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Crash am US-Repo Markt – neue Rekordintervention der Fed

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Fed Zentrale in Washington DC

Glaubte man den Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell vom 18. September, so handelte es sich bei dem Crash am US-Repo Markt vom 17. September nur um das Ergebnis von temporären Sonderfaktoren. Die Notmaßnahmen der US-Notenbank halten nun jedoch schon seit über einem Monat an und erreichten gestern ein neues Rekordvolumen.

Crash am US-Repo Markt – der Stress hört nicht auf

Bereits seit dem 17. September muss die US-Notenbank am amerikanischen Repo-Markt intervenieren, um einen Crash zu vermeiden. Dabei spielen US-Staatsanleihen eine wichtige Rolle. Am Repo-Markt können Banken Staatsanleihen via Rückkaufvereinbarung (Repurchase Agreement) verpfänden und sich so kurzfristig benötigte Liquidität beschaffen. Sie erhalten den Gegenwert der Anleihe und verpflichten sich, diese nach kurzer Zeit, z. B. nach einem Tag, zum gleichen Preis wieder zurückzukaufen. Für den Zeitraum der Verpfändung müssen wie bei einem Pfandleiher Zinsen bezahlt werden, die sogenannte Overnight Repo Rate. Dieser Zinssatz bewegt sich normalerweise unterhalb des US-Leitzinses, bei aktuell 1,92 Prozent. Am 17. September schoss dieser Zins jedoch auf 10 Prozent p. a. nach oben, obwohl die US-Notenbank die Leitzinsen ihrerseits vorher zweimal gesenkt hatte:

Crash Repo-Markt

Zunächst ging man davon aus, dass, wie bei früheren kurzzeitigen Verspannungen am Repo Markt, Sonderfaktoren wie Steuerzahlungen der Banken oder das nahende Quartalsende dafür verantwortlich seien. Doch beides trifft nach über vier Wochen nicht mehr zu. Ohne die andauernden Liquiditätsspritzen der Fed, die gestern mit einem Volumen von 205,7 Mrd. US-Dollar einen neuen Rekordwert erreichten, würde die Lage völlig eskalieren und sich zu einem Crash am Offshore-Dollar-Geldmarkt sowie an anderen Märkten ausweiten.

Fed Repo-Zufuhr - Suche nach dem Crash-Grund

Woher kommen die Verspannungen?

Das Problem aktuell ist, dass die privatwirtschaftliche Käuferseite am Repo Markt sich mangels Liquidität zurückhält, während die Banken einen erhöhten Liquiditätsbedarf haben und massenhaft Staatsanleihen am Repo Markt anbieten. Dafür gibt es drei wesentliche Gründe: Erstens leiden die Banken unter wegbrechenden Zinsmargen im Zuge der Abflachung der Zinsstrukturkurve. Zweitens hatte die Fed bis vor Kurzem noch ihre Bilanz reduziert und trat selbst als Verkäufer von Staatsanleihen am Markt auf und hatte diesem so massiv Liquidität entzogen. Drittens steigt das Volumen der Staatsanleiheemissionen vonseiten des US-Finanzministeriums weiter stark an.

Die US-Bundesregierung benötigt allein bis Jahresultimo noch ca. 356 Mrd. US-Dollar, davon 240 Mrd. für die Defizitfinanzierung (Neuverschuldung) und weitere 116 Mrd. US-Dollar für Zinszahlungen. Und hier wird das Problem deutlich: Nicht nur, dass die US-Regierung neue Schulden aufnehmen muss, um ihre Zinsen bezahlen zu können, sondern die Neuverschuldung hat mittlerweile extreme Dimensionen erreicht und steigt permanent weiter an. Das Haushaltsdefizit liegt bei 4,6 Prozent des BIP und allein die Bundesschulden summieren sich auf ca. 106 Prozent des BIP.

