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Covid-19: Jetzt ist Südamerika der Hot Spot

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Covid-19 grassiert in Südamerika - hier der Strand von Ipanema in Rio

Trotz der vielen Länder, die ihre Infektionszahlen bei Covid-19 bereits gezehntelt haben, vorwiegend in Asien und langsam auch in Europa (hier mehr zum schwedischen Experiment), gehen die Zahlen weltweit immer noch nach oben. Ursache hierfür sind die USA, Russland und das lange verschonte Südamerika. Letzte Woche meldete die WHO mit 106.000 Infektionsfällen innerhalb eines Tages, die höchste bisher gemeldete Zahl.

Die Ausbreitung von Covid-19

Bei der gemeldeten Rekordzahl entfiel ein Drittel auf neue Fälle auf Südamerika, während ein Fünftel auf die USA und Europa kamen. Dabei kann man aus den absoluten Zahlen weltweit bereits deutlich einen Rückgang der aktiven Fälle – nicht der Gesamtzahl erkennen. In den Medien wird immer auf neue Rekordzahlen an Infektionen verwiesen, aber das ist nun einmal logisch, denn wenn China drei neue Fälle pro Tag meldet, ist die Gesamtzahl auch weiter gestiegen. Deshalb ist aus meiner Sicht das Verhältnis der Geschwindigkeit der Zunahme an Neuinfektionen im Verhältnis zu den an Covid-19 genesenen Personen das Relevantere. Dies sieht für zuletzt wie folgt aus: Weltweit

17.April: 1,508 Mio. aktive Fälle – 568 Tsd. Genesene

1.Mai: 2,044 Mio. AF – 1,053 Mio. (G)

17.Mai: 2,628 Mio. AF – 1,860 Mio. (G)

24.Mai: 2,831 Mio. AF – 2,28 Mio. (G)

Im Übrigen haben schon 21, hauptsächlich kleinere Länder, bereits 0 Restinfizierte gemeldet. Wenn man die obigen Zahlen fortschreibt, könnte es in ein/zwei Monaten auch weltweit zu einem Rückgang der aktiven Infektionsfälle kommen, Peak Corona für dieses Jahr? Vielleicht ein Mitgrund dafür, dass die Börsen so überaus optimistisch In die Zukunft sehen.

Die aktuellen Problemregionen

Innerhalb von wenigen Wochen ist Brasilien mit seinen Infektionszahlen nach oben geschossen (USA verbieten Einreisen aus Brasilien), an die zweite Stelle hinter den USA. Zum großen Entsetzen der WHO hatte Präsident Bolsonaro die Lungenkrankheit anfangs sehr bagatellisiert, mit schrecklichen Folgen für die zahlreichen Slumsbewohner. Doch jetzt zieht ganz Lateinamerika nach, insbesondere der Süden. Covid-19 breitet sich in Staaten aus, in denen das Thema Notfallbetten noch eine ganz andere Dimension einnimmt, als es in Deutschland je der Fall war.

Ende Februar wurde in Brasilien der erste Corona-Fall gemeldet. Aber nicht nur dort hielt man die Krankheit als vergleichsweise harmlos, auch in Mexiko vernachlässigte Präsident Lopez zunächst die Gefahr. Inzwischen ist man auch dort schon bei 68.000 Infektionen angelangt. Mit teilweise schlimmen Konsequenzen, in Ecuador haben über 36.000 Fälle das Gesundheitssystem derart überlastet, dass Menschen auf Straßen starben, weil sie von Krankenhäusern abgewiesen wurden.

Jetzt erwischt es die südlicheren Staaten. In Peru zählt man bereits fast 120.000 Fälle, in Chile sind es über 69.000 Infizierte. Bei der Betrachtung der Testzahlen schleicht sich jedoch ein Verdacht ein. Die Zahl der Coronatests pro 1000 Einwohner betrug in Chile und Peru 22, in Brasilien 3,5 und in Mexiko gar nur 1,5. Sehr wahrscheinlich, dass es bereits viel mehr Infizierte und Opfer gegeben hat, als in der Statistik angegeben. Nichtsdestotrotz will man anscheinend auch in den Ländern Südamerikas nichts mehr vom Lockdown wissen, besonders in Brasilien, denn die Folgen des Zusammenbruchs der Wirtschaften sind dort erheblich existenzieller als in den Industrieländern. Ein Spiel mit dem Feuer?

Fazit

Das Covid-19 Virus und seine Verbreitung stellt nach wie vor vor Rätsel. Wieso gibt es in den bevölkerungsreichen südstasiatischen Staaten und Metropolen so wenig Infektionen? Es kann doch nicht nur daran liegen, dass so wenig gemessen wird und damit vieles nicht erkannt. Denn die dann explodierenden Todesraten können nicht verheimlicht werden, außer man sperrt eine Stadt militärisch von außen ab (Wuhan). Zum Beispiel Thailands Hauptstadt Bangkok, mit 8,2 Millionen Einwohner fast genauso groß wie New York, aber man hatte bisher in ganz Thailand nur insgesamt 3000 Fälle (offiziell)? Wie soll in einer aus unserer Sicht heillos verstopften Stadt „Social Distancing“ praktiziert worden sein? Ähnliches gilt für die Metropolen von Indonesien, den Philippinen oder Vietnam. Nirgendwo Massenausbrüche bei Covid-19.

