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COT-Daten: VIX mit Kaufsignal – Vorsicht bei Gold!

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) veröffentlicht jeden Freitag die Commitments of Traders, die sogenannten COT-Daten. Diese Aufschlüsselung der Positionierungen am Terminmarkt geben wertvolle Hinweise zum kurzfristigen Auf- oder Abwärtspotenzial eines Marktes.

COT-Daten als klassischer Kontraindikator

Die US-Aufsichts- und Regulierungsbehörde für den Future- und Optionshandel in den USA, CFTC, erhebt jede Woche die noch offenen Positionen der Händler nach Börsenschluss am Dienstag. Die Daten werden von den meldepflichtigen Marktteilnehmern am Mittwoch an die Behörde geliefert und jeweils am darauffolgenden Freitag um 21:30 MEZ der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt (feiertagsbedingt manchmal auch erst am darauffolgenden Montag).

Die Daten werden aktuell für 66 verschieden Futures- und Options-Märkte für folgende Kategorien ermittelt: Währungen, Zinsen/Anleihen, Aktien-Indizes, Rohstoffe (Metalle, Energieträger, Nahrungsmittel und Baustoffe). Die CFTC teilt die Terminmarktteilnehmer in ihren Berichten in drei Gruppen ein:

1) Die sogenannten „Commercials“ sind Rohstoffproduzenten, Industriekonzerne (Verarbeiter) oder Banken, die sich primär gegen Kursschwankungen an bestimmten Märkten absichern wollen.

2) Die „Large Speculators“ sind Trader, die aufgrund ihrer Größe meldepflichtig sind und rein spekulativ am Terminmarkt agieren (direktionale Wetten abschließen).

3) Die „Small Speculators“ sind eine Gruppe von Kleinhändlern, die einzeln nicht meldepflichtig sind und daher nur als Sammelgröße mit in den COT-Report einfließen.

Relevant für die Analyse der COT-Daten sind primär die „Commercials“ und die „Large Speculators“. Aufgrund der unterschiedlichen Motive der Terminmarkthändler, die auf Preisentwicklungen in der Zukunft setzen, lassen sich Rückschlüsse auf die Verfassung des jeweiligen Marktes ziehen.

Bei den „Commercials“ geht man davon aus, dass diese umso mehr Kauf- oder Verkaufs-Kontrakte halten, umso weiter sich der Preis von seinem fairen Wert entfernt hat (fundamental orientiert), wohingegen die „Large Speculators“ prozyklisch ihre Positionierungen immer weiter ausbauen, je mehr ein Markt sich in eine Richtung bewegt (Momentum getrieben). Es ist empirisch belegt, dass die „Commercials“ an Extrempunkten eine gute Indikation für die „richtige“ Positionierung im Markt darstellen, wohingegen die großen Spekulanten als klassische Kontraindikatoren gelten.

Darüber hinaus beinhaltet der COT-Report das sogenannte „Open Interest“, das die Gesamtzahl aller offenen Kontrakte anzeigt und Rückschlüsse auf das generelle Interesse an einem bestimmten Markt offenbart. Auch daraus lässt sich ableiten, ob ein Markt bereits „heiß“ gelaufen ist, wenn er im Fokus vieler Marktteilnehmer mit entsprechend hohem Exposure steht.

Der COT-Indikator

Der COT-Index ist ein Oszillator, der Wendepunkte in einem Markt mit einer gewissen Zuverlässigkeit anzeigt. Immer dann, wenn die Positionierungen der Marktteilnehmer im historischen Vergleich der letzten Monate, Quartale oder Jahre besonders extrem sind, generiert der COT-Index ein Kauf- oder Verkaufssignal. Der Index schwankt zwischen 0 und 100. Stände über 75 generieren ein Kaufsignal, Stände unter 25 ein Verkaufssignal. In dem verlinkten Chart zum Mexikanischen Peso zeigt der COT-Index (rote Linie ganz unten im Chart) aktuell exemplarisch ein klares Verkaufssignal gegenüber dem US-Dollar. Der COT-Index ist in Kombination mit anderen Indikatoren ein wertvoller Hinweisgeber für die Verfasstheit eines Marktes.

COT-Index mit klarem Kaufsignal für den VIX

Das deutlichste Kaufsignal auf Basis der COT-Daten gibt es aktuell beim VIX, also der Volatilität auf den S&P 500 (neunte Spalte von oben, Chart wird sichtbar via Mouseover). Die Short-Positionierung der „Large Traders“ (Großspekulanten) befindet sich im absoluten Extrembereich, wohingegen die „Commercials“ in einem Ausmaß auf eine wieder steigende Volatilität setzen, wie noch nie zuvor seit Beginn der Datenaufzeichnung.

Informationen darüber, welche Möglichkeiten es für deutsche Privatanleger gibt, auf einen steigenden VIX zu investieren und welche Besonderheiten dabei zu beachten sind, finden Sie in diesem Artikel der FMW (den Link zu den Hebelzertifikate-Produkten auf den VIX finden Sie in den Kommentaren unter dem verlinkten Artikel).

