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Das Kuba-Experiment – einmalig in der Geschichte

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Kuba und die USA verhandeln derzeit über die Normalisierung der Beziehungen – in einem ersten Schritt geht es um die Wiedereröffnung von Botschaften in beiden Ländern. Die entscheidende Frage lautet: kann das kommunistische Kuba den wirtschaftlichen Wandel schaffen, ohne unterzugehen? Ein einmaliges Experiment, da das Land 50 Jahre lang größtenteils isoliert war.

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Blick über die Hauptstadt Havanna

Selbst in den düstersten Zeiten des kalten Krieges hat die Sowjetunion mit dem Westen Handel getrieben um Defizite zu kompensieren. Kuba hatte zwar bis 1990 Zugang zum Ostblock, der Handel mit dem „freien“ Weltmarkt war dem Land aber quasi verwehrt, und das mehr als 50 Jahre, verursacht durch das all umfassende Embargo der USA, das US-Bürgern die Einreise nach Kuba de facto verbot, keine Flüge zwischen den USA und Kuba erlaubte und für einen florierenden Schwarzmarkthandel zwischen Staaten sorgte. So importiert Kuba viele US-Waren über Drittländer wie z.B. Mexiko. Aber diese Blockade wurde immer mehr verwässert. Ölexploration mit Hilfe Kanadas (bisher größtenteils Import aus Venezuela), Reisebusse von chinesischen Herstellern, Hotelketten aus Spanien, Touristen aus Europa, Kanada und Südamerika – alle handeln bereits irgendwie mit Kuba, nur offiziell darüber reden wollte so richtig niemand, um die USA nicht zu verärgern. Das ändert sich jetzt schrittweise; auch wenn die Republikaner im US-Kongress immer noch das Faustpfand in der Hand halten, dass nur die Mehrheit im Kongress das Embargo aufheben kann – Präsident Obama tut mit seinen Maßnahmen alles Machbare, was er mit einem präsidialen Erlass machen darf. Es ist unwahrscheinlich, dass die Republikaner dauerhaft am Embargo festhalten können – sie würden sich vor der Weltöffentlichkeit lächerlich machen. Auf Dauer kann man das keinem Menschen mehr erklären, warum gegen Kuba immer noch eine Blockade existiert, aber mit China frei gehandelt wird.

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Kontrast: Restaurierte und marode Häuser in Havanna´s Altstadt

Aktuell verhandeln die Delegationen beider Länder über die gegenseitige Wiedereröffnung von Botschaften. Das große Thema, das über allem schwebt, lautet: was wird mit den amerikanischen Unternehmen, die Kuba nach der Revolution enteignet hat? Und was wird mit den Exil-Kubanern in Florida, die bei einer möglichen Rückkehr auf Rückgabe ihres Eigentums pochen würden? Niemand weiß bisher, wie diese Fragen gelöst werden sollen. Beide Seiten müssen versuchen ihr Gesicht zu wahren gegenüber ihren Wählern bzw. Bürgern. Würde Kuba den Amerikanern einfach so sämtliche Ländereien und Betriebe zurückgeben, würden sich hunderttausende Menschen, die damals für die Revolution gekämpft haben und danach ein anderes Land aufbauten, von der eigenen Regierung betrogen fühlen. Umgekehrt muss Obama bzw. sein/e Nachfolger/in den amerikanischen Konzernen erklären, was mit ihren ehemaligen Besitztümern ist, sollte es keine Rückgabe geben. Vielleicht einigt man sich auf eine Art Bar-Entschädigung in Raten.

Schafft Kuba den Wandel?

Interessant ist, dass es in Kuba zwei Währungen gibt, den kubanischen Peso und den Cubano Convertible (CUC). Er ist 1:1 an den US-Dollar gebunden. Touristen zahlen ausschließlich in dieser Währung, also de facto US-Dollar. Einheimische zahlen inzwischen immer mehr Dinge des alltäglichen Lebens wie Kleidung und auch diverse Lebensmittel mit dem CUC. Aktuell gibt es den CUC noch, der Plan ist aber ihn nach und nach abzuschaffen und wieder zu einem Ein-Währungsland zurückzukehren.

