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Das Oil Freeze-Desaster von Doha: Nicht mal ein Agreement als PR-Maßnahme kam zustande

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Das Oil Freeze-Meeting in Doha endete in einem Desaster, so deutlich darf man es formulieren. Am Freitag hatten wir noch geschrieben, dass bei einer potenziell ausbleibenden Einigung die Teilnehmer sich wohl trotzdem zu irgendeiner Art von Pseudo-Agreement hinreißen lassen könnten, um vor der versammelten Weltpresse ein Dokument vor die Kameras halten zu können. Schöne Gruppenfotos, strahlende Gesichter usw. Aber wenn man sich noch nicht mal hierzu durchringen kann, ist erstmal die Hoffnung auf irgendeine Art von Öl-Einfrierung so richtig abgeschrieben.

Wie man von mehreren Teilnehmern hört, ging die Blockade bzgl. einer Einigung zum Einfrieren komischerweise von Saudi-Arabien aus. Dabei waren es ja die Saudis, die mit einer ersten Einfrierung in lockerer kleiner Runde mit Russland und Venezuela den Anstoß gegeben hatten für dieses gestrige große Treffen in Katar. Man hüllt sich in Schweigen, aber das wenige was bekannt wurde, ist nachvollziehbar. Die Saudis sagten nämlich schon vor dem Doha-Treffen klipp und klar, dass sie nur einfrieren, wenn der Iran es auch tut.

Und wie wir alle wissen, erschien der Iran gar nicht erst in Doha, weil er ganz klar sagte „wir wollen eh nicht beim Einfrieren mitmachen, warum sollen wir dann überhaupt in Doha erscheinen?“ Logisch die Argumentation des Iran. Der erhöht (wohl bis Jahresende) seine Produktion auf das Vor-Sanktionsniveau von 4 Mio Barrels pro Tag. Warum die Saudis mutmaßlich gestern blockiert haben? Sie wollen sich wohl vom Todfeind Iran durch seine steigende Förderung weder Kunden noch Marktanteile wegnehmen lassen. So steht seit gestern konkreter denn je die Ankündigung der Saudis im Raum, dass man seine eigenen Fördermenge jetzt selbst erhöhen könne. Wie russische Delegierte durchsickern ließen, drohten die Saudis regelrecht damit, dass man seine Fördermenge von 10,5 problemlos auf bis zu 12,5 Mio Barrels pro Tag anheben könne, und das binnen 6 Monaten! Damit wurde wohl das ganze Klima des Treffens vergiftet.

Wie aus Teilnehmerkreisen zu hören war, bestanden die Saudis darauf, dass alle 13 OPEC-Mitglieder bei der Einfrierung der Öl-Fördermenge auf Januar-Niveau mitmachen. Ein Witz. Denn die Saudis wussten ja, dass das OPEC-Mitglied Iran eh nicht am Tisch sitzt. Eine Farce, dann diese Forderung zu stellen – das zeigt, dass die Saudis letztlich gar nicht ernsthaft Interesse hatten eine Vereinbarung zu erreichen. Dabei mag auch eine Rolle gespielt haben, dass der saudische Öl-Minister vor Kurzem an einer großen Öl-Konferenz in Houston Texas teilgenommen hatte. Dort war die US-Ölindustrie versammelt mit vielen ihrer kleinen und großen Fracking-Firmen.

Dort verkündeten viele US-Produzenten ab Levels von 40-50 Dollar im WTI-Ölpreis würden sie ihre stillgelegten Kapazitäten wieder hochfahren, da sie durch Effizienzsteigerungen ihren Break Even deutlich absenken konnten. Das mag dem saudischen Öl-Minister klar gemacht haben: Wir müssen noch für viel länger die Fördermenge hoch halten, damit der Ölpreis weiter irgendwo unter 40 Dollar bleibt – nur so ein Gedankenspiel von unserer Seite, das aber mehr als logisch erscheint. Schließlich haben die Golfstaaten die ganze Überproduktion ja überhaupt erst inszeniert und die Fracker in den USA auszulöschen.

Katars Ölminister sagte nach dem Treffen die Produzenten bräuchten wohl mehr Zeit für eine Einigung; vielleicht käme man im Juni zu einer Einigung. Wie bequem, dass er den Monat Juni ins Spiel bringt, denn da findet ja das nächste turnusmäßige OPEC-Treffen in Wien statt. Russland dürfte das momentane Chaos und das Nichtzustandekommen einer Vereinbarung recht sein, weil man selbst sowieso auf einem Rekordniveau seit 1987 fördert.

Wie tief das Zerwürfnis oder wohl das Entsetzen über die Saudis gewesen sein mag, zeigt dieser Umstand: Zum Verkünden des Scheiterns vor der Weltpresse erschien der katarische Öl-Minister Mohammed bin Saleh al-Sada alleine – ganz alleine saß er an einem großen Tisch vor den Mikrofonen, der arme Mann! Aus den USA und Kanada waren mangels zentralstaatlicher Förderung eh keine Regierungsvertreter angereist, Iran und Libyen nahmen am Treffen genau so wenig Teil wie der größte europäische Förderer Norwegen. Jetzt werden wohl Iran und Saudi-Arabien in einem Aufrüstungswettkampf ihre Fördermengen gegenseitig hochschrauben, da niemand nachgeben will. Russland wird wohl weiter minimal anheben wie in den letzten zwei Monaten schon. Entspannung gibt es aktuell nur durch momentane Firmenpleiten in den USA, womit die Förderung somit leicht zurückgeht.

Aber der Unterschied zwischen Angebot und Nachfrage bleibt erstmal bestehen und könnte kurzfristig noch steigen. Nächster Termin: Das Juni-Treffen der OPEC in Wien. Was man dort erwarten darf? Wenig. Der Ölpreis machte heute Nacht schon mal einen Satz um „nur“ zwei Dollar nach unten. Ganz schön wenig, wenn man bedenkt, in welchem Ausmaße die Euphorie auf das gestrige Doha-Treffen den Ölpreis in den letzten Wochen gepusht hatte. Kommt evtl. im Laufe des Tages, wenn die Amerikaner ab 13-14 Uhr dazu kommen, ein zweiter Abwärtsschub, wo sich Ölpreis und Aktienmärkte gegenseitig runterziehen? So verrückt wie der Ölpreis ist, kann es das aber schon gewesen sein mit einem Abrutschen auf 38 Dollar, oder es geht weiter kräftig runter. Unsere Glaskugel hat in diesem Falle keine klare Prognose.

Doha
Der Ölpreis (WTI) seit Anfang letzter Woche.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Steven

    18. April 2016 12:19 at 12:19

    Wo sind jetzt die Dauer- und Zweckoptimisten ?!

    Alles Friede ,Freude Eierkuchen hm ?
    Da kann Mann nur hoffen das nicht alle den Finger am Abzug hatten .

  2. Avatar

    Peter

    18. April 2016 18:00 at 18:00

    Wie am Freitag geschrieben bin ich Fr. cash gegangen und heute morgen gab es die vermutete Übertreibung, aber nach unten. Und jetzt bin ich beim WTI knapp 82$ vorn … halleluja

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