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Das monetäre Endspiel der Notenbanken

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Jerome Powell ist Chef der Fed

Durch die Corona Pandemie ist die Welt aus den Fugen geraten. Nicht nur wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich sondern vor allem finanziell. Innerhalb weniger Wochen sind global Billionen Dollar, Euro und andere Währungen durch Konjunkturprogramme der Staaten oder durch Maßnahmen der Notenbanken ins System gepumpt worden um gegen den Wirtschaftseinbruch und die stark ansteigende Arbeitslosigkeit anzukämpfen.

Die von uns prognostizierte Zeitenwende ist definitiv angebrochen und damit einhergehend auch die Zeit der Superlativen. Was wir in den letzten Wochen gesehen haben wird in die Geschichtsbücher eingehen: Wir haben die größte Krise der letzten 100 Jahre und sind in Mitten eines historischen Wirtschaftseinbruchs. Dieser führte zu Rekord-Arbeitslosenzahlen in den USA (45,738 Millionen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in nur 13 Wochen!) und einem Allzeithoch bei den Kurzarbeitern in Deutschland (11,725 Millionen Kurzarbeiter). Als Folge entdeckte man die größte Steuerlücke in der Geschichte Deutschlands und dies führte zum größten Konjunkturpaket der deutschen Geschichte und das ganze garniert mit dem stärksten Eingreifen der Notenbanken jemals. Doch wie sieht das in Zahlen aus?

Schauen wir erstmal in die USA: Hier ist eine weitere Prognose aus unserem letzten Buch bereits jetzt eingetroffen – nicht nur wurden die Zinsen auf 0% gesenkt nein, auch die Aufkaufprogramme wurden wieder angeleiert. Im folgenden Chart sehen Sie nicht den Start der Space X Rakete zum Mond sondern die Bilanzsumme der US-Notenbank FED:

Notenbanken im Rausch - Fed-Bilanz steigt immer weiter an

Diese hat sich in nur wenigen Wochen fast verdoppelt auf 7,168 Billionen Dollar! Parallel sind die US-Staatschulden um über 2 Billionen Dollar auf über 26 Billionen Dollar hochgeschnellt. Absurd!

Staatsschulden der USA als Grafik

Problem ist nur das diese Billionen immer weniger wirken und kaum positive Effekte und Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben wie man am folgenden Chart erkennen kann:

Der WEI-Index ist ein hervorragender Index der realwirtschaftlichen Aktivität und korrespondiert gut mit dem BIP-Wachstum. Ein aktueller Indexstand von -10,0 Punkten, zeigt einen BIP-Verlust, nach klassischer deutscher Lesart zum Vorjahresquartal an. Der WEI zeichnet 10 wöchentliche wirtschaftliche Indikatoren nach und bildet diese als Index ab, so die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, die fortgesetzten Ansprüche auf Arbeitslosenversicherung, bereinigte Einkommens- und Lohnsteuerdaten, Traffic des Eisenbahnverkehrs, Output der Stahlproduktion, dem Großhandelsverkauf von Benzin, Diesel und Kerosintreibstoff sowie des wöchentlichen durchschnittlichen US-Stromverbrauches. Alle Bestandteile in einem Index, iAls Anleger sollte die Devise lauten, folge der FED – don’t fight the FED!

Immer mehr bricht sich der Cantillon Effekt durch. Dieser ist benannt nach dem irischen Ökonomen Richard Cantillon. Er führt dazu, dass das frisch geschaffene Geld aus dem Nichts zu allererst in die nächste Umgebung fließt (kleiner Tipp: Banken- und Finanzsektor) und dafür sorgt, dass die Börsen und Immobilienmärkte weiter inflationiert nach oben gepusht werden. Diese sind nun in eine gefährliche Abhängigkeit der Notenbanken getreten. Wie abhängig die Märkte vom billigen Geld der Notenbanken sind, zeigt sich auch daran, dass die Börsen vorletzte Woche kräftig eingeknickt sind. Grund war: Die FED hat die Aufkäufe von US-Staatsanleihen gesenkt von anfangs der Coronakrise 60 Milliarden Dollar täglich, auf nur noch 5 Milliarden Dollar täglich. Letzte Woche ging es noch weiter abwärts: Die Bilanzsumme der US-Notenbann stieg NUR um +3,71 Mrd. Dollar zur Vorwoche. Das könnte noch interessant werden, wer dann die Unmengen an frischemittierten Staatsanleihen (neue Staatsschulden) aufsaugen soll und ob die Zinssätze dann niedrig bleiben können. Die FED wird weiter Gas geben, ihr bleibt gar nichts anderes übrig. Sie ist in der Zwickmühle.