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Tabakanbaugebiet und Touristenmagnet: Pinar del Rio

Die wichtigste Frage lautet: Schafft diese Insel, die mehr als 50 Jahre vom Fortschritt isoliert war, den Wandel? Entscheidend dürfte sein, dass die Regierung nicht wie in der DDR auf Knall und Fall das „System“ wechselt und von heute auf morgen die totale Marktwirtschaft einführt. Folge wäre wie in der DDR ein brutaler Kollaps. Südkoreanische Politiker, die langfristig eine Perspektive für die Wiedervereinigung von Nord- und Südkorea entwickeln wollen, haben schon angedeutet, dass man dem Beispiel der deutschen Wiedervereinigung nicht folgen, sondern eine langsame schrittweise Anpassung Nordkoreas vornehmen würde, um katastrophale Auswirkungen zu vermeiden. Bisher führt Kuba wirtschaftliche Veränderungen nach und nach ein. Bürger dürfen inzwischen Zimmer privat vermieten, privat Taxis betreiben, privat Restaurants führen. Dies scheint der (wirtschaftlich) richtige Weg zu sein. Sinnvoll wäre es z.B. in Folgeschritten in einzelnen Industriebereichen ausländische Partner ins Land zu holen, die ähnlich wie in einigen asiatischen Ländern nicht mehr als 50 % der Joint Ventures halten dürfen. So holt man sich das KnowHow ins Land, verhindert aber den Ausverkauf des Landes.

Die kubanische Regierung scheint für den wirtschaftlichen Wandel aktuell den richtigen Weg zu gehen, Schritt für Schritt Privatwirtschaft erlauben, Schritt für Schritt ausländische Investoren ins Land holen für eine langsame, aber spürbare Verbesserung der Lebensverhältnisse im Land. Die Politik ist ein ganz anderes Thema. Hier wird sich so schnell nichts ändern.

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US-Wahl egal für die US-Märkte? Experte Andre Stagge mit ausführlicher Erklärung

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Ande Stagge über die aktuelle Lage im S&P 500 und zur US-Wahl

Ist der Ausgang der US-Wahl letztlich egal für die US-Aktienmärkte? Das denken manche Beobachter. Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht dieses Thema im folgenden aktuellen Video im Detail. Ausführlich geht er auf die einzelnen Standpunkte von Joe Biden und Donald Trump ein. Zum Beispiel seien die Steuerideen von Joe Biden eindeutig schlecht für die Wirtschaft. Natürlich muss man fair sein und erwähnen, dass die US-Unternehmen durch die große Steuersenkung von Donald Trump im Jahr 2017 massiv profitiert hatten. Andre Stagge glaubt an einen Wahlsieg von Joe Biden, und dass dies letztlich nicht gut für die Märkte wäre – auch wegen der Idee von Joe Biden den Mindestlohn in den USA drastisch anzuheben. Wichtig werde auch die Phase direkt nach der Wahl, und ob Donald Trump bei einer möglichen knappen Wahlniederlage Probleme machen wird.



Ist die US Wahl egal by Andre_Stagge on TradingView.com

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Covid-19: Würgt die 2.Welle den Aufschwung und die Aktienmärkte ab?

Momentan befinden sich die Börsen in einem kleinen Wechselbad der Gefühle. Die Pandemie ist der größte aktuelle Unsicherheitsfaktor!

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Täglich ist es das Hauptthema in den Medien: Der fast global feststellbare Anstieg der Infektionszahlen wegen Covid-19, insbesondere auch in Ländern in Europa, die vorher die Pandemie gut im Griff hatten. Auch wenn man den unbedingten Willen der Staaten erkennt, einen Lockdown wie im April an Intensität und Dauer zu verhindern, sind auch die Vorstufen alles andere als förderlich für die Volkswirtschaften. Die Frühindikatoren haben schon reagiert: Wird in manchen Ländern aus dem Erholungs-V dann doch ein „W“?

Itˋ s Covid-19!

Könnte man formulieren, in Anlehnung an das bekannte Bonmot von Bill Clinton im Zusammenhang mit der Bedeutung der Wirtschaft für sein Land. Deshalb rücken selbst die US-Wahlen in den Hintergrund – oder auch das Gezerre um die Hilfspakete in den USA. Diese müssen angesichts der Situation der Arbeitslosen in den USA kommen, egal unter welcher Partei. Es stellt sich nur die Frage nach dem Zeitpunkt.

