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Crash der US-Wirtschaft – wie man ihn stoppen kann

Hannes Zipfel

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am

USA Flagge - Crash voraus in US-Wirtschaft?

Die US-Senatorin und Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren beschreibt nüchtern den Zustand ihres Landes und die Gründe für einen drohenden Crash.

Der kommende Crash der US-Wirtschaft

Abseits der „Greatest Nation on Earth and in History“-Rhetorik der Trump-Administration liest sich die nüchterne Analyse der US-Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren zur Lage der Nation erfrischend realistisch. In ihrem Beitrag mit dem Titel: „Der bevorstehende wirtschaftliche Absturz – und wie man ihn aufhält“ beschreibt sie all die Defizite der US-Volkswirtschaft, die wir bei der FMW auch immer wieder benennen.

Neben den strukturellen Problemen, wie Verschuldung und soziale Spreizung, prognostiziert sie einen bevorstehenden wirtschaftlichen Abschwung im kommenden Jahr: „Ich sehe ein verarbeitendes Gewerbe in der Rezession. Ich sehe eine prekäre Wirtschaft, die auf Schulden aufgebaut ist – sowohl Haushalts- als auch Unternehmensschulden und die anfällig ist für Schocks. Und ich sehe eine Reihe schwerwiegender Schocks am Horizont, die dazu führen könnten, dass die unsichere Grundlage unserer Wirtschaft zusammenbricht“. Als Auslöser eines solchen Schocks sieht sie neben dem Handelskrieg vor allem die hohe Verschuldung bei Privathaushalten und bonitätsschwachen Unternehmen.

Erst einmal alles Schlechtreden

Natürlich neigen Anwärter auf das höchste Amt im Staate dazu, die Lage schlecht zu reden, so wie es auch Donald Trump tat, als er das Amerika unter Barack Obama im Wahlkampf als „kaputt“ bezeichnete. Ein Amerika, dass man erst wieder „Great again“ machen müsse. Elisabeth Warren ist der Meinung, dass Trump das Gegenteil erreicht hat und legt den Finger in die diversen sozialen und ökonomischen Wunden der Möchtegern-Wirtschaftswunder-Nation im Defizitrausch.

Donald Trump prahlt gern mit der tollen Verfassung der US-Wirtschaft und belegt dies mit Rekordständen an den US-Aktienmärkten. Warren argumentiert hingegen mit der kaum vorhandenen Partizipation der breiten Masse an dem Aufschwung für Reiche: „Für die meisten Menschen sind die Löhne in einer Generation nicht gestiegen, und dennoch sind die Kosten für Wohnraum, die Kosten für Gesundheitsversorgung, die Kosten für Kinderbetreuung und die Kosten für die Ausbildung eines Kindes an einem College in die Höhe gegangen. Die Situation in der Mittelklasse ist real für die Menschen in den letzten Jahren schwieriger geworden. “

Diese Sicht wird auch durch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Gallup aus dem Sommer dieses Jahres bestätigt, wonach die Sorgen um die eigenen Finanzen der Amerikaner in den letzten Jahren weitgehend gleichgeblieben sind, obwohl der Optimismus bezüglich der Gesamtwirtschaft gestiegen ist. Es handelt sich also um einen von den Aktienmärkten suggerierten und von den Medien eingeredeten Aufschwung, der sich aber nicht in besseren Lebensverhältnissen der breiten Masse der Amerikaner niederschlägt.

Die Ursachen für diese Entwicklung sieht Warren gleichwohl nicht primär in der Politik der Trump-Administration, sondern sie setzt in ihrer Genese der Misere des amerikanischen Mittelstands viel früher an und beschreibt deren Niedergang als langjährigen und anhaltenden Prozess: „Ich habe den größten Teil meiner Karriere damit verbracht, herauszufinden, was mit berufstätigen Familien in Amerika passiert ist. Und als ich die Keime der Krise von 2008 wachsen sah, warnte ich, so laut ich konnte.“

Die drei apokalyptischen Reiter

Warrens Vorhersage eines wirtschaftlichen Crashs macht sie an drei Entwicklungen fest: Erstens der Verschuldung der privaten Haushalte, die jede Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse im Keim ersticke. Zweitens an den qualitativ schlechten Unternehmensschulden in Rekordhöhe, die auch als BBB-Bombe bekannt sind und ihrer Meinung nach genau so sorglos verpackt und weiterkauft wurden wie einst die Subprime-Kredite. Daher sieht sie speziell in dieser Entwicklung den Keim für einen neuen Crash im Finanzsystem. Drittens die Rezession im verarbeitenden Gewerbe, einem der wenigen noch verbliebenen Sektoren mit auskömmlichen Löhnen für amerikanische Arbeiter.