Zinsbelastung US-Bundeshaushalt
Quelle: US Treasury

Für das laufende Fiskaljahr rechnet der US-Bundesrechnungshof (CBO) mit einer Ausweitung der Neuverschuldung um 240 Mrd. US-Dollar oder plus 25 Prozent, v. a. in Folge der Mindereinnahmen im Zuge der Trumpschen Steuerreform.

Verschuldung US-Bundeshaushalt

Quelle: US Treasury

Damit wird auch klar, warum die Fed mittlerweile neben den 205,7 Milliarden US-Dollar zusätzlich 60 Mrd. US-Dollar pro Monat an Staatsschuldpapieren aufkaufen möchte. Mit Sonderfaktoren hat dieser Crash am Geldmarkt nichts zu tun. Liest man den am Mittwoch veröffentlichten Bericht Fiscal Monitor des Internationalen Währungsfonds (IWF), dann wird darin von strukturellen Risiken für den US-Staatshaushalt gesprochen. Dies ist im besonderen Maße besorgniserregend, da der US-Staatsanleihemarkt der größte der Welt ist und noch das Vertrauen der weltweiten privaten und staatlichen Investoren genießt.

Bedeutung für die Märkte

Warum sollte man sich mit diesem Thema beschäftigen? Weil deutlich wird, dass die Bedeutung der US-Notenbank als Gläubiger der letzten Instanz immer mehr zunimmt. In der Konsequenz weiter ansteigender Notenbankinterventionen werden die Zinsen weiter fallen. Die US-Regierung wird zudem dauerhaft durch die digitale Notenpresse alimentiert, was das Vertrauen in die größte Volkswirtschaft der Welt sukzessive untergräbt.

Doch auch der Refinanzierungsbedarf der Privatwirtschaft und hier vor allem des Immobiliensektors bedarf des frisch gedruckten Geldes der Notenbank, weshalb in Kürze auch wieder mit dem Ankauf von hypothekenbesicherten Wertpapieren (MBS) durch die Fed bis hin zu Unternehmensanleihen (Corp. Bonds) auszugehen ist. Wobei das Ankaufvolumen im Takt der Neuverschuldung weiter ansteigen wird.

Dies wird Auswirkungen auf sämtliche Vermögenswerte haben – bis hin zum Devisenmarkt. Bis auf den US-Dollar ist dabei mit einem preistreibenden Effekt quer über alle Asset-Klassen zu rechnen. Einen nochmaligen Versuch, die Notenbankbilanzen oder die Zinsen real zu „normalisieren“, wird es in diesem Wirtschaftssystem nicht mehr geben.

Fazit und Ausblick

Der jüngste Versuch, die Zinsstrukturkurve zu versteilern, indem die US-Fed ausschließlich kurzlaufende Staatsanleihen (T-Bills) am Markt kauft um deren Zinsen zu senken und so einen Zinsabstand zu länger laufenden Anleihen (T-Bonds) zu schaffen, von dem die Zinsmarge der Banken profitiert, wird auf Dauer keine Lösung des Problems bringen. Schon deshalb nicht, weil Marktteilnehmer bereits anfangen, von Lang- in Kurzläufer umzuschichten und so die Zinsen am hinteren Ende der Zinsstrukturkurve zum Steigen bringen, was wiederum zu steigenden Kreditkosten für die Privatwirtschaft führt. Es führt kein Weg vorbei an einem regulären QE-Programm und sich weiter ausdehnenden Vermögenspreisblasen – mit allen Risiken und Nebenwirkungen.

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Jürgen Kempe

    18. Oktober 2019 17:49 at 17:49

    wie lange will man denn dieses Pleite-System noch am Leben halten????..das ist doch nichts mehr zu retten????

  2. Avatar

    Arthur

    18. Oktober 2019 19:09 at 19:09

    Man wird verarscht und glaubt es nicht. Scheingeld kann so lange vermehrt werden wie es den Rohstoff Papier gibt, ob es dann noch einen Wert besitzt, diese Frage steht dann im Raum. Man kann es auch Virtuell herstellen in dem die Zentralbank das Komma versetzt.

