Anleihen

Crash der US-Staatsanleihen – eine Suche nach den Gründen

Es ist Thema in allen Medien – der Crash an den internationalen Wertpapierbörsen infolge der pandemischen Ausbreitung von Covid-19. Aber kaum einer hat den kleinen Crash bei der Benchmark aller Staatsanleihen im Fokus – den Zinsanstieg bei den 10-jährigen US-Staatsanleihen.

Wir haben Stress an den Aktienmärkten, aber auch an den Anleihemärkten. Nicht umsonst pumpt die Federal Reserve mittlerweile Billionen-Dollar-Beträge ins System, ob in den Repo-Markt oder bei den Commercial Papers. Siehe hierzu eine Detailaufstellung von Hannes Zipfel von heute Morgen. Aber was ist die Ursache für den kleinen Crash beziehungsweise den Zinsanstieg der US-Langläufer?

Wir erinnern uns: Noch im Herbst 2018 stand die Rendite der US-Langläufer bei 3,25 Prozent. Infolge der sich abschwächenden US-Konjunktur und erst recht wegen der katastrophalen Wirtschaftsaussichten aufgrund von Covid-19, fiel der Zins am 9. März auf historisch niedrige 0,318 Prozent. Damit konnten Investoren, die diese Papiere seitdem gehalten haben, Kursgewinne von über 20/25 Prozent generieren – bis zum 9. März.

Seither geht es wieder nach oben, bis heute, gerade mal 9 Tage später aktuell zu einer Rendite von 1,118 Prozent. Ein unglaublicher Sprung, auch angesichts des Umfeldes, was auf eine ausgeprägte Schwächeperiode in der US-Ökonomie hindeutet, ohne Aussicht auf irgend eine Zinsanhebung.

Ein Erklärungsansatz für den kleinen Crash der US-Anleihen

US-Präsident Trump, der das Problem mit dem Coronavirus wochenlang ignoriert oder sogar negiert hatte, wurde sich in den letzten Tagen mit dem exzessiven Anspringen der Fallzahlen in den USA und einem möglichen Absturz der US-Wirtschaft folgendem Szenario schmerzlich bewusst: Der Vision einer tiefen Rezession in den USA, eines Dow Jones weit unter 20.000 Punkten und ausgesetzt einer Kritik an seiner Person als schwacher Krisenmanager und das in einem Wahljahr – das ließ alle Dämme brechen. Auch ein „was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“.

Die US-Notenbank sprang mit Notzinssenkungen und Kapitalspritzen für die Geldmärkte zur Seite – und jetzt folgen billionenschwere Fiskalprogramme bis hin zum Helikoptergeld, die noch vor einem Monat kaum jemand für möglich gehalten hätte. Auch wenn ein Absturz in eine tiefe Rezession damit aufgehalten werden „könnte“, wird die Geldflut wahrscheinlich zumindest mittelfristig inflatorische Folgen haben müssen.

Da es auch keine Negativzinsen geben darf – zumindest aus heutiger Sicht – bedeutet dies für die Halter langlaufender Anleihen: Es besteht ein erhebliches Kursrisiko, damit heißt eine mögliche Devise: Raus aus den Langläufern, bevor die Duration noch stärker zuschlägt.

Erleben US-Staatsanleihen einen Crash, weil sie Inflation riechen?



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1 Kommentar

  1. Passt genau ins Drehbuch von M. Krall, zuerst Run auf Langläufer wegen Kursgewinnen, dann in Kurzläufer u.Liquidität.

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