Folgen Sie uns

Allgemein

Das große UK-Infrastrukturprogramm im Detail: 500 Milliarden Pfund, private Investments mit Staatsgarantien

Die britische Regierung hat heute Details zu ihrem großen Infrastrukturprogramm veröffentlicht, welches wohl relativ zeitgleich zu den wohl im Frühjahr beginnenden Brexit-Verhandlungen…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Die britische Regierung hat heute Details zu ihrem großen Infrastrukturprogramm veröffentlicht, welches wohl relativ zeitgleich zu den wohl im Frühjahr beginnenden Brexit-Verhandlungen starten soll. Es soll brutto genau 500 Milliarden Pfund umfassen, wovon 298 Milliarden Pfund von privaten Investoren geschultert werden sollen. Warum Private so massiv in so kurzer Zeit so eine große Summe aufbringen sollen, und das noch freiwillig? Sie ahnen es schon: Es wird mit staatlichen Garantien geködert! Egal ob vor Kurzem bei Nissan in UK oder bei United Technologies in den USA: Irgendwie ködern staatliche Einrichtungen die Wirtschaft immer nur mit Geld – sei es durch Garantien, Zuschüsse oder Steuervergünstigungen.

Bei der britischen Infrastruktur geht es also teilweise um Garantien. Von den 298 Milliarden Pfund soll der überwiegende Teil der privaten Investitionen in den Bereich Energie fließen, und ein immer noch bedeutender Teil in die Versorger. Müll und Telekommunikation sollen ganz mit privaten Mitteln erneuert werden, nur fallen diese Bereiche nicht mit gigantischen Summen ins Gewicht. Der Energiebereich soll insgesamt mit immerhin 207 Milliarden Pfund bedacht werden, und der Versorgerbereich (überschneidet sich ja anscheinend) mit 75 Milliarden Pfund.

Wie die Grafiken zeigen: Der Bereich Flutschutz mit 4 Milliarden Pfund soll ganz staatlich bezahlt werden. Zwei Anmerkungen dazu: Bei den bisherigen Flut-Desastern in UK, reichen 4 Milliarden Pfund wirklich? Und verdammt nochmal, was wäre denn bei privater Flutschutz-Investitionen gewesen? Hätte der Betreiber von Flutschutztoren und Deichen dann „Schutzgeld“ kassieren dürfen von den Anwohnern? Der Wohnungsbau im Wert von 50 Milliarden Pfund soll fast ganz in öffentlicher Hand bleiben, was als positiv im Sinne niedriger Mieten zu werten sein könnte.

Von den 500 Milliarden Gesamtsumme sollen 300 Milliarden Pfund bis Ende 2021 investiert sein – am ambitioniertes Vorhaben! Lustig oder traurig: Laut heutiger Veröffentlichung der britischen Regierung stammten bisherige Infrastrukturgelder privater Investoren zu großen Teilen von britischen Banken, die mit Krediten private Infrastrukturfonds finanzierten. Kommt es jetzt genauso, bedeutet das: Die Banken leihen sich bei der Notenkbank quasi umsonst Geld, leiten es weiter in private Fonds, die damit bestimmt gute Renditen erwirtschaften, die letztlich vom britischen Konsumenten/Autofahrer etc bezahlt werden. Die Banken werden auch ihren Schnitt machen. Wäre es da nicht für die gesamte Volkswirtschaft billiger gewesen 100% der Maßnahmen vom Staat bezahlen zu lassen? Der kann sich ja fast umsonst verschulden.