Und der Chef der FED Jerome Powell hat schon verkündet, dass man nicht mal darüber nachdenkt ob man über Zinserhöhungen nachdenken soll. Hat man mit dem Denken generell aufgehört bei den Notenbanken dieser Welt? Anders sind die verzweifelten Maßnahmen und das gigantische Notenbankexperiment nicht zu erklären. In diesem Jahr gab es global 138 Zinssenkungen und es flossen 18,4 Billionen Dollar an frischem Geld ins System. Die FED kauft jetzt sogar Unternehmensanleihen (Volumen vorerst 250 Milliarden Dollar) und irgendwann wird man alles kaufen. In den USA bleibt der Zins bei 0% bis mindestens 2022. Unserer Ansicht nach wird er sogar eher in den Negativbereich absinken. Wenn die Staatsanleihen aber ebenso auf 2-3% in den Minusbereich sinken, dann müssen die Notenbanken die Zinsen erhöhen und dann ist Schicht im Schacht: Dann werden wir eine Deflation sehen, die sich gewaschen hat. Und genau davor haben die Notenbanken höllische Angst.

Die Target2 Salden Deutschlands sind bei 916 Milliarden Euro. Das ist erwirtschaftetes Vermögen, welches wir verliehen haben um unsere Exporte zu subventionieren. Eine selten dämliche und nicht nachhaltige Wirtschaftspolitik. Das ist so als wenn Sie als Besitzer einer Kneipe einem Stammgast mit einem kleinen Alkoholproblem stetig die Rechnung auf ein Bierdeckel schreiben um irgendwann zu erkennen, dass er nicht solvent ist und gar nicht zahlen kann. Wir sind der Kneipier und Italien und andere Länder die trinkfreudigen Stammgäste. Alleine Italien steht im Target2 System mit 517 Milliarden Euro in der Kreide. Das Geld ist futsch. Der Kneipier kann das Geld abschreiben und den Laden dicht machen.

Grafik der Target2 Salden der Notenbanken im Eurosystem

Parallel wurde das PEPP Programm der EZB zur Bekämpfung der Coronakrise um 600 Milliarden Euro, auf 1,35 Billionen Euro, aufgestockt. Chefeinkäuferin bei der EZB ist im übrigen eine Deutsche – clever: Meine (MF) Twitter Followerin: Isabel Schnabel. Auch bei uns in Europa werden die Zinssätze auf unbestimmte Zeit im Keller bleiben und weiter absinken. Zuletzt hat man den Einlagesatz bei -0,5% belassen und den Tendersatz bei 0%.

Fazit: Wir sind im Endspiel. Bitte nicht vergessen dass die Notenbanken mit der Gelddrucken schon vor Corona angefangen haben. Im September 2019 musste die amerikanische Notenbank in den REPO Markt massiv eingreifen. Teilweise mit bis zu 650 Milliarden Dollar pro Woche! Ebenso die EZB begann schon im November 2019 mit der Wiederaufnahme des Aufkaufprogramms, nur 10 Monate nach dem man es für beendet erklärt hatte. Dies startete mit einem Volumen von 20 Milliarden € pro Monat – eine Art Abschiedsgeschenk von Mario Draghi an Christin Lagarde. Aktuell stehen hier 2,8 Millionen € im Feuer. Tendenz stark steigend.
Aber schon jetzt hat die Geldorgie der Notenbanken den kompletten Anleihemarkt verzerrt, man kann fast schon sagen: zerstört. Denn ebenso historisch ist, dass 90% der Staatsanleihen unter 1% notieren. Altersvorsorge ade, Banken- und Versicherungssterben ahoi!

