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Das Jahr geht, die Zweifel werden immer größer! Abschwächung oder Rezession? Eine Kurzbetrachtung vor dem Jahresende

Plötzlich sinniert man über eine inverse Zinskurve und gar über die Möglichkeit einer Rezession. Woher dieser schnelle Stimmungsumschwung?

Redaktion

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Eine Kolumne von Wolfgang Müller

Irgendwie ging der Stimungswandel doch sehr schnell – zu schnell wie manche meinen. Man war zwar von einer US-Wachstumsabschwächung im Jahr 2019 ausgegangen, nach gut 20% Gewinnwachstum in diesem Jahr sollte es im nächsten auf ca. 8 – 10% zurückgehen. Doch plötzlich sinniert man über eine inverse Zinskurve und gar über die Möglichkeit einer Rezession. Woher dieser schnelle Stimmungsumschwung und wo liegen die Problemfelder?

Die Furcht vor den Zinssteigerungen und der Bilanzkürzung

Heißt es am 19. Dezember „one and wait“ oder „one and done“ oder nach dem 1500-Punkteeinbruch des Dow binnen zwei Tagen etwa „wait and see“? Gemeint ist das letzte Notenbanktreffen der Fed in diesem Jahr und die hohe, wenngleich gesunkene Wahrscheinlichkeit einer Leitzinsanhebung der US-Notenbank – der neunten in diesem Wirtschaftszyklus. Am 28. November hatte Fed-Chef Powell mit seiner Aussage „just below neutral“, auf die Zinsrate bezogen, einen Riesenschwenk getätigt und damit eigentlich auch Spekulationen bestätigt, dass es mit der boomenden Konjunktur nicht mehr so weiter gehen könnte. Je „dovisher“ die Fed wird, desto nervöser werden die Märkte, könnte man meinen.

Wann stellten denn je in den vergangenen Jahrzehnten Leitzinsen von 2,25 oder 2,5% eine bedrohliche Schwelle für ein Wirtschaftswachstum dar? Schlussfolgerung: Die Fed muss erkannt haben, wie problematisch die Verschuldung von corporate America sein könnte, wie gefährlich Trumps Zollkrieg für alle ist und dass höhere Leitzinsen die Wirtschaft gefährden können. Die plötzlich sehr beobachtete Zinskurve ist im Vergleich der 2 und 5-jährigen US-Zinsen bereits invers, bei dem wichtigeren Vergleich von 2 zu 10 Jahren fehlt gerade noch ein gutes Zehntel.

Bisher hat die Fed noch keine Äußerungen getätigt über das Prozedere der Bilanzrückführung von 50 Mrd.$ monatlich, die zusammen mit der gut einer Bio.$ starken Neuverschuldung, infolge der Ausfälle durch die Steuerreform, einen großen monetären Gegenwind darstellen wird. Sollte man am „Tapering“ rütteln, was dann? Alles in allem steht die Notenbankpolitik zum Jahresende aber ein bisschen unter dem Tenor Entspannung.

 

Der Handelskrieg mit seiner willkürlichen Pause

Ähnliches hätte man auch zum großen Thema Handelskrieg USA – China schreiben können, nach dem seltsamen 90-Tage-Waffenstillstand, ja, wenn da nicht die schnell aufgekeimten Zweifel wären, was man denn bei den großen widerstreitenden Interessen der beiden Großmächte in drei Monaten erreichen kann. Dann kam das ganz seltsame Prozedere um die Verhaftung der Finanzchefin von Huawei Meng Wanzhou in Kanada, welches sofort mit einer Eskalation des „Wirtschaftskriegs“ (Aufruf zum Boykott von US-Waren) in Verbindung gebracht wurde, allen Dementis zum Trotz.

Sehen wir uns das Szenario einer Anhebung der Zölle auf 25% an, aus den bisherigen Erfahrungen der bereits getätigten Zölle. Diese belasten Unternehmen und Verbraucher, weil sie wie eine Steuererhöhung wirken und damit die Wirkung der schuldenfinanzierten Steuerreform sogar konterkarieren. Über die Nöte der Bauern (wegen der Gegenzölle), der Reaktionen von Firmen wie Harley Davidson oder General Motors wurde hier schon viel geschrieben.

