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Aktien

Darum fällt der Toshiba-Kurs immer weiter

Der Kurs der Toshiba-Aktie ist seit Montag Abend von 443 Yen auf heute 259 Yen brutal eingebrochen. Wie der erste Chart unten gut zeigt, war dies ein Krampf in drei Akten. Dienstag der Absturz, Mittwoch dann…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Der Kurs der Toshiba-Aktie ist seit Montag Abend von 443 Yen auf heute 259 Yen brutal eingebrochen. Wie der erste Chart unten gut zeigt, war dies ein Krampf in drei Akten. Dienstag der Absturz, Mittwoch dann war die Aktie vom Handel ausgesetzt (waagerechter Strich). Heute ging es dann weiter bergab. Bis dato Ein Verlust von sage und schreibe 41,5%.

Im Jahr 2006 kaufte Toshiba für 5,4 Milliarden Dollar die US-Firma Westinghouse. Seitdem ist man der große Player im Bau von Atomkraftwerken. Damit hat man sich aber, wie man aktuell sieht, ein riesiges Problem in die Bilanzen geholt. Zwar denkt man Atom ist wieder im Kommen, weil viele Staaten weg wollen von fossilen Brennstoffen, und oft lieber Atom nehmen statt Wind und Sonne (warum eigentlich???).

Auch wird aktuell offenbar, dass es wie auch bei Konkurrenten immense Probleme in den Planungen der aktuellen Atomkraftwerks-Projekte gibt. Ob sich da eine ganze Branche verschätzt hat bei den heutzutage immer höheren Sicherheitsanforderungen an Atomkraftwerke? (Fukushima lässt grüßen). So will zum Beispiel das WSJ von Gewerkschaftern erfahren haben, dass es bei US-Projekten von Westinghouse (also Toshiba) teilweise Probleme mit Gehaltszahlungen gibt.

Die Toshiba-Aktie stand bereits vor dem Desaster dieser Woche auf einer Beobachtungsliste der Tokyoter Börse, weil man bereits im November letzten Jahres auf das Atomgeschäft 1,3 Milliarden Dollar abschreiben musste. Die Firma gestand ein 7 Jahre lang Gewinne zu hoch ausgewiesen zu haben. Und als wäre das noch nicht genug, kommt diese Woche das Problem hinzu, dass das Firmen-Management verkündete man müsse wohl Beträge in noch unbekannter Höhe auf Westinghouse (also die Atom-Aktivitäten) abschreiben. Das mit der „unbekannten Höhe“ ist das Hauptproblem.

Toshiba selbst spricht von Summen im Bereich von mehreren hundert Milliarden Yen, was mehreren Milliarden Euro entspricht. Wie viel genau, ist nicht klar. Genaue Zahlen will an erst im Februar veröffentlichen. Genau diese Unsicherheit wird für die Börsianer zum Problem, denn die Börse hasst Unsicherheit, wenn es um Kosten und Abschreibungen geht. Klarheit muss her, und zwar schnell. So munkelt man in der Finanzszene bereits die Firma könnte aktuell Probleme haben sich frisches Geld bei Banken oder am Kapitalmarkt zu beschaffen.

Und mal ehrlich: Würden Sie als Investor die neu emittierte Anleihe eines Unternehmens kaufen, dass gerade erst angekündigt hat in zwei Monaten Abschreibungen in noch unbekannter Höhe durchzuführen? Auch die Ausgabe neuer Aktien dürfte bei einem aktuell derart eingebrochenen Aktienkurs sehr schwierig werden. Toshiba hat bereits seine Tochter Toshiba Medical Systems verkauft, und hat aktuell verkündet man wolle mit seinen Hausbanken sprechen bezüglich einer Unterstützung. Es ist die Unsicherheit über die Höhe der Abschreibungen, und die Unsicherheit, ob die Firma neues Kapital beschaffen kann, die den Aktienkurs auch heute weiter abstürzen lässt.

