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Bären unter Druck Aktienmärkte unter Strom: Warum Short-Wetten so gefährlich sind

Aktienmärkte unter Strom: Warum Short-Wetten so gefährlich sind
Grafik: Frolopiaton-Palm-Freepik.com

Die Aktienmärkte stehen erneut unter Spannung: Während der S&P 500 nach einer Serie heftiger Kursausschläge zur Erholung ansetzt, geraten viele Shortseller in den USA zunehmend unter Druck. Trotz wachsender Unsicherheiten rund um Konjunktur, Zinsen und KI-Trends zeigen sich US-Aktien überraschend robust – und genau das macht Wetten gegen den Markt momentan so gefährlich wie selten zuvor.

Aktienmärkte: Shortseller unter Druck

Anleger, die in diesem Monat gegen US-Aktien wetten wollen, sollten laut Analysten der Research-Firma 22V die robuste US-Konjunktur und die ungebrochene Begeisterung für künstliche Intelligenz (KI) nicht unterschätzen. Beides dürfte entscheidend dazu beitragen, dass die Aktienmärkte weiter steigen.

Laut einem Bericht von Bloomberg argumentieren die Strategen von 22V, dass steigende Konsumausgaben und umfangreiche KI-Investitionen die Produktivität der Unternehmen erhöhen werden. Dadurch könnten die Firmen jene Gewinne liefern, die notwendig sind, um die US-Aktien weiter nach oben zu treiben.

Diese Einschätzung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktienmärkte in den vergangenen Wochen spürbar volatiler wurden. Investoren sorgten sich über die Folgen der Zölle auf die Wirtschaft sowie über die mögliche Reaktion der Geldpolitik – während die steigenden KI-Ausgaben zeitweise die Sorgen vor einer Blase schürten. Der S&P 500 fiel zwischenzeitlich um 5,1 % von seinem Rekordhoch im Oktober, bevor er sich in der Vorwoche wieder erholte – eine deutliche Warnung für Leerverkäufer.

Short zu sein bedeutet aktuell, sehr großes Vertrauen in ein deutlich schwächeres wirtschaftliches Umfeld zu haben oder in eine gravierende Änderung der Erwartungen an die KI-Investitionen“, erklärten die Strategen um Dennis Debusschere, Mitgründer und Chief Market Strategist bei 22V.

Aktienmärkte steigen nach Rücksetzer - Shortseller unter Druck
November-Kehrtwende | US-Aktienmärkte erholten sich von ihrem Rückgang um 5 %

Shortseller in US-Aktien verzeichneten in der letzten Novemberwoche mark-to-market-Verluste von rund 80 Milliarden Dollar – etwa 4,8 % – womit nahezu alle zuvor im Monat erzielten Gewinne ausgelöscht wurden, so Daten von S3 Partners LLC. „Short-Positionen wurden im November regelrecht hin- und hergerissen und gaben in der letzten Woche nahezu sämtliche Gewinne der ersten drei Wochen wieder ab“, sagte Ihor Dusaniwsky, Managing Director für Predictive Analytics bei S3 Partners.

Hedgefonds lösen Shortpositionen auf

Zuletzt deckten Hedgefonds ihre Short-Positionen in US-Aktienindizes und ETFs so stark ein wie seit fünf Monaten nicht mehr, wie Daten der Prime-Brokerage von Goldman Sachs zeigen.

Trotz wachsender Schwankungen an den Aktienmärkten nach der stärksten Sechsmonatsrally seit den 1950er-Jahren sprechen die Fundamentaldaten klar gegen die Skeptiker. Strategas Asset Management erwartet in den kommenden zwölf Monaten ein Gewinnwachstum von 12,5 %. Und trotz eines Rückgangs im Verbrauchervertrauen stiegen die Black-Friday-Umsätze laut Mastercard SpendingPulse im Jahresvergleich um 4,1 % – ein Indiz für einen weiterhin robusten US-Konsumenten, selbst angesichts eines sich abschwächenden Arbeitsmarkts und anhaltender Inflationssorgen.

Die US-Notenbank Fed dürfte auf ihrer Sitzung in der kommenden Woche die Zinsen senken, was die wirtschaftliche Aktivität zusätzlich anheizen dürfte. Bei 22V hat ein quantitativer Modellindikator bereits auf eine „Alles-Rally“ umgeschaltet.

S&P 500 auf Erholungskurs - US-Aktien trotzen allen Risiken

Der S&P 500 fiel am Montag um 0,5 %, nachdem er in der verkürzten Feiertagswoche um 3,7 % gestiegen war und damit doch noch ein November-Plus erzielte. Dennoch griffen institutionelle und private Anleger seit April bei nahezu jedem Kursrückgang beherzt zu – unabhängig von der Makrolage.

„Aktien derzeit zu shorten ist außergewöhnlich schwierig, weil jede Schwäche reflexartig gekauft wird“, sagte Dave Mazza, CEO von Roundhill Investments. „Der November hat sich von einem der schwächsten Monate seit Jahrzehnten doch noch zu einem positiven Monat verwandelt – und eine solche heftige Umkehr zwingt Shortseller zum Eindecken.“

Spektakuläre Kursbewegungen

Wie gefährlich die Lage für Bären ist, zeigte sich am Montag erneut: Die Aktie von Beyond Meat schoss ohne ersichtliche Neuigkeiten um fast 37 % nach oben. Das Papier war 2021 noch über 190 Dollar wert, stürzte bis Mitte Oktober auf 0,52 Dollar ab – und verzeichnete anschließend innerhalb von drei Tagen eine Versiebenfachung, bevor es erneut einbrach. „Die Kosten, eine bärische Position zu halten, steigen rasch“, erklärte Mazza im Hinblick auf Beyond Meat.

Zudem treten die Anleger nun in eine saisonal starke Phase des Jahres für die Aktienmärkte ein. Historisch legte der S&P 500 im Dezember durchschnittlich um 1,4 % zu und beendete den Monat in 73 % der Fälle im Plus – der höchste Wert aller Monate, wie Daten von LPL Financial zeigen. Die Aufwärtsbewegung setzt üblicherweise in der zweiten Monatshälfte ein und gewinnt ab dem elften Handelstag an Dynamik.

FMW/Bloomberg



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