Folgen Sie uns

Allgemein

Das große Paradoxon am deutschen Arbeitsmarkt

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Die Zahl unbesetzter Lehrstellen in Deutschland steigt aktuell auf ein 20 Jahres-Hoch. Die Zahl unbesetzter Arbeitsstellen steigt ganz aktuell laut Bundesagentur für Arbeit auf den Rekordwert von 640.131 Stellen. Gleichzeitig haben wir offiziell 2,74 Mio Arbeitslose (tatsächlich 3,5 Mio). Wenn der deutsche Staat dieses „Gap“ nicht schließen kann, wie will er es dann überhaupt schaffen Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt vermitteln? Ein Überblick…

Offene Stellen
Bei der Bundesagentur von Arbeitgebern gemeldete Stellen, die nicht besetzt werden. Jetzt ein neuer Rekord bei 640.131. Grafik: Bundesagentur für Arbeit

Wir zitieren aus dem jüngst veröffentlichten Berufsbildungsbericht der Bundesregierung:

„Die Zahl der unbesetzten Berufsausbildungsstellen ist 2015 erneut gestiegen. Zum Ende des Ausbildungsjahres 2014/2015 registrierte die Bundesagentur für Arbeit (BA) noch 40.960 unbesetzte Berufsausbildungsstellen, 3.859 (+10,4 %) mehr als im Vorjahr. Seit 2009 hat die Zahl der gemeldeten unbesetzten Berufsausbildungsstellen erheblich zugenommen (2009: 17.255; 2010: 19.605; 2011: 29.689; 2012: 33.274; 2013: 33.738; 2014: 37.101; 2015: 40.960). Zuwächse bei den unbesetzten Berufsausbildungsstellen verzeichneten sowohl Westdeutschland als auch Ostdeutschland (vergleiche Tabelle 1). In Westdeutschland stieg die Zahl der unbesetzten Berufsausbildungsstellen auf 33.411 (+3.050 bzw. +10,0 % verglichen mit 2014, +18.930 bzw. +130,7% verglichen mit 2009). Ostdeutschland verzeichnete einen Anstieg auf 7.482 (+825 bzw. +12,4 % verglichen mit 2014, +4.838 bzw. +183,0 % verglichen mit 2009). Die Ergebnisse zeigen, dass es für viele Betriebe zunehmend schwieriger wird, ihre angebotenen Ausbildungsstellen zu besetzen.9 Dabei gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen
Wirtschaftszweigen und Berufen.“

Auch das Statistische Bundesamt bestätigt, dass in 2015 mit 516.000 Verträgen noch nie so wenig junge Menschen die klassische duale Berufsausbildung angefangen haben. Dies mag eine Folge des Demographiewandels sein. Wir fragen uns: Warum lässt man z.B. 30jährige Langzeitarbeitslose, die aufgrund ihres Alters nicht mehr für eine Berufsausbildung in Frage kommen, nicht einfach zu für eine Berufsausbildung? Ist doch egal, ob jemand 20 oder 30 ist. Die Arbeitslosen sind doch da! Und die freien Lehrstellen auch! Oder könnte ansonsten bitte die Politik offiziell verkünden, dass die Masse der Langzeitarbeitslosen faul ist und keine Lust auf Arbeit & Ausbildung hat? Das wäre mal eine klare Ansage, die WIR so aber nicht unterschreiben könnten.

Die Zahl aller unbesetzter Arbeitsstellen, die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet sind, lag im April auf einem Rekordwert von 640.131 Stellen. Das sind 88.536 mehr als im April 2015. Im März 2016 waren es noch 634.516, im Februar 613.885. Auch der obige Chart zeigt eine jahrelange Entwicklung bergauf. Die Wirtschaft hat also offensichtlich eine enorme Nachfrage nach Arbeitskräften, aber seit Jahren passiert nichts. Die Arbeitslosenquote sinkt indes im Rahmen der normalen Frühjahresbelebung von 6,5% im März auf jetzt 6,3%. Auf die Zahl bitte (worauf wir immer bestehen) 30% draufrechnen, dann kommt man der tatsächlichen Arbeitslosenquote in Deutschland schon ziemlich nahe.