Vorsicht bei Gold

Trotz meiner grundsätzlich sehr positiven Einstellung gegenüber Goldinvestments, signalisiert der COT-Report aktuell kurzfristig weiteres Korrekturpotenzial. Der COT-Index steht momentan bei 11 (rote Linie ganz unten im Chart) und damit trotz der Preisrückgänge der letzten Wochen nach wie vor tief in der Verkaufszone. Etwas besser sieht das Bild bei Silber aus. Hier steht der COT-Index aktuell bei 25. Indexstände über 50 sind positiv und über 75 befindet sich der COT-Index dann erneut in der Kaufzone. Die Preisrückgänge seit Dienstag letzter Woche sind noch nicht in den COT-Daten für Gold und Silber erhalten und werden erst in der nächsten Veröffentlichung des Reports ihren Niederschlag finden.

Datenquellen zu den COT Daten

Für einen schnellen Überblick per Mouseover über alle von den COT-Daten abgedeckten Märkte empfiehlt sich folgende Seite, auf der man sich die Daten auch per Excel downloaden und anschließend selbst bearbeiten kann. Den COT-Index zu immerhin 40 der von der CFTC abgedeckten Märkte bieten die Charts auf dieser Seite.

Fazit und Hinweis

In Kombination mit anderen Indikatoren stellen die COT-Daten der CFTC Informationen für den Grad der Überkauftheit bzw. Überverkauftheit eines Marktes dar. Ergänzt um charttechnische Signale und fundamentale Daten können kurzfristig orientierte Händler ihren Tradingerfolg mittels COT-Daten deutlich erhöhen. Als alleiniger Indikator sind die COT-Daten gleichwohl nicht geeignet, da sie überlagert von fundamentalen Einflussfaktoren, wie zum Beispiel aktuell einem Angebotsdefizit bei Palladium, auch über längere Zeiträume permanent Fehlsignale generieren können.

Bei Rohstoffen gilt generell: Oberste Priorität hat die physische Angebots-Nachfrage -Situation. Ist ein Rohstoff im Defizit (weniger Angebot als Nachfrage) steigen die Preise – unabhängig von charttechnischen Signalen oder der Terminmarktstruktur á la COT-Daten. Weitergehende Informationen zum Thema COT-Daten, auch zum erweiterten COT-Report, erhalten Sie hier.

COT-Daten - Terminhandel in Chicago
Historische Aufnahme vom Terminhandel in Chicago 1993.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Thomas

    26. November 2019 11:56 at 11:56

    Danke für die Analyse!

    Habe heute eine Call Position auf VIX eröffnet. Geeigneter SL wird noch im Laufe des Tages platziert.

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Türkische Lira steigt weiter – Zinsen und US-Dollar helfen

Claudio Kummerfeld

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am

Türkei Flagge

Die türkische Lira steigt dieser Tage immer weiter an. Zuletzt berichteten wir am Montag über die weiter steigende Inflation in der Türkei. Sie stieg von November auf Dezember von 14,03 Prozent auf 14,60 Prozent. Dennoch blieb die Lira robust. Und sie steigt bis heute weiter an. Dies liegt an der offenbar nachhaltigen Wirkung der letzten Zinsanhebung der türkischen Zentralbank vom 24. Dezember 2020. Insgesamt stieg der Leitzins in der Türkei seit dem 19. November von 10,25 Prozent auf satte 17 Prozent. Damit liegt er nun spürbar über der Inflationsrate.

Folglich werden Geldanlagen in der Türkei für ausländische Anleger wieder attraktiver. Und aktuelle Berichte zeigen, dass wirklich wieder Geld in die Türkei fließt. Dies stärkt natürlich die türkische Lira. Es gab im November und Dezember von ausländischen Finanzinstitutionen einen Zufluss in türkische Aktien und Anleihen in Höhe von 3,9 Milliarden Dollar.

Türkische Lira wertet seit November auf

Auch muss man sehen, dass der US-Dollar seit einiger Zeit klar im Abwärtstrend ist, auch wenn er sich heute etwas erholen kann. Die Dollar-Schwäche und die kräftige Zinsanhebung in der Türkei helfen derzeit dabei die türkische Lira nach oben zu pushen. Seit November hat der US-Dollar gegen die türkische Lira verloren von 8,57 bis auf 7,23 heute früh (aktuell 7,32). Wie gesagt, ganz aktuell steigt der Dollar-Index – also eine eigenständige Dollar-Stärke, welche die Lira schwächt. Aber die große Bewegung seit zwei Monaten zeigt klar eine Lira-Stärke! Jetzt kann man, wenn man denn auf eine weiter steigende türkische Lira setzt, nur noch hoffen, dass Präsident Erdogan nicht nach einigen Wochen wieder auf Zinssenkungen drängt, und dass der Leitzins weiter hoch bleibt – damit die Lira-Aufwertung sich verfestigen kann.

