Anleihen

Dänemark: Immobilienmarkt gerät „ausser Kontrolle“

Es mehren sich die Stimmen, die im Land der Dänen eine gefährliche Immobilienblase wähnen..

FMW-Redaktion

Unser Nachbarland Dänemark ist bekanntlich nicht eben ein Billig-Urlaubsland, so manch Teutone kommt an der Kasse eines Supermarkts oder im Restaurant ins Schwitzen angesichts des teuren Vergnügens. Und das Stichwort „teuer“ gilt auch und vor allem für den Immobilienmarkt des Landes: derzeit liegen die Preise für Wohnungen in dänischen Städten 5% über dem Hoch aus dem Jahr 2006. Damals platzte im Gefolge der Finanzkrise die Blase, die Preise fielen um satte 30%.

Aber jetzt ist die Blase wieder prall aufgeblasen, man gönnt sich ja sonst nichts im Land der Dänen – für das nicht wenige Beobachter extreme Gefahren wähnen. So zum Beispiel aktuell Tore Stramer, Chefvolkswirt der Bank Nykredit, dem größten Immobilien-Finanzierer in Dänemark. Er warnt davor, dass die Dänen „blind“ geworden seien angesichts der Gefahren, die da lauern. Sollten einmal die Zinsen steigen, würde die Lage schnell außer Kontrolle geraten – mit der Folge, dass sich das Platzen der Blase wiederholt.

Und an diesem Immobilienmarkt hängt gewissermaßen ein ganzer Rattenschwanz, zum Beispiel der Anleihemarkt, über den Immobilienkäufe meist finanziert werden. So schrieben wir schon im Jahr 2014:

„Dänemarks Bond-Markt ist, pro Kopf gerechnet, der mit Abstand größte der Welt. Jedes Jahr verkaufen dänische Banken Anleihen zur Refinanzierung von Hypothekenkrediten im Volumen von über 40% des dänischen Bruttoinlandsprodukts, das derzeit bei 340 Milliarden US-Dollar liegt.“

Hinzu kommt, dass etwa jeder dritte Immobilienkäufer in Dänemark seine Immobilie jährlich (!!) refinanzieren muß. Er braucht also jedes Jahr eine Anschlussfinanzierung – in Deutschland wird meist mindestens auf 10 Jahre finanziert. Dementsprechend groß ist das Risiko, wenn die Zinsen einmal steigen sollten.

Zugegeben: nichts deutet derzeit auf einen Anstieg der Zinsen hin – aber nichts ändert sich so schnell wie die Lage. Siegt Trump in den USA, kommen wahrscheinlich wieder protektionistische Maßnahmen, die grundsätzlich inflations-fördernd sind. Dänemark hat seit fast vier Jahren bereits Negativzinsen, so lange, wie in keinem anderen Land der Welt. Und daher gibt es die absurde Situation, dass Dänen etwa für kurzlaufende Kredite Negativzinsen genießen – sie bekommen also Geld dafür, dass sie sich Geld leihen! Und: der dänische Normalbürger zahlt derzeit für einen 30 Jahre laufenden Kredit weniger Zinsen als die USA, wenn es Kredite aufnimmt.

Derzeit liegt der Einlagezins in Dänemark bei -0,65% – angehoben von der dänischen Zentralbank im Januar von damals -0,75%. Als Zeichen der „Normalisierung“ der Geldpolitik, so die Notenbank damals als Erklärung. Aber so wirklich „normal“ ist das nicht wirklich, was in unserem so beschaulich wirkenden Nachbarland passiert..



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1 Kommentar

  1. Passend dazu der nachfolgende Artikel der Wirtschaftswoche. Das Problem ist wie in den Niederlanden, daß nicht getilgt werden muß, sondern nur die Zinsen gezahlt werden. Dazu noch fleißige Unterstützungen vom Staat und schon kann sich jeder ein Haus „leisten“. Wenn die Leine reißt, dann knallt der Markt absolut runter.
    http://www.wiwo.de/finanzen/immobilien/baufinanzierung-deutschland-vs-daenemark-immobilienfinanzierung-mit-absturzgefahr/8120772.html

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