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    Bundessuperminister für Bürgernähe, Zukunft, Eigenverantwortung und Erfolg

    18. Oktober 2019 19:51 at 19:51

    Das Wort zum Börsensonntag

    Heute möchte ich auf verzweifelte Fragen und Bedenken besorgter Bürger eingehen: Wie lange noch?

    Dumme Frage eigentlich! Wie auch die letzten Male natürlich bis zum Big Bang! Hinterher wird es dann wieder einmal heißen, so etwas dürfe nie wieder passieren, wir (Politiker und Notenbanken) haben daraus gelernt und verstehen jetzt endgültig die Verantwortung gegenüber den hart arbeitenden 95% der Bevölkerung, die das Rückgrat und die Stütze unseres großartigen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems bilden. Es ist nicht auszuschließen, dass wir seit den letzten Krisen nicht alles richtig gemacht haben. Bla bla bla…

    Die Verantwortlichen müssen zukünftig deutlich strenger kontrolliert und reguliert werden. Wie konnte es nur zum 4. Mal in 30 Jahren dazu kommen, dass Amerika die Restwelt geschröpft hat? Dass die Milliardäre dieses Planeten mal wieder völlig ungerupft blieben und zusätzliches Fett ansetzen konnten? Der Bürger muss künftig effektiver und noch besser als ohnehin schon bisher vor den Turbulenzen der Märkte geschützt werden. Bla bla bla…

    Aufgrund dieser alles überlagernden Probleme setzen wir bei Ihnen, liebe Bürger, Bürgerinnen, Wähler und Wählerinnen (in all den Staaten, in denen Bürger und Frauen zu demokratischen Wahlen zugelassen sind), die Verständnisbereitschaft voraus, dass untergeordnete Problemchen wie Renten, Bildung, Gesundheitswesen, Klima- und Umweltschutz, Breitbandausbau und Verkehrsinfrastruktur auf die Nrn. 218 ff. der Prioritätenliste verschoben werden mussten. Bla bla bla…

    Wie Sie als mündige und verantwortungsvolle Bürger sehen können, steht unsere großartige und wunderbare Agenda 2050 zu großen Teilen. Freuen Sie sich auf eine wundervolle Zukunft, wir machen das, wir schaffen das. Bla bla bla…

  4. Pingback: Crash on the US repo market – new record intervention by the Fed | En24 News

  5. Pingback: Meldungen vom 20.10.2019 | das-bewegt-die-welt.de

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    Hesterberg

    20. Oktober 2019 13:34 at 13:34

    Hochinteressanter Artikel! Die Zusammenhänge sind nur schwer zu verstehen, haben aber enormen Einfluss auf die Marktentwicklungen. Ich freue mich, wenn ich hierzu auf dieser Seite immer wieder etwas zu hören und zu lesen bekomme.

  7. Pingback: Crash am US-Repo Markt – neue Rekordintervention der Fed - finanzmarktwelt.de - Counternet News

  8. Avatar

    JoergHH

    21. Oktober 2019 20:31 at 20:31

    Eine mögliche Erklärung für den Stress am Repo Markt ist von Eric Sprott (Rohstoffinvestor, Quelle Kitco):
    ……….
    “There’s something happening underneath the surface where bank illiquidity is encountering a huge problem, and we are not being told. Who knows what’s going on behind the scenes? The most likely thing is somebody has blown up their derivatives book, and all the banks are calling in loans to other banks for fear … of the domino effect. The repo market has come under tremendous stress,” Sprott said.

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    App

    23. Oktober 2019 08:23 at 08:23

    Informativer Artikel, aber in einem hat der Autor unrecht:
    „Es führt kein Weg vorbei an einem regulären QE-Programm…“

    Doch! Einfach lassen. Mit allen Risiken und Nebenwirkungen.

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Coronavirus: Wie lange kann es an der Luft überleben?