Liegt es vielleicht doch etwas an den Temperaturen? Dies kommt einem gleich in den Sinn bei der Betrachtung des Anschnellens der Infektionszahlen in einem Teil von Südamerika, wo jetzt der Winter beginnt. Jetzt könnten die reichen arabischen Länder mit ihren vielen Fällen ins Spiel gebracht werden. Aber leben die Menschen dort nicht in unzähligen klimatisierten Gebäuden, in denen sich die Viren bei 20 Grad noch schön verteilen können? Fragen über Fragen mit dieser Virusinfektion, die vieles ist, harmlos und zugleich tödlich, aber vor allem rätselhaft.

9 Kommentare

9 Comments

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    Wirologe

    25. Mai 2020 13:20 at 13:20

    Was für ein Wahnsinn, wie ist die Entwicklung der Pandemie in Afrika?

  2. Avatar

    Pessi-Mist

    25. Mai 2020 15:42 at 15:42

    Ich habe schon vor einigen Wochen mein Erstaunen über die Nicht-Pandemie in Südamerika u.Afrika bekundet. Über Südamerika wissen wir jetz Bescheid , von Afrika werden wir noch hören.
    In Ländern mit viel Armut u.schlechten Gesundheitssystemen könnte das noch katastrophal enden,
    Mit den blockierten Reise u.Tourismusmöglichkeiten könnten die Folgen weltweit noch länger anhalten als die grössten Pessimisten je gedacht hätten.Zum Glück sind in diesen Ländern die bestmöglichen Präsidenten am Ruder, die über steigende Börsen Schlimmeres verhindern? ?

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    sabine

    25. Mai 2020 16:42 at 16:42

    „Zum großen Entsetzen der WHO hatte Präsident Bolsonaro die Lungenkrankheit anfangs sehr bagatellisiert.“ Das ist ja mal eine lustige Aussage, insoweit das Thema natürlich gar nicht lustig ist. Die WHO mit ihrem äthiopischen Chef Tedros hatte zuerst von einem vernachlässigbarem Virus gesprochen.
    https://www.focus.de/finanzen/news/tedros-adhanom-ghebreyesus-politisch-abhaengig-fehler-in-corona-krise-das-problem-der-who-ist-nicht-china-sondern-ihr-eigener-chef_id_11889145.html
    Und das aus 3 Gründen:
    1. Cheffe verdankt China seinen Posten. So kann die kommunistische Regierung in Peking sich sicher sein, Wohlwollen von ihm zu ernten.
    2. Äthiopien ist gegenüber China hoch verschuldet, mit 30% des BIP! (The Africa Report) Äthiopien verhandelt mit China, die Rückzahlungen von 10 auf 30 Jahre zu strecken. Tja, schlechter Zeitpunkt.
    3. Ghebreyesus war Mitglied der Derg, die sozialistische Militärjunta in Äthiopien; von 1974 – 1987 an der Macht. Danach kam ein kommunistisches Regime auf Gnaden der UDSSR bis 1991, Ende der UDSSR, auch Ende der Kommunisten in Äthipien. Also ein Genosse der Kommunisten in China.
    (Derg heißt auf deutsch offiziell „Provisorischer Militärverwaltungsrat“ – 13 Jahre lang. In der Landessprache heißt es soviel wie „Komitee“. Na dann.)
    https://äthiopien.de/land-leute/geschichte/

    Außerdem, der Virus ist ja gar nicht so schlimm. Es hieß im März noch, bei 2,7% Sterberate hätten wir in Deutschland bei 80 Mill -> mit 2 Millionen Tote zu rechnen. Stand heute haben wir 8.257 Tote laut RKI, und schon seit 15. März Lockdown, also 2,5 Monate Virusherrschaft. Hochgerechnet aufs Jahr werden die 100.000 sicher nicht mehr erreicht. Außerdem sind das ja keine Corona-Tote, wie Ebola-, Pest- oder spanische Grippetote, sondern viele hatten, wie bei Influenza auch, eine Vorerkrankung oder waren über 80, also Immunsystem geschwächt. Wirklich nur wegen Corona-Verstorbene sind von den 8.257 vielleicht geschätzt 80, und selbst die hatten sicher eine Gesundheitsschwäche…

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    leftutti

    25. Mai 2020 22:28 at 22:28

    Interessanterweise sind es die seltsamen Fünf, die statistisch ganz oben überzeugen, aber auch wirklich überzeugende Argumente auf ihrer Seite haben:
    USA: China ist Schuld, Europa ist Schuld, WHO ist Schuld, Obama ist Schuld.
    Brasilien: Nur ein Grippchen, die Wälder brennen dennoch weiter.
    Russland: Sehr, sehr viele neue Fälle, keine Toten, genetisch bedingt.
    Türkei: Sehr viele Fälle, keine Toten, genetisch und von Erdo-Allah bedingt.
    UK: Viele Fälle, viele Tote, kein Plan, EU ist Schuld.

