Devisen

Das Ende der Haftungsunion in der Eurozone?

Wenn sich bewahrheitet, was der „Spiegel“ und die „FAZ am Sonntag“ berichten, könnten wir schon am Donnerstag das Ende der Haftungsunion in der Eurozone erleben. Laut den Berichten des „Spiegel“ und der „FAZ am Sonntag“ wird nicht die EZB, sondern die einzelnen Notenbanken der Eurozone die Staatsanleihen ihrer jeweiligen Länder kaufen – und wohl nur zur Hälfte dafür haften. Das aber wäre faktisch das Ende der Haftungsunion und eher ein Schritt zur Desintegration statt zur Intergration der Eurozone.

Die Käufe dürften nach dem sogenannten Kapitalschlüssel der EZB erfolgen: 18% des Volumens wären demnach deutsche Staatsanleihen, 14% französische, 12% italienische und 9% spanische. Alle anderen Ländern erreichen weniger als 5%, acht weitere Länder nicht einmal 1% der Gesamtsumme. Girechenland ist jedoch nicht dabei, da die Anleihen des Landes nicht das dafür notwendige Rating besitzen.

Nach wie vor ist das Gesamtvolumen der Käufe völlig unklar, nach der SNB-Entscheidung (Aufhebung des Mindestkurses Euro-Franken bei 1,20) gehen die Märkte jedoch fest davon aus, dass das Volumen sehr gross sein müsse. Die Konsenserwartung hat sich von 500 Milliarden auf nun 650 Milliarden nach oben geschraubt, alles darunter wäre ein herbe Enttäuschung. Das Wunschszenario: die Staatsnaleihekäufe wären unbegrenzt und ohne zeitliche Einschränkung – das ist aber unwahrscheinlich.

Inzwischen hat Regierungssprecher Seibert bestätigt, dass das Treffen Merkel/Schäuble mit Draghi am 14.Januar stattgefunden hat – ohne jedoch inhaltlich die Berichte des „Spiegel“ darüber zu kommentieren. Ist es so, wie es der „Spiegel“ kolportiert, wäre die Aufhebung der gemeinschaftlichen Haftungsrisiken – aus Rücksicht auf die Bedenken Deutschlands – vermutlich der erste Schritt zum Auseinanderbrechen der Eurozone. Denn die Glaubwürdigkeit des Euro war in hohem Maße davon abhängig, dass gut dastehende Nationen wie Deutschland faktich für andere bürgen. Ohne diese Bürgschaft hat dann wohl auch der Euro kaum mehr eine längerfristige Zukunft.



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