In Bezug auf die Politik der Trump-Administration und ihrer zum Teil wirtschaftsschädlichen „America first“-Ideologie stellt Warren fest: „Das wirtschaftliche Fundament unseres Landes ist fragil. Ein einziger Schock könnte alles zum Erliegen bringen. Und das rücksichtslose Verhalten der Trump-Administration erhöht die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schocks.“

Wie kann man den Crash vermeiden?

Ihre Rezepte zur Krisenprävention sind, anders als ihre Beschreibung des Ist-Zustands der US-Ökonomie, durchaus streitbar. Aber im Unterschied zu manchem deutschen Bestsellerautor sieht sie nicht den Crash als Lösung. Eine solche Kausalität zu behaupten ist geschichtsvergessen und naiv. Auf Konjunktur und Krise folgten in der Geschichte nicht selten Krieg, Gewalt und Elend. Wer sich eine Krise biblischen Ausmaßes zur Bereinigung von ökonomischen Fehlentwicklungen wünscht, der hat noch keine erlebt. Daher ist jeder Gedanke an die Vermeidung einer Krise aller Ehren wert.

Warren möchte einem Crash mit mehreren, zum Teil sehr linken Maßnahmen entgegenwirken:

Schuldenerlass bis zu 50.000 US-Dollar pro Person

Einführung eines Mindestlohns von 15 US-Dollar pro Stunde

Senkung der Mietkosten

Bezahlbare Kinderbetreuung

Kostenloser Schulunterricht einschließlich vier Jahre College

Überwachung der hochgehebelten Unternehmensschulden zur Früherkennung einer Krise durch den Financial Stability Oversight Council (FSOC)

Stärkung des verarbeitenden Gewerbes durch einen „Green Manufacturing Plan“, der angeblich eine Million neue Jobs bringen soll

Ihre ultimative Forderung zur Finanzierung aller vorgenannte Maßnahmen ist die unlimitierte Verschuldung des Staates, finanziert durch die Notenpresse. Aber diese Forderung ist schon lange kein Linker mehr. Regierungen egal welcher politischen Prägung gehen heute weltweit diesen Weg. Mit einem entscheidenden Unterschied: In den meisten Staaten, inklusive dem Amerika von Präsident Donald J. Trump, kommt die aktuelle Fiskal- und Geldpolitik primär den Reichen und Superreichen zugute. Ein Politikwechsel hin zu einer breiteren gesellschaftlichen Partizipation könnte die sich immer weiter aufbauenden sozialen Spannungen lindern und die Überlebensdauer des Systems zumindest verlängern und auch weniger einkommensstarke Gesellschaftsschichten in die Lage versetzen, für die unvermeidliche Krise vorzusorgen.

Fazit

Man muss nicht alle Ansichten von Elizabeth Warren teilen, aber es tut gut zu sehen, dass es in den USA neben blindem patriotischem Optimismus, Heuchelei und dreisten Lügen auch in der Politik noch Realitätssinn gibt. Das macht die Vereinigten Staaten wieder etwas sympathischer, nachdem sich das Land mehr und mehr zum Schurkenstaat entwickelt, dass gemäß dem Recht des Stärkeren jeden mobbt, der nicht nach seinen Regeln spielt und seine Interessen vertritt. Jüngstes Beispiel dafür ist die selbstsüchtige Sanktionierung der Energieversorgung Deutschlands mit heuchlerischen Begründungen. Oder können Sie sich vorstellen, dass die USA sich von Drittstaaten vorschreiben lassen, von wem sie in welchem Umfang ihr Erdgas beziehen dürfen?

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    TM

    13. Dezember 2019 11:58 at 11:58

    „Aber im Unterschied zu manchem deutschen Bestsellerautor sieht sie nicht den Crash als Lösung. Eine solche Kausalität zu behaupten ist geschichtsvergessen und naiv.“

    Schön, dass das hier mal so offen ausgesprochen wird.

    Ihre Lösungsansätze sidn hingegen tatsächlich zum Teil schwierig, zum Teil naiv bzw. gar keine Lösung, sondern ein Wunsch (Senkung der Mietkosten etwa). Dennoch sind gerade in den USA, wo die demographische Situation weit besser ist als zwischen Lissabon und Tokio, möglicherweise gar nicht so radikale Änderungen notwendig. Nur sorgen Trump mit seinen Fans und vor allem seinen Geldgebern für das Gegenteil.

  2. Avatar

    Pessi- Mist

    13. Dezember 2019 14:08 at 14:08

    Geschichtsvergessen ist ,wenn man vergessen hat dass bîs jetzt alle Übertreibungen so ca. alle 9Jahre korrigiert wurden. Diesmal wird es anderst sein ,weil wir überhaupt keine Übertreibung haben.
    Komisch das @TM nicht wieder die Vetschuldung schönredet.

  3. Pingback: Meldungen und Nachrichten vom 13.12.2019 | das-bewegt-die-welt.de

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

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am

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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