Im ganz großen Bild (Chart USDTRY seit dem Jahr 2011), da erkennt man wie desaströs die Abwertung für die türkische Lira in den letzten Jahren war. Denn vor zehn Jahren musste man für 1 Dollar weniger als 2 Lira aufbringen – heute sind es wie gesagt 7,32 Lira. Die aktuelle Aufwertung der türkischen Währung sieht man im Chart nur ganz am Ende als noch überschaubaren Rückfall im USDTRY.

Chart zeigt Verlauf von US-Dollar gegen türkische Lira seit 2011

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Goldpreis und US-Dollar: Wette auf Senatssieg für Demokraten

Claudio Kummerfeld

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Gold mit US-Adler und US-Dollar

Der US-Dollar fällt aktuell weiter nach unten, der Goldpreis steigt weiter an. Im Chart sehen wir seit dem 28. Dezember den steigenden Goldpreis gegen den fallenden US-Dollar in Form des Dollar-Index. Gold steigt seit Silvester bis jetzt auf einen neuen Höchststand von 1.955 Dollar. Der Dollar-Index notiert mit einem Indexstand von 89,29 Punkten auf den tiefsten Niveau seit April 2018. Seit gestern ist er erneut ein Stück abgerutscht.

Goldpreis und US-Dollar mit Blick auf Wahl in Georgia

Daraus kann man ablesen, dass die Spekulanten derzeit an einen Wahlsieg der Demokraten in Georgia glauben (hier der aktuelle Kommentar von Markus Fugmann), womit die Sitze im Senat in Washington DC exakt gleich aufgeteilt würden, wodurch wiederum die neue Vizepräsidentin Harris den Ausschlag geben würde. Damit könnte Joe Biden in der Theorie durchregieren, auch wenn die Mehrheit nur hauchdünn ist. Noch ist die Wahl nicht entschieden, aber die Tendenzen deuten auf einen Sieg der Demokraten hin! Dieses Szenario zeigt eine weitere kräftige Staatsverschuldung für die USA.

Dies würde weiter schwächend auf den US-Dollar wirken, und somit stärkend auf alles, was in US-Dollar gehandelt wird – somit also auch für den Goldpreis. Das Edelmetall könnte auch im Sinne des „Fluchthafens“ vor Inflation dann wieder attraktiver werden, weil die Inflation in den USA zunehmen könnte – denn die Fed will bei steigenden Preisen erstmal nicht eingreifen.

Aber der Wahlausgang in Georgia ist auf der Kippe. Sollte eine der beiden Stimmen doch den Republikanern zufallen, könnte der US-Dollar womöglich plötzlich ansteigen, und der Goldpreis zurückfallen. Also, wir müssen heute im Tagesverlauf genau auf das Ergebnis aus Georgia schauen, wenn es denn heute schon verkündet werden kann.

Chart zeigt Verlauf im Goldpreis gegen den US-Dollar

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Türkische Lira robust, obwohl die Inflation in der Türkei weiter anzieht

Claudio Kummerfeld

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Türkei Flagge

Die türkische Lira zeigt sich heute robust. Das ist für Lira-Bullen endlich mal eine positive Nachricht. Denn heute hat das türkische Statistikamt Daten zur Inflation im Dezember veröffentlicht. Die Verbraucherpreise in der Türkei stiegen im Jahresvergleich um 14,60 Prozent, während die Steigerungsrate im November noch bei 14,03 Prozent gelegen hatte. Da müsste die Lira jetzt eigentlich Schwäche zeigen?

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Nein, diesmal nicht. Denn wir schauen zurück auf letzte Woche. Wir berichteten über die am Heiligabend durchgeführte zweite Zinsanhebung der türkischen Zentralbank. Der Leitzins in der Türkei steigt somit seit dem 19. November von 10,25 Prozent auf satte 17 Prozent an. Aber so schnell kann der höhere Leitzins natürlich nicht wirken, und bremsend auf die Verbraucherpreise einwirken. Von daher sollte man wohl noch ein, zwei Monate schauen, ob sich da was tut?

Die Zentralbank in Ankara hat endlich geliefert, und auch von der politischen Seite kommen von Präsident Erdogan derzeit kaum bis gar keine Aussagen, die quer schießen und somit die Autorität der Zentralbanker in Frage stellen. Und so ist die türkische Lira in diesem Umfeld in den letzten Tagen gut gestiegen. US-Dollar vs Lira fiel seit Heiligabend von 7,64 auf aktuell 7,36. Seit Anfang November ist es ein Rückgang von 8,50. Also: Nach jahrelanger brutaler Abwertung scheint die türkische Lira derzeit wirklich Kraft zu tanken, dank der auch ziemlich kraftvollen Zinsanhebung deutlich über die Inflationsrate von jetzt 14,60 Prozent. Im Chart sehen wir seit Anfang 2020 den Verlauf von US-Dollar gegen türkische Lira. Man sieht den deutlichen Rückgang seit November, also somit eine ansteigende Lira.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira seit Anfang 2020

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