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Das Jahr 2019: Konjunkturerwartung und Börsenindikation – Wer bekommt recht?

Gedanken zu den Gegenwind- und Rückenwindfaktoren (Headwinds and Tailwinds) für das Jahr 2019 von Wolfgang Müller

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Eine Kolumne von Wolfgang Müller

 

Betrachtet man die Entwicklung der Börsenkurse seit dem Oktober und insbesondere im Dezember, so kann man nur zu der Einsicht gelangen – Rezession ante portas.

Bei den Konjunkturerwartungen hingegen überwiegen positive Vorhersagen. Sei es von der US-Notenbank, der US-Regierung, den Ökonomen jenseits und diesseits des Atlantiks, ebenso wie von Seiten unseres Ifo-Instituts und weiterer Wirtschaftsforschungsinstitute – allerorten positive Wachstumssausichten (2,5% USA, bis 1,5% Deutschland ), allerdings mit Senkungen früherer Prognosen. Wer also bekommt recht? Die Wirtschaftauguren oder die Aktienindizes, die kein Wachstum für das nächste Jahr implizieren? Die KGVs sind auf 10 (Dax) und 14 (S&P 500) gefallen. Also müssen die Wirtschaftszahlen nach unten oder die Börsenkurse nach oben?

 

Hier ein paar Gedanken zu den Gegenwind- und Rückenwindfaktoren (Headwinds and Tailwinds), mit Schwerpunkt monetärer Faktoren, die jetzt schon erkennbar sind. Für eine Beurteilung der Konjunkturzahlen fehlen noch die Zahlen für Q4 des Jahres 2018.

Das vergangene Börsenjahr versetzte den Börsen-Analysten eine schallende Ohrfeige, denn sowohl beim Dax (Konsens 14000 Punkte), als auch beim Dow Jones lag man meilenweit daneben.

 

Der aktuelle Zyklus historisch

 

In wenigen Wochen würde der seit 2009 laufende Aufschwung 10 Jahre alt und  damit ein historisch langes Niveau erreichen. Auch wenn der Spruch allgemein akzeptiert wird, dass ein Aufschwung nicht an Altersschwäche stirbt – ist für für mich ein ziemlicher Unsinn, zumindest, wenn man sich die Konjunkturzyklen seit 1903 ansieht:

Laut Newfound Research gab es von 1903 bis 2017 12 Bullenmärkte im S&P 500 / Dauer 1,8 bis 14,6 Jahre / Durchschnitt 8,1 Jahre und 11 Bärenmärkte / Dauer 0,3 bis 2,8 Jahre / Durchschnitt 1,4 Jahre. Ob dieser Aufschwung bereits zu Ende ist, kann noch nicht endgültig festgestellt werden, da sich weder S&P 500, noch der MSCI World im Bärenmarkt befinden.

Am 24. Dezember schrammte der S&P 500 mit minus 19,78 bei seiner Schlussnotierung ganz knapp an dieser Schwelle vorbei.

Der Dax beendete das Jahr am 28. Dezember mit 10558 Punkten (ein Jahresminus von 18% ), der S&P 500 folgt an Silvester mit 2506 Punkten, im Jahresvergleich ein Minus von 6,2%?

Wie sind nun die Aussichten aufgrund der aktuellen Informationen für das neue Jahr?

 

Stützende Faktoren

 

Fangen wir mit den immer weniger werdenden positiven Aspekten (Tailwinds) an. Neben den bereits sehr stark zurückgekommenen Aktienindizes (KGVs) sind folgende Punkte zu erwähnen.

  • Dieser Zinsanhebungszyklus ist der langsamste in der Nachkriegszeit mit gerade mal 2% in 3 Jahren (obwohl Donald Trump den Teufel an die Wand malt), dennoch ist die Fed „still easy“. Alan Greenspan hatte in zwei Jahren das Doppelte geschafft. Die Fed wird ganz vorsichtig vorgehen, um nicht als Verursacher des Boom-and-Bust-Zyklus gebrandmarkt zu werden.
  • Kursentwicklung deutet auf Nullwachstum hin, die Wirtschaftserwartungen in den USA sind jedoch 8% Gewinnwachstum
  • Starker Verbraucher (Consumer Confidence sehr hoch), auch durch den Lohnanstieg von 3,1%
  • Steuererstattungen in den kommenden Monaten
  • Noch 300 Mrd. $ für Buybacks verfügbar

Dazu noch ein Satz des erfahrenen Fondsmanager Dr. Jens Erhardt:

  • „So etwas wie derzeit habe ich zuletzt 1970 erlebt, als praktisch alle Vermögensformen in den roten Zahlen waren.“ Die Börsenbilanz des laufenden Jahres fällt tiefrot aus. Nahezu alle Anlageformen – von Aktien über Anleihen bis hin zu Rohstoffen – bescherten  Anlegern Verluste.“ Nach einer Studie der Deutschen Bank sind 2018 90% aller Risk-Assetklassen im Minus.