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Symbolbild für Coronavirus

Am 4.2.2020 schrieb ich das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin an. Ich bat das Institut meine Fragen bezüglich des Coronavirus zu beantworten. Man antwortete mir, und verwies mich auf das Bundesinstitut für Risikobewertung (BFR), da diese alle Antworten geben können! Am 26.02.2020 besuchte ich die Seite des Bundesinstituts. Auf dieser Seite sollte ich alle meine Fragen beantwortet bekommen. Vorsichtshalber rief ich, bevor ich mir die Fragen und Antworten durchlas, am 26.02.2020 beim BFR an. Man bestätigte mir, dass die Antworten absolut aktuell sind und sie erst am 24.02.2020 aktualisiert wurden. Gleich am Anfang stand dort die Antwort meiner Frage! Sind auch andere Übertragungswege möglich?

Antwort: Es gibt derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen auf anderem Weg, etwa über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder durch importiertes Spielzeug, mit dem neuartigen Coronavirus (offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2) infiziert haben. Auch für andere Coronaviren sind keine Berichte über Infektionen durch Lebensmittel oder den Kontakt mit trockenen Oberflächen bekannt. Übertragungen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden, sind allerdings durch Schmierinfektionen denkbar. Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt ist dies aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich.

Fragen zum Coronavirus an einen Experten

Ist das wirklich so? Hierzu setzte ich mich mit dem Experten für Hygiene und Umweltmedizin Herrn Prof. Dr. Kampf von der Universität Greifswald in Verbindung.

FMW: Herr Prof. Dr. Kampf, es gibt unterschiedliche Informationen über das Risiko der Übertragungswege des Coronavirus. Ist es denkbar, dass das Coronavirus zum Beispiel an einer Türklinke oder einem Haltegriff einer S-Bahn “überlebt“ und dadurch einen Menschen ansteckt?

Prof. Dr. Kampf: Zunächst einmal braucht es dafür Menschen, die mit diesem Virus infiziert sind und die das Virus über Tröpfchen (beim Niesen oder Husten) auf diese Flächen bringen. Das Virus muss dann in einer hohen Anzahl vorhanden sein. Es kann in dieser Situation bei Raumtemperatur durchaus 4-5 Tage an Oberflächen wie Glas, Kunststoff oder Metall überleben. Im Extremfall können es sogar bis zu 9 Tage sein, wobei die Anzahl nachweisbarer Coronaviren im Lauf dieser Zeit immer weiter abnimmt.

FMW: Das bedeutet, dass die Ansteckung zum Beispiel an der Türklinke am ersten Tag am höchsten ist, und zum Beispiel am 9. Tag am geringsten?

Prof. Dr. Kampf: Grundsätzlich ja. Doch gilt es zu beachten, dass wir noch nicht wissen, wie viele Viren es tatsächlich benötigt, um den Menschen zu infizieren. Es kann also durchaus sein, dass schon am 1. Tag das Risiko eher gering ist, denn für eine Übertragung von kontaminierten Flächen braucht es in der Regel die Hände. Nur ein Teil der Viren einer kontaminierten Fläche bleibt jedoch an den Händen haften. Und wiederum nur ein Teil davon kommt bei der Berührung mit dem eigenen Gesicht auf die Schleimhäute. Deshalb: regelmäßig Hände waschen, immer in die Ellen-beuge husten oder niesen, und nach Möglichkeit auf den Handschlag verzichten.

FMW: Ist es denkbar das dieser Coronavirus „künstlich“, also mit voller Absicht erschaffen wurde?

Prof. Dr. Kampf: Ich möchte diese Frage nicht beantworten und beteilige mich auch nicht an Spekulationen, denn es hilft momentan absolut niemandem!

Prof. Dr. Kampf will wie alle seine Kollegen auch keine Panik auslösen, deshalb ist er sehr vorsichtig mit seinen Äußerungen. Eines wurde mir aber klar. Da man noch nicht weiß, wie viel Vieren es braucht um einen Menschen zu infizieren, kann sich auch noch nach fünf oder neun Tagen ein Mensch über einen kontaminierten Gegenstand infizieren, zum Beispiel an einer Türklinke oder an Haltegriffen in Zügen. Hier zwei interessante Links:

https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/wie-lang-coronaviren-auf-flaechen-ueberleben/

Im nächsten Link findet man Tabellen, wie lange das Virus überlebt:

https://www.journalofhospitalinfection.com/article/S0195-6701(20)30046-3/pdf

Was schrieb das Bundesinstitut für Risikobewertung noch gleich auf seiner Seite?: „Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt ist dies aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich“. Ein kurzer Zeitraum sind 4-5 Tage mit Sicherheit nicht!

