur einholen wird sondern auch viel mehr an Bedeutung gewinnen wird.

  2. Avatar

    Steffen Loebel

    26. Juni 2020 10:17 at 10:17

    So unabhängig scheint der Bericht ja wohl nicht zu sein !Gates hat großen Ärger in Indien und Afrika,weil es wohl viele tote und dauergeschädigte Kinder nach seinen Impfkampagnen gegeben hat !
    Es gibt auch ein Youtubevideo von ihm ,da sagt er auf einer Bühne,man könne durch Impfung die Bevölkerungszahl bei rund 6 Mrd. halten !

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Wie die Entwicklungsländer versuchen die Krise zu überleben

Hannes Zipfel

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Coronakrise sorgt in Entwicklungsländern für immense Probleme

Viele Schwellenländer standen bereits vor dem Ausbruch der Pandemie vor großen finanziellen Problemen. Einige von ihnen waren bereits unmittelbar vom Staatsbankrott bedroht. Wie gehen die Entwicklungsländer mit der Zusatzbelastung durch die Corona-Krise um, trotz bereits zum Teil überbordender Schuldenstände und weniger effizienter Staatsstrukturen und Sozialsysteme? Können sie die Krise finanziell überhaupt überleben oder lösen sie eine globale Pleitewelle bei Staaten aus?

Lage der Entwicklungsländer spitzt sich zu

Momentan schauen in Zeiten der Pandemie die westlichen Ökonomen vor allem auf die Entwicklungen vor der eigenen Haustür. Doch gerade das stark vom Export abhängige Deutschland sollte auch die Entwicklungen jenseits der Hauptabsatzmärkte Europa und USA im Auge behalten. Der Wachstumsbeitrag der Entwicklungsländer für die Weltwirtschaft betrug bislang immerhin drei Viertel des globalen Gesamtwachstums. Dieser Trend soll sich laut dem Analysehaus Ashmore und dem IWF auch in Zukunft fortsetzen (Daten aus 2019). Doch dazu müssen die Schwellenländer zunächst die Pandemie ökonomisch und gesellschaftlich überleben.

Grafik zeigt globalen Wachstumsbeitrag der Entwicklungsländer

Wuchsen die Ökonomien der als Schwellenländer eingestuften Staaten in den letzten 20 Jahren durchschnittlich um 5,9 Prozent pro Jahr, so droht ihnen im Jahr 2020 die erste Rezession mit einer wirtschaftlichen Kontraktion in Höhe von durchschnittlich 3,3 Prozent. Davon geht der Internationale Währungsfonds (IWF) in seiner aktuellen Publikation „Emerging And Frontier Markets: Policy Tools In Times Of Financial Stress“ aus. Doch es könnte noch viel schlimmer kommen, wenn sich die Konjunkturlage im Zuge wirtschaftlicher Einschränkungen durch die Pandemie nochmals verschlechtert und bereits jetzt stark geschwächte Länder weitere Belastungen verkraften müssen.

Besonders Staaten wie Venezuela, Argentinien, Pakistan, die Türkei, Chile, Indien etc. haben jetzt schon massive wirtschaftliche Probleme bis hin zu Währungskrisen und der teilweisen Zahlungsunfähigkeit zu meistern. Am Anfang der Pandemie hatte eine beispiellose Kapitalflucht eingesetzt, bei der innerhalb kürzester Zeit über 100 Milliarden US-Dollar von internationalen Investoren aus Schwellenländern abgezogen wurden. Die Situation war von der Dimension her damit bereits im Frühling 2020 dramatischer als während der Weltfinanzkrise. Länder wie Argentinien, die Ukraine und Chile gerieten an den Rand des Staatsbankrotts. Und so könnte die sich mit der Pandemie weiter ausbreitende Rezession lediglich der Vorbote einer neuen Schwellenländerkrise sein.

Ein globales Problem

Die Budgets und logistischen Möglichkeiten zur Stützung der heimischen Wirtschaft, zur Gesundheitsversorgung und zur Aufrechterhaltung sozialer Mindeststandards sind im Gegensatz zu den entwickelten Volkswirtschaften in den Schwellenländern deutlich geringer ausgeprägt und damit anfälliger für Krisen. Selbst der Kollaps einzelner Entwicklungsländer ist nicht mehr auszuschließen (Failed States).

