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Marktrotation in KI und Bonds Darum kauft Wall Street nach US-Iran-Deal KI-Aktien & Anleihen

Wall Street kauft KI-Aktien und Staatsanleihen
New York Stock Exchange. Foto: Bloomberg

Großinvestoren an der Wall Street setzen auf Staatsanleihen und KI-Aktien, nachdem geopolitische Risiken rund um den Iran-Krieg nachlassen und ein Waffenstillstand zwischen den USA und Iran für Entspannung sorgt. Institutionelle Investoren reagieren auf sinkende Ölpreise und eine veränderte Zinserwartung. Große Häuser wie Schroders, Franklin Templeton und JPMorgan positionieren sich neu. Die mögliche Folge: eine Marktrotation zurück in Anleihen und wachstumsstarke Technologieaktien.

Wall Street rotiert in KI-Aktien und Anleihen

Nach der Einigung zwischen den USA und Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe setzt an den Finanzmärkten eine Rotation ein. Laut einem Bericht von Bloomberg kaufen einige der weltweit größten Investmentgesellschaften verstärkt Staatsanleihen und KI-Aktien, während sie zugleich den US-Dollar verkaufen. Hintergrund ist die Einschätzung, dass die durch den Krieg ausgelöste Unsicherheit ihren Höhepunkt überschritten hat.

Kellie Wood von Schroders Plc investierte nach der Meldung einer Einigung in kurzfristige Anleihen, darunter US-Staatsanleihen. Auch Jupiter Asset Management erwägt diesen Schritt und plant zusätzlich, Dollarpositionen abzubauen. Andrew Canobi von Franklin Templeton prognostiziert eine Rally bei 10-jährigen US-Staatsanleihen. Allspring Global Investments setzt derweil auf Technologie- und Verteidigungsaktien, die weniger anfällig für Energieschocks sind.

Diese Bewegungen deuten auf eine vorsichtige Zuversicht hin, dass der durch den Iran-Krieg ausgelöste Ausverkauf vor sechs Wochen seinen Tiefpunkt erreicht haben könnte. Sinkende Ölpreise nach der Verkündung der Waffenruhe haben Erwartungen gestärkt, dass sich die US-Notenbank Fed wieder stärker auf Zinssenkungen fokussieren könnte. Gleichzeitig sorgt die Aussicht auf eine schrittweise Rückkehr der Ölversorgung für Auftrieb an den Aktienmärkten, insbesondere in der Asien-Pazifik-Region.

Wood erklärte, sie habe den gesamten Vormittag mit dem Kauf von Anleihen verbracht. Ihr Fokus lag dabei auf Märkten, die während der Krise besonders stark unter Druck geraten waren, darunter die Europäische Union und das Vereinigte Königreich. Zusätzlich baute sie Positionen in kurzfristigen US-Staatsanleihen auf.

Anleihen und KI-Aktien legen nach Ankündigung einer zweiwöchigen Waffenruhe zu
Anleihen legen nach Ankündigung einer zweiwöchigen Waffenruhe zu

Anleihemärkte und Währungen reagieren

US-Staatsanleihen legten nach den Nachrichten zu. Die Rendite zweijähriger Papiere fiel um bis zu acht Basispunkte, während die Rendite zehnjähriger Anleihen um fünf Basispunkte auf 4,23 % sank. Gleichzeitig werteten wichtige Währungen gegenüber dem US-Dollar auf, der während des Konflikts als sicherer Hafen gedient hatte. Auch Gold konnte zulegen.

Franklin Templeton sieht weiterhin Potenzial bei US-Staatsanleihen und erwartet, dass sich die Märkte von den inflationsgetriebenen Rückgängen im März erholen. Laut Canobi könnten die Renditen zehnjähriger US-Anleihen in Richtung niedriger 4 % tendieren.

Dennoch bleibt die Skepsis unter vielen Marktteilnehmern bestehen. Der zweiwöchige Waffenstillstand enthält bislang nur wenige Details, was Zweifel aufkommen lässt, ob es sich um einen echten Schritt in Richtung Frieden oder lediglich um eine temporäre Pause handelt.

Sollte es tatsächlich zu einem dauerhaften Friedensabkommen kommen, könnte dies laut JPMorgan eine Umkehr der bisherigen Hedgefonds-Strategien auslösen. Diese hatten zuletzt sowohl Long-Positionen reduziert als auch Short-Positionen geschlossen – ein Prozess, der als „systematisches De-Grossing“ bezeichnet wird. Die Positionierung bleibt nach wie vor vergleichsweise gering.

Selektive Chancen in volatilen Märkten

Auch auf der Käuferseite zeigt sich ein ähnliches Bild. Gary Tan von Allspring nutzt die Volatilität gezielt, um die Qualität des Portfolios zu verbessern und es widerstandsfähiger gegenüber strukturell höheren Energiepreisen zu machen.

Konkret bedeutet das eine selektive Aufstockung in Schlüsselthemen wie künstlicher Intelligenz, Verteidigung und Unternehmen mit verbesserter Corporate Governance. Vor allem KI-Aktien profitieren von der heutigen Erholungsrally an den Aktienmärkten.

Wall Street setzt auf Staatsanleihen und KI-Aktien nach Iran-Waffenruhe
Märkte in Asien mit hoher Chipaktien-Gewichtung auf dem Weg zu den vorherigen Höchstständen

Mark Nash von Jupiter Asset Management prüft ebenfalls Käufe kurzfristiger US-Staatsanleihen sowie den Abbau von Dollarpositionen. Trotz positiver Signale durch den Waffenstillstand warnt er jedoch, dass weiterhin Risiken bestehen und ein endgültiges Abkommen nicht garantiert ist.

Andere Wall-Street-Investoren verweisen darauf, dass China sich während der jüngsten Marktturbulenzen als vergleichsweise stabil erwiesen hat. Hikaru Tanaka von Asset Management One sieht daher weiterhin Chancen in chinesischen Anleihen.

Gleichzeitig betont er, dass das Unternehmen seine Marktpositionen insgesamt deutlich reduziert habe und nun flexibel agiere. Ziel sei es, nicht dem Markt hinterherzulaufen, sondern kontrolliert durch die aktuelle Phase zu navigieren.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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