Aus der Sicht eines „Contrarian“ könnte der Markt schon viel vorweggenommen haben.

 

Belastende Faktoren

 

Nun zu den Gegenwinden, die sich in sehr kurzer Zeit zu einem kleinen Sturm gesteigert haben. Der nicht nur für mich wichtigste Faktor an den Börsen ist der monetäre – der Nachschub von Geld – und gerade von dieser Seite gehen die größten Gefahren aus.

Alle vier großen Notenbanken der Welt haben begonnen die üppige Geldversorgung, insbesondere durch die Anleihekäufe (Quantitative Easing- QE), zu reduzieren. Am weitesten im Zyklus ist hierbei die US-Notenbank Federal Reserve. Dazu noch ein paar Zahlen.

  • Die vier großen Notenbanken fluteten jahrelang die Finanzmärkte mit Geld, sodass diese geradezu in Liquidität schwammen. Im Jahr 2016 führten diese  Notenbanken (USA, Europa, Japan, Großbritannien) den Märkten insgesamt 1,14 Billionen Dollar zu, 2017 waren es sogar 2,16 Billionen.
  • Im laufenden Jahr dagegen ging die Summe schon deutlich zurück, auf gerade mal noch 150 Milliarden Dollar. Denn die Europäische Zentralbank lässt ihr Anleihenkaufprogramm allmählich auslaufen, und die Fed entzog dem Markt bereits wieder Geld.
  • 2019 jedoch wird sich dies weiter zuspitzen, denn dann wird nur noch die Bank of Japan Geld in die Finanzmärkte pumpen, die EZB und die Bank of England werden stillhalten, und die Fed wird, wenn es bei diesem Vorhaben bleibt, dem Markt 600 Mrd.$ entziehen. Unter dem Strich bleibt so global ein Minus von 210 Milliarden Dollar – erstmals seit Jahren müssen die Finanzmärkte also damit zurechtkommen, dass ihnen insgesamt Geld entzogen wird.

 

Letzte Marktreaktionen auf die Zinspolitik

 

Die 9. Zinsanhebung am 21. Dezember durch die Fed und die Aussicht auf Weitere, zusammen mit dem Plan 2019 monatlich 50 Mrd.$ an Anleihen vom Markt zu nehmen, haben die Anleger an der Wall Street regelrecht geschockt. Allein diese Bilanzrückführung von 600 Mrd. $ wird im Effekt verglichen mit bis zu zwei weiteren Zinsanhebungen. Deshalb:

  • Die Märkte fürchten sich vor dem Powell-Wort „Autopilot“, der automatischen Bilanzrückführung.
  • Powell übersieht die Refexivität der NB-Politik.
  • Die Fed hat mit Ihrer Zins- und QE-Politik das Wachstum (Sugar High) geschaffen, welches sie jetzt bremsen will. Wenn sie diesen Stimulus zurückführt, wird das Wachstum kollabieren und sich nicht nur einbremsen (wahrscheinlich einer der wenigen Punkte, in denen Trump die Wirtschaft richtig beurteilt).

 

Die Wirkung der Buybacks

 

Dazu kommt das Abebben des großen Kurstreibers der letzten Jahre. In den letzten vier Jahren waren US-Unternehmen selbst die Hauptkäufer von US-Aktien. Allein im Jahr 2018 erwarben die Unternehmen des breiten US-Index S&P 500 pro Quartal eigene Aktien im Wert von knapp 200 Milliarden Dollar. Dies waren jeweils rund 0,8 Prozent der Marktkapitalisierung. Ausländische Anleger kauften in diesem Zeitraum insgesamt nur ungefähr halb so viele dieser Aktien. Analysten gehen davon aus, dass 2018 rund ein Drittel des Gewinnzuwachses von US-Firmen allein auf diesen Effekt zurückzuführen ist.

