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Das Dilemma der Fracking-Industrie

Von Markus Fugmann

Whiting Petroleum Corp., der größte Ölproduzent im riesigen Bakken-Shale hat es versucht – und ist gescheitert. Whiting Petrolium hatte versucht, einen Käufer zu finden, doch scheint niemand ins fallende Messer greifen zu wollen. Nachdem kein Käufer bereit war, das Unternehmen zu übernehmen, ist wieder Ernüchterung eingekehrt in der amerikanischen Shale-Industrie.

Denn ein „Deal“ hätte der Auftakt sein können für eine Änderung der Energie-Branche in den USA, es hätte ein Startsignal für weitere Übernahmen bedeutet. So aber hat sich Whiting Petroleum Corp. entschlossen, lieber eigene Aktien zu verkaufen und neues, allerdings teureres Geld aufzunehmen, um die Liquiditätsprobleme zu überbrücken.

Die durch hohe Verschuldung und den tiefen Ölpreis unter Druck stehende Shale-Branche scheint nun den Vorbild von Whiting Petroleum Corp. zu folgen: mögliche Eigen-Verkäufe an Investoren werden abgeblasen, neue Schulden aufgenommen, wer kann verkauft eigene Aktien. Denn das bringt noch erstaunlich viel Geld: während der Ölpreis seit Dezember 2014 um 15% gefallen ist, sind die Aktien der Shale-Industrie seit diesem Zeitraum durchschnittlich nur um 7% gefallen. Mithin besteht also das Risiko für potentielle Interessenten, dass bei einem weiter fallenden Ölpreis auch die Aktien der Shale-Industrie nachzieehen und dynamisch an Wert verlieren – man könnte also, so die Logik, vermutlich später deutlich günstiger einkaufen.

Die Folge: das Volumen von Übernahme-Deals in der Branche ist mit 1,9 Milliarden Dollar seit Jahresbeginn mehr als bescheiden. Zum Vergleich: im Quartal 2014 waren es mit knapp 28 Milliarden 14-mal so viel. Das dürfte sich erst ändern, wenn der Ölpreis (WTI) wieder deutlich über die 60er-Marke geht – was sich derzeit nicht unbedingt abzeichnet.

Von den großen Kandidaten für Übernahmen sieht derzeit nur Carlyle Group LP einen guten Einstiegszeitpunkt. Die Private Equity-Firma hat kürzlich 2,5 Milliarden bei Investoren eingesammelt, um in die Ölbranche zu investieren. Wieviel davon allerdings bei der Shale-Industrie in den USA hängen bleibt, ist noch unklar – bislang hat Carlyle nur ein Unternehmen in Afrika sowie eine Raffinerie gekauft. Und so wird bald – sollte der Ölpreis nicht steigen – die Luft für die „Fracker“ immer dünner..



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