Anleihen

Höhere Zinsen = höhere Risikoprämie Credit Suisse verkauft Anleihen mit 3,7 % Aufschlag zur Benchmark

Die Credit Suisse verkauft für 3,75 Milliarden Dollar Anleihen, und zahlt dafür 370 Basispunkte Aufschlag zu US-Staatsanleihen! Die Investoren wollen für ein höheres Risiko also deutlich belohnt werden.

Zahlt ein Anleiheemittent höhere Zinsen als am Markt üblich, bedeutet das: Es ist für ihn schwieriger Investoren zu finden als für die Konkurrenz. Denn die Investoren kaufen die Anleihen nur, wenn sie über eine höhere Risikoprämie für ein höheres Risiko des Zahlungsausfalls vergütet werden. Und bei der Schweizer Großbank Credit Suisse gab es im letzten Jahr jede Menge Turbulenzen. Die Bank wurde im großen Stil umgekrempelt. Viel Kundengeld floss ab.

Mehr Zins bedeutet eine höhere Risikoprämie für die Anleger

Man versucht nun mit verschiedenen Maßnahmen das Vertrauen von Kunden, Öffentlichkeit und Investoren zurückzugewinnen. Neben einer Kapitalerhöhung über 4 Milliarden Franken, die von der Credit Suisse im Dezember erfolgreich über die Bühne gebracht wurde, hat man nun auch Anleihen verkauft. Und da mussten die Schweizer deftig drauf zahlen. Man bedenke: Je höher der Zins, den man als Emittent zahlt im Vergleich zu einer Referenzanleihe, desto größer ist in den Augen der Investoren das Risiko, dass der Emittent der Anleihe sie nicht zurückzahlen kann. Wie die folgenden Daten zeigen, scheint von Anlegerseite in Sachen Credit Suisse immer noch einiges an Unsicherheit zu herrschen.

Credit Suisse zahlt 370 Basispunkte Aufschlag für den Verkauf von Anleihen

Die Credit Suisse Group hat einen höheren Zinssatz gezahlt, um Anleihen im Wert von 3,75 Milliarden Dollar aufzunehmen und ihre Finanzierungspläne inmitten der größten Überholung des Kreditgebers seit Jahren aufrechtzuerhalten, so meldet es aktuell Bloomberg. Die angeschlagene Schweizer Bank verkaufte zwei- und fünfjährige Anleihen, die laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Person eine Rendite von 370 Basispunkten über der von US-Staatsanleihen erzielen werden. Das ist viel höher als die durchschnittlichen Risikoprämien im Investment-Grade-Bereich. Als Vergleich: Die niederländische Rabobank hat zweijährige Anleihen begeben, allerdings mit einem Aufschlag von nur 65 Basispunkten auf den Zinssatz für Staatsanleihen.

Die Credit Suisse befindet sich in einer umfassenden Umstrukturierung, in deren Rahmen Tausende von Arbeitsplätzen abgebaut und die Investmentbank umstrukturiert werden soll, um eine Reihe von großen Verlusten und Skandalen zu beenden. Eine weitere Hürde für die Bank, die zum fünften Mal in Folge einen Quartalsverlust ausweisen wird, sind die höheren Zinssätze für ihre Schulden. In den ersten neun Monaten des Jahres 2022 sank der Nettozinsertrag des Schweizer Unternehmens um 14 %, während viele Banken von den steigenden Zinsen profitierten.

Es ist mindestens das zweite Mal in den letzten Monaten, dass die Bank einen hohen Preis zahlen muss, um sich weiterhin Geld zu beschaffen. Im November musste sie mehr als 9 % zahlen, als sie High-Grade-Anleihen im Wert von 2 Mrd. $ verkaufte. Diese Anleihen werden jetzt zu 104,7 Cents pro Dollar gehandelt und liegen damit über dem Nennwert zum Zeitpunkt der Emission der Anleihen, wie aus den Daten des Anleihehandels von Trace hervorgeht.

Abstufungen

„Die Kreditwürdigkeit des Unternehmens hat in den letzten Jahren aufgrund verschiedener Versäumnisse im Risikomanagement stark gelitten“, sagte Jeroen Julius, Stratege bei Bloomberg Intelligence. Die Liquidität der Credit Suisse habe unter den jüngsten Turbulenzen gelitten, schrieb Julius im Dezember. Das langfristige Rating der Bank wurde von S&P Global Ratings im November auf knapp über Junk-Status herabgestuft, was die Herausforderungen unterstrich, nachdem die Bank ihre radikalen Umstrukturierungspläne vorstellte, zu denen ein Verlust von 4,03 Milliarden Franken im dritten Quartal und die Warnung vor einem weiteren Verlust in den letzten drei Monaten des Jahres gehörten.

S&P senkte das langfristige Rating der Schweizer Bank von BBB auf BBB- mit stabilem Ausblick. Das liegt knapp über der „spekulativen Note“ BB. Die US-Ratingagentur, die sich mehreren Analysten nach der Ankündigung der Umstrukturierung anschloss, sieht „wesentliche Risiken bei der Umsetzung in einem sich verschlechternden und volatilen Wirtschafts- und Marktumfeld“. Sie wies auch darauf hin, dass einige Details zu den geplanten Verkäufen von Vermögenswerten des Kreditgebers noch unklar“ seien.

Maßnahmen

Um ihre Finanzen weiter zu stärken, hat die Credit Suisse vor kurzem rund 4 Milliarden Franken durch eine Bezugsrechtsemission und den Verkauf von Aktien an wichtige Investoren, darunter die saudische Nationalbank, aufgenommen. Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann sagte, die Kapitalerhöhung werde die Credit Suisse „grundsolide“ machen und ihr helfen, den Umbau durchzuführen, der die Ausgliederung einer Investmentbanking-Boutique, die Verkleinerung des Handelsgeschäfts und den Abbau von bis zu 9.000 Stellen vorsieht.

Anleihemarkt derzeit mit vielen Emissionen

Der Anleiheverkauf folgt auf eine Emissionswelle am Dienstag, als 19 Schuldner am ersten Geschäftstag des Jahres 2023 Anleihen im Wert von rund 34 Mrd. USD in mehr als 40 Tranchen verkauften. Mindestens 13 erstklassige Unternehmen emittierten am Mittwoch auf dem Markt für Investment-Grade-Anleihen, wodurch sich die Zahl der Anleihen in dieser Woche um weitere 19,5 Mrd. $ erhöhte. Viele erstklassige Unternehmen versuchen, ihre Finanzierungskosten zu sichern, bevor ein wirtschaftlicher Abschwung die Risikoprämien in die Höhe treibt.

FMW/Bloomberg

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1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Die Aktie ist ein Trauerspie – im Vergleich zur us- amerikanischen Konkurrenz, von J.P. Morgan und Goldman Sachs.

    Einfach mal die Performance miteinander vergleichen, dafür gibt es die Charts. Die Aktie kommt von über 50 in 07 und dümpelt jetzt bei unter 5 herum.

    Im Gegenzug dazu stiegen die erwähnten Aktien der Konkurrenz um das Vielfache an. Zufall, dumm gelaufen, vorübergehende Kurslücke…?
    Nein, nicht bei einem so langen Zeitraum, das hat System .
    Hier liegt eine ganz klare Underperformance vor. Früher sagte man mal dazu : „Kapitalvernichter“ .

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