Das Finanzsystem wurde auch vom Corona Virus infiziert war aber schon davor schwer krank – also Risikogruppe. Da der Patient erfolglos in den letzten Jahren therapiert wurde und nach wovor schwere Erkrankungen in sich hat, sind die Lebensaussichten nicht rosig. Es ist lediglich eine Frage der Zeit. Auch die Finanzmärkte sind am Ende eines Zyklus. Wir sind im Stadium wie 1999. Bald werden wir mit der Realität konfrontiert werden und die Seifenblase wird zerplatzen. Es wird der größte Crash aller Zeiten. Aufgebläht und beschleunigt durch die fatale Geldpolitik der Notenbanken.

Wie sollte man sich gegen diese Geldflut wappnen? Umso mehr Geld ins System gepumpt wird desto mehr muss man in durch die Natur oder durch die Mathematik limitierte Werte setzen als Gegengewicht, eine Art Vermögenssicherung, eine Lebensversicherung für seine Kaufkraft. Nach wie vor erwarten wir eine Deflation und dann eine überschießen der durch die Notenbank erzeugten Liquidität, welche zu einer Inflation und schließlich Hyperinflation führt. Das Ganze wird enden mit dem größten Crash aller Zeiten respektive mit Währungsschnitt, Währungsreform einhergehend mit enormen Abgaben und vielen neuen Steuern. Wir stehen vor dem größten Vermögenstransfer aller Zeiten – bereiten Sie sich darauf vor! Es werden in der nahen Zukunft Vermögen auf Generationen gemacht oder vernichtet!

Finden Sie Marc Friedrich hier auf Twitter. Beim Klick an dieser Stelle finden Sie den YouTube-Kanal von Marc Friedrich und Matthias Weik. Hier geht es zur Webseite der beiden Bestseller-Autoren.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Übelkeit

    22. Juni 2020 12:09 at 12:09

    Das System braucht immer mehr Geld. Die parabolische Kurve kann man schön erkennen. Auch ohne Corona wäre es wieder an der Zeit gewesen die Märkte mit neuem frischen Geld zu fluten.

  2. Avatar

    Ponzini

    22. Juni 2020 13:16 at 13:16

    @ Übelkeit, der Tag wird kommen wo die Rettung der Mainstream alles gedruckte Geld verschlingen wird u.keines mehr an die Börse fliesst. Ich kann mich noch an US Bondzinsen von über 13% erinnern u.Dollarkurse 300% höher als heute. Das wäre heute undenkbar, d.h. die Amis sind auf dem Wg zum Schwellenland schon weit fortgeschritten.
    Mit der Abwertung haben sie ihre Schulden entwertetu.sind heute trotzdem höher verschuldet.
    Eines Tages wird Argentinien die USA übernehmen.

  3. Avatar

    Hesterbär

    22. Juni 2020 15:35 at 15:35

    Ich höre ein Grollen in der Ferne. Es hört sich an, als käme jetzt die 2. Welle des Crashs.

    • Avatar

      Columbo

      22. Juni 2020 18:18 at 18:18

      Wunderschön, hört sich so nach Alten Testament an. Moses beispielsweise hörte immer wieder dieses Grollen.

      • Avatar

        Lausi

        22. Juni 2020 20:54 at 20:54

        Ich werde jetzt noch einmal fünf Rosenkränze beten, sowie dreimal den “Bär unser”! ;-)

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Markus Krall: “Gewaltigste Blase der Menschheit” und die große Krise

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Markus Krall über den großen Crash im Finanzsystem

Der “Guru” der Crash-Vorhersage für das deutsche Bankensystem heißt Markus Krall. Er ist anerkannter Bankenexperte, und was er zu dem Thema seit Jahren immer wieder sagt, hat Hand und Fuß. Nur, so betonen wir es auch immer wieder – ob seine Vorhersagen über den Verlauf eines großen Systemkollaps und zur Hyperinflation wirklich genau so eintreffen werden, daran sind Zweifel angebracht. Seine Aussagen zum derzeit “legalisierten Bilanzbetrug” bei deutschen Banken hatten wir schon mehrfach in Artikeln besprochen (mehr dazu hier).