In ersten Modellprojekten beginnen jetzt einzelne Flüchtlinge Berufsausbildungen, dies aber idR ohne jahrelange Schulbildung in Deutschland. Viele sind teilweise erst 2 Jahre in Deutschland. Sie bringen vielleicht Arbeitserfahrung aus ihrer Heimat mit, aber die grundlegenden schulischen Kenntnisse fehlen oft. D.h. in den nächsten Monaten und Jahren werden vermehrt Flüchtlinge in die duale Ausbildung starten ohne grundlegende Kenntnisse wie Deutsch sprechen oder schreiben. Dies muss dann während der laufenden Ausbildung irgendwie nebenbei erlernt werden. Das heißt nichts anders als: Der Standard der Berufsausbildung wird wohl sinken – oder besser gesagt „sinken müssen“, wenn man eine bedeutende Anzahl an jungen Flüchtlingen in Ausbildung bringen will – oder man schickt als Alternative hunderttausende junge Menschen im Alter von 16, 18 oder 20 Jahren erst mal noch jahrelang in die Schule für einen regulären Haupt- oder Realschulabschluss. Haben sie die Zeit dazu, haben die Lehrbetriebe die Zeit dazu, kann der deutsche Staat so viel Zeit aufbringen, oder will er das überhaupt?

Kommen wir zum wichtigsten Teil des Paradoxons, nochmal zusammengefasst. 2,74 Millionen Arbeitslose (tatsächlich eher 3,56 Mio) sind vorhanden, gleichzeitig aber 640.131 offene Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet. Bereits letzten Monat hat die Bundesagentur ausdrücklich darauf hingewiesen, dass derzeit die größte Nachfrage nach Arbeitskräften vorherrscht bei einfachen Tätigkeiten wie z.B. dem Wachschutz in Flüchtlingseinrichtungen, für die man sicher keine 3jährige Berufsausbildung benötigt. Warum also, so die alles entscheidende Frage, gibt es bei so vielen Arbeitslosen und offensichtlich massenweise Angeboten an einfachen Tätigkeiten Monat für Monat immer mehr Stellen, die angeboten aber nicht besetzt werden? Wir hatten diese Thematik vor einem Monat in ähnlicher Form schon einmal angesprochen, aber das Paradoxon wird größer, und aufgrund des Angebots einfacher Tätigkeiten ist die Frage nicht geklärt, warum diese Stellen nicht mit bereits vorhandenen Langzeitarbeitslosen besetzt werden können.

Wir vermuten mal: Der Hauptgrund wird in der Unfähigkeit der Behörde liegen „Angebot und Nachfrage“ zusammenzubringen. Vielleicht holt man sich ein paar gute Ratschläge bei Börsianern, denn die wissen, wie man Angebot und Nachfrage am besten zusammenführt. Denn am Ende steht eine Transaktion, ein Geschäftsabschluss. Und genau das wollen doch eigentlich (?) alle, eine Jobvermittlung, und alle sind zufrieden…


5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Gerd

    28. April 2016 14:02 at 14:02

    „Wir vermuten mal: Der Hauptgrund wird in der Unfähigkeit der Behörde liegen „Angebot und Nachfrage“ zusammenzubringen. “

    Da wird was dran sein.
    Und ansonsten: Ich zähle mich seit geraumer Zeit nicht mehr zu den deutschen Schlafschafen und bin mir bewusst geworden, dass wir bei den verschiedensten Themen krass hinters Licht geführt werden, um nicht zu sagen belogen werden.
    Warum sollte das also bei den Arbeitsmarktstatistiken nicht auch so sein?
    Ist wahrscheinlich einzureihen in den „Lügenkomplex Fachkräftemangel“.

  2. Avatar

    Wolfgang Koch

    28. April 2016 14:25 at 14:25

    Wie war das damals mit den Green-card-Indern?Erst wollten Sie nicht,dann kamen einige,dann wurde das zärtliche Pflänzchen Aufschwung schon wieder zertreten!Von den Gewekschaften,sagen immer die Arbeitgeber!Bei uns in AB ist davon zumindest ein Tadsch-Mahal-Restaurant übriggeblieben!

  3. Avatar

    O.U.