Immerhin weiß der Investor, der eigentlich das Risiko scheut und für Staatsanleihen momentan nichts mehr bekommt, wohin in den nächsten Jahren mit seinem Geld: In ein totsicheres Geschäft, staatliche garantierte Autobahn, Flughafen- und Brücken-Investitionen! Die Garantieeinrichtung der Regierung will einen Garantierahmen von 40 Milliarden Pfund bereitstellen. Wer ihn nutzt, zahlt eine Garantiegebühr. Ansonsten dürften sich die privaten Investitionen wohl auch rechnen, weil die Strom- und Müllgebühren für die Verbraucher wohl deutlich steigen dürften! Die Gesamtfolgen: Drastisch höhere Haushaltsdefizite als eh schon, was automatisch eine rasant steigende Staatsverschuldung bedeutet. Gleichzeitig bringen die Investitionen natürlich zeitweise einen Konjunkturschub. Der soll natürlich genau in dem Zeitraum wirken, wo UK vermeintlich in 2018 oder 2019 die EU verlässt.

uk-1
Grafik: UK Government. Zum Vergrößern bitte anklicken.

uk-2
Grafik: UK Government. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Quelle: Britische Regierung

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Wolfgang Koch

    5. Dezember 2016 16:52 at 16:52

    Egal in welches Land,welchen Wirtschaftsbereich man zur Zeit schaut.Überall die tollsten Schneeballsysteme,nach dem Motto:Wir werden,sind,alle reich!Leider ging das bis jetzt immer nur am Anfang auf.Diesmal nicht?

  2. Avatar

    joah

    5. Dezember 2016 17:37 at 17:37

    Es sind nicht die Geldsysteme Schund, sondern das Umfeld was diese nutzt.

    • Avatar

      Helmut Josef Weber

      6. Dezember 2016 07:54 at 07:54

      Hallo Joah,
      was nutzt mir z. B. das Schneeballsystem Rentensystem, wenn mir die Beiträge schon im Lohnbüro zwangsabgezogen werden.
      Viele Grüße
      H. J. Weber

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Zinseszinseffekt: So verdoppeln Sie Ihr Depot binnen weniger Jahre – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

Albert Einstein bezeichnete ihn einst als 8. Weltwunder. Für Starinvestor Warren Buffett gilt er als wichtigster Erfolgsfaktor beim Investieren. Die Rede ist vom Zinseszinseffekt. Es kommt nicht von Ungefähr, dass diese beiden Genies dem Zinseszins eine so hohe Bedeutung beimessen. Denn er verhilft selbst bei kleinen investierten Beträgen über einen längeren Zeitraum zu großen Erfolgen. Folgende kleine Geschichte veranschaulicht den Effekt des Zinseszinses:

Die Legende vom Reiskorn

Die beeindruckende Wirkung des Zinseszinseffektes war offenbar bereits den alten Persern bekannt. Von ihnen stammt die Legende vom Reiskorn. In dieser forderte der König seine Untertanen auf ihm die Langeweile zu vertreiben. Wer es schafft, sollte eine Belohnung erhalten.

Ein kluger Höfling brachte dem König daraufhin das Schachspiel bei. Der König war begeistert ob der neuen Zerstreuung und wollte den Höfling belohnen. Dieser sprach: „Ich möchte nichts weiter als ein paar Reiskörner. Ich möchte, dass ihr mir das Schachbrett mit Reis füllt. Legt ein Reiskorn auf das erste Feld und dann auf jedes weitere Feld jeweils die doppelte Anzahl an Reiskörnern.“

Der König wunderte sich über den bescheidenen Wunsch seines Dieners und sagte sogleich die Belohnung zu. Er dachte wohl an ein kleines Säckchen voller Reis. In Wahrheit hätte er aber dank der 64-maligen Verdopplung mehr Reis gebraucht, als auf der ganzen Erde wächst.

Wie ist eine solche Fehleinschätzung möglich?

Das menschliche Gehirn ist nicht besonders gut in Prozentrechnung. Diese Art der Verzinsung ist in unserer Evolutionsgeschichte erst seit wenigen hundert Jahren von Bedeutung. Deshalb unterschätzen wir genau wie der persische König systematisch die Macht des Zinseszinses. Investmentgewinne von 5% locken nur wenige hinter dem Ofen hervor. Doch über einen…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Allgemein

Einzelhandelsumsätze boomen in der Coronakrise – bis auf ein Segment

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Leeres Einkaufszentrum als Symbol für die Coronakrise

Wenn man in der Coronakrise schon kein Geld für Restaurants, Theater, Kinos oder Urlaubsreisen ausgeben kann, dann kann man doch immerhin noch sein Haus, seine Wohnung oder den Garten verschönern? Und zuhause gut essen ist ja auch drin. Dementsprechend wandeln sich die Einzelhandelsumsätze in den letzten Monaten.