Ursache Donald Trumps Steuerreform: Er senkte nicht nur die Unternehmensteuern von 35 auf 21 Prozent, gleichzeitig mussten Firmen, die im Ausland liegendes Kapital in die USA zurückholten, nur noch eine Minimalsteuer von acht Prozent bezahlen.

In den Jahren zuvor hatten sie die Gewinne stets im Ausland belassen, weil sie die hohen Steuern in den USA vermeiden wollten. Schätzungen zufolge geht es dabei um bis zu 2,6 Billionen Dollar.

Das Geld soll Investitionen in neue Technologien bewirken und Arbeitsplätze schaffen. Zurückgeholt haben die Firmen es tatsächlich, genutzt aber vor allem für Aktienrückkäufe und damit für eine Befeuerung ihrer Aktienkurse.

Aber nicht nur vorhandenes Kapital wurde dafür in den vergangenen Jahren genutzt. Fest steht, dass die US-Unternehmen sich teilweise verschuldeten, um den Rückkauf ihrer eigenen Aktien zu finanzieren. Das zeigt sich allein schon an der Gesamtquote der Ausschüttungen der US-Unternehmen.

Eine Studie ergab: Rechnet man Aktienrückkäufe und Dividenden zusammen, so gaben die Unternehmen dafür in den vergangenen fünf Jahren zwischen 90 und 105 Prozent ihrer operativen Gewinne aus – im Durchschnitt. Das bedeutet: In vielen Fällen war es auch noch mehr, denn viele Firmen nahmen Kredite auf, um ihre eigenen Aktien zurückzukaufen. Das schien auch durchaus reizvoll, denn Darlehen waren durch die Niedrigzinspolitik sehr günstig.

Doch jetzt hat sich die gesamte Lage geändert. Zum einen ist inzwischen ein Großteil des liquiden Kapitals aus dem Ausland zurückgeholt – im ersten Quartal 2018 wurden noch 294 Milliarden Dollar repatriiert, im zweiten waren es 184 und im dritten nur noch 93 Milliarden.

Diese Geldquelle versiegt also zusehends. Zudem liegt die Verschuldung der amerikanischen Unternehmen auf einem Allzeithoch. Sie entspricht mittlerweile 47 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nicht einmal vor und während der Finanzkrise oder vor und während des Internetbooms zu Beginn des Jahrhunderts waren solche Werte erreicht worden.

Bei den steigenden Zinsen macht es keinen Sinn mehr, sich weiter zu verschulden, um eigene Aktien zurückzukaufen. Die Aktienrückkäufe dürften im kommenden Jahr also stark rückläufig sein.

Damit stürzt aber einer der wichtigsten Stützpfeiler der Aktienkurse in sich zusammen.

 

Konjunktursignale

 

Die Signale, die man an den Märkten ausmachen kann, sprechen eigentlich eine deutliche Sprache. Sie sind aber schon seit Längerem bekannt und dürften teilweise auch schon „eingepreist“ sein.

  • Die Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums ist bei 80% der MSCI-Länder deutlich sichtbar, die sich im Bärenmarkt-Territorium befinden oder kurz davonstehen.
  • Besonders deutlich sind die Eintrübungen in der Weltwirtschaft in den beiden Ländern und ihrer Leitindizes zu sehen, die auf Grund ihrer Exportlastigkeit als Seismograf für die Weltökonomie gelten. Deutschland und Südkorea
  • Die Frühindikatoren in China unterschreiten bereits gelegentlich die 50%-Wachstumsschwelle, in Europa liegt man nur knapp darüber.
  • In diesem Zusammenhang ist auch das Thema Unternehmensschulden der US-BBB-Firmen zu sehen, die schon bei kleinen weiteren Zins-Zusatzbelastungen unter Wasser geraten könnten, sprich in den Junk Bond-Bereich abtauchen und damit von den Großinvestoren verkauft werden müssen (eine Assetklasse im Volumen von 3 Bio. $). (High Yield -Chart beobachten).
  • Dazu kommen noch die vielfach erörterten Risiken aus der Verschärfung des Handelsstreits USA – China und weitere Unsicherheiten. Ich glaube das DWS Urgestein Klaus Kaldemorgen hat es im Dezember in einem Vortrag BRIFT genannt, als Akronym für Brexit, Rezession, Italien, Frankreich und Trump.

