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Dammbruch an den Anleihemärkten! Jeff Gundlach sagt: das ist erst der Anfang!

Über den Lawineneffekt an den Märkten – oder warum es gefährlich ist, wenn alle im selben Boot sitzen..

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FMW-Redaktion

Wir hatten kürzlich auf absehbare Schieflagen bei den sogenannten Risk Parity-Funds hingewiesen (siehe hierzu „Über den Zusammenhang von Risk-Parity, ETFs und Volatilität – oder wo jetzt die große Gefahr ist!“), also jener Anlagemodelle, die bestehende Aktien-Portfolios durch den Kauf meist langlaufender Staatsanleihen zu hedgen suchen.

Seit der Einführung der ultralaxen Geldpolitik der Notenbanken war das eine win-win-Situation: Aktien stiegen, Anleihen ebenso, also machte man sich gewissermaßen die Taschen voll und kassierte durch die gekauften Anleihen oben drauf noch stattliche Zinsen (gerade bei US-Staatsanleihen). Aber nun, mit der hawkishen Wende der Notenbanken, geht der Zug in die andere Richtung: die Aktienmärkte fallen, die Anleihemärkte fallen noch stärker. Mithin ist aus der vorherigen win-win-Situation nun eine lose-lose-Situation entstanden, die die Risk Parity-Funds in Schwierigkeiten bringt.

Es sind vor allem Hedgefonds, die diese Risk-Parity-Strategie verfolgt haben – und deren bullische Positionierung bei langlaufenden Staatsanleihen (also die Wette darauf, dass die Kurse der Anleihen weiter steigen und damit deren Rendite weiter fällt) ist auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2008. Mit anderen Worten: es kann ein ziemlich großer Lawineneffekt entstehen, wenn der Zug nun mit Vollgas in die andere Richtung rast!

Und genau so sieht es derzeit aus! Gestern begann das Drama mit einer extrem geringen Nachfrage bei einer Auktion 30-jähriger Staatsanleihen Frankreichs, darauf hin schossen die Renditen für die 10-jährige deutsche Bundesanleihe über die extrem wichtige Renditemarke von 0,50%. Die Anleihemärkte kamen derart ins Rutschen, dass viele Anleiheexperten von einem „Dammbruch“ sprechen. Und der Bond-Guru Jeff Gundlach sieht sich nun bestätigt: Preise können unter ihrem schieren Gewicht zusammen brechen:

Gundlach prognostiziert nun, dass die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe bis zur 3%-Marke steigen werde (derzeit bei 2,38%), dass also jetzt eine große Bewegung eingesetzt habe, weil vor allem Hedgfonds nun alle auf einmal zur engen Tür laufen würden. Die Rendite der 30-jährigen US-Anleihe stieg gestern schon in Richtung der 3%-Marke (derzeit bei 2,9124%) und brach dabei die stark beachteten 50er und 100er DMAs (50 und 100 Tagesdurchschnitte). All das, wie auch bei deutschen Bundesanleihen, unter extrem hohem Volumen.

Wir stehen also möglicherweise vor einem schweren Gewitter an den Anleihemärkten – und dieses Gewitter droht dann auch die Aktienmärkte zu erfassen. Schlicht weil beide nur deshalb stiegen, weil die Notenbanken mit ihrer Geldpolitik dafür sorgten..

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Anleiherenditen: Deutlicher Move nach oben, aktuelle Emission gut überzeichnet

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Im August fanden die Renditen deutscher Staatsanleihen ihren Tiefpunkt. Die zehn Jahre laufenden Bundesanleihen notierten bei -0,71%, heute sind es -0,24%. Die zwei Jahre laufenden Bundesobligationen notierten im August im Tief bei -0,92, heute sind es -0,63%. Die beiden Charts zeigen die Verläufe der beiden Anleiherenditen in den letzten zwölf Monaten.

