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Warum Europas Banken vor dem Brexit zittern

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Bislang deht sich die Diskussion über die Folgen eines möglichen Brexit vorwiegend um die Folgen für UK – kaum aber jemand spricht über die Folgen für die EU. Was zum Beispiel würde ein Brexit für Europas Banken bedeuten?

Mit einem Wort: ein Problem. Denn Europas Banken haben sich Anleihen zugelegt, ABS-Papiere (asset backed securities), die etwa mit britischen Hypothekenkrediten besichert sind, oder mit Kreditkartenschulden oder einfachen Bank-Krediten. In der Summe haben EUropas Banken 108 Milliarden Euro von diesen britischen ABS-Papieren in ihren Büchern. So weit, so erst einmal kein Problem. Oder doch?

Denn da gibt es ein klitzekleines Problem bei der Sache. Denn die Vorschriften des Basel-Abkommens für Banken sehen vor, dass die Geldinstitute bestimmte Mindeststandards erfüllen müssen. Eine Teil dieser Vorschrift, der hier relevant wird, ist die „Liquidity Coverage Ratio“, die den Banken vorschreibt, eine bestimmte Menge an liquiden Asstes zu halten, die schnell zu Cash gemacht werden können (auch in turbulenten Marktsituationen). Nun hat die Europäische Kommision zur dieser „Liquidity Coverage Ratio“ noch den sogenannten „Delegated Act“ hinzugefügt, der besagt, dass diese Assets (also die ABS-Papiere) von einem Mitgliedsstaat der EU emittiert sein müssen, um unter die „Liquidity Coverage Ratio“ fallen zu können.

Kommt der Brexit, würde diese Asstes dann nicht mehr Bestandteil der „Liquidity Coverage Ratio“ in den Bilanzen der europäischen Banken sein. Die Folge: Banken müssten dieses Herausfallen durch andere Assetss kompensieren, um die erforderliche Quote zu erfüllen. Und sie müssten die britischen ABS-Papiere wohl abstoßen, um eben die erforderliche Liquidität für ihre Ersetzung zu haben.

Nun ist der Markt für ABS-Papiere seit der Fiananzkrise ziemlich eingebrochen, weil eben diese ABS-Papiere (teilweise sehr zu Unrecht) für eine wichtige Mitursache der Finankrise gehalten wurden. Der Markt wird also immer kleiner, er umfaßt derzeit nur noch 368 Milliarden Euro, alleine in den letzten beiden Jahren schrumpfte dieser Bereich um gut ein Viertel. Das bedeutet: viele Verkäufer würden ziemlich gleichzeitig auf einem ohnehin schrumpfenden und damit tendenziell illiquideren Markt aktiv werden. Die Folge kann man sich ausmalen: die Preise für diese ABS-Papire würden kollabieren, den europäischen Banken entstünden herbe Verluste.

Das alles zeigt: es ist nun an der Zeit, den Blick auf mögliche Folgen des Brexit auszuweiten und nicht nur auf UK zu verengen. Da die Dinge alle miteinander vernetzt sind, würde ein Brexit auch in der EU heftige ökonomische Turbulenzen auslösen – von der politische Unsicherheit, die dadurch entstünde, einmal ganz abgesehen..

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Robert1402

    8. April 2016 10:53 at 10:53

    Interessanter Artikel!
    Nur ich frag mich immer bei der ganzen Brexit Geschichte wie hoch die Chance ist, das die Engländer wirklich raus gehen wenn es doch so eine negative Auswirkung hat ?!

    • Avatar

      joah

      8. April 2016 14:49 at 14:49

      mMn: Es scheint mehr Schaden auf der Gegenseite (EU und Abhängige) zu verursachen. Insofern sollte das Ihre Frage beantworten.

  2. Avatar

    gerd

    8. April 2016 14:45 at 14:45

    „….besagt, dass diese Assets (also die ABS-Papiere) von einem Mitgliedsstaat der EU emittiert sein müssen, um unter die „Liquidity Coverage Ratio“ fallen zu können.“

    Streng genommen s i n d diese Papiere ja von einem Mitliedsstaat emittiert w o r d e n . Demnach könnten nache einem Brexit lediglich keine Neuen ins Depot gepackt werden.
    Strenger wäre diese Vorschrift auzulegen, wenn es denn ungefähr so hieße: „Schuldner dieser ABS-Papiere muss ein Mitgliedsstaat der EU sein“. Das würde dann die gesamte Dauer der Laufzeit umfassen.

    Wäre doch ein Rettungsanker, oder?

    • Avatar

      joah

      8. April 2016 14:51 at 14:51

      Die Formulierung klingt weniger nach Bestandsschutz, sondern nach direkter Bedingung.

  3. Avatar

    Einzahler

    8. April 2016 16:58 at 16:58

    Mein Mitleid mit den Banken hält sich in Grenzen ;-)

  4. Avatar

    Freiberufler

    9. April 2016 10:42 at 10:42

    Im Zweifel saugt Mario Draghi die ABS mit der großen Geldspritze ab und gut ist…

    • Avatar

      joah

      9. April 2016 14:23 at 14:23

      Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – gut wäre daran gar nichts. Voraus- und analytisch Denken ist anscheindend nicht jedermanns Sache.

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Seit dem 09.November – der Meldung von BioNTech/Pfizer – haben die Aktienmärkte einen Paradigmenwechsel vollzogen: Man kauft die „Corona-Verlierer“. Für Andreas Beck bedeutet das: die Aktienmärkte blicken schon auf die Zeit nach der Coronakrise (auch die Rohstoff-Märkte, siehe etwa die Rally bei Kupfer, das für die Industrie sehr wichtig ist). Man preist also eine vollständige Erholung der Wirtschaft ein, eben weil die Coronakrise vorbei doch vorbei sei. Der Wirtschaft sei der zweite Lockdown faktisch „egal“ – sie habe sich an die neuen Umstände angepaßt.

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Eines ist für Andreas Beck klar: die Schulden der Staaten werden niemals zurück gezahlt werden können – daher weredn sich die Staaten am Privatvermögen sener Bürger bedienen (müssen). Auch klar für Beck ist weiterhin: die demokratischen Länder werden sich die Dominanz der US-Tech-Unternehmen nicht mehr lange gefallen lassen. Er geht daher davon aus, dass in diesem Jahrzehnt daher dann „value“ besser laufen sollte als „growth“ und erklärt, wie er selbst investiert ist:

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