 

 

Fazit:

 

Bei meiner Auflistung der Pros and Cons für die Zustandsbeschreibung des aktuellen Aufschwungs kann man eigentlich nur die Schlussfolgerung ziehen – sein Ende naht.

Deshalb muss der Trump-Administration in Zusammenarbeit mit der Fed schon einiges einfallen, um das Ende des Boomzyklus aufzuhalten.

Ein Kompromiss im Handelsstreit mit China, ein Infrastrukturprogramm, eine Steuerreform 2.0, das Aussetzen weiterer Zinsanhebungen, eine Pause im Tapering u.ä.

Der für mich wichtigste Punkt für das Wohl und Wehe der US-Wirtschaft und der Aktienbörsen ist auf kurze Sicht aber die Politik der US-Notenbank in ihrem Handeln und vor allem in ihrer Kommunikation. Nicht wenige sprachen von einem Kommunikationsgau Jerome Powells, die Zurückführung der Fed-Bilanz mit dem Begriff „Autopilot“ zu verknüpfen. Das ist etwas, was die liquiditätsverwöhnten Märkte am Allerwenigsten hören woll(t)en. Obwohl ich nicht mehr der Jüngste bin, kann ich mich an keinen US-Börsenzyklus erinnern, der nicht  durch die Fedpolitik zu seinem Ende gebracht wurde. So wird es auch dieses Mal sein.

Auf ein Ereignis muss aber noch hingewiesen werden, welches seinen Schatten bereits in das Jahr 2019 wirft. In knapp 22 Monaten wird der 45. US-Präsident bestätigt oder ein 46. gewählt. Wir können davon ausgehen, dass der jetzige Amtsinhaber alles, aber auch wirklich alles daran setzen wird, dass er wiedergewählt wird. Bei einer Rezession fällt dies einem regierenden Präsidenten unglaublich schwer, auch wenn der Meister der „selektiven Wahrnehmung“ tausend Schuldige für diesen Umstand präsentieren wird.

Deshalb sehe ich ein Börsenjahr kommen, mit einer großen Schwankungsbreite, ausgelöst durch Hoffen und Bangen (Fed-Politik orientiert sich an volatilen Daten) und Angst und Gier (Präsident Trump wird angesichts der für seine Wiederwahl wichtigen Aktienkurse eine verbale Achterbahnfahrt zwischen Drohen und Besänftigen aufführen).

Ein Bärenmarkt produziert erfahrungsgemäß auch die größten Rallyes nach oben, die dann wieder abverkauft werden.

 

 

Von André Karwath aka Aka – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36138

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Dax-Signal: Rückblick und Ausblick im Video

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Den Rückblick wie Ausblick für das Dax-Signal möchte ich an dieser Stelle im Video besprechen. Die einzelnen Signale können Sie hier kostenlos einsehen.

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Drohen den USA japanische Verhältnisse?

Den Aktienmärkten könnte in den USA könnte eine lange Phase magerer Renditen bevorstehen!

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Eine Kolumne von Wolfgang Müller

Nach einem „December to remember“ vollzog die US-Notenbank eine Kehrtwende – die Schulden steigen, die Zinsen pausieren. Was könnten die Folgen sein? Eine etwas andere Momentaufnahme

Verwirrung allerorten. Nach einem Dezember 2018, der in den USA zu einer Kursentwicklung geführt hatte, für die man Im Vergleich schon Jahrzehnte in die Vergangenheit blicken musste, herrscht in manchen Analysehäusern munteres Rätselraten. Kommt eine Rezession 2019/2020, ist der Zinszyklus bereits zu Ende oder bekommen wir in den Vereinigten Staaten den längsten Aufschwung im letzten Jahrhundert? Hier ein kleiner Versuch nach einem Jahr 2018, in dem nahezu alle saisonalen Gesetzmäßigkeiten ad absurdum geführt wurden, die aktuelle Lage ein wenig einzuschätzen.