Bundesgesundheitsminister Spahn äußerte sich heute zum Coronavirus. Er machte klar, dass die beiden Fälle aus Baden-Württemberg, (ein Mann und seine Ehefrau) keine eindeutige Infektionskette vorweisen. Im gleichen Atemzug erwähnte Minister Spahn, dass aus Sicherheitsgründen das Europa League Spiel zwischen Inter Mailand und Ludogorets Rasgard (Donnerstag 21 Uhr) unter Ausschluss der Fans stattfindet. Das zeigt, wie ernst die Nachbarländer die Situation einschätzen – und wie man versucht eine Ausbreitung weitestgehend zu verhindern.

Ich vermute, gerade nach dem heutigen Telefonat mit Prof. Dr. Kampf, dass die Fakten der nicht vollständigen Infektionskette, die Bundesgesundheitsminister Spahn heute erwähnte, möglicherweise daraus resultieren, dass das Virus mehrere Tage an verschiedenen Oberflächen überleben kann! Durch ein Virus welches 4-5, oder sogar 9 Tage an Gegenständen schlummern kann, ist ein Bruch der nachvollziehbaren Infektionskette recht einleuchtend!

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Hongkong verteilt Helikoptergeld an alle Einwohner!

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Die Skyline von Hongkong - Helikoptergeld für alle Bürger

Und ja, was haben die sogenannten „Crash-Propheten“ wie Marc Friedrich und viele andere vorhergesagt? Dass Regierungen und Notenbanken immer heftigere Mittel ergreifen würden, um das „kaputte“ Finanzsystem noch länger am Laufen zu halten. Eine dieser Maßnahmen würde auch das Helikoptergeld sein. Würden normale Notenbank-Maßnahmen wie Negativzinsen oder Gelddrucken keinen Stimulus mehr bringen, würde man auch dazu übergehen Helikoptergeld an die Bürger zu verteilen (eine mehr als umstrittene Idee). Also einfach so Geld an die Bürger verschenken, ohne Gegenleistung, ohne Rückzahlungspflicht. Und da das Coronavirus aktuell vor allem China hart trifft, sieht man sich zum Beispiel in der Sonderverwaltungszone Hongkong aktuell dazu genötigt nun solch eine Maßnahme zu ergreifen.

Denn wie die „South China Morning Post“ heute berichtet, zeigt der Haushaltsplan der Regierung in Hongkong genau dies. Es soll Helikoptergeld in Höhe von ca 1.200 US-Dollar an jeden Einwohner von Hongkong ausgegeben werden, der mindestens 18 Jahre alt ist. Neben dem Coronavirus muss man gerade für Hongkong ja bedenken, dass es dort monatelange Proteste und Straßenschlachten gab, was natürlich auch negativ auf den Tourismus wirkte. Dadurch ist vor allem Hongkong nun wirtschaftlich richtig angeschlagen. Die Idee hinter dem Helikoptergeld ist denkbar einfach. Die Regierung oder die Notenbank verteilt Geld direkt an die Bürger, damit die sofort konsumieren können, was sofort die Wirtschaft beleben soll. Aber: Dies ist nun mal eine einmalige Maßnahme, eine einmalige Stimulus-Spritze. Und danach? Eine nachhaltige und strukturelle Maßnahme scheint Helikoptergeld nicht wirklich zu sein. Eher eine Verzweiflungstat? Oder will man nun regelmäßig Schulden machen und immer wieder Geld an die Bürger verschenken, und ständig wieder einen schnellen kurzen Konsum-Stimulus zu erzeugen? Sozusagen linke Tasche, rechte Tasche? Wir schenken euch jetzt Geld, und irgendwann in der Zukunft erhöhen wir drastisch die Steuern, um uns das Geld zurückzuholen?

