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Covid-19 und US-Wirtschaft nehmen Donald Trump in die Zange

Die Folgen des Covid-19 Lockdowns für den Politiker und den Unternehmer Trump

Klar hat die landesweite und bis vor kurzem weltweite Schließung von Hotels, Sportanlagen und Vergnügungsressorts aufgrund von Covid-19 unmittelbare Auswirkungen auf die Einnahmen des Trump-Imperiums. Dazu habe ich erst vor wenigen Tagen in einem Artikel berichtet. Aber es gibt noch eine zweite Folge des Verbots für Massenveranstaltungen, welches den Politiker und Wahlkämpfer Donald Trump in seinem ureigenen Metier und seiner Stärke persönlich trifft. Es ist sein Auftritt vor Menschenmassen, ob in Stadien oder in großen Hallen, als Geschichtenerzähler, der die Sprache des einfachen Mannes spricht, sich nicht sehr um Fakten kümmert und trotzdem seine Fans zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Der sich nicht mit komplexen Themen herumschlägt, sondern alles auf einfache Parolen herunterbricht und dabei in den Gehirnen der Menschen massenpsychologisch die gewollten Assoziationen erzeugt. „Ich bin euer Präsident, der das von anderen Staaten ausgebeutete Amerika wieder groß macht.“ All das ist auf absehbare Zeit nicht mehr möglich. Trumps Wahlkampfteam lotet derzeit alle Möglichkeiten aus, Veranstaltungen vor vielen Menschen wieder möglich zu machen, sogar Auftritte in großen Autokinos sind bereits im Gespräch.

Es sind nur noch gut fünf Monate bis zur Wahl des 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Selbst wenn es im Sommer zu einer Wiederbelebung der Wirtschaft kommen sollte, wird es im Herbst immer noch Millionen von Menschen geben, die auf der Suche nach einem neuen Job sein werden. Donald Trump wird alles daran setzen den Lockdown rasch zu beenden und auch keine Wiederaufnahme zuzulassen.

Die Zahl der Coronatoten, Flaggen auf halbmast

Der Vorschlag der Demokraten, Nancy Pelosi und Chuck Schumer, in den USA bei Erreichen der Zahl von 100.000 Coronatoten zum öffentlichen Gedenken die Flaggen auf Halbmast zu setzen, muss den Präsidenten sehr nachdenklich gemacht haben. Er ordnete dies für drei Tage an, auch über den Memorial Day hinaus, einem US-Feiertag am heutigen Montag. Makabererweise springt die Zahl der Opfer gerade in den letzten Stunden über diese große Schwelle. Egal wie man diese große Zahl an Toten im Kontext mit der Sterberate in den USA einordnet, sie erschreckt jeden, denn schließlich übertrifft sie die Zahl aller gefallenen US-Soldaten seit dem Koreakrieg in den 1950-ern.

Fazit

Es ist eine unglaublich diffizile Situation für den US-Präsidenten entstanden, der sich noch im Februar als Sieger aus dem abgesetzten Impeachmentverfahren und damit als unangefochtener Favorit der nächsten US-Wahl wähnte. Die USA befinden sich in ihrer größten Wirtschaftskrise seit fast 100 Jahren, infolge einer Pandemie, die der Präsident zunächst nicht für ernst genommen hat. Sein Ruf als Krisenbewältiger hat arg gelitten, ein verbaler Fauxpas (im Zusammenhang mit Covid-19) reiht sich an den nächsten und die Wahlkampfuhr tickt unerbittlich. Mit der Forderung nach einem raschen Lockdown, trotz noch steigender Zahlen, begibt er sich auf extremes Glatteis. Aber für den Fall, dass die Infektionszahlen wieder deutlich ansteigen, hat er sich in diesen Tagen schon deutlich geäußert.

„Dann werden wir die Feuer löschen, wir werden das Land nicht schließen“, sagte der Präsident vergangene Woche bei einem Besuch einer Autofabrik von Ford im Bundesstaat Michigan. Alles in allem deutet das energische Verhalten auf das Altbekannte hin, was eingefleischte Trumpfans aber sicher heftig bestreiten werden: Die Devise lautet nicht „America first“, sondern „Trump First“ und daran hat auch Covid-19 nicht viel geändert.



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5 Kommentare

  1. Für Trump sieht es wahrlich nicht rosig aus, aber mMn sieht es auf der ganzen Welt nicht rosig aus – schon gar nicht was die Wirtschaft betrifft. Noch freut man sich über den Hoffnungsschimmer „Erholung“, aber schon bald wird die Realität den Menschen eines Besseren belehren. Man unterschätzt die Fragilität des Systems, den Grad der Vernetztheit (Globalisierung), die Gefahr einer Abwärtsspirale. Einige Länder wird es härter treffen, andere etwas weniger, aber alle werden historische Einbrüche erleben, und letztendlich mit in den Abwärtsstrudel gerissen.

    Der bis jetzt erfolgte Schlag gegen die Wirtschaft, könnte schon der Todesstoß gewesen sein. Und falls nicht: Man stelle sich mal vor, dass das Virus noch lange nicht vorbei ist (für mich das wahrscheinlichere Szenario), sei es eine 2. Welle oder immer wieder neue lokale Ausbrüche, und somit die daraus resultierenden Wirtschaftsbehinderungen erheblich bleiben – sei es auf der Produktionsseite oder auf der Nachfrageseite. Das wäre dann sozusagen der 2. Todesstoß. Meine Prognose: Das Ding wird aus dem Ruder laufen, und es wird so richtig heftig werden! Es lebe der Crash-Prophet! ;-)

    1. Ich verstehe nicht, wie sich hinter einem lustigen Namen wie @Lausi ein derart tragischer Pessimismus verbergen kann🙈.

      1. Lieber Columbo, ich bekomme halt ab und zu meine Pessimismus-Anwandlungen (oder sind es Realismus-Anwandlungen?). Aber ansonsten bin ich eigentlich ein sehr lebensfroher Mensch. Und jede Krise bietet ja auch eine Chance. Auf zu revolutionären Zeiten (im Sinne von schneller Wandlung)! Das Wassermann-Zeitalter ruft! :-)

  2. @Columbo Mich wundert es nicht, dass Sie das nicht verstehen. Schließlich handelt es sich nicht um tragischen Pessimismus, sondern einfach nur um eine realistische Betrachtung.

  3. Pingback: Covid-19 und US-Wirtschaft nehmen Donald Trump in die Zange – finanzmarktwelt.de

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