Der Atombereich macht 1/3 der Konzernumsätze aus. Problematisch bei den aktuellen Befürchtungen für die Februar-Abschreibung ist, das Toshiba´s Tochter Westinghouse wiederum im Januar 2016 eine Firma namens „CB&I Stone & Webster“ kaufte, die Atomkraftwerke baut und betreut. Es geht unter anderem darum, wie werthaltig dieser Zukauf überhaupt ist oder klarer formuliert, was der tatsächliche Firmenwert dieses Zukaufs ist. Fraglich, ob die Hausbanken von Toshiba jetzt Kreditlinien bewilligen, wenn man nicht weiß, welcher Abschreibungsberg im Februar auf einen zukommt.

toshiba
Der Toshiba-Kurs seit Ende letzter Woche.

toshiba-2
Der Toshiba-Kurs seit Anfang 2014.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Quintus

    29. Dezember 2016 14:56 at 14:56

    Hallo finanzmarktwelt
    Ich möchte euch ein großes Danke aussprechen für eure Infos UND eure Einschätzungen dazu. Erst mit diesen Hintergrundinformationen ist es möglich sich ein anständiges Bild von der wahren Situation zu machen.
    Bitte macht weiter so!
    Euch ein erfolgreiches und friedliches 2017
    Quintus

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      29. Dezember 2016 14:57 at 14:57

      @Quintus, vielen Dank für Ihre Worte! Auch Ihnen ein gutes neues Jahr 2017!

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Volkswagen hat vor wenigen Minuten per Ad Hoc-Meldung vorab Daten für das Gesamtjahr 2020 veröffentlicht. Trotz der beispiellosen andauernden Covid 19-Herausforderungen habe Volkswagen im 2. Halbjahr 2020 seine Robustheit bewiesen. Die Auslieferungen an Kunden des Volkswagen-Konzerns erholten sich im 4. Quartal weiter stark, überstiegen sogar die Auslieferungen des 3. Quartals 2020. Die Umsatzerlöse stiegen entsprechend ebenfalls erheblich. Auch der ausgewiesene Netto-Cash-flow im Automobilgeschäft entwickelte sich sehr positiv, so das Unternehmen in seiner Mitteilung.

Basierend auf vorläufigen Zahlen erwartet man für das Geschäftsjahr 2020 ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen (Dieselthematik) von rund 10 Milliarden Euro, dazu einen ausgewiesenen Netto-Cash-flow im Automobilgeschäft von rund 6 Milliarden Euro. Die gesamten finanziellen Kennzahlen für das Geschäftsjahr 2020 sowie der Ausblick wird Februar veröffentlicht. Die Volkswagen-Aktie reagiert positiv mit einem Kurssprung von 158,60 Euro heute Vormittag auf aktuell 169,28 Euro.

Interessant zum Thema Autohersteller ist folgende Grafik. Sie zeigt den gigantischen Börsenwert von Tesla (links) in Relation zu den anderen großen Autobauern, die natürlich weitaus größere Mengen produzieren. Tesla hat derzeit mehr Börsenwert als die folgenden acht größten Autobauer zusammen. Sind das noch gesunde Dimensionen bei Tesla? Da muss Elon Musk noch ganz schön viele Autos verkaufen, um mit realen Umsätzen zur Börsenbewertung aufzuschließen.

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Immer mehr zusätzliche Luft für die Aktienblase, Branchenrotation dank Biden

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Derzeit gibt es immer mehr zusätzliche Luft zum weiteren Aufblähen der globalen Aktienblase, so ein Experte im folgenden Gespräch mit Manuel Koch. Notenbanken und Stimulus-Maßnahmen würden die Blase weiter befeuern. Dabei würden sich die Börsenbewertungen immer mehr von der realwirtschaftlichen Wirklichkeit entfernen. Deswegen sollten die Anleger Bestände gegen Verluste absichern. Auch interessant sind die Aussagen über eine Branchenrotation bei US-Aktien. Dank des neuen US-Präsidenten Joe Biden würden Branchen wie Pharma und alternative Energien profitieren, dafür könnte zum Beispiel die Ölindustrie verlieren.

Im Video auch besprochen werden zwei Handelsideen der trading house-Börsenakademie. Bei Netflix könne man market kaufen, und bei Microsoft könne man über das Vehikel einer Stop-Buy-Order auf steigende Kurse setzen.

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