Neben Helikoptergeld will die Regierung in Hongkong aktuell auch Steuern senken und andere Stimulus-Maßnahmen ergreifen. Insgesamt soll das Paket gut 15 Milliarden US-Dollar kosten. Frage: Wer zieht nach? Auch Festland-China mit der Peoples Bank of China? Die Bank of Japan wäre auch ein heißer Kandidat, denn dort kauft man ja auch schon so ziemlich alles auf durch die Notenbank. Helikoptergeld wäre auch langsam mal angesagt?

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Warum eine Stagflation sehr gefährlich wäre

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Containerterminal - Symbol für den Welthandel - eine Stagflation droht

Durch die Coronavirus-Epidemie droht den großen Volkswirtschaften eine Kombination aus stagnierender Wirtschaftsleistung und steigenden Preisen – die Stagflation. Warum sie so gefährlich ist und warum die Notenbanken in diesem Fall kaum Handlungsspielräume hätten.

Die Weltwirtschaft kühlt sich bereits merklich ab – eine Stagflation käme zur Unzeit

Belastet durch die teilweise Rückabwicklung der Globalisierung im Zuge der diversen Handelsstreitigkeiten sowie die globale Überschuldung hat sich das Weltwirtschaftswachstum bereits merklich abgekühlt. Nach noch 3,8 Prozent globalem Wachstum im Jahr 2017 waren es im Folgejahr, trotz massiver Steuerstimuli in den USA und ultralockerer Geldpolitik weltweit, nur noch 3,6 Prozent Wachstum. Im vergangenen Jahr brach die Expansionsrate dann auf 3,0 Prozent ein, vor allem wegen des Handelskriegs zwischen den USA und China sowie den Schuldenkrisen in diversen Schwellenländern (z. B. in Argentinien, der Türkei, Brasilien, Chile, Venezuela, etc.).

Für dieses Jahr hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognosen gemäß dem World Economic Outlook aus dem Februar bereits von 3,4 auf 3,0 Prozent abgesenkt. Doch der IWF behält sich weitere Revisionen vor und die Schätzungen diverser Bankenökonomen aus Nordamerika und Europa gehen mittlerweile nur noch von einer Wachstumsbandbreite zwischen 2,3 und 2,8 Prozent für das Gesamtjahr 2020 aus. Diese nochmalige Wachstumsabkühlung entspräche der geringsten Wirtschaftsdynamik seit der Finanzkrise. Bereits bei einer Wachstumsrate von global zwei Prozent spricht der IWF von einer „gefühlten weltweiten Rezession“.

Die größte Gefahr sieht der IWF in einer Unterbrechung der Lieferketten in Folge der Eindämmungsmaßnahmen der Coronavirus-Epidemie (sie verursacht aktuell auch Turbulenzen an den Börsen, siehe beispielsweise hier). Die betroffenen Unternehmen sind dadurch gezwungen, alternative aber auch teurere Quellen für Vorleistungsgüter und Zwischenprodukte zu nutzen, wenn es sie denn überhaupt in ausreichendem Maße gibt. Diese erzwungene Umorientierung in der Beschaffungskette führt zu steigenden Inputpreisen bei den verarbeitenden Unternehmen, die aber nicht durch eine höhere Nachfrage, sondern durch einen Angebotsschock verursacht werden.

Eine solche Situation gab es zuletzt in den 1970-er Jahren, als eine künstliche Verknappung der Angebotsmenge von Rohöl zu explodierenden Energiepreisen führte. Die wirtschaftliche Aktivität in den westlichen Ländern litt stark unter dem Ölpreisschock. Mit einer Kombination aus Zinsanhebungen und Lohnsteigerungen wurden damals die Inflationserwartungen eingedämmt und die reale Kaufkraft der Endverbraucher stabilisieret. Beides ist heute jedoch nicht möglich. Höhere Löhne zum Ausgleich gestiegener Preise würden die Margen der Unternehmen noch stärker belasten. Die Kapazitätsauslastung der US-Industrie befindet sich beispielsweise mit nur 76,8 Prozent bereits auf dem Niveau früherer Rezessionen. Zinsanhebungen zur Inflationsbekämpfung wären aufgrund des globalen Schuldenniveaus der „Sudden Death“ für den modernen Finanzkapitalismus. Eine Stagflation käme daher für die Weltwirtschaft zur Unzeit.

