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Das G20-Treffen aus einem etwas anderen Blickwinkel!

Warum hat der US-Präsident seine wirtschaftliche Überlegenheit nicht genutzt?

Eine Kolumne von Wolfgang Müller

Vor dem G 20-Gipfel war es irgendwie zu spüren, der US-Präsident klang ungewohnt unsicher:

Eine Einigung sei greifbar, „aber er wisse nicht, ob er das tun wolle!“

Aber anscheinend hat sich Trump dem Votum der Gemäßigten, Steven Mnuchin und Larry Kudlow, gebeugt, trotz der Anwesenheit des Hardliners Navarro. Das Ergebnis des Post-G20-Treffens beim Abendessen ist der erwartete Waffenstillstand mit China über 90 Tage, aber warum hat der US-Präsident seine wirtschaftliche Überlegenheit nicht genutzt?

Tatsächlich hatten die Befürworter einer Deeskalation Argumente, die auch dem US-Präsidenten eingeleuchtet haben könnten. Klar leidet die chinesische Wirtschaft unter dem Handelskonflikt bislang stärker als die der USA. Die amerikanischen Unternehmen und Landwirte bekommen aber auch die Folgen zu spüren. Fallende Preise für Sojabohnen, Mais, Milch und Rindfleisch haben viele Bauern im Mittleren Westen an den Rand des oder bereits in den Ruin getrieben. Auch die Schwierigkeiten des Automobilherstellers General Motors, der angekündigt hat, sieben Fabriken zu schließen, sind mit auf Trumps Stahlzölle zurückzuführen.

Wie ich bereits mehrfach geschrieben habe, sind die heftigen Ausschläge an den US-Börsen ursächlich im Zusammenhang mit Äußerungen zur Verschärfung im Zollstreit zu sehen.

Es gibt in den USA eine Lobbygruppe der milliardenschweren Koch-Brüder, denen viele Republikaner ihre Wahlkampf-Finanzierung zu verdanken haben. Diese hat eine Studie vorgelegt, wonach Trumps Handelskriege im nächsten Jahr jeden US-Haushalt deutlich über 2000 Dollar kosten dürften, angesichts höherer Preise für die Konsumenten, niedrigerer Löhne und gesunkener Erträge aus Investments.

Ich wiederhole daher auch mein Statement zur derzeit wichtigsten Triebfeder Trumpschen Handelns:

Er will 2020 wiedergewählt werden, dafür wird er viele Kröten schlucken, auch von den Chinesen.

Wenn aber die Konjunktur ins Abseits gerät, würde das Trumps Wiederwahl gefährden. Seine Wähler mit einer weiteren Steuerreform oder neuen Ausgabenprogrammen bei „der Stange zu halten“, dürfte ihm angesichts der neuen Kongressmehrheiten nicht gelingen. Es ist eine Irrglaube, dass es noch lange hin ist, bis zur nächsten Wahlschlacht. Konjunkturelle Einbrüche treffen den Arbeitsmarkt relativ spät, als so genannter „lagging indicator“ (nachlaufend), also möglicherweise mitten im Wahlkampf. Arbeitsplätze sind aber das wichtigste Wahlversprechen Trumps („Ich werde Arbeitsplätze in den USA schaffen, wie kein Präsident je vor mir!“) und das ist, neben den Aktienkursen an der Wall Street, Trumps zweite Achillesferse.

Deshalb ist die Trumpsche Kompromissbereitschaft gegenüber China nicht aus besserer Einsicht entstanden, sondern nach meiner Meinung aus frühen taktischen Überlegungen. Ohne Kompromiss hätte der Bärenmarkt in vielen Ländern wieder an Fahrt gewonnen.

Dennoch: Die Fiskalpolitik der US-Regierung mit der gigantischen Steuerreform steht im krassen Widerspruch zu einer kohärenten Geldpolitik. Der Wirtschaftszyklus wird zu einem „Bust“ führen, die Frage ist nur, wie lange Trump die Bereinigung hinauszögern kann. Deshalb mache ich mir als künftiger Bär auch so viele „Anhänger“ im Lager der aktuellen Bären – vor allem mit meiner schon seit Monaten immer wiederholten Warnung nicht zu früh auf das Ende der US-Hausse zu setzen.


By G20 Argentina – https://www.flickr.com/photos/g20argentina/46068032062/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=74768348



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