Es geht um die zweite Welle an Infektionszahlen wegen Covid-19. Betrachtet man die Situation in Frankreich, so sind die Zahlen bis auf das Vierfache der täglichen Infektionen im Vergleich zum Frühjahr gestiegen, auch in Italien, Spanien und Deutschland liegen die Zahlen höher als in der ersten Welle. Von Ländern wie Holland oder Tschechien erst gar nicht zu reden.

Die COVID-19 Zahlen in Deutschland

 

Die Infektionszahlen sind auch in Deutschland in die Höhe geschossen, nicht aber die Zahl der schweren Fälle oder gar der Toten. Dies ist auch in Summa in anderen Ländern feststellbar.

Spannend wird sein, ob die drastischen Warnungen und die Beängstigung der Bevölkerung zu einer Wende führen. Denn die aktuellen Infektionen mit Covid-19 sind zumeist von jüngeren Menschen verursacht – und diese sind zu weit über 90 Prozent bereits nach zwei Wochen wieder aus der Infiziertenliste zu streichen.

Was bedeutet das für die Wirtschaftserholung?

Zunächst einmal werden die Zahlen zum dritten Quartal mit positiven Rekorden verblüffen: Nachdem die Wirtschaft in der Eurozone im zweiten Quartal um gewaltige zwölf Prozent gefallen war, rechnen die Volkswirte laut Bloomberg jetzt mit einem Wachstum von neun Prozent. Wahrscheinlich eine sehr viel verlässlichere Prognose als in Schätzungen im Voraus, schließlich gibt es dazu bereits viele Kennziffern. Deutschland soll in Q3 um 6,9 Prozent gewachsen sein, nach einer Schrumpfung von 9,7 Prozent in Q2.

Für das vierte Quartal waren die Prognosen natürlich deutlich niedriger, weil man sich dann auf das vorherige gute Quartal bezieht. Jetzt kommt aber das Problem: denn gerade mit dem Herbstbeginn hat die zweite Welle der Pandemie mit großer Intensität und teilweise schon mit exponentiellen Wachstumsraten bei Covid-19 eingesetzt.

Die Folge: Eine Revision der Wachstumserwartung für Q4 in der Eurozone von plus drei auf zwei Prozent, für Deutschland senkt man die Erwartungen von plus 2,5 auf 1,5 Prozent. Dabei ist noch nicht einmal ein Monat des Schlussquartals vergangen und die vielen kleinen regionalen Lockdown-Maßnahmen für Tourismus, Hotellerie, Gastronomie u.w. sind gerade erst beschlossen worden. In manchen Staaten (Niederland, Irland) haben diese bereits eine ganz andere wirtschaftsfeindliche Dimension.

Aber auch speziell die Frühindikatoren zeigen schon seit Längerem einen leichten Abschwung an. Die Einkaufsmanagerindizes für Frankreich (48,5 Punkte) und Spanien (44,3 Punkte) sind bereits unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gefallen. In Italien und Deutschland liegt der Wert dagegen noch über der kritischen Marke, hierzulande noch bei komfortablen 54,7 Punkten. Auffällig ist weltweit, dass sich die Industriekomponente sehr gesteigert hat – China lässt grüßen, aber auch, dass der Dienstleistungssektor zur Schwöche neigt. Eine Folge der vielen kleinen Coronaeinschränkungen.

Insgesamt kommt dieses Anschwellen der Zahlen von Covid-19 zur Unzeit. Mancher Analyst redet nicht nur bereits von einer möglichen W-förmigen Wirtschaftserholung – sogar das Wort einer Double-Dip-Recession macht schon die Runde.

Betrachtet man dies aus dem optimistischen Blickwinkel der Bullen, so könnte man diese die spürbare Angst als „Wall of Worry“ bezeichnen, die entgegen der Stimmungslage sogar die Basis für eine Jahresendrally bilden könnte.

Fazit

Momentan befinden sich die Börsen in einem kleinen Wechselbad der Gefühle: Die steigenden Zahlen von Covid-19, der Ausgang der US-Wahlen mit all seinen Unsicherheitskomponenten, aber auch die Hoffnung auf weitere Stimuli: Vonseiten der Regierungen (Konjunkturpakete), von den Notenbanken Anleihekäufe und von den Anlegern selbst, die in Zeiten von Nullrenditen an den Kapitalmärkten immer wieder in die Dividendentitel „getrieben“ werden.