    • Avatar

      md

      26. Mai 2020 06:12 at 06:12

      @leftutti, mei gudder :),
      mach dir mal über die türkei keine sorgen. wir haben sehr strenge maßnahmen. ausserdem habe ich von meinem jüdischen freund gesagt bekommen ich soll ihm das medikament Devit-3 besorgen. bei uns ist die dosierung um das 100 fache höher wie in der brd. also meine herren Vitamin D tabletten ist eine gute lösung gegen jeden virus. aber es muss eine ordentliche dosierung sein. bitte naxhforsxhen.
      dann lefutti, warum greifst du immerwieder uns türken an, zivilisation haben wir gesehen erkannt und waren sofort dabei.
      und vor allem musst du ganz ruhig sein, ich meine, wenn ich mich nicht falsxh erinnere, habrn die germanen auch nicht die zivilisation erfunden. im gegenteil die römer haben kriege führen müssen um den germanen die „zivilisation“ zu schenken. wirklich leftutti, ich schwöööre das war eine deutsche doku wo ich das gesehen habe.
      ausserdem könnte ich weiter gehen und sagen das ca. 90% der erfindungen unserer jüdisxhen bevölkerung zu verdanken ist.
      von daher bitte, bevor man andere aufklären will, mal in den spiegel sehen.
      vg md

      • Avatar

        leftutti

        27. Mai 2020 00:43 at 00:43

        @md, alter Suppenkasper ;)
        Ich mache mir um die Türkei keine Sorgen, ich staune nur über deren auffällige Zahlen und Statistiken. Analog dazu greife ich die Türken nicht an, ich hinterfrage nur die eine oder andere Behauptung. Ich mag die Türken grundsätzlich sehr, weil ich drei Arbeitskollegen und deren etwa 40 Familienangehörige im Gefolge kenne und sehr schätze.

        Synthetisches Vitamin D, in 100-facher Dosierung, warum nicht? Dumm-Donnie schmeißt Chlor-Verbindungen ein, alles hilft, zumindest den Börsen.

        Den Rest mit Germanen, Römern und jüdischer Bevölkerung schenken wir uns besser hier an dieser Stelle, weil es sich auf einen ganz anderen Kommentar bezieht. Meine dahingehende Intention und Selbstironie hast du offensichtlich oder absichtlich nicht verstanden.

        Aber mal was anderes: Warum tippst du immer ein X statt C? Das macht deine Kommentare teilweise fast unleserlich. Das ist keine Kritik, es macht die Lesbarkeit nur sehr schwierig! Ein paar Beispiele:

        naxhforsxhen, falsxh, jüdisxhen

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    Moon on the Man

    26. Mai 2020 00:32 at 00:32

    Die ständigen Themen abseits der Finanzmarktwelt nerven langsam. Veröffentlichen Sie diese Geschichten und Märchen doch auf anderen Plattformen, die thematisch dafür offen sind. Die FMW ist kein Forum für Möchtegern-Virologen oder linke Dauernörgler.

    Wo einstmals Größen wie der Segler, Lossless und PK sachlich auf Augenhöhe diskutierten, geht es nun um Covid-19? Um E-Mobilität, um Klimafragen, um Flüchtlinge?

    Falsches Forum!

    • Avatar

      Columbo

      26. Mai 2020 10:17 at 10:17

      Hab gar nicht gewußt, daß dieser @Mondmensch FMW übernommen hat.

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    Lausi

    26. Mai 2020 04:46 at 04:46

    Ja, schon merkwürdig warum das Corona-Virus besonders in Lateinamerika wütet, und nicht in Afrika und anderen 3. Welt-Ländern. Ist da vielleicht ein genetischer Faktor mit im Spiel? Tatsache ist ja, dass Menschen in größter Armut sich nicht an Quarantäne und Lockdown halten können, wenn sie nicht verhungern wollen. Und Wärme scheint dem Virus auch nicht so viel anzuhaben, wenn man sich die Corona-Zahlen in Guayaquil (Ecuador), Iquitos und Manaus (Amazonasgebiet) ansieht. Nach neusten Erkenntnissen scheint ja eine Ansteckung vor allem über Aerosole (in Innenräumen) stattzufinden. Draußen bei einer frischen Brise sollte das Ansteckungsrisiko dementsprechend gering sein. In Äquatornähe und im tropischen Regenwald ist es ja relativ windarm – vielleicht ein Grund für die hohen Infektionszahlen?

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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