Die Absicht GM´s acht Werke schließen zu wollen (vier in den USA, zwei im Rostgürtel), dabei 14 000 Arbeiter zu entlassen, sind für Trump eine Art „Worst Case Scenario“, weil dies genau das Gegenteil davon ist, was er mit Zöllen erreichen will. Er, der „Tariff Man“, wie er sich selbst bezeichnet hat, will Arbeitsplätze in die USA zurückholen und vorher durch die Zölle höhere Steuereinnahmen generieren.

Trump handelt gegen die Interessen seiner eigenen Wirtschaft, am besten veranschaulicht durch die Aussage eines US-CEO ˋs.

Der Chef des Dow Jones Mischkonzerns United Technology, 100 Mrd.$ schwer, Gregory Hayes, sagte im Fernsehen: „Zölle nutzen niemandem, sie bringen keine Jobs zurück in die USA, sie wirken wie eine Steuer auf die Konsumenten, sie heben die Inflation an und sie drängen die Fed die Zinsen weiter zu erhöhen, summa summarum – sie schaden der US-Wirtschaft!“ Finanzminister Steven Mnuchin weiß um die Gefahren des Wirtschaftspokers für die Konjunktur, sein Widersacher Peter Navarro, der Autor des umstrittenen Buches „Death by China“, ist hingegen ein protektionistischer Ideologe, der mit allen Mitteln China in die Knie zwingen will. Dazwischen Dealmaker Trump, der die komplexe Auseinandersetzung scheinbar nicht mehr richtig im Griff hat. Diese Überlegung muss einem bei dem Kommunikationsdebakel vor und nach dem G20-Gipfel zwangsläufig kommen. Es geht um mehr als um „Tit for Tat“.

Die Abschwächung der Konjunktur – weltweit

Das größte Problem für die Märkte ist – hört, hört, nach all den wochenlangen Diskussionen um Zinsen und Zölle, für die Märkte plötzlich die sich abschwächende Konjunktur – weltweit. Dabei ist die trumpsche Wirtschaftspolitik gerade eine zentrale Mit-Ursache für das rückläufige Wirtschaftswachstum. Große Unternehmen verfallen in Attentismus, denn wer will schon groß investieren, wenn Zölle oder gar Sanktionen (Iran) drohen?

Gewiss fallen die Frühindikatoren weltweit, besonders in Europa und China mit Werten knapp an der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, aber in den USA? Die letzten Einkaufsmanagerindizes für November (verarbeitendes Gewerbe und Dienstleistungen) lagen höher bei 60 Punkten und damit deutlich im Wachstumsbereich.

Haben die Märkte, allen voran die Bondmärkte, mit der Furcht vor der kommenden Rezession übertrieben?

Selbst IWF-Chefin Christine Lagarde meldete sich Donnerstag mit der Feststellung, die USA stünden nicht vor einer Rezession. („Investor fears about recession seem overdone!“)

Erinnern wir uns an das Jahr 2008, da gab es Unternehmenschefs, die selbst im Sommer noch keine Rezession im Anzug sahen, wenige Monate später startete in Deutschland der stärkste Einbruch in der Wirtschaft seit dem 2. Weltkrieg mit minus 5%.

Viele Optimisten klammern sich jetzt an eine starke statistische Regel für die Wirtschaft, die besagt: das 3. Jahr eines Präsidentschaftszyklus hatte zumeist gute Börsen.

 

Fazit:

Obwohl hier nur ein kleiner Streifzug durch mögliche Problembereiche getätigt wurde, wage ich folgende Feststellung. Die nächsten Wochen könnten ein heftiges. weiteres Hin-und-Her an den Märkten bringen, ein Hoffen und Bangen. Sowohl Bullen und Bären ist klar, dass bald 10 Jahre Aufschwung vorüber sind – ein Anstieg von 6547 auf 26828 Punkten Im Dow und von 3666 auf 13559 im Dax – Tempi passati?

