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Coronavirus: Wie groß sind die Bremsfaktoren für die Weltwirtschaft?

Man glaubt „immer noch“ nur an eine kleine Delle in der Wirtschaft – und wenn diese stärker ausfällt, hat man die Flut an Liquidität

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Auf allen Kontinenten wird gemutmaßt und gerechnet, was ein durch das Coronavirus verursachter mehrwöchiger Ausfall der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt kosten wird. Die Wertschöpfungs- und Lieferketten der modernen Industriegesellschaften sind auf das Heftigste gestört. Noch haben manche Firmen Lagerbestönde, wie zum Beispiel der  Telekom-Chef gestern in einem Interview bemerkte. Man habe noch für vier Wochen Mobiltelephone von Apple und Samsung auf Lager. Aber mit jedem Tag, in dem der 17-Prozent der Weltwirtschaft mit halber Kraft produziert, wird der Schaden größer. Dementsprechend divergieren die Schätzungen zu den globalen Auswirkungen des Coronavirus.

Coronavirus: Die große Spekulation um das „Unfassbare“

Es ist immer noch das berühmte Stochern im Nebel für die große Zunft der Analysten. Schließlich hat man schon in „Normalzeiten“ Schwierigkeiten chinesische Wirtschaftsdaten richtig einzuordnen. Man denke nur an die offizielle chinesische Arbeitslosenrate, die über ein Jahrzehnt in ihrer Stabilität kaum zu toppen war.

Da man den Daten nicht unbedingt Glauben schenkt – so gibt es seit Tagen netto keine Zunahme der durch das Coronavirus Infizierten mehr (Neuerkrankte minus Gesundete unter 60.000), so weicht man zur Beurteilung auf Randparameter wie Energieverbrauch oder Verkehrsdichte aus. Der Energieverbrauch des Riesenreichs ist nach dem Neujahrsfest nicht etwa gestiegen, sondern weiter gefallen. Messbar am Kohleverbrauch, der sich während der Woche mit den Feierlichkeiten halbiert und um weitere 20 Prozent gefallen war.

Noch exotischer ist der Bagger-Index von Komatsu, der die Betriebsstunden von Baumaschinen in China misst. Dieser war im Januar von 124,7 auf 59,3 Stunden pro Maschine gefallen. Auch gibt es einen Baidu-Migrationsindex, der in Prozenten abschätzt, wieviel Menschen an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt sind. Vor zwei Tagen lag der Anteil bei 27,4 Prozent. Kleines Fazit: China produziert noch nicht einmal mit halber Kraft.

Besonders drastisch ist der Rückgang in der Reisetätigkeit der Chinesen. Statt täglich 80 Millionen sind gerade mal 18 Millionen Bürger auf Reisen (Quelle FT).

Vom internationalen Reiseverkehr erst gar nicht zu reden. Was mir bisher nicht bekannt war: Anscheinend besitzen nur etwa 10 Prozent der Chinesen einen Reisepass und können überhaupt ins Ausland verreisen. Eine sehr niedrige Quote, die aber in Zeiten des Coronavirus einen gewissen Schutz darstellt.

Am Wochenende ist in Saudi-Arabien ein Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankgouverneure anberaumt. Wie wird man in Kreisen des großen Geldes die Situation um die Lungenkrankheit einstufen?

Die Szenarien

Wie schätzen die Institute die bisherigen Folgen wirtschaftlich ein?

Da gibt es einmal die Variante mit den einfachen Folgen der Viruserkrankung.

Die Zahl der Neuinfektionen geht zurück, der Ausbruch des Coronavirus bleibt hauptsächlich auf China beschränkt. Bisher war es so, dass die WHO keine Veranlassung sieht, eine weltweite Pandemie auszurufen. Sollte es dabei bleiben, sieht das Analysehaus Oxford Economics eine Beeinträchtigung der Weltwirtschaft um 0,5 Prozent oder bei Kosten von 400 Milliarden Dollar.

Bei einer Verbreitung des Virus um den Globus sehen die Ökonomen Kosten von einer Billion Dollar oder einen globalen Wirtschaftseinbruch von 1,1 Prozent.

Der große Test wird mit der Rückkehr der Arbeiter in die Fabriken nach Ablauf der 14-tägigen Quarantäne kommen. China kann die Zahl der Erkrankungen und deren Folgen nicht auf Dauer manipulieren. Dazu gibt es zu viele Smartphones und weitere Indikatoren, die selbst von außerhalb messbar sind.

Fazit

Es ist immer noch viel zu früh, um auch nur annähernd ein Bild über die Folgen des Coronavirus zu bekommen. Noch sind beide Varianten der Viruskrise möglich.

Es gibt zwei ganz optimistische Sichtweisen: Die des britischen Informationsdienstleisters IHS Markit und immer noch die internationalen Aktienbörsen. Ersterer erwartet nur einen kleinen wirtschaftlichen Einbruch mit nur einem kleinen Minus für die Weltkonjunktur von minus 0.1 Prozent.

Ja und über die Aktienmärkte wurde an dieser Stelle schon viel geschrieben:

Man glaubt „immer noch“ nur an eine kleine Delle in der Wirtschaft – und wenn diese stärker ausfällt, hat man die Flut an Liquidität. Da ist es doch fast nebensächlich, wenn bereits 140 von 500 Unternehmen im S&P 500 vor Gewinneinbrüchen durch Sars-CoV-2 warnen, wie das Coronavirus auch bezeichnet wird, oder? So die Beurteilung der Investoren, die man derzeit auch als „irrational bullish“ bezeichnet. Aber Börse ist kurzfristig zu einem großen Teil Psychologie – und da braucht es zum Beispiel nur zu einem vermehrten Auftreten von Krankheitsfällen in den USA kommen, damit die Aktienmärkte ihre bisher gelassene Haltung ändern!

