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Aktien

Crash bei Aktien: Schlägt jetzt die Stunde der Heuschrecken?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Das war ein heftiger Crash bei Aktien weltweit, den wir in den letzten Tagen und Wochen erlebt haben. Gibt es da aber auch Profiteure des Crash?

„Heuschrecken der Finanzindustrie“ (siehe dazu das Video) hatte SPD-Chef Müntefering bereits im Jahr 2005 die Investoren genannt, so genannte Private Equity-Gesellschaften oder auch Hedge Fonds, die vor allem darauf aus waren, Unternehmen zu zerschlagen zum Zwecke der kurzfristigen Gewinnmaximierung oder auch mit Leerverkäufen agierten, die die Aktien von manch taumelndem Unternehmen erst recht in den Abgrund stießen. Was oftmals ein reinigendes Gewitter bedeutet, ist  in einem Crash in Phasen echter Not durch Unglücksereignisse oder wie derzeit durch eine Pandemie ein recht unethischer Akt.

Crash: Die Strategie einiger Hedgefonds

Covid-19 rast wie eine Heimsuchung über den Planeten. Unternehmen werden durch Zwangsmaßnahmen des Staates zur Eindämmung der Pandemie in große Schwierigkeiten gebracht, mit extremen Umsatz- und Gewinneinbußen und damit verbundenen Kurseinbrüchen der Aktien. Wie immer lockt so etwas Spekulanten auf dem Plan, um aus einer solch seltenen Konstellation zusätzlichen Profit zu schlagen. Allen voran angelsächsische Hedgefonds, die das Instrument des Shortsellings normalerweise das ganze Jahr über betreiben. Um Übertreibungen an den Märkten zu korrigieren und um Liquidität in die Märkte zu pumpen, so eine Begründung.

Extrem fragwürdig wird diese Handelsstrategie, wenn sie in Krisenzeiten, in einem Crash wie derzeit eingesetzt werden. Gerade jetzt steht Europa im Fokus der Hedgefonds, weil man die deutlich steigenden Infektionszahlen sieht –  und damit verbunden die Erkenntnis, dass viele Firmen auf dem alten Kontinent darunter leiden werden. Aus einer  Übersicht kann man entnehmen, dass sich dabei gerade der bekannte Hedgefonds von Ray Dalio, Bridgewater Associates, hier sehr engagiert. Ausgerechnet die Firma des Querdenkers, der erst zu Jahresbeginn gegen den Kapitalismus gewettert hat „Das System ist kaputt“, weil es die Ungleichheit zwischen Arm und Reich potenziere und eine Umverteilung von oben nach unten erfordere. Unter anderem mit höheren Steuern für Superreiche.

Sein größter Fonds, Pure Alpha Fund II, hat seit Jahresanfang circa 20 Prozent verloren, da man eine falschen Einschätzung zur Entwicklung der Märkte hatte – man hatte den Crash nicht vorhergesehen. Und jetzt setzt man mit Leerverkäufen verstärkt gegen Europa, um die Performance aufzubessern. Hierbei sind es diese Länder, die Bridgewater besonders ins Visier genommen hat: Frankreich (16 Aktien), Deutschland (12), Spanien (5), Niederlande (5) und Italien (3).

Das Volumen der Untergangswetten beträgt 14 Miliarden Dollar, viel Geld setzt Dalio auch gegen deutsche Konzerne ein. An der Spitze der Leerverkäufe steht SAP mit 949 Millionen Euro und der Halbleiterhersteller ASML mit 630 Millionen. Da der Dax seit seinem Hoch von Mitte Februar durch den Crash mehr als ein Drittel seines Wertes verloren hat, gibt es viele Leerverkäufer, die von dieser Entwicklung sehr profitiert und den Abwärtstrend verstärkt haben. Schon immer im Visier ist dabei die Deutsche Bank – jetzt aber auch stabile Aktien wie die Allianz. Die Krise in der Luftfahrtindustrie hat dazu geführt, dass bei der Lufthansa zehn Prozent der Aktien leerverkauft sind, dabei sind mehrere Hedgefonds mit von der Partie.

Der derzeit zweitgrößte Luftfahrtkonzern Europas ist ganz eindeutig ein Opfer der höheren Gewalt, hat Staatshilfen beantragt und damit Steuergelder, während Spekulanten mit ihren Untergangswetten Gewinne einfahren können.

Fazit

Angesichts heftiger Rettungsmaßnahmen für die vom Coronavirus betroffenen Unternehmen, ist es schon erstaunlich, dass Leerverkäufe nur in Italien, Spanien und Belgien verboten sind. Man muss schließlich Steuergelder einsetzen, um den Unternehmen zu helfen und die Arbeitnehmer vor der Arbeitslosigkeit zu schützen. Auch wenn man Eingriffen in die Märkte skeptisch gegenübersteht – aber Unternehmen zu attackieren, die infolge nicht selbst zu verantwortender Umstände in existenzielle Not geraten, erscheint zum einen nicht gerade moralisch und ist auch nicht die Absicht im Sinne der Erfinder des Shortsellings.

Der große Hedgefondsmanager Ray Dalio malte gestern im US-Fernsehen ein schreckliches Bild von der US-Konjunktur, mit möglichen Schäden von vier Billionen Dollar für die US-Unternehmen infolge Covid-19. Zudem forderte er staatliche Unterstützungen für die betroffenen Firmen, um gleichzeitig eine Short-Strategie gegen viele Firmen zu fahren. Passt das zusammen?