Wird diese Entwicklung zum Massenphänomen, bekommen auch die Industrieländer ernste Probleme. Dabei geht es nicht nur um die finanzielle Kosten, die über die Anteile der Industriestaaten an der Weltbank und dem IWF in Form von Nothilfen oder Kreditstundungen gewährt werden, sondern auch um massive Migrationsbewegungen, die sich längst in Gang gesetzt haben und zu gesellschaftliche Spannungen führen können. So sind allein wegen der sich weiter zuspitzenden humanitären Katastrophe in Venezuela ca. 4,8 Millionen Menschen oder 15,6 Prozent der Gesamtbevölkerung seit 2016 aus dem Land geflohen. Diese Massenbewegung, auch bekannt als Bolivarian diaspora, wirkt sich auch auf die Aufnahmeländer belastend aus.

Dabei ist Venezuela alles andere als ein Einzelfall: Laut der UNO Flüchtlingshilfe waren noch nie so viele Menschen wie heute auf der Flucht vor Armut und bewaffneten Konflikten. Ende 2019 lag die Zahl der Menschen, die weltweit auf der Flucht waren, bei knapp 80 Millionen – mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung. Im Vergleich zum Vorjahr waren das fast neun Millionen Menschen mehr. Seit 2010 hat sich die Zahl der Menschen auf der Flucht verdoppelt. Für das kommende Jahr wird mit einer deutlichen Intensivierung der globalen Fluchtbewegung in Folge steigender Armut gerechnet. Für die Entwicklungsländer und vor allem für ehemalige Kriegsgebiete wie Syrien bedeutet dies, dass für den Wiederaufbau und für die Erwirtschaftung von Wohlstand und Steuereinnahmen dringend benötigte Menschen dauerhaft verloren gehen.

Maßnahmen gegen den Kontrollverlust in den Entwicklungsländern

Der IWF und die Weltbank haben bereits im April Mittel mobilisiert, um die Corona-Folgen für die Entwicklungsländer abzufedern. Dadurch sind zunächst die akuten Zahlungsbilanzprobleme vieler ärmerer Länder abgemildert worden. Doch das war lange vor der zweiten Corona-Welle. Im Sommer war es durch Notkredite des IWF in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar, die in Rekordgeschwindigkeit ausgezahlt wurden, noch gelungen, den sofortigen finanziellen Kollaps der Entwicklungsländer abzuwenden.

Zusätzlich zu den Notfallmaßnahmen des IWF hatten die G20-Staaten ein Schuldenmoratorium für die ärmsten 43 Entwicklungsländer beschlossen. Laut Weltbank sorgt diese Maßnahme in den betroffenen Staaten für eine Entlastung beim Schuldendienst von 11,5 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr. Nun ist in Anbetracht der zweiten Corona-Welle bei den G-20-Staaten bereits eine Verlängerung des Schuldenmoratoriums bis Mitte 2021 im Gespräch. Doch auch das könnte nicht reichen, wenn die Pandemie und deren ökonomische Folgen den nach wie vor recht optimistischen Prognosen der IWF-Ökonomen folgen.

Geld spielt keine Rolle

Auch der am 27. Dezember 1945 gegründeten IWF war in seiner 75-jährigen Geschichte bisher noch nie mit einer derartigen Krise globalen Ausmaßes konfrontiert. Und so fordert die Direktorin dieser supranationalen Institution, Kristalina Georgieva, das Vermögen des Fonds von einer Billion Euro auf 2 Billionen Euro zu verdoppeln, da andernfalls im Zuge einer zweiten oder sogar dritten Corona-Welle dem Fonds die Mittel auszugehen drohen.