    28. April 2016 14:51 at 14:51

    Nein, der wahre Grund ist, dass wir uns mit Hartz4 und Mindestlohn ein Sozialsystem leisten welche in direktem Wettbewerb zu den offenen bzw. zu besetzenden Stellen im Niedriglohnbereich stehen! Es „lohnt“ sich für diese Gruppen nicht wirklich arbeiten zu gehen – ganz einfach.

  4. Avatar

    Gerd

    28. April 2016 14:53 at 14:53

    An die Redaktion:
    Ich nehme zwar an, dass ich ein klein bisschen in der Lage bin,
    manche Ungereimtheiten bruchstückhaft zu erkennen. Aber es tut immer wieder gut zu sehen, wie Sie regelmäßig auf solche Themen aufmerksam machen.
    Danke

    @Wolfgang Koch
    Wenigstens mal etwas Positives, wenn es auch nur ein kleiner Lichtblick ist.

  5. Avatar

    egal

    8. August 2016 17:51 at 17:51

    Hallo! Darf ich einen Teil des Geheimnisses lüften:

    1. zunächst mal zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit — Bewacherberufe dieser Art benötigen eine spezielle Qualifikation , eine Art Gewerbeschein, außerdem hat DE daraus tatsächlich auch eine 3jährige duale Ausbildung schon gemacht, es reicht aber ein $ X Schein der IHK, aber diese Quali fehlte einigen Asylbewachern, was wieder zu Problemen führte, Skandale in Zeitungen z.B. war das

    2. das duale Ausbildungswesen kennt keine Erwachsenenausbildung , wird nur als Jugendausbildung verstanden – daher keine Ausbildung Älterer, dann müsste man es wie im Ausland stärker von den Betrieben wegentwickeln und entkoppeln, denn die wollen immer Frischfleisch sozusagen haben, Erstausbildung, leicht formbar… jung, flexibel, anspruchslos….

    3. sollte DE sich mal stärker überlegen, wie man den Niedriglohnsektor leert, da einfacharbeit für Flüchtlinge ohne Schulabschluss benötigt wird, folglich müssen jene im Niedriglohnsektor nun weiter qualifiziert werden, womit DE sich aber schwer tun wird, da 25% im Niedriglohnsektor festhängen…

    4. ist das dualsystem viel zu unflexibel, daher kommt evtl. der Fachkräftemangel, es wird z.B. viel Verkauf/Büro ausgebildet, also eher billige Berufe, aber in Hochwertigen ist Ausbildung eben zu teuer, so kommt es später dann zu den Problemen, z.B. gibt es massenhaft arbeitslose Verkäufer und Büro-X, zeitgleich sind das aber die meisten Ausbildungsstellen!!! Also auch am Bedarf vorbei qualifizieren

    5. in Warteschleifen und Übergangssystem parken noch 260 000 Jugendliche ohne Ausbildung

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Autoindustrie: Das Problem ist der Standort Deutschland

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Autoindustrie in Deutschland im Wandel

Steht die deutsche Autoindustrie vor einem Niedergang wie der Standort Detroit, die ehemalige Hochburg der Autoproduktion in den USA? Die Deutsche Bank (DB) hat ein hochinteressantes Research-Dokument dazu veröffentlicht. Darin wird die Branche nicht wirklich schlecht geredet. Aber schaut man genauer hin, geht es vor allem um den Standort Deutschland, der problematisch sein soll. Die deutsche Autoindustrie selbst sei relativ gut aufgestellt, aber eben nicht der Standort Deutschland. Vorab wollen wir aus der Analyse einige Aussagen erwähnen, was denn positiv am Standort Deutschland zu bewerten ist.

Der Automobilstandort Deutschland verfüge über außergewöhnliche Vorteile. Zu nennen sei vor allem die enge technologische und räumliche Verzahnung von Herstellern, industriellen Zulieferern, Ausrüstern (z.B. Maschinenbau), Entwicklungsdienstleistern, Logistikunternehmen sowie von universitären und sonstigen Forschungseinrichtungen. Von dieser vertikal integrierten Wertschöpfungskette sowie dem über Jahrzehnte gewachsenen Know-how der Beschäftigten könne der Standort zehren. Auch der intensive brancheninterne Wettbewerb war und ist ein Motor für stetige Innovationskraft und Produktivitätsfortschritte. Fasst man aber alle in der Analyse der DB skizzierten Faktoren zusammen, dann falle es jedoch schwer, die Zukunftsaussichten für den Automobilstandort optimistisch zu sehen.