Markus Krall über die große Krise und der Crash an den Märkten

Im folgenden aktuellen Video zeichnet Markus Krall das Bild der aktuellen Krise aus seiner Sicht. Die aktuelle durch den Coronavirus verursachte Krise treffe auf einen Patienten (Volkswirtschaft) mit Vorerkrankung. Die Immunabwehr dieses Patienten sei schon vorher geschwächt gewesen. Ungleichgewichte seien lange angestaut worden. Die Volkswirtschaft sei dann ohne Reserven in diese Krise gegangen, so seine Meinung.

Markus Krall ist sich sicher, dass die Märkte kollabieren werden. Als Erstes würden die Aktienmärkte einbrechen, und danach die Märkte für alternative Assets, die völlig überbewertet seien. Die gewaltigste Blase der Menschheit besteht laut Markus Krall an den Anleihemärkten. Hier werde der Crash kaskadenartig ablaufen. Dazu gibt er im folgenden Video sehr interessante Erläuterungen. Am Ende gehe es für die Anleger um die große Flucht in Cash und Gold!

Inflation und die Entscheidung zwischen Sozialismus und Freiheit

Ein fallendes Güterangebot in Europa werde laut Markus Krall auf eine steigende monetäre Nachfrage treffen, dank gedruckten Billionen von Euros, welche die EZB den Regierungen ja tatsächlich bereitstellt. (FMW: Ja, ganz klar, keine Staatsfinanzierung… Satire!) Jetzt bereits würden die Waren des täglichen Bedarfs laut Markus Krall spürbar teurer (FMW: Puhhhh, das kann man auch anders sehen, siehe Preiskrieg bei Bekleidung). Die Volkswirtschaften in Europa würden in die sogenannte “Stagflation” laufen, eine schrumpfende Wirtschaftsleistung bei gleichzeitig steigenden Preisen (hier eine ausführliche Erläuterung des Begriffs).

Zwei, drei Jahre lang werde es eine fundamentale Wirtschaftskrise geben. Danach müssten sich die Menschen entscheiden. Wolle man in einer staatlichen Zuteilungswirtschaft leben, oder entscheide man sich für die freie Marktwirtschaft (Freiheit, Eigeninitiative, Unternehmertum)? Wie üblich plädiert Markus Krall auch im folgenden Video eindringlich für die zweite Variante. Man muss seine dramatischen Vorhersagen für die nächsten Jahre nicht zwingend teilen, vor allem in Sachen Hyperinflation. Aber seine Beschreibung der Ausgangslage vor der Krise und des Ist-Zustands sind bestechend, so auch heute wieder.

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Hypotheken-Orgie in den USA – das hat einen einfachen Grund

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Hypotheken laufen wie wild - typisches Haus in US-Vororten

Hypotheken-Orgie in den USA – ja, das ist keine Untertreibung! “Egal”, würde der Wendler zur Gesamtlage in den USA wohl sagen. Millionen arbeitslose Amerikaner. Dank immer mehr Corona-Neuinfektionen nehmen in Teilen der USA Beschränkungen wieder zu. Viele Amerikaner haben ein Job-Problem. Aber da der Staat viele Amerikaner derzeit mit Geld flutet, haben einige Bürger aktuell sogar mehr Geld monatlich zur Verfügung wie vor der Krise. Daher wirkt die Krise finanziell gar nicht so schlimm? Und “egal”, die verlorenen Jobs kommen schon wieder, oder es gibt in anderen Branchen bald neue Jobs? Irgendwie wird es schon werden?

Die “Mortgage Bankers Association” veröffentlicht für die USA ein Mal pro Woche Daten zu Hypotheken-Anträgen. Vor wenigen Minuten gab es Daten für die letzte Woche. Und siehe da. Die Hypothekenanträge nahmen um 5 Prozent im Wochenvergleich zu, und noch wichtiger: Im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres steigen sie sogar um 33 Prozent! Hallo? Ja, 33 Prozent höher als im Vorjahr! Also, nix mehr Krise. Party, kaufen, aber so richtig! Das Volumen der Kredite nahm um 2,2 Prozent im Wochenvergleich zu. Der durchschnittliche Hauskredit stieg auf ein Rekordhoch von 365.700 Dollar.