Doch woher kommt das Geld des Internationalen Währungsfonds (IWF)? Zum einen kann der IWF sogenannte Sonderziehungsrechte vergeben, die nichts anderes als Buchkredite der Institution an seine Mitglieder darstellen. Zum anderen kommt Geld (und Gold) über Quotenregelungen direkt von den Mitgliedsstaaten, die zu den Nettozahlern gehören, wie z B. Deutschland oder die USA. Diese Staaten müssen sich gleichwohl für die Zahlung dieser gigantischen Summen selbst zusätzlich verschulden. Da der private Kapitalmarkt diese Schuldenmassen zu für die Schuldner tragfähigen Zinsen nicht mehr schultern kann, springen die Notenbanken ein und drucken das Geld (digital).

Nichts anderes tun aktuell auch die Zentralbanken vieler Entwicklungsländer, um ihre Staaten flüssig zu halten. Da dies bei Staaten mit ohnehin schwachen Währungen gleichwohl gefährlich ist und schnell zu einem Kollaps des Außenwertes der Währung führen kann, müssen die Geldpolitiker der Schwellen- und Entwicklungsländer andere Wege zur Unterstützung der Wirtschaft und des Staates gehen.

Nahezu alle Zentralbanken senkten daher zunächst die Zinssätze. Die größten Notenbanken intervenierten an den Devisenmärkten, entweder mit eigenen Reserven oder mit Geldern des IWF bzw. US-Dollar-SWAP-Linien der US-Notenbank Fed. Etwa die Hälfte der Institute senkte die Mindestreserveanforderungen für Banken, um das Finanzsystem liquide zu halten und die Kreditbedingungen zu lockert. Rund 20 Zentralbanken der Entwicklungsländer haben zum ersten Mal überhaupt quantitative Lockerungen vorgenommen (Geldmengenausweitung), um Staats- und Privatschulden am Sekundärmarkt zu erwerben, die sonst keine Käufer mehr fanden.

Die Folgende Grafik zeigt sehr anschaulich, dass anders als in den Industrieländern mit vermeintlich starken Währungen die Notenbanken der Entwicklungsländer primär über qualitative Maßnahmen agierten. Aber nicht aus purer Vernunft, sondern weil ihnen schlicht und einfach das Privileg der momentan noch konsequenzlosen Gelddruckens in beliebiger Höhe verwehrt ist. Daher ist es nur fair, dass Staaten wie die USA oder Länder der Eurozone ihre Geldschöpfungsprivilege im Interesse der durch die Pandemie in Existenznöte geratenen Entwicklungsländer einsetzen.

Grafik zeigt Unterstützung der Notenbanken

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Bundesbank: Erholung der Industrie läuft, Dienstleistungen problematisch

Claudio Kummerfeld

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Deutschland Flagge

Die Bundesbank hat heute ihren Monatsbericht für Oktober veröffentlicht. Demnach verliert der wirtschaftliche Aufschwung deutlich an Schwung. Die Wirtschaftsleistung in Deutschland dürfte im dritten Vierteljahr 2020 stark angestiegen sein. Gemessen am vierteljährlichen Bruttoinlandsprodukt könnte die deutsche Wirtschaft damit bereits etwas mehr als die Hälfte des drastischen Einbruchs im ersten Halbjahr wieder wettgemacht haben. Trotzdem dürften noch etwa 5 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenniveau vom letzten Vierteljahr 2019 fehlen.

Aus heutiger Perspektive dürfte sich die wirtschaftliche Erholung im laufenden Vierteljahr zwar fortsetzen, dabei jedoch eine erheblich langsamere Gangart einlegen. Die Industrie ist gemäß der Bundesbank-Aussagen nicht das Problem, sondern der Bereich Dienstleistungen, der ja von erneuten Corona-Restriktionen direkt betroffen ist. Die deutsche Exportindustrie profitiert derweil zum Beispiel durch die wieder gut laufende Konjunktur in China. Hier die Bundesbank mit ihrer Headline-Aussage zur Industrie:

Dem Monatsbericht zufolge hat die Industrie nach dem besonders starken Einbruch im Frühjahr bis Juli bemerkenswert aufgeholt. Im August habe die Erholung zwar eine Verschnaufpause eingelegt, im Mittel der Monate Juli und August sei die Industrieproduktion dennoch gegenüber dem stark gedrückten Frühjahrsquartal kräftig angestiegen (+13,5 %). Gleichwohl verfehlte sie das Vorkrisenniveau aus dem vierten Quartal 2019 immer noch um gut ein Zehntel. Die Auftragseingänge hätten jedoch weiter zugenommen und beinahe wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