Die Fed-Politik wird ungewollt dazu beitragen, da sie „data driven“ agieren will und damit keine langfristige Strategie mehr verfolgt, sondern auf volatile Konjunkturdaten achtet.

Das wird weiter für Volatilität sorgen (die Daytrader mögen jubeln) und für mich bleibt die Erkenntnis: Die Börsenverfassung (diesseits und jenseits der künftigen Seidenstraße) verträgt weder eine Eskalation im Zollstreit noch weitere Geldverknappung, sonst nimmt die Schwerkraft ihren Lauf, bildlich gesprochen. Die Wahrscheinlichkeit einer technischen Rezession, also der Wachstumsschrumpfung für zwei Quartale in 2019, ist ziemlich groß. Ich hatte bereits in meinen Kommentaren im Frühjahr 2018 – im ubiquitären Goldlöckchen-Umfeld – immer wieder erwähnt, dass ich von einer Rezession im kommenden Jahr ausgehe. Eine heißlaufende Konjunktur noch mit einer billionenschweren Steuerreform zu befeuern, das ist wie bei einem Leistungssportler, der in Hochform unterstützende Mittel erhält, aber dann sein Dopingmittel absetzen muss.

Deshalb bleibe ich weiter bei meinem Szenario Rezession 2019, es stellt sich nur die Frage, ob Trump ihr Eintreten beschleunigt oder die Fed dieses hinausschiebt. Kurzfristig sollte es nochmal zu einer Gegenbewegung kommen, in den Dax-Kursen ist ein Abschwung bereits eingepreist.

Aber, ich will hier nicht übermütig werden mit meinen Vorhersagen, denn Börsenvorhersagen sind bekanntermaßen noch schwieriger als Wettervorhersagen und da haben wir trotz Satelittentechnik noch nicht einmal eine 90% -Wahrscheinlichkeit für die nächsten paar Tage erreicht.

 

 

Von André Karwath aka Aka – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36138

 

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    .Prognostikus

    8. Dezember 2018 10:13 at 10:13

    Noch ein Grund für eine eher abschwächende Wirtschaft.
    Das obere Drittel der US- Bevölkerung hatte 10 Jahre steigende Vermögenszuwächse mit den unüblichen gleichzeitigen Steigerung von Aktien,Immobilien u.Anleihen.Ende dieses Jahres wird wegen der Verluste der meisten Anlageklassen dieses Drittel eine negative Jahresbilanz haben, was nicht konsumfördernd wirkt.
    Die unteren ca. 50% werden mit den Zöllen bestraft, weil sie praktisch von der Hand in den Mund leben oder sogar verschuldet sind. Die grossen Dicken, die von den schuldenfinanzierten Steuererleichterungen am meisten profitieren, werden je nach Geschick Ende Jahr reicher oder ärmer sein.Wenn ich denke, dass sogar der Gretzky der Finanzwelt aus Nebraska sich wegen zu viel Äpfelkonsum einen Durchfall erlitten hat,
    könnten auch noch andere an der einseitigen FANG – Positionierung gelitten haben.
    Diese Leute beeinflussen zwar die Konsumgesellschaft nicht zu stark, haben sie doch schon 10 Ferraris
    u.10 Villen an den steuergünstigsten Plätzen. Sie würden den Markt höchstens beeinflussen, wenn sie dann
    verkaufen würden oder müssten u.andere bisherige Bewunderer nicht mehr zu Käufen auf höchstem Niveau
    animieren würden.

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Markus Koch vor dem Handelsstart in New York – Abverkauf bei Tech geht weiter

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video vor dem Handelsstart in New York. Der Abverkauf bei Tech geht weiter, und der Value-Bereich profitiert.

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Aktienmärkte: S&P 500 und Dow Jones – geht der Abverkauf weiter?

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Obwohl der S&P 500 als Leitindex der weltweiten Aktienmärkte meiner Lesart Folge geleistet hat, habe ich mich zur Umstellung meines Szenarios entschieden. Aufgrund fehlender stark strukturierter Kursmuster ist die Analyse der seit März währenden Welle äußerst schwierig und kann durch die Performance eines einzelnen Tages einer kompletten Umstellung bedürfen. Ungeachtet dessen bleibt der S&P 500, bleiben die Aktienmärkte im Korrekturmodus! Wie der Chart es zeigt, bleibe ich meiner prinzipiell positiven Sichtweise treu, ganz gleich wie die Wellen später deklariert werden.