Die ökonomischen Folgen des Coronavirus sind noch völlig unkalkulierbar

Ein Kommentar

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    Andreas

    21. Februar 2020 12:40 at 12:40

    Einige Infos vom Buch „China First“:
    China ist größter Produzent von 220 verschiedenen Industrieerzeugnissen, darunter Laptops, Fernseher, Mobiltelefone, Zement, Stahl und Möbel.
    63% aller Schuhe kommen aus China
    70% aller Brillen
    90% aller LED-Lampen
    60% aller Textilien

    Dazu sind sie Weltmeister im Bauen. Zwischen 2011 und 2015 errichteten die Chinesen 32,3 Millionen Gebäude. Ein Umsatzstarkes Gewerbe also.

    Wenn nicht bald dem Coronavirus Paroli geboten wird, dann wird die FED nicht drumherum kommen ihre Repo-Einsätze um ein vielfaches zu erhöhen. Wie wäre es mit 500 Milliarden täglich, Herr Blasenmeister Powell? Anders werden die wirtschaftlichen Einbußen nicht zu bewältigen sein.

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Aktuell: Verbrauchervertrauen Uni Michigan – Sieg von Biden erwartet

Markus Fugmann

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Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan (1.Veröffentlichung für Oktober) ist mit 81,2 etwas besser ausgefallen als erwartet (Prognose 80,5; Vormonat war 80,4).

Die Einschätzung der aktuellen Lage dagegen schwächer als erwartet, sie liegt bei 84,9  (Vormonat war 87,9)

Die Konsumentenerwartung liegt bei 78,8  (Vormonat war 73,3)

 

Dazu schreibt Richard Curtin, der die Umfrage verantwortet:

„Slowing employment growth, the resurgence in covid-19 infections, and the absence of additional federal relief payments prompted consumers to become more concerned about the current economic conditions. Those concerns were largely offset by continued small gains in economic prospects for the year ahead. The Current Conditions Index recorded its second small reversal, the first being in June, but even at its best, it has never come close to its December peak, being still down by 26.5%. The Expectations Index, despite the recent gain, is still down by 14.4% from its February peak. How much has the presidential electioneering influenced this twist in consumer sentiment? Consumers were not asked whom they will or had voted for or their preference, but who they expected to win the election to determine the election’s potential influence on economic expectations. Among all consumers, Biden’s advantage in early October grew to 7 from 1 percentage point in the July to September surveys (see the chart). While self-identified Democrats and Republicans heavily favored the candidate from their own party, that proportion grew by 8 points among Democrats and shrunk by 5 percentage points among Republicans. Most elections are decided by those who are non-aligned with either party; the views of Independents remained unchanged and nearly equal, giving Trump a slight advantage of 2 or 3 points. When the difference in the Expectations Index was calculated by party identification, Trump still held an advantage over Biden with some interesting twists: Trump’s advantage on the Expectations Index greatly narrowed among Republicans (from 31.1 in July to September to 13.9 in October) and only a slight narrowing among Democrats (from 4.0 to 1.6), but it widened among Independents (from 20.9 to 24.4).“

 

 

 

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Aktuell: US-Einzelhandelsumsätze stark

Redaktion

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Die US-Einzelhandelsumsätze (September) sind mit +1,9% besser ausgefallen als erwartet (Prognose war +0,7%; Vormonat war +0,6%). Ohne Autos liegen die Umsätze bei +1,5% (Prognose war +0,4%).

Die control group (also der Teil der US-Einzelhandelsumsätze, der direkt in die Berechnung des US-BIP einfließt) liegt bei +1,4% (Prognose war +0,2%; Vormonat war -0,1%, nun auf -0,3% nach unten revidiert).

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone: Deflation im Westen – Inflation nur in Osteuropa

Redaktion

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Soeben wurden für die Eurozone für den Monat September die Verbraucherpreise veröffentlicht (2.Veröffentlichung). Sie gehen im Jahresvergleich um -0,3 Prozent zurück, nach -0,2 Prozent im August und +0,4 Prozent im Juli. Auffallend: Inflation gibt es nur im Osten, während der Westen eher unter Deflation leidet.
Zum Vormonat steigen die Verbraucherpeise um +0,2%, ebenso in der Kernrate (ohme Nahrung und Energie) um +0,2%.

Dazu schreibt Eurostat, das die Daten erhebt:

Die jährliche Inflationsrate im Euroraum lag im September 2020 bei -0,3%, gegenüber -0,2% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 0,8% betragen. Die jährliche Inflationsrate in der Europäischen Union lag im September 2020 bei 0,3%, gegenüber 0,4% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 1,2% betragen. .
Die niedrigsten jährlichen Raten wurden in Griechenland (-2,3%), Zypern (-1,9%) und Estland (-1,3%) gemessen.
Die höchsten jährlichen Raten wurden in Polen (3,8%), Ungarn (3,4%) und Tschechien (3,3%) gemessen.

Die Verbraucherpreise in den jeweiligen Ländern

 

Gegenüber August ging die jährliche Inflationsrate in dreizehn Mitgliedstaaten zurück, blieb in sieben unverändert und stieg in sieben an.
Im September kam der höchste Beitrag zur jährlichen Inflation im Euroraum von Lebensmitteln, Alkohol und Tabak (+0,34 Prozentpunkte, Pp.), gefolgt von Dienstleistungen (+0,24 Pp.), Industriegütern ohne Energie (-0,08 Pp.) sowie Energie (-0,81 Pp.).

Die Verbraucherpreise in der EU und der Eurozone

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