Unterm Strich geben die Deutschen deutlich mehr aus als noch im Vorjahr, und auch mehr als direkt vor Ausbruch der Coronakrise. Dies wird untermauert durch die vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Einzelhandelsumsätze für Oktober. Sie steigen im Vergleich zu Oktober 2019 um 8,2 Prozent, und im Vergleich zu Februar 2020 um 5,9 Prozent. Das ist eindeutig. Der Onlinehandel boomt am Stärksten, die Heimwerkermärkte boomen, und auch der Lebensmitteleinzelhandel. Ein klarer Wink hin zu mehr Konsum in den eigenen vier Wänden. Nur der stationäre Einzelhandel mit Bekleidung ist spürbar rückläufig. Klar, wenn man deutlich weniger ausgeht, hat man auch weniger den Drang neue Klamotten zu kaufen. Hier die Detailangaben der Statistiker über die Einzelhandelsumsätze im Wortlaut:

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im Oktober 2020 real 7,3 % und nominal 10,3 % mehr um als im Oktober 2019. Dabei lag der Umsatz der Supermärkte, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkte real 7,9 % und nominal 10,9 % über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 3,0 % und nominal 6,5 % mehr um.

Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stiegen die Umsätze im Oktober 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 9,0 % und nominal um 9,4 %. Das größte Umsatzplus mit real 29,8 % und nominal 31,1 % erzielte der Internet- und Versandhandel. Deutlich zugenommen hat auch der Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit einem realen Plus von 14,2 %. Noch nicht wieder auf dem Vorjahresniveau waren dagegen der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren und der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (zum Beispiel Waren- und Kaufhäuser) mit real -6,4 % und -2,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Grafik zeigt Einzelhandelsumsätze für Oktober im Detail

weiterlesen

Allgemein

Autoindustrie: Die Stimmung hat sich brutal verfinstert!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Riesiger Parkplatz mit unzähligen Autos

Die Stimmung in der deutschen Autoindustrie (Hersteller und Zulieferer) hat sich brutal verfinstert. Laut heute früh veröffentlichten Umfrageergebnissen des ifo-Instituts ist die aktuelle Geschäftslage der Branche zwar noch akzeptabel mit einem Wert von +7,2 Punkten nach -2 Punkten im Oktober. Aber die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sinken aktuell dramatisch ab, von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November! Der Chart zeigt den Absturz der Stimmungslage in der Autoindustrie in den letzten Monaten. Im Moment läuft es noch, aber der Blick in die Zukunft macht die Firmen gegenwärtig nicht glücklich, so ifo aktuell in seiner Headline-Aussage. Weitere Aussagen hier im Wortlaut:

„Im Oktober haben wir einen Einbruch bei den gewerblichen Neuzulassungen gesehen. Das wird sich wahrscheinlich fortsetzen, aufgrund der großen Unsicherheit bei den Unternehmen“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.

Die Unternehmen gaben an, ihre Produktion deutlich drosseln zu wollen. Der Indikator sank von plus 38,6 Punkte auf minus 0,5 Punkte. Die Exporterwartungen fielen deutlich von plus 19,0 Punkten im Oktober auf minus 5,0 Punkte. Auch gab immer noch die Mehrheit der Unternehmen an, die Zahl ihrer Mitarbeiter zu verringern. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 34,6 Punkte.

Der Auftragsbestand konnte zuletzt nicht mehr so stark zulegen. Der entsprechende Indikator sank deutlich auf 6,2 Punkte, nach 29,3 im Oktober. Der Bestand im Fertigwarenlager ist allerdings weiterhin geringer als saisonüblich. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 4,9 Punkte.

Chart zeigt Verlauf der Geschäftserwartungen der Autoindustrie

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage