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Analyse von Goldman Sachs Credit Suisse droht 2024 ein Kapitaldefizit von bis zu 8 Milliarden Franken

Die massiven Probleme der Credit Suisse sind nicht aus der Welt. Der Bank droht 2024 ein Kapitaldefizit von bis zu 8 Milliarden Franken.

Zürich mit Bergpanorama der Schweiz

Die Angst der Kapitalmärkte vor einem Zusammenbruch der Schweizer Großbank Credit Suisse ist in den letzten Tagen nicht mehr das Hauptthema in Wirtschaftsmedien. Aber die Angst bleibt, und kann in Kürze wieder ganz oben auf die Tagesordnung kommen. Ein Lehman-Moment für den Schweizer Bankenmarkt? Bei der Größe der CS wären die Auswirkungen in ganz Europa und Nordamerika gewaltig! Die Probleme der Schweizer sind keinesfalls gebannt. An der Solidität der Bank gibt es große Zweifel, was unter anderem im fallenden Aktienkurs zum Ausdruck kommt. Schaut man auf das große Bild (erster Chart), sieht man den jahrelangen Niedergang mit einem Verlust von 78 Prozent von Oktober 2012 bis heute. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass für die Credit Suisse noch große finanzielle Probleme anstehen könnten.

Prozentuale Entwicklung der Aktien von Credit Suisse seit dem Jahr 2012

Analysten der Goldman Sachs Group schätzen, dass der Credit Suisse Group im Jahr 2024 ein Kapitaldefizit von bis zu 8 Milliarden Schweizer Franken droht, so berichtet es Bloomberg. Dies unterstreicht die Herausforderungen für die angeschlagene Bank, die sich einer tiefgreifenden Restrukturierung nähert. Die in Zürich ansässige Credit Suisse sieht sich mit einem Loch von mindestens 4 Milliarden Franken konfrontiert, da das Investmentbanking-Geschäft in einer Zeit „minimaler“ Kapitalgenerierung umstrukturiert werden muss, schreiben die Analysten um Chris Hallam. Das bedeutet, dass es für die Bank „umsichtig“ wäre, sich Kapital zu beschaffen.

„Die Credit Suisse sieht sich weiterhin mit zyklischen und strukturellen Herausforderungen konfrontiert“, schreiben die Analysten in einer Mitteilung, und halten an ihrer Verkaufsempfehlung für die Aktie fest. Die Credit Suisse prüft radikale Einschnitte bei ihrer volatilen Investmentbank, einschließlich der Ausgliederung großer Teile und der Ausgliederung der Gruppe für verbriefte Produkte, da Chief Executive Officer Ulrich Koerner versucht, den jahrelangen Skandalen und Verlusten ein Ende zu setzen. Da jedoch eine zentrale Frage – die Frage nach der Finanzierung – rund zwei Wochen vor der Präsentation des Plans unbeantwortet bleibt, haben Spekulationen über die Finanzkraft der Bank die Aktien auf eine Achterbahnfahrt geschickt.

Obwohl eine Kapitalerhöhung eine der Optionen ist, die in Betracht gezogen werden, würden es die Führungskräfte der Credit Suisse stark bevorzugen, kein Eigenkapital zu emittieren, da sich der Aktienkurs in der Nähe von Rekordtiefs befindet, wie Bloomberg News zuvor berichtete. Die Credit Suisse wies am 30. Juni eine CET1-Kapitalquote von 13,5 % auf und lag damit deutlich über dem internationalen regulatorischen Minimum von 8 % und den Schweizer Anforderungen von rund 10 %. Ihr Liquiditätsdeckungsgrad ist einer der höchsten unter den europäischen und US-amerikanischen Banken.

Kursverlauf der Credit Suisse-Aktie seit Anfang 2021

Flora Bocahut, Analystin bei Jefferies, schloss sich den Ausführungen von Goldman an und schrieb in einer Notiz vom Dienstag, dass die Credit Suisse in den nächsten zwei bis drei Jahren Kapital in Höhe von rund 9 Milliarden Schweizer Franken aufbauen müsse. Angesichts des verwässernden Charakters einer Kapitalerhöhung erwartet Bocahut jedoch, dass die Credit Suisse dem Verkauf von Vermögenswerten Vorrang einräumen wird, schrieb sie in einer Mitteilung.

Bloomberg News berichtete am Freitag, dass sich Bieter für den Bereich der verbrieften Produkte der Bank anstellen, der eine wichtige Säule bei der Verkleinerung des Investmentbanking darstellt. Der weit fortgeschrittene Verkaufsprozess hat das Interesse von Pimco, Sixth Street und einer Investorengruppe einschließlich Centerbridge Partners geweckt. Die Credit Suisse erwägt auch, einen externen Investor ins Boot zu holen, der einen Teil der Anteile übernimmt und Geld in eine Abspaltung des Beratungs- und Investmentbanking-Geschäfts einbringt, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten.

FMW/Bloomberg/Erster Chart TradingView



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4 Kommentare

  1. „Die Credit Suisse wies am 30. Juni eine CET1-Kapitalquote von 13,5 % auf und lag damit deutlich über dem internationalen regulatorischen Minimum von 8 % und den Schweizer Anforderungen von rund 10 %. Ihr Liquiditätsdeckungsgrad ist einer der höchsten unter den europäischen und US-amerikanischen Banken.“

    ich verstehe nicht, dass dann 9 Mrd. Franken ein solch großes Problem sein sollten.

    1. Weil diese Kriterien lasch sind. Banken müssen nur ausfallgefährdete Positionen mit einem kleinen Satz Eigenkapital hinterlegen. Das ist ganz anders, als bei einer normalen Bilanz. Zwar ist das nachvollziehbar, weil das Geschäft einer Bank nun einmal ist, Kredite zu vergeben, die Frage ist aber, was man als sicher ansieht und wie hoch die Absicherungspflichten sind, und mit was man sich absichern darf.

      Und da sieht es eben so aus:

      Schrott ist sicher.
      Wenig Absicherung genügt.
      Und zur Absicherung nehmen wir Schrott.

      Völlig ohne Sarkasmus: Banken leben noch, weil sie systemwichtig sind. Sonst wären sie längst (fast) alle weg vom Fenster.

    2. Diese ganzen Kapitalquoten sind auf dem Papier schöne Zahlen, aber in einer Krisensituation nutzt Ihnen das gar nichts. Außerdem ist entscheidend, wieviel „echtes Kapital“ überhaupt sofort zur Verfügung steht.

      Auf die Kapitalquoten würde ich nicht wetten.

  2. Die Deutsche Bank hat seit Oktober 2012 auch über 70% verloren.

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