Laut dem Branchenverband hat dieser Ansturm auf Hypotheken in den USA auch einen ganz eindeutigen Grund. Die Zinssätze für Hauskredite seien auf ein neues Rekordtief gesunken. Die feste Zinsrate für 30 Jahre Laufzeit sank seit März um 53 Basispunkte auf 3,26 Prozent. (vor vier Wochen 3,37 Prozent) Tja, die Fed hat die Zinsen gesenkt, der Markt wird für alle Akteure (Banken, Unternehmen, Bürger) mit Geld geflutet. Da können die Zinsen für Hauskredite ja nur in den Keller krachen, und die Hausse am Häusermarkt wird weiter kräftig befeuert. Als würde es die Coronakrise in den USA gar nicht geben!

Fazit? Was lernt man daraus? Die Party geht weiter, und die Volkswirtschaft soll/muss auf Biegen und Brechen wieder in Schwung kommen. Egal, ob die Staatsschulden danach 5 oder 10 Billionen Dollar höher sind, oder ob die Konsumenten danach ebenfalls deutlich höher verschuldet sind. Die Party muss unter allen Umständen weiter gehen. Also, was lernt man daraus? Rein in den US-Aktienmarkt, denn die Kurse werden auch immer weiter steigen, wenn die totale Konsum-Party in den USA weiter geht? (zu der Party gehört ja auch alle paar Jahre der Kauf eines neuen Hauses)

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Zeitlicher Zufall? BaFin aktuell im Verbotsrausch

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Was muss man tun, wenn man vor einem Desaster steht? Sich in Szene setzen? Aber nein, wollen wir mal nicht unsachlich werden. BaFin-Chef Felix Hufeld bezeichnete den Wirecard-Skandal als “Schande” (erste Insolvenz eines Dax-Unternehmens, fehlende 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz, Milliarden-Schaden für Aktionäre). Und Hufeld machte jüngst vor einem Bundestagsausschuss in Sachen Wirecard gar keine gute Figur. Verantwortung von sich weisen – nicht zuständig, und zu wenig Kontrollmöglichkeiten. Das macht sich nicht gut, sich so zu präsentieren. Erst vorgestern geisterte die Headline “Wie Bafin-Chef Hufeld um Ruf und Posten kämpft” durch die deutsche Medienlandschaft.

Kämpft er um seinen Posten? Wirklich? Muss die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) also nach außen zeigen, dass sie doch ein scharfer, harter Aufpasser über die Finanzbranche sein kann? Sicherlich ist es eher ein zeitlicher Zufall, dass die BaFin am heutigen Mittwoch den 8. Juli gleich fünf Meldungen über aufsichtsrechtliche Verbote raushaut? Interessant ist, dass die Verbote schon vor Wochen oder mehreren Tagen ausgesprochen wurden, aber alle heute zeitgleich der Öffentlichkeit durch die BaFin zugänglich gemacht werden. Es geht hierbei um kleine Fische, wenn man die Fälle mit der Dimension eines Wirecard-Skandals in Relation setzt. Dennoch, natürlich ist es gut, wichtig und richtig, dass auch solche Problemfälle, die vor allem Privatkunden betreffen, von der BaFin beackert werden. Als da wären, im Wortlaut von der BaFin:

Trustsecure GmbH: BaFin ordnet Einstellung und Abwicklung des Finanztransfergeschäfts an
Die BaFin hat mit Bescheid vom 28. Mai 2020 gegenüber der Trustsecure GmbH angeordnet, das von ihr unerlaubt betriebene Finanztransfergeschäft sofort einzustellen und abzuwickeln. Die Trustsecure GmbH nimmt auf ihren Geschäftskonten Gelder von Privatpersonen entgegen und leitet sie auf diverse ausländische Konten verschiedener Gesellschaften weiter, die überwiegend im Ausland ansässig sind. Auf diese Weise zahlen unter anderem Kunden der nicht lizenzierten Internethandelsplattformen www.fdmtradeonline.com und www.tradesprime.com Gelder ein, damit diese ihrem intern bei der Handelsplattform geführten Handelskonto gutgeschrieben werden. Der Bescheid ist sofort vollziehbar, aber noch nicht bestandskräftig.

