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Anleihen

Crash der US-Staatsanleihen – eine Suche nach den Gründen

Wolfgang Müller

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Es ist Thema in allen Medien – der Crash an den internationalen Wertpapierbörsen infolge der pandemischen Ausbreitung von Covid-19. Aber kaum einer hat den kleinen Crash bei der Benchmark aller Staatsanleihen im Fokus – den Zinsanstieg bei den 10-jährigen US-Staatsanleihen.

Wir haben Stress an den Aktienmärkten, aber auch an den Anleihemärkten. Nicht umsonst pumpt die Federal Reserve mittlerweile Billionen-Dollar-Beträge ins System, ob in den Repo-Markt oder bei den Commercial Papers. Siehe hierzu eine Detailaufstellung von Hannes Zipfel von heute Morgen. Aber was ist die Ursache für den kleinen Crash beziehungsweise den Zinsanstieg der US-Langläufer?

Wir erinnern uns: Noch im Herbst 2018 stand die Rendite der US-Langläufer bei 3,25 Prozent. Infolge der sich abschwächenden US-Konjunktur und erst recht wegen der katastrophalen Wirtschaftsaussichten aufgrund von Covid-19, fiel der Zins am 9. März auf historisch niedrige 0,318 Prozent. Damit konnten Investoren, die diese Papiere seitdem gehalten haben, Kursgewinne von über 20/25 Prozent generieren – bis zum 9. März.

Seither geht es wieder nach oben, bis heute, gerade mal 9 Tage später aktuell zu einer Rendite von 1,118 Prozent. Ein unglaublicher Sprung, auch angesichts des Umfeldes, was auf eine ausgeprägte Schwächeperiode in der US-Ökonomie hindeutet, ohne Aussicht auf irgend eine Zinsanhebung.

Ein Erklärungsansatz für den kleinen Crash der US-Anleihen

US-Präsident Trump, der das Problem mit dem Coronavirus wochenlang ignoriert oder sogar negiert hatte, wurde sich in den letzten Tagen mit dem exzessiven Anspringen der Fallzahlen in den USA und einem möglichen Absturz der US-Wirtschaft folgendem Szenario schmerzlich bewusst: Der Vision einer tiefen Rezession in den USA, eines Dow Jones weit unter 20.000 Punkten und ausgesetzt einer Kritik an seiner Person als schwacher Krisenmanager und das in einem Wahljahr – das ließ alle Dämme brechen. Auch ein „was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“.

Die US-Notenbank sprang mit Notzinssenkungen und Kapitalspritzen für die Geldmärkte zur Seite – und jetzt folgen billionenschwere Fiskalprogramme bis hin zum Helikoptergeld, die noch vor einem Monat kaum jemand für möglich gehalten hätte. Auch wenn ein Absturz in eine tiefe Rezession damit aufgehalten werden „könnte“, wird die Geldflut wahrscheinlich zumindest mittelfristig inflatorische Folgen haben müssen.

Da es auch keine Negativzinsen geben darf – zumindest aus heutiger Sicht – bedeutet dies für die Halter langlaufender Anleihen: Es besteht ein erhebliches Kursrisiko, damit heißt eine mögliche Devise: Raus aus den Langläufern, bevor die Duration noch stärker zuschlägt.

Erleben US-Staatsanleihen einen Crash, weil sie Inflation riechen?

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Voll Krall

    18. März 2020 14:42 at 14:42

    Passt genau ins Drehbuch von M. Krall, zuerst Run auf Langläufer wegen Kursgewinnen, dann in Kurzläufer u.Liquidität.

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Anleihen

Goldpreis vs Anleiherenditen: Eindeutiger Langfristvergleich

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Gold-Barren

Der Goldpreis wird von vielen Faktoren beeinflusst. Da wäre zum Beispiel der US-Dollar, und natürlich das allgemeine Risk On/Risk Off-Szenario. Sind die Anleger bereit aufgrund diverser Faktoren mehr Risiko einzugehen, verkaufen sie Gold und kaufen Aktien, und umgekehrt. Je mehr die Notenbanken Geld drucken und je mehr die Staaten sich verschulden, desto wichtiger erscheint vielen Anlegern auf lange Sicht auch Gold als sicherer Fluchthafen vor Inflation, und der Goldpreis steigt.

Aber vor allem werden auch die Anleiherenditen als wichtiger Beeinflussungsfaktor für den Goldpreis herangezogen. Je mehr Rendite man für Staatsanleihen erhält, desto weniger attraktiv ist das zinslose Gold bei Anlegern. Schauen wir daher mal auf den folgenden Chart, ob man langfristig eine echte Verbindung zwischen Gold und Anleiherenditen erkennen kann. Hier sehen wir seit Anfang 2016 in blau den steigenden Goldpreis, der seitdem 69 Prozent zulegen konnte. Die in orange verlaufende Anleiherendite (für zehnjährige US-Staatsanleihen) ist seitdem um 46 Prozent gesunken (langfristig gesunkenes Zinsniveau). Man sieht eine klare negative Korrelation. Je tiefer die Anleiherenditen, desto besser für den Goldpreis. Das jüngste Ansteigen in der Rendite hat dem Goldpreis einige Schwierigkeiten bereitet, und seinen weiteren Anstieg erst einmal ausgebremst.

Chart zeigt Goldpreis gegen Anleiherenditen seit dem Jahr 2016

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Anleihen

Andre Stagge: Steigende US-Rendite, US-Wahl, Aktienmarkt – sein aktuelles Trading

Redaktion

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Der Experte Andre Stagge spekuliert aktuell auf die steigende Rendite für US-Staatsanleihen, und hat daher den Future für Staatsanleihen geshortet (Renditen und Kurse bewegen sich logischerweise immer exakt gegenläufig). Im folgenden brandaktuellen Video erklärt er die derzeitigen Zusammenhänge am Kapitalmarkt. Als da wäre die heutige Wichtigkeit der US-Wahl in Georgia und deren Folgewirkungen auf die US-Politik und die Kapitalmärkte. Auch geht es darum, dass steigende Aktienmärkte und steigende Anleiherenditen dauerhaft nicht parallel existieren können. Denn es ist, wie es ist. Deutlich höhere Renditen machen Anleihen attraktiver und sorgen eigentlich für einen Geldfluss raus aus Aktien.

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Anleihen

Hellmeyer, Halver, Leber und Co – optimistisch ins neues Jahr!

Claudio Kummerfeld

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Wie wird das Börsenjahr 2021 laufen, und wie werden einzelne Anlageklassen wie Aktien, Gold oder Anleihen performen? Dazu äußern sich im folgenden Video Folker Hellmeyer von Solvecon Investment, Robert Halver von der Baader Bank, Frank Fischer von Shareholder Management, Thomas Romig von Assenagon, Dr. Hendrik Leber von ACATIS und Johannes Hirsch von antea. Natürlich hat jeder der hier gezeigten Personen im Detail unterschiedliche Standpunkte. Aber wenn man das große Bild betrachtet, dann herrscht für den Aktienmarkt doch ein recht großer Optimismus. Klar, die Coronakrise scheint mit dem Impfungen ein Ende zu finden, und Joe Biden bringt Ruhe in die Kiste, nach vier chaotischen Trump-Jahren. Aber gelten „Experten“ mit ihren Jahresaussichten nicht oft als Kontra-Indikatoren? Aber gut, bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Die Begründungen der Experten sind jedenfalls inhaltlich schlüssig und durchaus nachvollziehbar.

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