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Credit Suisse auf Rekordtief – Analyst „fassungslos“ über Mittelabflüsse

Die Aktien der Credit Suisse fallen heute auf ein neues Rekordtief. Ein Analyst zeigt sich fassungslos über die Mittelabflüsse aus der Bank.

Die Aktien der Credit Suisse erreichten heute ein neues Rekordtief mit 3,39 Franken in Zürich, heute ein Minus von 4,5 %. Erst am Mittwoch berichteten wir über den dramatischen Mittelabfluss von 84 Milliarden Franken an verwaltetem Vermögen binnen 3 Monaten. Das hat den Markt offenkundig schockiert. Anleger schauen auf die Auswirkungen der massiven Abflüsse, die die Bank in dieser Woche gemeldet hat, und die Nachrichten, dass die Konkurrenten im wichtigen Wachstumsmarkt Asien von den Problemen des Schweizer Unternehmens profitieren, so Bloomberg heute. Die Aktien der Credit Suisse fallen heute wohl vor allem deswegen weiter, weil die Schweizer Bank Vontobel ihr Kursziel gesenkt hat und erklärte, dass das Unternehmen „dringend“ die Abflüsse in seinem Kerngeschäft, der Vermögensverwaltung, stoppen müsse. Die Aktie ist seit neun Tagen in Folge gesunken, die längste Verlustserie seit 2014.

Kursverlauf der Aktien von Credit Suisse mit Ereignissen

Konkurrenten wie die UBS und Morgan Stanley gehören zu den Nutznießern dieser Kundenabwanderung von der Credit Suisse, wie Bloomberg am Donnerstag berichtete. Beide Unternehmen verzeichneten ein bedeutendes Neugeschäft in Asien, einem wichtigen Wachstumsmarkt für die Vermögensverwaltung. Laut einer Rangliste von „Asian Private Banker“ aus dem Jahr 2021 ist UBS die grösste Privatbank in Asien (ohne China), während Credit Suisse die zweitgrösste ist.

Andreas Venditti, Analyst bei Vontobel, zeigt sich aktuell sich „fassungslos“ über die Abflüsse und sagt voraus, dass die Credit Suisse im nächsten Jahr aufgrund der hohen Finanzierungskosten erneut einen Verlust ausweisen werde. Er senkte heute sein Kursziel für die Aktie auf 3,50 Franken. Erst vorgestern hatte Venditti das Kursziel noch bei 4 Franken belassen, wie auch bei 3 vorigen Einschätzungen im November.

FMW: Was sagten die anderen Analysten zuletzt? Die Bank of America setzte erst vorgestern ihr Kursziel für die Credit Suisse bei 4,20 Franken an, die UBS vorgestern bei 4,40 Franken. Die DZ Bank setzte ihr Kursziel am 15. November radikal runter auf 2,50 Franken.

Erst am 27. Oktober versuchte die Credit Suisse einen großen Durchbruch aus ihrer Krise. Man verkündete zahlreiche Maßnahmen wie eine Kapitalerhöhung, Entlassungen, und Verkäufe von Teilen des Geschäfts. Aber dieser massive Mittelabfluss im letzten Quartal, der diese Woche verkündet wurde, sorgt nun für die Fortsetzung des Abwärtstrends der Bank. Man kann derzeit als Außenstehender fast unmöglich abschätzen: Kommt die Bank aktuell gut voran bei ihrem großen Umbau? Oder fliehen die Vermögensverwaltungskunden auch im aktuellen Quartal derart schnell zu anderen Banken, dass der Aktienkurs der Bank bei Verkündung dieser Nachricht noch weiter in den Keller rauscht?

FMW/Bloomberg/Mit Zusatzdaten aus Bloomberg-Terminal

Credit Suisse Firmenlogo
Pedestrian crossing signs lit red outside a Credit Suisse Group AG bank branch in Basel, Switzerland, on Tuesday, Oct. 25, 2022. Credit Suisse will present its third quarter earnings and strategy review on Oct. 27. Photographer: Stefan Wermuth/Bloomberg


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3 Kommentare

  1. Es ist wohl besser, sein Geld bei einer systemrelevanten Bank zu haben.
    Geht die kleine Sparkasse um die Ecke Pleite, kommt kein Notarzt mit Blaulicht aus Saudi-Arabien.

  2. Der Fall zeigt doch mal wieder, das das Hauptkapital einer Bank Vertrauen ist, und sonst nichts anderes. Was nützt denn die tollste und umfassende Strategie wenn die Kunden der Bank nicht vertrauen und ihre Gelder abziehen? Wenn die Credit Suisse das Vertrauen ihrer Kunden und Investoren verliert, wird sie zwangsläufig untergehen.

  3. „Konkurrenten wie die UBS und Morgan Stanley gehören zu den Nutznießern dieser Kundenabwanderung von der Credit Suisse, wie Bloomberg am Donnerstag berichtete. Beide Unternehmen verzeichneten ein bedeutendes Neugeschäft in Asien“

    Ich kann offen gesagt nicht verstehen, warum in Asien noch irgendjemand westlichen Banken traut. Nun, vielleicht sind ihre eigenen noch weniger vetrauenswürdig, aber immerhin werden ihre Guthaben nicht wegen Aktionen ihrer Regierung eingefroren und ggfs. in einem Akt der Staatspiraterie enteignet. Nun, jeder, muss sehen, wo er bleibt und wenn das eigene Land aktuell nicht Gefahr läuft von Strafaktionen des Westens betroffen zu sein, dann ist das Risiko vermutlich tolerierbar.

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