Anleiherendite 10 Jahre

Anleiherenditen 2 Jahre

Auch in den aktuellen Emission neuer Anleihen zweigt sich der Aufwärtsdrang bei den Anleiherenditen. Heute hat der Bund frische zwei Jahre laufende Bundesschatzanweisungen herausgegeben. Laut offiziellen Daten liegt die Emissionsrendite bei -0,62%. Noch vor vier Wochen bei der vorigen Emission lag die Rendite bei -0,70%.

Und aktuell bleibt die Nachfrage mehr als robust. Bei einem heutigen Angebot von 5 Milliarden Euro fragten die institutionellen Anleiheinvestoren 7,47 Milliarden Euro nach. Seit 1. November hat die EZB wieder begonnen für 20 Milliarden Euro pro Monat Staatsanleihen aus der Eurozone aufzukaufen. Das sollte vermehrt für Kaufdruck und fallende Renditen sorgen? Aber nein, seit Ende Oktober ist die zehnjährige Rendite von -0,41% auf jetzt wie gesagt -0,24% gefallen.

Bei -0,62% in der zweijährigen Laufzeit ist es für „normale Anleger“ auf institutioneller Basis lohnenswerter -0,50% Strafzins für Kontoguthaben bei der Bank abzudrücken, weil die ja den EZB-Strafzins an große Einleger in der Regel weiterleitet. Also kommen für den Überhang bei der heutigen Emission für zwei Jahre Laufzeit Anleger in Frage, die Kursspekulanten sind. Man kauft heute zum Kurs von 101,29% (Anleihekurse notieren in Prozentpunkten), und hofft auf einen Kursgewinn (fallende Rendite). Aber die Renditen steigen ja seit Wochen. Also? Hoffen die Zocker, dass sie am freien Anleihemarkt jetzt doch noch höhere Kurse bekommen, wenn die EZB als getriebener Käufer auftritt, der Monat für Monat Geld loswerden will/muss?

Wer kaufen muss, zahlt natürlich höhere Preise als nicht getriebene Spekulanten. Aber dann würden die Renditen an freien Markt fallen. Noch jedenfalls sieht es nicht nach fallenden Anleiherenditen aus. Grund dafür sind besser als erwartete Konjunkturdaten. Daher sinken die Erwartungen an weitere Zinssenkungen. Auch haben viele Anleiheinvestoren mit weiteren Senkungen gerechnet und waren Long in Anleihen, weil sie glaubten die Renditen würden weiter fallen. Aber damit wurden sie auf dem falschen Fuß erwischt.

By the way… auch heute macht der Bund mit dieser Emission mal wieder einen fetten Gewinn, ohne etwas tun zu müssen. Den Staatshaushalt sanieren auf Kosten der Sparer und Anleger, das geht, einfach so. Da ist es kein Kunststück als Finanzminister die „Schwarze Null“ zu halten. Alleine heute war es per sofort ein Gewinn von 52 Millionen Euro für den Bundeshaushalt.

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Irre oder normal? Anleihemarkt stuft Griechenland solventer ein als Italien

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Akropolis in Athen - Symbolbild für Griechenland

Wie bitte? Griechenland soll finanziell gesünder da stehen als Italien? Kann das sein? Die Rendite für Anleihen ist quasi der Gradmesser dafür, wie hoch alle Teilnehmer am Kapitalmarkt als große „Crowd“ die Wahrscheinlichkeit einschätzen, dass ein Land einen Zahlungsausfall hinlegt – also eine Staatspleite, durch welche die Rückzahlung von Anleihen entfällt. Je höher die Rendite, desto größer die Wahrscheinlichkeit für einen Zahlungsausfall. Denn es ist wie im normalen Leben. Risiko muss bezahlt werden. Soll ein Investor zum Beispiel griechische Anleihen kaufen, und ist der Meinung, dass das Risiko einer Staatspleite gerade steigt, dann wird er nur kaufen, wenn er dafür auch einen Risikoaufschlag erhält in Form einer höheren Rendite auf sein eingesetztes Kapital. Der Kurs der Anleihe fällt, die Rendite steigt.