Dennoch ist die Pandemie der größte aktuelle Unsicherheitsfaktor. Allein die hypothetische Möglichkeit eines größeren Lockdowns sorgt für gewisse Ängste, denn einen weiteren Wirtschaftsschock können auch Rettungspakete nicht ohne gravierende Folgen ausgleichen. Aber es existieren auch Hoffnungen, denn neben der Impfstoffgeschichte gibt es auch die Möglichkeit eines baldigen Abebbens der zweiten Welle – die Menschen haben es in der Hand.

 

Das Wiederaufflammen von Covid-19 und die Folgen

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Europäisches Arbeitsmarktbarometer: Aussichten gut? Dazu zwei Anmerkungen

Claudio Kummerfeld

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Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Tochter der Bundesagentur für Arbeit, hat heute das neue europäische Arbeitsmarktbarometer veröffentlicht. So will man zusammen mit anderen europäischen Arbeitsmarkt-Institutionen einen besseren Ausblick geben, wie die Lage am Arbeitsmarkt in ganz Europa wohl in den nächsten Monaten aussehen wird. Denn das IAB sagt selbst, dass das seit Jahren einmal im Monat veröffentlichte deutsche Arbeitsmarktbarometer diese Funktion gut erfülle.

Die Skala für dieses neue europäische Arbeitsmarktbarometer reicht von 90 bis 110 Indexpunkten. Bei 100 ist die Aussicht neutral. Darüber verbessert sich der Arbeitsmarkt in Europa, darunter verschlechtert er sich. Das als solches offiziell bezeichnete „European Labour Market Barometer“ lag im September bei 98,7 Punkten. Gegenüber dem Vormonat ist es damit um 0,8 Punkte gestiegen. Nach dem tiefen Absturz des Arbeitsmarktindikators im April um 6,9 auf 93,5 Punkte wurde mittlerweile ein erheblicher Teil des Rückgangs wieder ausgeglichen, so die IAB heute. Beim Klick an dieser Stelle können Sie sich die ausführliche Meldung auf 4 Seiten durchlesen.

Zwei Anmerkungen zum europäischen Arbeitsmarktbarometer

Wir haben da nur zwei Anmerkungen zu diesem neuen Arbeitsmarktbarometer für Europa. Als erstes wäre da die Erkenntnis, dass es sich gar nicht um ein richtiges flächendeckendes Barometer handelt. Daten für diese Erhebung kommen nämlich nur aus Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Island, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Österreich, Portugal, Tschechien, Zypern und Polen. Wie soll bitteschön ein ernsthaftes Lagebild über den europäischen Arbeitsmarkt erstellt werden, wenn für die EU die zwei, dritt- und viertgrößte Volkswirtschaft fehlt, nämlich, Frankreich, Italien und Spanien?

Aber gut, sei es drum. Was noch auffällt bei diesem neuen europäischen Arbeitsmarktbarometer: Man schaue auf dem Chart aus der IAB-Veröffentlichung. Er zeigt die Entwicklung des neuen Index seit dem Jahr 2018. Man sieht die aktuelle Erholung vom Corona-Crash, und dass der Index fast wieder die 100 Punkte-Schwelle erreicht hat. Viel interessanter finde ich aber den Verlauf dieses Index in den Jahren 2018 und 2019. Da sieht man einen kontinuierlichen Abwärtstrend, der den Index ab Mitte 2019 sogar schon in den Negativbereich brachte. Schon deutlich vor der Coronakrise gab es eine Rezession in der europäischen Industrie, die vom Dienstleistungssektor und vom Bauboom überdeckt wurde. Diese Rezession sieht man hier in Form eines ständigen Rückgangs im Arbeitsmarktbarometer. Jetzt wird alles zugeschüttet, mit mehr Notenbankgeld und Staatsschulden als jemals zuvor, damit wir ja eine V-förmige Erholung bekommen, in möglichst allen Bereichen der Volkswirtschaft.

Chart zeigt neues europäisches Arbeitsmarktbarometer seit 2018

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