Negative Standortfaktoren für die Autoindustrie in Deutschland

Negativ zu erwähnen hat die DB-Studie so einiges. Und dabei geht es überhaupt nicht um den Absturz während der Coronakrise, sondern um strukturelle Faktoren. Zum Beispiel würden strenge CO2-Grenzwerte für neue Pkw in der EU dazu führen, dass die Hersteller mehr Elektroautos auf den Markt bringen müssten. Der resultierende Kostenanstieg verschärfe den Strukturwandel in der Branche. Kaum jemand erwarte, dass die Netto-Bilanz dieses Strukturwandels für die Wertschöpfung und Beschäftigung der Automoindustrie in Deutschland positiv ausfallen wird.

Auch die Unsicherheiten hinsichtlich der Klima- und Energiepolitik hätten dazu beigetragen, dass der Kapitalstock in energieintensiven Branchen wie der Metallerzeugung oder der Chemieindustrie in Deutschland seit vielen Jahren sinke. Diese Sektoren zählen auch zur automobilen Wertschöpfungskette. Durch die Investitionszurückhaltung würden laut der Studie Teile dieser Kette geschwächt. Höhere Kosten kämen auf die Autoindustrie auch durch die geplante Verschärfung der europäischen Abgasnormen zu (Euro 7). Im Volumensegment dürfte der Kostenaufschlag pro Fahrzeug besonders ins Gewicht fallen. Dies setze die Produktion von „Autos für den Durchschnittsbürger“ in Hochlohnländern wie Deutschland, aber auch in Frankreich oder Italien unter Druck.

Bei klassischen Standortfaktoren wie der Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften, Lohnhöhe oder der Flexibilität bei Arbeitszeiten habe sich Deutschlands Position laut der Studie der DB im internationalen Vergleich zuletzt eher verschlechtert. Auch die anhaltenden Handelskonflikte würden die Investitionsbereitschaft hemmen. Zudem ist die Pkw-Nachfrage im wichtigen westeuropäischen Absatzmarkt gesättigt. Schließlich bedeute die demografische Entwicklung eine Herausforderung, da sie zu einem sinkenden Erwerbspersonenpotenzial führe und die Nachfrage dämpft.

Angesichts der strukturellen Herausforderungen sei es fraglich, ob die früheren Produktionshöchststände am Standort Deutschland jemals wieder erreicht werden. Die DB befürchtet, dass es immer schwerer wird, eine konkurrenzfähige Produktion von Pkw im Volumensegment in Deutschland aufrechtzuerhalten. Der Anteil Deutschlands an der globalen, aber auch an der europäischen Autoproduktion könnte in den kommenden Jahren sinken. Ähnlich sei es der Autoindustrie im US-Bundesstaat Michigan (Detroit) ergangen, wo heute deutlich weniger Fahrzeuge gefertigt werden als zu Beginn des Jahrhunderts. Die deutsche Autoindustrie sei besser für die elektromobile Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet als der Automobilstandort Deutschland.

Autoindustrie wird sich anpassen – Standort mit Problem?

Wir wollen nur kurze und interessante Auszüge der DB-Studie zitieren. Zum Beispiel gehen wir nochmal auf den Detroit-Vergleich ein. Die DB sagt, dass dieser Vergleich vielleicht zunächst schockieren möge. Aber noch immer würden in Michigan viele Light Vehicles (LV) produziert. Allerdings waren es in den letzten Jahren etwa ein Drittel weniger Fahrzeuge als zu Beginn dieses Jahrhunderts. In der Folge ist der Anteil des Bundestaates an der gesamten LV-Produktion der USA von knapp 25 Prozent im Jahr 2000 auf deutlich weniger als 20 Prozent in den letzten Jahren gesunken. Profitiert hätten dagegen einige Südstaaten der USA, in denen auch deutsche Hersteller in neue Autofabriken investiert haben. Hohe Standortkosten in Michigan (z.B. Lohn- und Pensionskosten der angestammten Belegschaft) seien ein wesentlicher Grund für diese Verschiebung innerhalb der USA gewesen. Eine ähnliche Entwicklung sei für den Automobilstandort Deutschland nicht unwahrscheinlich. Auch in Deutschland könnten die Produktionszahlen der Branche dauerhaft unterhalb der früheren Niveaus verharren. Der Anteil Deutschlands nicht nur an der globalen, sondern auch an der europäischen Automobilproduktion drohe zu sinken.