Die weltweite Wachstumsabschwächung

Die Abschwächung der weltweiten Konjunktur ist bereits von höchster Stelle amtlich bestätigt geworden. Die Weltbank hat ihre Prognose für das globale Wachstum jüngst erst auf knapp unter 3% gesenkt. Auch der IWF warnt vor einem rückläufigen Wachstum, insbesondere in China (mit einer intern gesenkten Wachstumsprognose von 6%!), Schwäche in Japan und Europa, wobei die Asiaten und Deutschland 2018 in den letzten beiden Quartalen gerade so an einer technische Rezession vorbeigeschrammt sein dürften. In den USA soll das Unternehmensgewinnwachstum von durchschnittlich 20% pro Quartal auf ca. 8% sinken, insgesamt rechnet man recht optimistisch von einem US-Wirtschaftswachstum von bis zu 2,5%. Die 70%-US-Konsumökonomie wähnt sich eben (noch) ein bisschen als unverwundbare Insel. Mit einer Rezession in den USA ist aufgrund der neuen Fedpolitik und der aktuellen Industriedaten, auch in ihrer Erwartungskomponente, vorerst aber nicht zu rechnen.

Fest steht aber auch, dass sich 90% der Aktienmärkte weltweit im Korrekturmodus befinden, die Hälfte sogar schon in einem Bärenmarkt. (Stand zu Beginn des Jahres)

 

Die Wirtschaftspolitik

Was die internationale Wirtschaftspolitik angeht, bestimmt eindeutig der Handelsstreit zwischen den USA und China das Geschehen. Dieser ist nicht nur geprägt vom Kampf um die wirtschaftliche Vorherrschaft in der Welt, es geht vielmehr um die technische Dominanz auf unserem Planeten. Hier sei nur Chinas Huawei genannt, die nicht nur mit ihren technischen Geräten auftrumpft, sondern auch mit dem Verlegen von tausenden Kilometern Internetkabel den amerikanischen Konzernen auf den Pelz rückt – mit den bisher in China üblichen Methoden. Auch im Bereich von Patenten zur künstlichen Intelligenz holt die Volksrepublik gewaltig schnell auf. Die wirtschaftspolitische Tendenz ist eindeutig auf Protektionismus gerichtet, egal welcher Kompromiss im Handelsstreit gefunden wird.

Auf der anderen Seite versucht China mit fiskalpolitischen Mitteln den wirtschaftlichen Absturz zu verhindern. Zudem kommt das große Projekt der Seidenstraße, sehr zum Missfallen der USA.

In Europa versucht man sich mit diplomatisch-taktischen Mitteln gegen die Politik der USA zu wehren. Und in Deutschland sollten überaus notwendige Infrastrukturprogramme, plus der Binnenkonsum, den Rückgang der Exporte abfedern, außerdem denkt man bereits ernsthaft über die Absenkung der Unternehmenssteuern nach. Eben, um einem rezessiven Umfeld entgegenzuwirken. Der Beginn eines großen Steuersenkungswettbewerbs?

 

Die Geldpolitik

Was war das für eine rasche Wende innerhalb weniger Wochen! Hatte Fed-Chef Powell am 3. Oktober nicht von vier Zinsanhebungen für 2019 gesprochen und dazu noch zwei im Jahre 2020 bis zur „neutral rate“, begleitet von einer Bilanzreduzierung von 50 Mrd.$ monatlich – im Autopiliot-Modus? Dann die heftige Reaktion der Märkte, denn, wie ich bereits schon zigfach erwähnt habe, ist der monetäre Faktor für die Börsen der wichtigste, egal was sonst noch an geopolitischem „Noise“ zu verzeichnen ist.

Diese Quelle schien nahezu auszutrocknen und die Fed riss das Steuer kurz vor Eintritt des mit Abstand weltweit größten Aktienindex, dem S&P 500, in den Bärenmarkt herum. „Patient and flexible, one and wait“ (bezogen auf die Zinsenkung) waren Worte, die die Kehrtwende symbolisieren. Der Fed-Put war wieder aktiviert, mit der Folge, dass sich auch unter dem neuen Notenbankchef nichts substanziell ändern wird.

Der Auftrag der Fed ist die Kontrolle der Inflation und die Unterstützung des Arbeitsmarktes, was eigentlich gleichbedeutend ist mit der Stützung der Konjunktur. In der weiteren Auslegung heißt das nichts anderes, als dass die Zentralbank die geldpolitischen Schleusen öffnen wird, sollte es mit der US-Konjunktur ernsthaft nach unten gehen. Zuerst Aussetzen der Bilanzrückführung (Tapering), dann Zinssenkungen und schließlich im Extremfall Q4, wie man es dann bezeichnen müsste. Yanet Jellen hat vor wenigen Tagen, nach dem Treffen mit ihren Kollegen Bernanke und Powell, folgende weitreichende Bemerkung gemacht: Es könne sein, dass dies die letzte Zinsanhebung gewesen ist und dass die Zinsen für eine sehr lange Zeit sehr niedrig bleiben könnten.