Der Crash ruft Heuschrecken auf den Plan

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    asisi1

    20. März 2020 11:36 at 11:36

    Ein Land das sich solche Politiker, welche nur Studienabbrecher und Theaterwissenschaftler, oder DDR Ausbildung hat, hats einfach nicht anders verdient!

  2. Avatar

    Macwoiferl

    20. März 2020 11:43 at 11:43

    Die Grillfeste an der Isar, das sind übrigens die Hochfinanzleute 🙂 denn durch die Tür kommen nun: Helikoptergeld, 1.5 Bio US $ REPO-Sofortgeld aus der FED-Druckerpresse, QE V (alle USA), EURObonds (EU-Schuldverschreibungen in Billionenhöhe), 750 Mrd. € Käufe italienischer/spanischer/griechischer Staatsschulden, Zinssenkungen weltweit in Billionenhöhe.
    Sagen wir Pi Mal Daumen so 12 Bio. €.
    Ohne Corona hätte man, um diese ganzen Finanzbonbons für Goldman Sachs, JP Morgan, Blackrock etc. zu verabschieden, ca. 10 bis 15 Jahre diskutieren und Kleinkrisen inszenieren müssen.
    Daneben macht man nun salonfähig: Ausgangssperre. Handyüberwachung. Quarantänen. Willkürliche Geschäftsschließungen.
    Alles, damit Lloyd Blankfein mit der neunzehnten Yacht durchs Mittelmeer kreuzen kann.
    Wer auch immer sich das Drehbuch zur Corona-Story ausgedacht hat: meine Hochachtung!

  3. Avatar

    Hinterfrager

    20. März 2020 14:21 at 14:21

    Corona als Auslöser (nicht Ursache!) dafür, dass diverse bereits seit Längerem zombifizierte Unternehmen nun tatsächlich über die Abbruchkante geschubst werden:

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/vapiano-ist-insolvent-a-7a742110-a150-4778-a3dc-837ac670fdc1

    Tja, und Vapiano wird wohl nicht das einzige Beispiel bleiben…

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die Verschärfung der Coronakrise belastet heute die Aktienmärkte.

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Volkswagen meldet 10 Milliarden Euro Gewinn – dazu noch ein interessanter Vergleich

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Volkswagen hat vor wenigen Minuten per Ad Hoc-Meldung vorab Daten für das Gesamtjahr 2020 veröffentlicht. Trotz der beispiellosen andauernden Covid 19-Herausforderungen habe Volkswagen im 2. Halbjahr 2020 seine Robustheit bewiesen. Die Auslieferungen an Kunden des Volkswagen-Konzerns erholten sich im 4. Quartal weiter stark, überstiegen sogar die Auslieferungen des 3. Quartals 2020. Die Umsatzerlöse stiegen entsprechend ebenfalls erheblich. Auch der ausgewiesene Netto-Cash-flow im Automobilgeschäft entwickelte sich sehr positiv, so das Unternehmen in seiner Mitteilung.

Basierend auf vorläufigen Zahlen erwartet man für das Geschäftsjahr 2020 ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen (Dieselthematik) von rund 10 Milliarden Euro, dazu einen ausgewiesenen Netto-Cash-flow im Automobilgeschäft von rund 6 Milliarden Euro. Die gesamten finanziellen Kennzahlen für das Geschäftsjahr 2020 sowie der Ausblick wird Februar veröffentlicht. Die Volkswagen-Aktie reagiert positiv mit einem Kurssprung von 158,60 Euro heute Vormittag auf aktuell 169,28 Euro.

Interessant zum Thema Autohersteller ist folgende Grafik. Sie zeigt den gigantischen Börsenwert von Tesla (links) in Relation zu den anderen großen Autobauern, die natürlich weitaus größere Mengen produzieren. Tesla hat derzeit mehr Börsenwert als die folgenden acht größten Autobauer zusammen. Sind das noch gesunde Dimensionen bei Tesla? Da muss Elon Musk noch ganz schön viele Autos verkaufen, um mit realen Umsätzen zur Börsenbewertung aufzuschließen.

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Immer mehr zusätzliche Luft für die Aktienblase, Branchenrotation dank Biden

Claudio Kummerfeld

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Derzeit gibt es immer mehr zusätzliche Luft zum weiteren Aufblähen der globalen Aktienblase, so ein Experte im folgenden Gespräch mit Manuel Koch. Notenbanken und Stimulus-Maßnahmen würden die Blase weiter befeuern. Dabei würden sich die Börsenbewertungen immer mehr von der realwirtschaftlichen Wirklichkeit entfernen. Deswegen sollten die Anleger Bestände gegen Verluste absichern. Auch interessant sind die Aussagen über eine Branchenrotation bei US-Aktien. Dank des neuen US-Präsidenten Joe Biden würden Branchen wie Pharma und alternative Energien profitieren, dafür könnte zum Beispiel die Ölindustrie verlieren.

Im Video auch besprochen werden zwei Handelsideen der trading house-Börsenakademie. Bei Netflix könne man market kaufen, und bei Microsoft könne man über das Vehikel einer Stop-Buy-Order auf steigende Kurse setzen.

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