Die DB-Studie geht an das gesamte Thema durchaus differenziert heran. Man schreibt die Branche nicht einfach pauschal ab. Unter dem Strich sei man davon überzeugt, dass die deutsche Autoindustrie besser für die „elektromobile“ Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet sei als der Automobilstandort Deutschland. Die Unternehmen könnten Standortentscheidungen frei treffen und sich im Laufe der Zeit anpassen, wenn sich die Rahmenbedingungen an einem Standort verschlechtern. Bei der Beurteilung der Zukunftsperspektiven des Standorts Deutschland würden aus heutiger Sicht jedoch die negativen Faktoren überwiegen. Bedauerlich dabei sei, dass ein Teil dieser Faktoren durch eine klimapolitische Regulierung begünstigt werde, die deutlich weniger effektiv als möglich und teurer als nötig sei.

Der Vorwurf an die deutsche Autoindustrie, technologische Trends zu verschlafen, werde auch beim Übergang zu E-Mobilität stetig wiederholt. Doch auch in diesem Fall sei er laut DB nicht pauschal zutreffend. Richtig sei, dass der Anteil deutscher Hersteller an den verkauften Elektroautos in vielen Märkten unter ihrem Marktanteil bei traditionellen Fahrzeugen liegt. Gleichwohl gleicht der Übergang vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität einem Langstreckenlauf und nicht einem Sprint. Kein Anbieter liege uneinholbar vorne. Zudem sei die Produktpipeline der deutschen Hersteller gut gefüllt. Die Deutschen seien eben lediglich später dran als manche Konkurrenten, aus Sicht der Autoren der Studie jedoch nicht zu spät.

weiterlesen

Allgemein

Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

weiterlesen

Allgemein

Achtung: Korrektur voraus – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

die Stimmung auf dem digitalen Börsenparkett ist prächtig. Wir haben überhaupt nicht genug Geld, um alle die großartigen Titel des internationalen Kurszettels kaufen zu können, so eine verbreitete Empfindung.

Das sind einige der Zutaten dieser Euphoriewelle, die bereits seit einigen Monaten über die Aktienmärkte hinwegrollt.

Fokussierung auf wenige Trendbranchen: Die Hausse verkürzt sich zunehmend auf einige wenige Titel aus einigen Trendbranchen wie Wasserstoff oder E-Mobilität. Das waren zuletzt etwa die Favoriten auf der Privatanleger-Plattform Tradegate: NEL ASA, Plug Power, Xiaomi, Tesla und Ballard Power.

Es ist ein Warnsignal, wenn eine Hausse nur noch auf den Schultern weniger Aktien liegt. Gesund ist eine Hausse immer dann, wenn sie von möglichst vielen Aktien aus unterschiedlichen Branchen getragen wird.

Kauf zu jedem Preis: Typisch ist dabei, dass die Anleger derzeit bereit sind, für eine „geile“ Aktie jeden Preis zu bezahlen. Die Bewertung interessiert nicht mehr, solange der Titel einer Trendbranche zuzurechnen ist. Typisch ist auch, dass man diese Aktien nicht erst in einer Woche haben will, sondern jetzt sofort. Folglich verzichten immer mehr Anleger auf die Bestimmung eines Kauflimits und fassen stattdessen billigst zu.

In der Folge erleben wir immer öfter prozentual zweistellige Kursanstiege auf Tagesbasis, ohne dass eine Nachricht aus dem Unternehmen vorliegt. Zu Deutsch: Die Kursanstiege sind in der Regel nicht mehr fundamental begründet.

Am Ende entsteht ein gewaltiger Sog, dem wir uns kaum noch entziehen können. Selbst Profis fallen dann um, werfen ihre bewährten Strategien über…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage