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Das ist der Markt, auf den die Wall Street jetzt starrt – und den Aktien-Bullen Sorge bereitet..

Wohl nicht umsonst sagt man, dass die Aktienmärkte gelegentlich eine etwas lange Leitung hätten – sie bemerken häufiger vorausliegende Eisberge erst dann, wenn sie dagegen prallen. Und der Eisberg, der plötzlich in den Fokus der Wall Street gerückt ist, ist der Markt für hochrentierliche Anleihen (High Yield Bonds), im Volksmund auch als „Junk Bonds“ bezeichnet..

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FMW-Redaktion

Wohl nicht umsonst sagt man, dass die Aktienmärkte gelegentlich eine etwas lange Leitung hätten – sie bemerken häufiger vorausliegende Eisberge erst dann, wenn sie dagegen prallen. Und der Eisberg, der plötzlich in den Fokus der Wall Street gerückt ist, ist der Markt für hochrentierliche Anleihen (High Yield Bonds), im Volksmund auch als „Junk Bonds“ bezeichnet, weil diese Anleihen ein eher schlechtes Rating haben und daher als riskant gelten. Wer in Junk Bonds investiert, fordert einen höheren Risikoausgleich, will also höhere Renditen erzielen – was wiederum in einem Nullzins-Umfeld eine Art Volkssport unter Investoren geworden ist.

Normalerweise laufen Aktienmärkte und Junk Bonds eher parallel, da sie ein Ausdruck sind für die Risikobereitschaft der Investoren: wer eine (ökonomisch) schlechte Zukunft fürchtet, kauft weder Aktien noch Junk Bonds, sondern sucht die (vermeintlich) sicheren Häfen.

Seit Mitte Oktober aber sind die Entwicklungen bei amerikanischen Junk Bonds und den US-Aktienmärkten stark auseinander gedriftet: die Risikoprämien, die Investoren für den Kauf dieser Bonds verlangen, sind stark nach oben gegangen, während die Aktienmärkte davon schlicht keine Notiz nahmen und weiter stiegen, hier sichtbar im Chartvergleich zwischen dem S&P500 und einem Junk Bond-ETF (der HYG von iShares):


(Zum Vergrößern Chart anklicken!)

Das ist vor allem jenen aufgefallen, die eher mit Bonds zu tun haben als mit Aktien – so dem „Bond-Guru“ Jeff Gundlach:

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Wer hat Recht – die Aktienmärkte oder die Anleihemärkte, genau das ist für Gundlach jetzt die entscheidende Frage. Und die beantwortet er mit Blick auf die gestrige Entwicklung am US-Aktienmarkt: es sind meistens nicht die Aktienmärkte, sondern der Junk Bond-Markt (JNK):

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Auch gestern stiegen die Risikoprämien für Junk Bonds wieder – den siebten Tag in Folge. Das hat Parallelen zum August 2015, als dann ein scharfer Abverkauf an den Aktienmärkten folgte, nachdem China den Yuan drastisch abwertete. Nicht nur deshalb gilt die Entwicklung am Junk Bond-Markt als Frühindikator auch für die Aktienmärkte – sie riechen gewissermaßen Unheil und antizipieren negative Entwicklungen besser als die Aktienmärkte, weil die Risiken schlicht höher sind als in anderen Märkten.

Die Risiko-Prämien für Junk Bonds sind nun so hoch wie seit März nicht mehr, die Kurse jener ETFs, die den Junk Bond-Markt in den USA abbilden, sind unter ihren 200-Tage-Durchschnitt gefallen – worauf besonders Profi-Investoren achten. Gleichzeitig liegt der spread – also die Rendite-Differenz – zwischen US-Staatsanleihen und Junk Bonds so hoch wie seit zwei Monaten nicht mehr, Tendenz steigend.

Die Wall Street jedenfalls blickt nun wie gebannt auf die Entwicklung am Junk Bond-Markt, die bisher so siegessicheren Bullen machen sich erste Sorgen. Dabei könnte die Entwicklung der hochrentierlichen Anleihen auch ein Indikator dafür sein, ob die US-Steuerreform wirklich kommt – oder eben doch nicht (die Senkung der Unternehmenssteuern kommt bonitätsschwachen Unternehmen naturgemäß besonder zugute). Der zweitweise impulsive Abverkauf der US-Aktienmärkte gestern jedenfalls hat die Aufmerksamkeit nun auf die Junk Bonds gelenkt, die man nun wieder als eines der aussagekräftigsten Risiko-Barometer wahrnimmt!

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Gerd

    10. November 2017 13:01 at 13:01

    Ich frage mich bloß, was wohl riskanter ist?
    Die Zeiträume vor etlichen Monaten, wo (auch hier) kritisch angemerkt wurde, dass selbst bei potenziell ausfallgefährdeten Anleihen kaum noch angemessene Rendite zu erzielen sei?

    Oder die jetzigen Verhältnisse?
    Wo Investoren ihr Geld lieber in rentierliche Aktien anlegen als in gut verzinsten „Giftpapieren“.