Und hier die Headline-Aussagen zum Dienstleistungssektor:

Während sich die Stimmung bei den Industrieunternehmen laut Umfrage des ifo Instituts etwas aufhellte, trübte sie sich bei den Dienstleistungsunternehmen im September zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder etwas ein, schreibt die Bundesbank. Insbesondere Branchen wie das Gastgewerbe dürften durch die zuletzt stark gestiegenen Infektionszahlen und die deshalb in einigen Regionen ausgeweiteten Eindämmungsmaßnahmen belastet werden. Die Fachleute gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im laufenden Vierteljahr wohl nur noch vergleichsweise wenig steigen wird.

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Hans-Werner Sinn bei Marc Friedrich – die große Krise

Claudio Kummerfeld

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Hans-Werner Sinn ist als ehemaliger Leiter des ifo-Instituts immer noch ein bundesweit hoch anerkannter und gern gesehener Gesprächspartner rund um ökonomische Themen. Seine Meinung hat Gewicht. Aktuell wurde er vom (durch große Medien als Crashprophet bezeichneten) Marc Friedrich interviewt zur aktuellen großen Krise.

Hans-Werner Sinn über zweite Corona-Welle und China

Laut Hans-Werner Sinn sei die zweite Corona-Welle längst da. Einen zweiten, echten und harten Lockdown könne Deutschland nicht verkraften – deswegen werde es ihn auch nicht geben. Man werde stattdessen versuchen Brandherde einzeln und lokal zu löschen. Besprochen werden von den beiden zahlreiche bestehende ökonomische Probleme, darunter die Südländer in Europa, für die der Euro nach wie vor zu teuer sei. Auch die Krise der Autohersteller wird angesprochen. Hier gehe es um Regulierungsprobleme.

Marc Friedrich spricht die starke Überschuldung in China an. Hans-Werner Sinn erwähnt hier aber die in wenigen Jahren stark gestiegene Bedeutung Chinas für Deutschland. Vor vier Jahren sei China noch das viert wichtigste Exportland für die deutsche Wirtschaft gewesen, heute sei es das wichtigste Land. Die dortige rasche konjunkturelle Erholung helfe derzeit auch sehr stark der deutschen Exportwirtschaft.

Schulden-Vergemeinschaftung

Auch besprechen Hans-Werner Sinn und Marc Friedrich ausführlich das Thema der neuen EU-Anleihen und der zunehmenden Staatsfinanzierung durch die EZB. Angesprochen werden auch die ursprünglichen Grundsätze zu Zeiten der Euro-Einführung, wonach die EZB die Staaten nicht direkt finanzieren dürfe. Aus der Formulierung hätte Juristen dann den Schluss gezogen, dass eine indirekte Finanzierung erlaubt sei, so wie sie jetzt laufe (Banken kaufen Staatsanleihen in der Erstauktion, verkaufen sie kurz danach an die EZB).

Auch werden von den beiden Themen angesprochen wie eine mögliche Hyperinflation, das massive Rentenproblem und die großen wirtschaftlichen Probleme, die in Deutschland schon in zehn Jahren sichtbar sein sollen. Hans-Werner Sinn formuliert es drastisch und klar. Europa gehe über in ein dauerhaftes Siechtum bestehend aus dauerhaften Transfers nach Südeuropa, und ohne ausreichende Produktivität.

Bankenkrise

Egal ob die Zinsen nun wieder steigen würden, oder ob man weiter auf der Null-Linie bleibe. Auf die Banken in Europa werden laut Hans-Werner Sinn immense Probleme zukommen, die nicht ewig mit Sondermaßnahmen (wie es derzeit passiert) kaschiert werden könnten. Ein sehenswertes Gespräch, es lohnt sich! Nehmen Sie sich die Zeit.

Finden Sie beim Klick an dieser Stelle die fünf Investment-Ideen von Marc Friedrich.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: blu-news.org CC BY-SA 2.0

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