Aktienmärkte: Ausblick für den Leitindex S&P 500

Die kleine Korrektur der Aktienmärkte der letzten Tage dient der Ausbildung von Welle (c) der übergeordneten Welle (B). Aufgrund dessen, dass sich (c) in dieser Konstellation fünfteilig ausbilden muss, erwarte ich die Ausbildung eines Diagonal-Impulses (1-2-3-4-5). Aktuell steht Welle (3) auf der Agenda und kann weitere leichte Verluste im Schlepptau führen. Im Grunde sehe ich diese Gefahr nicht, denn aufgrund des ausgebliebene Bruchs des kleinen 0.62-Retracements (3.286 Punkte) erwarte ich einen freundlichen Wochenstart. Dennoch bleibt der S&P 500, bleiben damit die Aktienmärkte noch unter der Kontrolle der seit Ende August andauernden Korrektur.

Der S&P 500 gibt die Richtung für die Aktienmärkte vor
Somit ist selbst ein Abverkauf bis zur 1.62-Unterstützung (3.178 Punkte) absolut im Rahmen der Möglichkeiten. Lediglich der Bruch dieser massiven Kurslinie sollte sich nicht einstellen. Ein erstes sehr ernst zu nehmendes Anzeichen auf einen bevorstehenden Paradigmenwechsel der Aktienmärkte würde erst ein Schlusskurs über dem 0.76 Retracement bei aktuell 3.516 Zählern darstellen. Auch diesen Schritt erwarte ich für die nächste Woche noch nicht.

Fazit:

Der S&P bewegt sich innerhalb einer Korrektur, deren Abschluss so schnell nicht zu erwarten ist. Resultierend daraus rate ich von einer Positionierung derzeit noch ab; ist ein Kaufsignal noch nicht spruchreif.

 

Wie ist die Lage beim Dow Jones?

Der Dow Jones musste sich an den zurückliegenden beiden Wochen, wie alle amerikanischen Aktienmärkte, leichte Punktverlusten hinnehmen. Dramatisches ist daran noch nicht festzustellen, denn dieses Szenario hatte ich in der jüngsten Betrachtung auch so aufgezeigt. Veränderungen an der bisherigen Wellenzählung mussten somit nicht vorgenommen werden, wie die Charts es zeigen. Mit dieser Performance bestätigt der dienstälteste Aktienindex der Welt seinen Willen, den bisherigen Trend fortführen zu wollen. Der Langzeitchart zeigt meine diesbezügliche Sichtweise auf.

Ausblick:

Die jüngsten Punktverluste haben die Ausbildung von Welle (iv) des seit Mitte Mai laufenden Diagonal-Impulses (i-ii-iii-iv-v) zur Aufgabe gehabt. Der ausgebliebene Schlusskurs unterhalb der Unterstützungslinie bei 27.505 Punkten (0.38 Retracement) kann als ein leicht positiv zu wertendes Indiz auf eine bevorstehende Trendwende angesehen. Noch ist der Stab noch nicht gebrochen; noch besteht die Möglichkeit, dass das 0.50 Retracement (27.002 Punkte) angelaufen wird. Der Bruch dieser Supportline würde eine größere Korrekturbewegung für den Dow, für die Aktienmärkte insgesamt nach sich ziehen und zudem noch den seit März laufenden Aufwärtstrend abschließen.

Der Dow Jones und die Aktienmärkte
Wie im Chart dargestellt erwarte ich diesen Schritt nicht, vielmehr favorisiere ich eine Stabilisierung auf dem aktuellen Niveau und eine sich daran anschließende Fortführung des Aufwärtstrends. Derzeit sind noch keine Einstiegsmarken als auch Kursziele zu benennen, denn hierzu muss erst der Abschuss von (iv) erfolgen. Zu beachten ist dabei, dass es sich bei der seit März laufenden Bewegung, um eine Korrektur handelt.