Dazu noch eine historische Betrachtung zu den US-Rezessionen: Jeder Rezession in den USA in den letzten 50 Jahren gingen stark angestiegene Kurzfristzinsen voraus und ebenso steigende Inflationsraten. Beides kam gerade zu einem Stillstand in seiner Entwicklung.

Nun zum Thema Staatschulden, welches bisher noch kein Thema war, aber durch die US-Steuerreform in seiner Höhe richtig anspringen dürfte.

In diesem Jahr wird das US-Defizit laut Angabe der parteiunabhängigen Haushaltsabteilung (Congressional Budget Office, CBO) 973 Mrd.$ betragen, dies entspricht 4,6% des BIP. Bis 2022 erwartet das CBO einen Anstieg auf 5,4%, was fast schon griechische Verhältnisse bedeuten wird. Das große Problem dabei:

Die Schulden wachsen schneller als die Wirtschaft und dies geschieht in einer Phase extrem hohen Wirtschaftswachstums. Manche schlussfolgern daraus, dass der US-Dollar sukzessive seine safe haven -Funktion verlieren wird – der Prozentsatz des Dollars als Weltreservewährung ist bereits von 62% auf aktuell 59% gesunken.

Für Europa und Japan wird erst recht das Niedrigzinsszenario weiter gelten. In Fernost kann man bei einer Staatsverschuldung von 238% zum BIP keine halbwegs höhere Zinsen bezahlen und in unserer Eurozone? Ja, da wären wir wieder bei dem Thema Peripheriestaaten.

 

Fazit

Es riecht in den USA schon ein bisschen nach japanischen Verhältnissen, auch wenn man die beiden Länder in puncto Bevölkerungsentwicklung, Wirtschafts- und Geldpolitik nicht so sehr vergleichen kann. Aber im Bereich der Entwicklung der Staatsschulden sind durchaus Parallelen festzustellen (wenngleich Japan mit seiner Schuldenquote noch Jahrzehnte im Voraus ist).

Was die Aktienmärkte betrifft, könnte den USA eine lange Phase magerer Renditen (inklusive eines notwendigen Preisrückschlages, gleichbedeutend mit einer Rezession) bevorstehen. Anleiherenditen stehen in direkter Konkurrenz zu den Aktienmarktrenditen. Am Aktienmarkt bekommt man einen kleinen Risikoaufschlag gegenüber dem Anleihemarkt (nach Abzug von Inflation und Steuern ist die Rendite der Dividendentitel seit dem 2. Wk aber nicht sehr viel höher gewesen). Aber die Zinsen sind seit den 80-er Jahren, in denen sie deutlich zweistellig waren, im großen Zeitfenster ja gefallen und deshalb bekam man am Anleihemarkt neben dem Kupon ständig Kursgewinne. Bei einer 10-jährigen US-Treasury, die gerade mal bei 2,7% notiert, sieht man wohin die Reise in den nächsten Jahren mit der gemeinsamen Rendite gehen kann – wenn der uralte Zusammenhang noch Gültigkeit hat. Und das bei steigenden US-Staatsschulden – also doch ein bisschen japanische Verhältnisse.

Auf den Dax projiziert könnte dann das zutreffen, was der Chef von Allianz Global Investors in einem Interview angedeutet hat: Eine Seitwärtsbewegung von 8500 bis 13000 im Dax für eine ziemlich lange Zeit. Ein längerer Einbruch im deutschen Leitindex erscheint meiner Analyse zufolge nicht sehr wahrscheinlich, angesichts von Nullzinsen, die jeden Großanleger in den Markt mit Dividendentiteln zurücktreiben werden. Mit Anleihen wird man sein Kapital in Deutschland nach Inflation und Steuern à la longue schlicht und einfach dezimieren.

Die Finanzwelt als Ganzes könnte vor einer langen Periode niedriger Zinsen stehen.

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Devisen

Rüdiger Born: Dax, Dow und Mexikanischer Peso

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Endlich gibt es mal eine schöne Aufwärtsbewegung im Dax. Auch im Dow sieht es ganz gut aus. Aber kommt es kurz vorm Wochenende noch zu Gewinnmitnahmen? Im heutigen Trade des Tages (hier einsehbar) haben wir ein nicht ganz alltägliches Währungspaar rausgesucht.

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