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Das Problem mit der Tsipras-Regierung

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Die griechische Tsipras-Regierung spaltet die Beobachter: die einen sind hymnisch dafür, die anderen lehnen sie mit scharfen Worten ab. Warum aber agiert die Tsipras-Regierung in einer Art und Weise, die viele vor den Kopf stößt?

Um zu verstehen, aus welcher psychologischen Grundposition die Syriza-Führung agiert, sollte man sich bewußt machen, dass die Wähler der Syriza überwiegend die Verlierer innerhalb der griechischen Gesellschaft sind. An ihnen sind die geflossenen Gelder aus der Eurozone vorbei gegangen, während sich andere die Taschen voll gestopft haben, vor allem Staatsbedienstete und ihr angehängtes Klientel. Jetzt fordern diese Verlierer legitimerweise ihr Recht: die Dinge müssen ab jetzt anders laufen, so ihre Botschaft. Und sie müssen wirklich anders laufen, auch im Interesse der Gläubiger: Sparen allein wird die griechische Wirtschaft nicht mehr auf die Beine bringen können, so viel ist klar!

Also müssen sich die Geldströme verändern: bislang geht das Kapital an die Regierung, notwendig wäre die Schaffung einer internationalen Institution – unter Beteiligung griechischer Volksverterter. Diese Institution wiederum entscheidet über die Verwendung der Kredit-Gelder – und das in einer transparenten, für die Öffentlichkeit einsehbaren und der Öffentlichkeit zu kommunizierenden Verfahrensweise. Dann entfiele das Problem, das die Gläubiger haben: sie wissen nicht, wo die Gelder landen, sehen die Bedingungen für die gewährten Kredite nicht erfüllt. Auch das ist verständlich.

Was an der Tsipras-Regierung stört: sie fordert zurecht Wachstum und Investitionen. Aber sie sagt nicht, wie das Wachstum erreicht werden soll, wohin die Investitionen fliessen sollen. Man hat das Gefühl, es interessiert sie auch nicht besonders – Vorschläge von Ökonomen wurden angehört, aber nicht weiter verfolgt (zumindest bislang). Dahinter steht ein sozialistisches Menschenbild: die Wirtschaft muss den Menschen dienen, die Gelder sind schon irgendwie da. Aber die Gelder müssen erst erwirtschaftet werden, damit sie dann den Menschen dienen können!

Wichtiger ist Syriza die Umverteilung der Vermögensverhältnisse – das ist legitim. Aber es reicht eben nicht aus. Tsipras und die Seinen verhalten sich wie Kinder, die vom Onkel immer neue Mittel zugesteckt bekommen – und sagen: die anderen, der große Bruder, hat viel mehr bekommen als wir, wir sind leer ausgegangen bisher, daher sind wir jetzt dran. Implizit setzt daher die Haltung der Tsipras-Regierung voraus, dass die Gelder aus Europa immer fliessen werden, weil man eben einen Anspruch darauf habe. Aber dieser Anspruch besteht eben nicht!

Was es jetzt braucht, ist Hilfe zur Selbsthilfe – und der Abschied der Griechen von einer schon unter osmanischer Fremdherrschaft ausgeprägten Mentalität, die immer mit dem Finger auf andere zeigt (so etwa mit der Forderungen für Reparationen Deutschlands, die berechtigt sind, aber auf einem anderen Blatt stehen) und sich um Eigen-Verantwortung herumdrückt.

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    GN

    3. Juli 2015 13:18 at 13:18

    ….lassen wir mal Griechenland beiseite und da stelle ich mir seit einiger Zeit die Frage: Was ist das für ein fragwürdiges Wirtschaftssystem, welches am laufenden Band mit billionenschweren Gelddruckprogrammen (QEs) am Leben erhalten wird, weil es anderenfalls vollständig kollabieren würde……

    Wir sollten endlich schlußmachen mit dieser armseligen Volksverdummung, die gerade das leistungslose Einkommen massiv fördert und die hart arbeitenden Menschen ausplündert….das geschieht weltweit so, nicht nur in Griechenland….

    VG

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      3. Juli 2015 13:21 at 13:21

      @GN, wie sieht dann die Altrnative zu diesem System aus nach Ihrer Auffassung?

      • Avatar

        GN

        3. Juli 2015 16:32 at 16:32

        Hallo Herr Fugmann,

        ja, gute Frage, wie sieht eine Alternative aus. Das wäre hier jetzt eine lange Diskussion. Ich möchte sie mal versuchen aus meiner Sicht beantworten. Keinesfalls so, wie sich die Linken das vorstellen. Motto: Wir nehmen den Reichen das Geld weg und alles wird gut…..

        Zuerst einmal eine klare Rückbesinnung auf wahre Werte. Wahre Werte sind für mich nicht Apple, Amazoon, Google % Co…..wo ist da bitte eine Zukunft. Noch mehr Autos und sinnfreien Elektronikmüll produzieren??? Wahre Werte sind für mich z. B. die Familie. Zeit für die Kinder….Zeit für die Alten….da haben uns die Südländer, also auch Griechenland doch erheblich was voraus.