Fazit:

Die aktuelle Situation steht einem Engagement zum jetzigen Zeitpunkt entgegen. Erst nach Abschluss von (iv) kann von einem neuen Einstiegssignal gesprochen werden. Die Absicherung sollte bei 27.002 Punkten (0.50 Retracement) erfolgen.

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Aktienmärkte: Geht die Korrektur im Herbst ungebremst weiter?

Es riecht schon stark nach einer Ausweitung der Septemberkorrektur für die Aktienmärkte. Zumal die Woche nach dem großen September-Verfallstag historisch eine der schlechtesten im ganzen Jahr darstellt

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Es ist die erwartete Korrektur der Aktienmärkte am Laufen, vor allem die US-Techwerte kkamen unter Druck – und dennoch herrscht wieder einmal Staunen in bestimmten Kreisen über die Kehrtwende in einem Markt mit einem parabolischen Chart, weil eine Hausse einfach eine Hausse nährt und viele einfach dabei sein wollen.

Der Nasdaq 100 hat von seinem Hoch am 2.September mit 12.420 Punkten auf 10.936 Punkte (Freitagsschlusskurs) gerade mal 12 Prozent korrigiert. Nicht allzuviel nach einem 78-Prozent-Anstieg seit seinem Märztief. Da könnte eigentlich noch einiges kommen, bis zu seinem Aufwärtstrend bei 9500 Punkten, der 200-Tage-Linie.

Aktienmärkte: Die untrüglichen Anzeichen

Klar könnte es nach fünf Monaten in Folge von Gewinnen bei S&P 500 und Nasdaq auch einen sechsten Gewinnmonat geben, aber bei diesem August?

Der August 2020 war nicht nur der fünfte Anstiegsmonat in Folge, sondern für den S&P 500 der beste August seit 1986 und für den Nasdaq seit der Jahrtausendwende. Für eine Korrektur der Aktienmäkte sprach der beschleunigte, exponentielle Aufwärtstrend von Apple (plus 30 Prozent) und Tesla (plus 45 Prozent) binnen Monatsfrist, was bei weiteren Kurssteigerungen in kurzer Zeit zu völlig absurden Bewertungen geführt hätte. Beispiel Apple: Die Firma hatte zuletzt 137.000 Beschäftigte und machte im zweiten Quartal 2020 mit rund 60 Milliarden Dollar Umsatz elf Milliarden Dollar Gewinn. Dennoch wäre sie nach Börsenbewertung (über 2,2 Billionen Dollar in der Spitze) bereits unter den Top-10-Staaten der Welt, gemessen am BIP. Das Unternehmen wird nur deshalb so hoch bewertet, weil es mit so wenigen Beschäftigten so hohe Erlöse und Gewinne schafft. Von Tesla braucht man in diesem Zusammenhang nicht mehr zu schreiben. Deshalb habe ich bereits in Artikeln vom 12.8.  („Korrektur bei Big-Tech und Branchenrotation?“) und vom 31.8. („US-Aktienmärkte: Septembereinbruch oder Branchenrotation?“ auf eine notwendige Bereinigung hingewiesen.

Die Euphorie um die Aktiensplits bei Apple und Tesla hatte die Gier noch einmal angefacht, noch einige Call-Optionskäufer in den Markt gespült.

Der Versuchung gebührenfrei Aktien und Optionen an der Börse handeln zu können, sind im Jahr 2020 weitere Millionen RobinHoodies gefolgt. Die durchschnittlich 31 Jahre alten Neuspekulanten hatten Ende Juli ein Depot von 8500 Dollar im Schnitt, bewegt wurde aber im Optionsgeschäft ein Hebel von 26. Welche Summen, vor allem in Nasdaq-Werten da wohl bewegt wurden?

Aber waren auch andere Anzeichen nicht überdeutlich?