Perontis GmbH i.Gr.: BaFin ordnet Einstellung und Abwicklung des Finanztransfergeschäfts an
Die BaFin hat mit Bescheid vom 8. Juni 2020, zugestellt durch öffentliche Zustellung am 1. Juli 2020 gegenüber der Perontis GmbH i.Gr., Anschrift unbekannt, angeordnet, das von ihr unerlaubt betriebene Finanztransfergeschäft sofort einzustellen und unverzüglich abzuwickeln. Die Perontis GmbH i.Gr. nimmt auf ihrem Geschäftskonto Gelder von Privatpersonen entgegen und leitet sie auf diverse europäische Konten verschiedener im Ausland ansässiger Gesellschaften weiter. Der Bescheid ist sofort vollziehbar, aber noch nicht bestandskräftig.

Capital Letter GmbH: BaFin ordnet Einstellung des Eigenhandels an
Die BaFin hat mit Bescheid vom 30. April 2020, zugestellt durch öffentliche Zustellung am 1. Juli 2020 gegenüber der Capital Letter GmbH, München, die sofortige Einstellung des Eigenhandels angeordnet. Das Unternehmen bietet deutschen Kunden auf von ihm betriebenen Handelsplattformen www.stsroyal.com, www.gfxroyal.com und www.brightfinance.co finanzielle Differenzkontrakte (Contracts for Difference – CFD) an, die auf Grundwerte wie Forex, Indizes und Rohstoffe laufen. Der Bescheid ist sofort vollziehbar aber noch nicht bestandskräftig.

SCK Securities: BaFin untersagt den unerlaubt erbrachten Eigenhandel
Die BaFin hat gegenüber der SCK Securities, Aberdeen, Großbritannien, mit Bescheid vom 23. Juni 2020 die sofortige Einstellung des grenzüberschreitenden Eigenhandels angeordnet. Das Unternehmen unterhält die Internetseite www.scksecurities.com und bietet deutschen Kunden den Erwerb von Aktien namhafter Unternehmen aus eigenem Bestand im Rahmen einer Dienstleistung an. Trotz Kaufpreiszahlung durch die Kunden bestehen Zweifel, ob es zur Übertragung dieser Aktien in ihre Depots kommt. Das Unternehmen betreibt gewerbsmäßig den Eigenhandel nach § 1 Absatz 1a Satz 2 Nr. 4 lit. c Kreditwesengesetz (KWG), ohne über die nach § 32 Absatz 1 KWG erforderliche Erlaubnis der BaFin zu verfügen. Es handelt daher unerlaubt. Dieser Bescheid ist von Gesetzes wegen sofort vollziehbar, jedoch noch nicht bestandskräftig.

Rolf Brombacher, Schramberg: BaFin ordnet Einstellung und Abwicklung des Einlagengeschäfts an
Die BaFin hat Herrn Rolf Brombacher, Schramberg, mit Bescheid vom 22. Juni 2020 aufgegeben, das Einlagengeschäft sofort einzustellen und unverzüglich abzuwickeln. Herr Brombacher nahm Gelder mit dem mündlich abgegebenen Versprechen der unbedingten Rückzahlung und der Verzinsung entgegen. Damit betreibt er das Einlagengeschäft ohne die erforderliche Erlaubnis der BaFin. Er ist verpflichtet, die bislang angenommenen Gelder per Überweisung vollständig an die Geldgeber zurückzuzahlen. Der Bescheid der BaFin ist von Gesetzes wegen sofort vollziehbar, jedoch noch nicht bestandskräftig.

Eingang zum BaFin-Gebäude in Bonn
Haupteingang bei der BaFin in Bonn. Foto: © BaFin

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