        Wir verbrauchen z. Zt. jeden Tag 90 Millionen Barrel Erdöl am Tag, das sind umgerechnet 45 Supertanker….jeden Tag…und das soll so weiter gehen, bis ans Ende unserer Tage…..

        Mir fällt da gerade ihr Artikel zum BGE ein, das wäre für mich ein klarer Ansatz für eine bessere Zukunft….oder Harald Welzers Vorstellungen sind mir sehr sympathisch…

        Eins heißt das für mich aber auch ganz klar: Verzicht auf materiellen Konsum unserer heutigen Wachstumsideologie. Und daß dies nur noch eine Ideologie ist und mehr nicht, so weit dürften wir wohl übereinstimmen…..

        Es gibt keine einfache Anwort auf Ihre Frage, weil unsere Gesellschaft halt in der Frage der Zukunft sehr gespalten ist. Nur , so weitergehen sollte es jedenfalls nicht…

        Viele Grüße

        GN

        • Avatar

          Peter

          4. Juli 2015 11:17 at 11:17

          Die Frage ist nicht gut. Ich denke das die Frage gut wäre wenn festgestellt würde „ich meine Sie haben Recht oder „ich meine das sie unrecht haben“. So scheint es mir das nur „gelauert“ wird. Sie entwickeln eine Idee und es wird destruktiv darauf eingegangen. Das würde nicht geschehen wenn der Hinweis das sie Recht haben „könnten“ gegeben wäre.
          Sollte dem Widersprochen werden müsste Positive Aspekte des Kapitalismus entwickelt werden, die es sicher gegeben hat.
          Ich denke das Soziale Emanzipation eine Lösung sein kann.http://www.linkes-oldenburg.de/wp-content/uploads/2014/11/Beitragen.pdf

    • Avatar

      Mo Gerret

      3. Juli 2015 14:56 at 14:56

      Nur so’n Gedanke,
      Nix gegen Griechenland.
      Eigentlich ist es doch eh egal, wie das am Sonntag ausgeht. Doch überschaut man mal die letzten 12 bis 15 Monate, so kann man doch getrost behaupten, dass hier nichts so aus Zufall geschieht. Man sollte nicht den Teufel an die Wand malen, doch aus meiner Sicht sieht es eher danach aus, als wäre man durchaus bemüht, einen Finanzcrash, zumindest in Europa, herbeizuschwören. Ukraine, dann Greece, dann Ukraine, jetzt wieder Greece, zwischedurch mal IS, dann wieder ja und wieder nein. Der Grexit ist doch beschlossen, denn wenn irgendetwas politisch so heftig verneint wurde, traf es danach immer ein!
      Also,….geht es hier womöglich drum, eine Finanzblase zum platzen zu bringen, bevor sie unüberschaubar groos wird, und am Ende zu gross und teuer?
      Man kann das Thema Griechenland nicht mehr ernst nehmen. Zu sehr sind da die Meinungsschwankungen einzelner Personen! Mir scheint als würden da ganz andere Leute die Fäden ziehen. Auch Herrn Tsipras scheint doch mehr oder weniger immer die Meinung zu vertreten, die ihm zugesteckt wird!
      Da kommt doch was,….
      oder Herr Fugmann?
      Jetzt sagen sie bloss ich läge komplett daneben,….damit ich wenigstens ruhig schlafen kann ;O)

      • Markus Fugmann

        Markus Fugmann

        3. Juli 2015 15:08 at 15:08

        @ Mo Gerret, da ich um Ihren Schlaf extrem besorgt bin, lassen Sie mir gar keine andere Wahl als zu sagen, das Sie komplett daneben liegen :)

        Viele Grüsse!

        • Avatar

          Mo Gerret

          3. Juli 2015 15:14 at 15:14

          Ob nun gewollt oder nicht, der Effekt könnte der gleiche sein, deshalb,
          Ich nehm doch vorsichtshalber mal Beruhigungstabletten ;O)
          Gruß und schönes Wochenende

          • Avatar

            Peter

            4. Juli 2015 11:19 at 11:19

            da dachte ich Sie wären es selbst.