Die Firmeninsider in den USA, die schon mehrere Wochen auf der Verkäuferseite standen (Verhältnis Verkäufe – Käufe 5 zu 1 im Juli), der Bericht der UBS über die Milliardäre, die im März mit Krediten auf dem Aufschwung spekuliert hatten und die vor Kurzem Kredit- und Aktienpositionen abbauten, um die Gewinne u.a. in Immobilien zu stecken. Selbst deutsche „Directors Dealings“ sendeten Warnzeichen. Die Investmentfonds hatten ihre Investitionsquote um satte 40 Prozent verringert. Die Korrektur war auf kurze Sicht eine der am meisten Erwartete in der jüngeren Vergangenheit.

Fed-Sitzung und großer Verfallstag

In der letzten Woche gab es zwei Ereignisse, von denen man einen großen Volatilitätsschub hätte erwarten können. Bei der Sitzung der US-Notenbank versicherte Fed-Chef Jerome Powell einmal mehr, dass die (Leit)Zinsen auf lange Zeit tief bleiben werden. Bis zur Vollbeschäftigung (Maximum Employment) – was für ein Ziel in der jetzigen Lage der USA! Gleichzeitig bestätigte er die Strategie der Zentralbank, auch ein Überschießen der Inflation über die ominösen zwei Prozent hinaus akzeptieren zu wollen. Was für mich nichts anderes bedeutet, als dass die Fed die finanzielle Repression zum Zwecke des relativen Schuldenabbaus auf ein neues Level hebt, wie nach dem Zweiten Weltkrieg. Großes Risiko dabei: wenn die Inflation die Gütermärkte erreichen sollte.

Der dreifache Hexensabbat brachte keine großartigen Verwerfungen mehr für die Aktiemärkte, eigentlich wie schon seit Langem, denn die Bereinigungen finden in der Regel schon in der Vorwoche statt. Das Spannende an der Angelegenheit ist vielmehr die Frage, ob die zu zockwütigen Kleinanleger ihre Wetten auf steigende Kurse tatsächlich verlängern werden. Die nächsten Tage werden darüber etwas Aufschluss geben, sichtbar an einer weiteren Korrektur der Nasdaq-100-Werte – oder eben einem kleinen Rebound.

Die aktuelle Entwicklung

Wie erwähnt, vollziehen sich seit gut zwei Wochen Entwicklungen, die zum einen heftig (Nasdaq-Korrektur von 11 Prozent binnen drei Tagen) – und zum anderen relativ unbemerkt (Outperformance von Value zu Growth) vonstatten gehen. Die Hightech-Werte sind weiter am Schwächeln und aufgrund ihres Marktgewichtes haben sie den S&P 500 am Freitag zum Schlusskurs unter seine 50-Tage-Linie gezogen. Derweilen hat der Russel 2000 mit all seinen zurückgebliebenen Aktien den Leitindex weiter outperformt. Tech-Optimisten könnten jetzt eine Erkenntnis der Schweizer UBS ins Felde führen: Diese fand heraus, dass es in den vergangenen fünf Jahren bereits zahlreiche Korrekturphasen der Technologiewerte gegeben hat. Zumeist mit Rückschlägen von zehn bis 12 Prozent, die aber stets schnell wieder aufgeholt werden konnten.

Die Aktienmärkte allgemein sind derzeit etwas gefangen zwischen zwei gegenläufigen Faktoren. Da gibt es zum einen die weiterhin sprudelnde Liquidität von Notenbanken. Dazu die Stimulus-Maßnahmen der Regierungen, die, wenn es ernst wird, sofort Rettungspakete oder Sondermaßnahmen (Themen Insolvenzordnung, Kurzarbeit, Mieterschutz) verlängern. Dabei hat sich seit ein paar Wochen eine kleine Korrektur gezeigt an den Märkten – der moderate Wechsel von Growth zu Value. Zwar waren die Big Seven-Aktien für die Rally der Aktienmärkte verantwortlich mit ihrer Marktkapitalisierung von über sieben Billionen Dollar, die restlichen 493 Werte des S&P 500 bringen aber 21 Billionen Dollar auf die Waage. Also Branchenrotation und vielleicht ein bisschen Window Dressing zu Quartalsende?

