Devisen

Das Euro-Paradox und der Dax

Von Markus Fugmann

Es herrschte gestern fast Panik an den Märkten – die Renditen für griechische Staatsanleihen schossen nach oben, der „sichere Hafen“ deutsche Staatsanleihen wurde gesucht, während die Risikoprämien für Staatsanleihen der Euro-Peripherie so stark stiegen wie lange nicht mehr. Faktisch hat der Markt also begonnen, Risiken einzupreisen, die er lange und erfolgreich verdrängt hatte.

Normalerweise müßte der Euro in einem solchen Umfeld fallen. Aber das Gegenteil war der Fall – er schoss auf 1,0820 in der Spitze, auch heute handelt die Gemeinschaftswährung im Umfeld der 1,08er-Marke:

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Weil an den Märkten jedoch weniger wirtschaftlich Logik, als vielmehr bestehende Positionierungen entscheidend sind, passiert genau das Gegenteil: der Euro ist die Carry-Trade-Währung schlechthin geworden, sodass diese Carry-Trader faktisch short im Euro sind (sie haben sich Euros geliehen und dafür Anleihen, Aktien oder andere Währungen gekauft). Dementsprechend brauchen diese Carry-Trades ein Risiko-williges Marktumfeld. Herrscht Angst am Markt, werden einige der Carry-Trades (also der Euro-Short-Positionen) wieder rück-abgewickelt. Aktienmärkte wied er Dax kommen darauf hin unter Druck.

Ohnehin wäre eine rapide Aufwertung des Euro für die Märkte das worst-case-Szenario (siehe dazu unseren Artikel „Der Euro ist der neue Dollar“). Dementsprechend – und das ist eine überraschende Erkenntnis – wäre eines der größten Risiken für die Märkte, wenn die Fed die Zinsen nicht anhebt – denn dann würde der Euro, der neben dem QE der EZB vor allem unter der Erwartung leidet, dass der Dollar durch Zinsanhebungen der Fed aufwertet, seinerseits stark nach oben schießen. Und das bedeutet für die (Aktien-)Märkte, vor allem für den Dax: hebt die Fed die Zinsen an, ist das nicht gut, hebt sie die Zinsen nicht an, ist es noch schlechter. Man kann hier von einer „loose-loose-Situation“ sprechen. Vielleicht haben wir gestern bereits den Anfang dieser ausweglosen Situation für den Dax erlebt..



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