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Crash oder auch Rezession – wie groß ist die Gefahr?

Deutschland Flagge - Crash oder Rezession in der hiesigen Wirtschaft?

Dank mehrerer Ankündigungen über die fetten wirtschaftlichen Jahre, die in Deutschland langsam dem Ende zugehen – erstmals wird das R-Wort offen ausgesprochen – hat sich eine undurchsichtige Gemengelage gebildet. Droht uns der Crash des Jahrhunderts, oder können wir ihn verhindern? Gibt uns die Modern Monetary Theory (MMT) sogar Werkzeuge an die Hand, auch zukünftig von Wachstum zu profitieren, oder beschleunigen wir damit nur den Niedergang? In der Presse wird sowohl das eine als auch das andere behauptet, und das mit vergleichbarer Verve – je nachdem, wen man fragt…

Die Untergangspropheten sind unüberhörbar

Marc Friedrich & Matthias Weik sind auf finanzmarktwelt.de als Gastautoren präsent – ihres Zeichens ausgewiesene Finanzexperten – und sie führen die Front der Pessimisten an. Ihre Position ist klar: MMT ist eine Gefahr. Auf deren Facebook-Seite wird sie als „Gehirnfurz“ bezeichnet. Die Vergangenheit gibt ihnen Recht: noch nie konnte nachgedrucktes Geld eine langfristige Lösung bieten, sondern im besten Fall ein Problem der Gegenwart in ein großes Problem der Zukunft verwandeln. „Zukunft“ bedeutet in Europa übrigens übersetzt: „Ende der Legislaturperiode“.

Man muss Weik und Friedrich auf jeden Fall aufmerksam zuhören, schließlich haben sie zum Beispiel die für den deutschen Herbst 2019 angekündigte Rezession schon im März treffsicher vorausgesagt. Auf der anderen Seite haftet ihnen das Problem aller Untergangspropheten an: Bleibt der Crash nun aus, wird die sicher gewähnte Indiziendicke auf einen Schlag gefährlich dünn. Kalkuliertes Risiko, hoffe ich.

Zwischen den Fronten ist es eher ruhig

Das große, stille Mittelfeld besteht aus normalen Bürgern, denen die Brisanz der Lage überhaupt nicht bewusst ist, die so leben, als gäbe es weder die Gefahren, noch die in MMT gesetzten Hoffnungen. Unbewusst tragen diese Menschen mit ihrer großen Masse sehr zur Stabilität bei, und ohne Zweifel gehört es genau aus diesem Grund zum politischen Programm, Null-Zins-Politik, Giralgeldschöpfung und MMT sowohl aus den Schulbüchern, als auch aus der Tagesschau geflissentlich herauszulassen. Auch ich gehöre zu dieser Mitte. Ich positioniere mich zwar gegen MMT, der Philosophie der Stoa folgend rechne ich zwar mittelfristig mit negativen Auswirkungen, jedoch nicht mit einem unmittelbaren Crash, weil Deutschland und Europa dafür viel zu schwerfällig sind.

Rezession und Crash sind Fremdwörter auf der anderen Seite

Inzwischen ist an vielen Stellen in der internationalen Presse davon zu hören, dass die Regierung Merkel von der Idee der ‚schwarzen Null‘ abrücken, und auf Pump oder mit neu geschaffenem Geld Konjunkturpakete lancieren solle. Jason Furman, immerhin einst Vorsitzender der Council of Economic Advisers unter der Regierung Obama, bezeichnet Deutschland als reif für Stimulus auf Pump. Zuspruch erhält er vom Leiter des Instituts der deutschen Wirtschaft, Prof. Dr. Michael Hüther.

Dr. Christian Kastrop, der als Schöpfer der deutschen Sparpolitik gilt, forderte ebenfalls, dass sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene wesentlich mehr getan werden müsse, um das Wirtschaftswachstum zu beflügeln (zitiert aus der Rede anlässlich der Tagung zur fiskalischen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit in der Eurozone der Stiftung Marktwirtschaft, November 2015). Ganz oben und auf Regierungsebene scheint also Einigkeit zu bestehen, dass noch mehr Geld in die Kreisläufe gepumpt werden soll. Mit dem Amtsantritt von Christine Lagarde als kommendem Chef der EZB wird dieser Wunsch sicherlich näher rücken. Das heißt, wenn man die Annahmen von Weik und Friedrich glauben darf: noch mehr Geld, noch mehr Schulden, und das eigentliche Problem unsere Kinder ausbaden lassen.

Eine Linie der echten Fakten ist schwer zu finden

Was will man diesen Schwergewichten denn auch entgegenhalten? Es sind dies ja genau diejenigen, denen wir die stabile Lage unserer Finanzen anvertraut haben. Oder sollte uns deren Haltung, die entgegen so vieler Erkenntnisse aus Vergangenheit und Gegenwart steht, eher mit Misstrauen füllen, weil gerade sie es ja eigentliche besser wissen müssten? Fest steht, dass wir schon mitten im Crash wären, wenn alle Menschen den Empfehlungen von Weik und Friedrich folgten, und ihr Geld für Edelmetalle oder Edelspirituosen ausgäben – so geben es die Regeln der Währungsstabilität vor.

Genau deshalb muss aus Sicht der Regierung eine Flucht der Bürger aus dem Bargeld auf jeden Fall verhindert werden. Dafür ist es unerlässlich, dass das Vertrauen in die Währung trotz Schulden, MMT und Lagarde unvermindert erhalten bleibt. Folglich hat eine Prise Misstrauen auch den obersten Lenkern der Finanzwelt gegenüber offensichtlich ihre Berechtigung.

Es bleibt alles, wie es ist

Nur: für den gemeinen Bürger ist all dies keine wirklich verlässliche Antwort. Also bleibt er weiter indifferent, und hilft so, den kommenden Crash hinauszuzögern. Insofern geht das Kalkül der Regierung voll auf. Dabei gibt es auch Lösungen, die nicht auf Kosten unserer Kinder gehen. Es würde zum Beispiel schon genügen, Auflagen und Regulierung beim privaten Hausbau zu lockern bzw. abzuschaffen. Dann würde ganz von selbst und ganz ohne Panik viel privates Geld in bleibende Werte verschoben – und so als Nebenprodukt auch ein nachhaltiges Gewicht gegen steigende Mieten und Wohnungsnot geschaffen. Manche Lösungen sind wohl einfach zu simpel. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt – und vielleicht liest jemand aus dem Kanzleramt unsere Kolumnen. Das wäre zu hoffen.



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