Griechenland mit geringerer Rendite

Gestern lag die Rendite für griechische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit nur noch bei 1,18%. Gleichzeitig lag die Rendite für zehn Jahre laufende italienische Staatsanleihen bei 1,20%. Heute Vormittag lag Italien bei 1,30% und Griechenland bei 1,28%. Derzeit schwanken die Renditen hin und her, und Griechenland notiert etwas über Italien. Aber zeitweise stand Griechenland am Anleihemarkt also solventer da als Italien. Vereinfacht kann man derzeit von einem gleich hohen Niveau sprechen.

Der gigantische 86 Milliarden Euro Schuldenberg, mit dem Griechenland durch die Europartner gerettet wurde, ist nicht etwas abbezahlt worden. Nein, er ist noch da, die Staatsschulden Griechenlands sind dadurch noch weiter gestiegen. Es wird nur nicht darüber berichtet. Positiv für die Griechen ist wohl, dass man seit einiger Zeit zurück ist am freien Anleihemarkt, dass man seit geraumer Zeit keine Chaosmeldungen präsentiert, und dass es eine neue konservative Regierung gibt – die nach außen natürlich vertrauensbildender auf den Kapitalmarkt wirkt als die vorige linke Regierung Tsipras. Im folgenden Chart sieht man, wie die griechische Anleiherendite in den letzten vier Jahren dramatisch gesunken ist. Es geht also nicht nur um aktuelle Ereignisse, sondern offenbar um eine grundlegende Beruhigung in der Betrachtung der griechischen Solvenz. Keine schlechten Nachrichten mehr, Rettungsprogramm „erfolgreich verlassen“, also alles gut?

Italien

Und Italien? Die Rechtspopulisten sind zwar nicht mehr an der Regierung. Aber bei den Wahlumfragen dürfte es womöglich nur bis zur nächsten offiziellen Wahl dauern, bis sich das Chaos in der italienischen Politik wieder erhöht. Bankenkrise und die Rezession in der Industrie sind aktuelle Probleme, aber derzeit nicht wirklich im Fokus der Weltöffentlichkeit. Wie sieht denn der Vergleich zwischen den beiden Ländern aus? Wir schauen hier mal auf die Arbeitslosenquote (die offiziellen Quoten!), und auf die Staatsverschuldung. In Italien ist die Staatsverschuldung (folgende Grafik) auf zuletzt 134,8% in Relation zum BIP angestiegen. Bis kurz vor der Finanzkrise waren es 100%.


source: tradingeconomics.com

In Griechenland liegt die Schuldenquote derzeit bei 181,2%. Kurz vor der Finanzkrise lag man knapp über 100%, grob vergleichbar mit Italien. Also haben sich die griechischen Schulden in Relation zum BIP deutlich stärker entwickelt als in Italien. Trotzdem ist die Lage in Italien in Relation zu dem meisten anderen EU-Ländern dramatisch. Nur ist im Lauf der Jahre ein Gewöhnungseffekt eingetreten. Ist halt so, was sollen wir dagegen schon machen?


source: tradingeconomics.com

In Italien liegt die Arbeitslosenquote (die offizielle!) derzeit bei 9,7%. Vor der Finanzkrise waren es 6%, und auf dem Höhepunkt 2014 waren es 13%. Im Chart sieht man den Verlauf seit 80er-Jahren.