Kombination aus Angebots- und Nachfrageschock

Dass die Preise wegen Lieferverzögerungen und dem Ausfall von Zulieferbetrieben bereits ansteigen, haben die jüngsten Daten von IHS Markit zu den Einkaufsmanager-Indizes für den Monat Februar gezeigt. So ist der für Deutschland erhobene Index für das verarbeitende Gewerbe im Wesentlichen nur deshalb angestiegen, weil sich die beiden Unterkomponenten für die Lieferzeit und die Inputpreise signifikant erhöht haben. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte an diesem Montag vor sich verstärkenden Lieferengpässen in den kommenden Wochen und Monaten, vor allem aus Fernost. BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang spricht sogar von „Schweren Auswirkungen auf die Konjunktur“ durch den Angebotsschock aus China.

Kommt es also nun zu steigenden Preisen, dann nicht aufgrund einer prosperierenden Wirtschaft, sondern wegen der Knappheit bestimmter Güter. Gleichzeitig leidet auch die Nachfrage unter der eingeschränkten Bewegungsfreiheit von zig Millionen Konsumenten in den von der Epidemie betroffenen Regionen. Ganz abgesehen von der eingetrübten Stimmung der Verbraucher, die in solchen Ausnahmesituationen andere Sorgen haben, als dem Konsum zu frönen. Der drastische Einbruch der Automobilabsätze in China in den letzten beiden Monaten von 20 Prozent im Januar und 92 Prozent im Februar gibt hier einen Vorgeschmack auf das, was bei einer globalen Pandemie, die nach wie vor nicht gebannt ist, zu erwarten wäre.

In der Folge von Knappheit bestimmter Güter und Lebensmittel stieg die Inflationsrate im Reich der Mitte bereits massiv an, auf 5,4 Prozent im Januar. Im Vorjahresmonat, also im Januar 2019, lag die offizielle Inflationsrate noch bei moderaten 1,7 Prozent. Die Kombination aus Angebots- und Nachfrageschock kann in Kürze zu dem gefürchteten Phänomen der Stagflation führen. Dass die chinesische Wirtschaft im Auftaktquartal 2020 überhaupt gegenüber dem von Handelsstreitigkeiten weniger belasteten und vor allem virusfreien Vorjahresquartal 2019 wachsen kann, bleibt Wunschdenken des Regimes in Peking. Auch die westlichen Industriestaaten werden im ersten Quartal 2020 im besten Fall mit einer wirtschaftlichen Stagnation aufwarten können.

Den Notenbanken wären bei einer Stagflation die Hände gebunden

Die Bekämpfung einer Stagflation stellt die Fiskal- und Geldpolitiker in der heutigen Gemengelage vor besondere Herausforderungen. In China versucht die Notenbank auf Geheiß der Regierung, die Kreditvergabe massiv zu stimulieren, indem die Kreditkosten (Zinsen) sowie die Kreditanforderungen drastisch gesenkt werden. Andernfalls würden Millionen bereits angeschlagener Betriebe aus dem Markt ausschieden – ein Horrorszenario auch für den Westen. Bestimmte Vorprodukte werden nur noch in China produziert. Insofern offenbart die Coronavirus-Pandemie die enorme Abhängigkeit des Westens von China, was aus politischen Gründen in der Konsequenz ebenfalls zu einer Rückabwicklung der Globalisierung führen wird, um die Autarkie der westlichen Länder von essenziellen Produkten, wie zum Beispiel Arzneimitteln, sicherzustellen.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
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