Auf der anderen Seite gibt eine große Zahl an Entwicklungen, die für eine Korrektur sprechen:

Die steigende Zahl an Coronainfizierten, die zwar in der Masse sehr jung sind, die Staaten aber dazu bringen, sogar über Aufschwung-schädliche Lockdownmaßnahmen zu beraten oder diese gar zu verhängen (Beispiel Israel, Großbritannien). Also die Angst vor der zweiten Welle. Dann Aspekte wie die Unsicherheit vor der US-Wahl. Dazu kommen saisonale Vorgaben, die große Verkaufswelle der Insider, die Investitionszurückhaltung der Fondsmanager, die sich überall zeigende Abschwächung der Wirtschaftserholung (das asymmetrische V).

Insgesamt ist derzeit sehr viel Psychologie im Spiel, Anleger sehen die Warnsignale nach fünf Monaten Hausse der Aktienmärkte – und parallel dazu gibt es das absonderliche Glücksrittertum von Kleinanlegern, die mit ihren Hebeleinsätzen an die wundersame Geldvermehrung glauben.

Aktienmärkte: Was erwartet uns diese Woche?

In der kommenden Woche gibt es relativ wenige Konjunkturdaten auf der Agenda. Für die USA eigentlich nur die Auftragseingänge langlebiger Güter am Freitag. Anders für Deutschland: Am Mittwoch der für unsere Exportnation bedeutsame Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe, aber noch wichtiger ist der Donnerstag, wenn das Ifo-Institut seinen Geschäftsklimaindex für den Monat September bekannt gibt. Gibt es den fünften Anstieg in Folge oder bereits einen kleinen Corona-bedingten Rücksetzer? Für mich ein sehr bedeutsames Datum, denn wer sollte sonst die Aussichten der Unternehmen in den nächsten Monaten besser beurteilen können, als 9000 Chefs von ihnen in einer zusammengefassten Indexzahl?

Das (noch) unterschätzte Risiko

Klar spekulieren die Aktienmärkte ständig über den Ausgang der US-Wahl mit seinen Kombinationen und deren wirtschaftlichen Auswirkungen: Trump oder Biden? Und wenn Biden, vielleicht mit einer Elisabeth Warden als Finanzministerin? Oder eine demokratische Kongressmehrheit? Aber das eigentlich Bedrohliche wäre doch ein anderes Szenario: Was würde bei einem knappen Wahlausgang passieren, den vor allem Donald Trump nicht akzeptieren würde? Könnte dies nicht sogar zu so etwas wie einer kleinen Staatskrise führen, mit möglichen bürgerkriegsänlichen Unruhen? Hat denn der Amtsinhaber nicht schon jetzt von einem möglichen illegitimen Wahlausgang gesprochen? Aktienmärkte hassen Unsicherheit: eine derartige, nicht unmögliche Zuspitzung, würde ordentlich Sand ins Börsengetriebe streuen – zumindest für eine gewisse Zeit.

Fazit

Es riecht schon stark nach einer Ausweitung der Septemberkorrektur für die Aktienmärkte. Zumal die Woche nach dem großen September-Verfallstag historisch eine der schlechtesten im ganzen Jahr darstellt. Ein wichtiges Zünglein an der Waage werden weiterhin die vielen Call-Spekulanten spielen, die mit gehebelten „Zocks“ ständig für Nachkäufe der Aktien sorgen. Aber es gibt bereits einen überraschend starken Anstieg an Put-Optionen in der vergangenen Woche, wie es die  CoT-Daten signalisieren (nun auf einem Niveau wie im Jahr 2008).

War eigentlich klar, dass es im Verlauf der Woche nicht zur erwarteten Katastrophe mit dem Auslaufen der Septemberkontrakte kam. Das Erwartete führt an der Börse praktisch nie zur Katastrophe, das verbietet das Grundprinzip der Aktienmärkte. Dies kommt für gewöhnlich (auf Tagessicht) überraschend, mit oft banalen Auslösern – aber davon haben wir doch auch genug in der nächsten Zeit..

Es riecht stark nach einer Ausweitung der Septemberkorrektur für die Aktienmärkte

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