  2. Avatar

    Robert

    10. November 2017 13:56 at 13:56

    Toller Bericht! Danke mein Lieber :-)

  3. Avatar

    Hobbyanleger

    10. November 2017 15:11 at 15:11

    Ist doch kein Problem, die Notenbanken können doch einfach alle Junkbonds kaufen, es gibt doch viele Finanzspezialisten die glauben das sei kein Problem.Ich als Hobbyanleger habe ja schon mehrmals gesagt, dass der Auslöser der nächsten Baisse von diesen Schrottanleihen ausgelöst wird.

  4. Avatar

    PK

    10. November 2017 15:15 at 15:15

    Mal wieder ein extrem wichtiger Hinweis, stimmt alles.

  5. Avatar

    Michael

    10. November 2017 17:26 at 17:26

    Wenns an den Aktienmärkten mal nicht so läuft, manipuliert man eben ein wenig den Goldkurs ;)
    Weiß jemand, was da seit 15 Minuten abgeht? Grund?

  6. Avatar

    Altbär

    11. November 2017 17:25 at 17:25

    Welch eine Zeitbombe.
    Gundlach hat am 18.8. einen Bericht geschrieben,dass in seinem Fond Unternehmensanleihen mit 40% Fremdkapital gekauft werden.Dieser Fond sei in 18 Monaten um 61 % gestiegen .Es ist nicht erstaunlich dass da Gewinnmitnahmen anstehen.
    Der ewige Spruch ,dass Anleihen noch mehr überbewertet seien als Aktien stimmt natürlich, aber wenn der etwa 3 mal grössere Bondmarkt kollabiert folgt der Aktienmarkt auf dem Fuss
    1. Weil Bonds auf tiefem Niveau wieder interessanter sind
    u.2.Weil ev. Margin Calls zu Verkäufen führen.

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Aktienrückkäufe: Warum ich nicht begeistert bin – Werbung

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Lieber Börsianer,

die langjährige Flutung der Finanzmärkte mit dem billigen Geld der Notenbanken hat mittlerweile zu einigen kuriosen Begleiterscheinungen geführt. Weil Geld nichts mehr kostet, verschulden sich einige Unternehmen bis über beide Ohren. Doch statt in Zukunftstechnologien zu investieren, kaufen sie lieber eigene Aktien zurück – Kurspflege nennt man das. Angeblich geschieht das zum Wohle der Anleger, denn durch die Aktienrückkäufe steigen in der Regel auch die Kurse.

Allerdings ist bei hochverschuldeten Unternehmen Vorsicht geboten. Denn bereits ein geringer Zinsanstieg stellt diese Unternehmen vor arge Probleme. Freilich sind nicht alle Aktienrückkäufe schlecht. Wenn sich das Unternehmen die Kurspflege leisten kann und damit Geld an die Aktionäre zurück gibt, ist das oft besser, als das Geld möglicherweise zu Negativzinsen im Unternehmen zu belassen. Doch vor Übertreibungen müssen Sie sich schützen.

Das Spielcasino ist eröffnet

In den USA sind mittlerweile nicht mehr Privatanleger, Pensionsfonds und Vermögensverwalter die größten Aktienkäufer, sondern die Unternehmen selbst. Das freie Spiel von Angebot und Nachfrage wird damit außer Kraft gesetzt. In den vergangenen zehn Jahren gaben die 500 Unternehmen des S&P 500 die gigantische Summe von fünf Billionen Dollar für eigene Aktien aus. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Japan, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

90% der Unternehmen haben dafür mehr als die Hälfte ihrer Gewinne investiert. Das Geld fließt also nicht mehr in Fabriken, Maschinen, Produkte und Jobs sondern wird für die eigene Kurspflege eingesetzt. Die Big Player erhalten damit den Status Quo und überlassen die Entwicklung neuer Technologien den Start-Ups und der Konkurrenz aus Fernost.

Nicht unbedenklich ist dabei, dass vor allem in den USA ein Teil der Vorstandsvergütung an die Entwicklung des Aktienkurses geknüpft ist. Die Manager tun sich also vor allem selbst etwas Gutes, statt an die langfristige Konkurrenzfähigkeit Ihres Unternehmens zu denken. Wenn Aktien in solch riesigem Umfang zurückgekauft werden, dann handelt es sich um einen ernsten Eingriff in die Preisbildung der betreffenden Aktien.

Apple schlägt besonders gerne zu

Der größte Käufer eigener Aktien ist ausgerechnet Apple. Jetzt könnte man einwenden, dass Apple auch Milliardengewinne erzielt und sich deshalb die Rückkäufe leisten kann. Das ist prinzipiell richtig. Doch selbst Apple übertreibt mittlerweile. Im vergangenen Jahr wurden Anteile im Wert von 72 Milliarden Dollar zurückgekauft. Der freie Cashflow lag deutlich darunter. Selbst die Gewinnmaschine Apple nimmt also mittlerweile Fremdkapital auf, um Aktienrückkäufe zu finanzieren. Das wurde sogar von offizieller…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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