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Das gestrige Fed-Protokoll ignoriert die China-Krise komplett

Von Claudio Kummerfeld

Gestern Abend wurde das Sitzungsprotokoll der US-Notenbank „Federal Reserve“ (Fed) veröffentlicht. Es gab einen Einblick in die aktuelle Denkweise des „Federal Open Market Committee“ (FOMC), das alle wichtigen Entscheidungen bei der Fed trifft.
Fed FOMC Meeting
Eine Sitzung des FOMC der Federal Reserve. Zinserhöhung im September?
Foto: NilsTycho / Wikipedia / Public Domain

Entscheidend ist die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage in den USA durch die FOMC-Mitglieder, denn anhand von Indikatoren wie Arbeitslosenquote, Einzelhandelsumsätzen, Verbrauchervertrauen, Hausverkäufe und Inflation wird entschieden, ob die Wirtschaft in den USA nachhaltig genug angesprungen ist um die Zinsen wieder anheben zu können. Denn läuft die Wirtschaft zu gut und die Zinsen bleiben zu lange niedrig, entsteht reale Inflationsgefahr (über 2% Inflation gilt als ungesund).

Arbeitsmarkt

Der US-Arbeitsmarkt entwickelt sich laut Fed sehr erfreulich und die Arbeitslosenquote sei auf einem sehr guten niedrigen Niveau bei 5,3% (dass sie völlig konstruiert und optisch niedrig gehalten wird, geschenkt). Zitat aus dem gestrigen Fed-Protokoll:

„The labor market continued to improve, with solid job gains and declining unemployment. On balance, a range of labor market indicators suggests that underutilization of labor resources has diminished since early this year.“

Also, in den Augen der Fed alles tippi toppi am US-Arbeitsmarkt!

Inflation Richtung 2%

Die Fed ist der Auffassung, dass die Inflation sich bedächtig, aber zielgerichtet auf die 2%-Marke zubewegt, also genau das, was man haben will – eine kleine, aber spürbare Preissteigerung, die man im Griff hat. 2% soll sie nicht überschreiten, dort will man sie stoppen. Hierzu folgendes Zitat aus dem Fed-Protokoll von gestern Abend:

„… but the Committee expects inflation to rise gradually toward 2 percent over the medium term as the labor market improves further and the transitory effects of earlier declines in energy and import prices dissipate.“

Fazit: Fed wird im September wohl die Zinsen erhöhen

Arbeitsmarkt und Inflation, das waren laut dem gestrigen Fed-Protokoll die beiden Hauptpunkte, die die FOMC-Mitglieder interessiert haben. Es sieht wohl doch so aus, dass die Fed bei ihrer nächsten Sitzung Mitte September die Zinsen wie geplant anheben wird, wenn sich die Konjunkturdaten in den nächsten 6 Wochen nicht weiter verschlechtern. Was aktuell in China passiert, spiegelt sich ja derzeit noch nicht in den Konjunkturdaten wieder. „Was man nicht auf dem Tisch vor sich als Zahl auf einem Blatt Papier sieht, existiert auch nicht als Problem“, könnte das Motto lauten. Aber vermutlich wird es am 16./17. September erst mal diese eine symbolische Mini-Zinsanhebung geben, als Signal für die Märkte, dass das Paradies ewig währender Nullzinsen vorbei ist. Weh tun wird es niemandem so wirklich, wenn die Fed den Leitzins wahrscheinlich um 0,1% anhebt. Aber das Signal ist wichtiger. Die große Zinswende hat begonnen. Mal sehen, ob die Zinswende sich nachhaltig fortsetzt, wenn für das 3. und das 4. Quartal China voll in die US-Konjunktur einschlägt.

US-Aktien reagierten gestern Abend in den letzten beiden Handelsstunden von 20-22 Uhr MEZ positiv mit einem Plus von 55 Punkten im Dow Jones-Index. Man war erst mal froh, dass nicht jetzt schon überraschend die Zinsen erhöht wurden. Der Markt scheint die Mini-Zinsanhebung im September endgültig eingepreist und verdaut zu haben. Der Schock wird sich dann in Grenzen halten, wenn die Fed Funds-Rate (Leitzins) um 0,1% steigt.



Hier der gesamte Originaltext des Fed-Protokolls von gestern Abend.



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