source: tradingeconomics.com

In Griechenland liegt die offizielle Arbeitslosenquote (folgender Chart seit den 90ern) derzeit bei 17,2%. Vor der Finanzkrise waren es unter 10%, und im Höhepunkt 2013 waren es sage und schreibe 27%. Eine Erholung ist eingetreten, zweifellos. Aber 17,2% Arbeitslosigkeit (real tatsächlich wohl weit über 20%?) ist immer noch extrem hoch! Auch die Schuldenquote ist dramatisch höher als in Italien. Bei einer erneuten echten Konjunkturkrise (läuft ja bereits an?) könnten beide Länder ins Straucheln geraten. Die Renditen könnten/sollten dann zügig steigen. Positiv ist zu vermerken: Die Europartner hatten alleine mit dem letzten Rettungspaket 86 Milliarden Euro nach Athen gepumpt. Bei erneuten Problemen wird man wohl kaum auf die buchhalterische Forderung verzichten wollen (Staatspleite abwenden), und dann erneut retten, mit frischen Euros?

Bei Italien würde man wohl einfach alle drei Augen zudrücken. Maastricht mal ein paar Jährchen komplett ausblenden, kräftiges Schuldenmachen zulassen, vielleicht noch mit irgendeiner Art Garantie aus Brüssel? Läuft schon irgendwie alles weiter. Der Kapitalmarkt ist ja bereits tiefenentspannt bei diesen winzigen Renditen. Positiv für Athen und negativ für Rom darf man auch noch folgenden Umstand werten. Der griechische Anleihemarkt ist in Relation betrachtet relativ klein, und ein bedeutender Teil der Schulden liegt in den Händen von Europartnern. Rom muss sich ohne Rettungsprogramme seit Jahren durchgehend am freien Anleihemarkt finanzieren… ach ja, wir vergaßen… die EZB als großer Aufkäufer war ja seit Jahren auch in Rom helfend zur Stelle (das darf man nicht Staatsfinanzierung nennen). Und ja, seit einer Woche hat die EZB ja ihr neues Anleihekaufprogramm gestartet. Wieder neue Nachfrage von diesem gigantisch großen Akteur sorgt natürlich auch für Abwärtsdruck bei den Renditen.


source: tradingeconomics.com

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Aktuell: US-Dollar steigt weiter, Euro und Goldpreis fallen

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US-Dollar Beispielbild Scheine

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist vorhin von 1,87% auf jetzt 1,90% weiter angestiegen. Einen Zusammenhang auch zum möglicherweise fallenden Goldpreis hatten wir vorhin schon thematisiert (siehe hier). Zinsanlagen werden attraktiver. Gleichzeitig steigen die Aktienkurse weiter. Der Dow ist seit heute früh um 250 Punkte gestiegen, und es geht momentan weiter nach oben. Der US-Dollar Index (Kursverlauf im folgenden Chart seit 28. Oktober) steigt seit zwei Stunden über seine letzten Hochpunkte von heute früh und vorgestern auf aktuell 97,91 Indexpunkte. Geht es nur ein Stück weiter nach oben, rauschen der Goldpreis und Euro vs US-Dollar jetzt womöglich weiter in den Keller.

US Dollar Index seit 28. Oktober

US-Dollar drückt gegen Goldpreis und Euro

Wie schon mal in dieser Woche geschehen, drückt der starke US-Dollar aktuell gegen Gold und Euro. Der Goldpreis rauscht aktuell unter seine wichtige Unterstützung bei 1.480 Dollar auf aktuell 1.474 Dollar. Noch ist es ein kleiner Absturz, aber charttechnisch wichtig! Euro vs Dollar fällt aktuell auch unter sein jüngstes Tief auf 1,1050. Es könnte nun weiter bergauf gegen für den US-Dollar, und weiter bergab für Gold und Euro! Grund: Sinkende Zinssenkungshoffnungen in den USA, gute Konjunktur, Hoffnung auf Entspannung im Handelskrieg. Aktien, Anleiherenditen und US-Dollar rauf – Goldpreis und Euro runter. Im Chart sieht man seit letztem Freitag den Goldpreis und Euro vs USD übereinander gelegt. Aktuell geht es bergab.

Goldpreis und Euro vs USD seit letztem Freitag

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