  2. Avatar

    manU

    3. Juli 2015 15:56 at 15:56

    Ich finde es nicht wirklich störend wie sich die Tsipras Regierung verhält. Sie ist die erste Regierung, die seit sie im Amt ist klar sagt was Sache ist: Ohne Schuldenschnitt, geht nix mehr. Im Prinzip hat das ja der IWF mit seinem Bericht heute belegt, dass das so ist. Wenn jetzt noch einer sagt, ja aber das ist ja mal wieder schwarz/weiss gedacht, dann soll er mir den Graubereich aufzeigen, und zwar ohne eine Art Schuldenmoratorium oder weitere Sparvereinbarungen, dass wäre aus meiner Sicht auch nur der Versuch das Schwarze für die Öffentlichkeit unter einem grauen Tuch zu verstecken bis es dann in 1-2 Jahren wieder durchscheint, weil es zwischenzeitlich ein noch tieferes Schwarz geworden ist.
    D.h. es sollte jetzt eine Entscheidung her, die nun ja quasi mit der Haltung der Tsipras Regierung erzwungen wird. Entweder Schuldenschnitt und Geld her oder halt Staatspleite + evtl. Grexit (aus dem Euro). Für mich wäre das auch die erste grundlegende Entscheidung, die getroffen werden müsste bevor ich einen Masterplan zum Aufbau der Wirtschaft in Griechenland schmieden würde, denn je nach Entscheidung würde die Strategie allgemein und im Detail ganz anders aussehen. In so kurzer Zeit diese Monster-Aufgabe für beide Fälle auch nur zu skizzieren, ist aus meiner Sicht unmöglich. Deshalb meine ich ist es richtig von Tsipras & Co sich erstmal der wesentlichen Frage und der grundlegenden Entscheidung zu widmen. Hop oder Top, bekommt Griechenland vom Euroraum noch eine letzte Chance? Haben die Regierungschefs, die Euro-Gruppe, die Zentralbänker … Vertrauen genug um diese letzte Chance zu gewähren? Momentan sieht es nicht so aus. Die Verantwortlichen versuchen eher das graue Tuch zu weben, sowohl Schwarz oder Weiss würden in diversen Euroländern radikale Parteien beflügeln die den aktuellen Parteien an der Macht am Stuhl sägen, die eigenen Interessen haben eben immer Vorrang. Schade, mir wär Schwarz oder Weiß lieber, dann wäre auch in der EU vielleicht der Druck so hoch damit endlich mal strukturelle Probleme im Euroraum angegangen werden müssten.

    • Avatar

      Peter

      4. Juli 2015 11:25 at 11:25

      Es spielt überhaupt keine Rolle was Tsipras macht oder sagt,auch nicht was die anderen sagen. Auch Schulden-schnitt und so weiter ist ohne jeden Belang.
      Es ist der normale Kapitalismus und das ist ein System und dem kommst du nach oder gehst kaputt. Da die Griechen weiterhin mitspielen wollen werden sie kaputt gehen, das einzige was sie in der EU halten wird, ist das sie in der Nato sind. Aber dem Volk wird es an den Kragen gehen. HartzIV war es in Deutschland, da sollen 700 Mio. eingespart werden. Und in Afrika verhungern Menschen, das schon vor IS und dem was den Europäischen Terror abgelöst hat.
      Grüße

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Ernst Wolff über das globale Finanzsystem – Geld und Demokratie

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Spätestens die Wirtschaftskrise 2007/2008 ließ an der Seriosität des globalen Finanzsystems zweifeln. Wer seine Zweifel allerdings durch Sachkenntnis untermauern möchte, bekommt schnell ein Problem: Er trifft auf ein Dickicht aus komplizierten und oft widersprüchlichen Informationen, die noch dazu in einer für Laien unverständlichen Fachsprache gehalten sind. Kein Wunder also, dass der Versuch, das Finanzsystem zu verstehen, häufig schon in der Anfangsphase scheitert. Genau hier setzt Ernst Wolff an. Im Folgenden ein Ausschnitt auf der Einleitung meines neuen Buches (hier zu kaufen).

Die zwei großen Fehleinschätzungen unserer Zeit

Es gibt in unserer Gesellschaft zwei Ansichten, die von der überwiegenden Mehrheit der Menschen geteilt und von fast niemandem angezweifelt werden. Sie betreffen zum einen die politischen Strukturen, unter denen wir leben, und zum anderen die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität, auf der diese politischen Strukturen basieren. Zusammen bilden beide so etwas wie eine von der breiten Allgemeinheit stillschweigend akzeptierte Übereinkunft. Ansicht Nr. 1 lautet: Bei uns regiert das Volk. Ansicht Nr. 2 lautet: Das Finanzsystem ist nur ein Teilbereich unserer Gesellschaft, den man nicht unbedingt verstehen muss.

Geht man diesen Ansichten auf den Grund, dann stellt man allerdings fest, dass sie nicht etwa auf intellektueller Einsicht oder auf Erfahrungswerten basieren, sondern den Menschen zunächst von Elternhaus, Schulen, Ausbildungsbetrieben und Universitäten mit auf den Weg gegeben und später ein Leben lang von Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingetrichtert werden – mit dem Ergebnis, dass ihr Wahrheitsgehalt kaum jemals in Frage gestellt wird.

Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass sich hinter diesen Ansichten ganz handfeste Interessen verbergen, deren Durchsetzung nur einem kleinen Teil der Bevölkerung nützt. Im Grunde handelt es sich also um zwei vorsätzlich herbeigeführte Fehleinschätzungen, die weitreichende Konsequenzen haben. Sie tragen nämlich entscheidend dazu bei, die bestehende Ordnung und ihre Machtstrukturen zu festigen und verhindern so, dass die Menschen diese Strukturen durchschauen – mit der Folge, dass sie dadurch unfähig werden, an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern.

Sehen wir uns beide Fehleinschätzungen deshalb etwas genauer an:

Fehleinschätzung Nr. 1: „Bei uns regiert das Volk“. In einem Obergeschoss des Berliner Hauptbahnhofs hängt ein Schild mit der Aufschrift „400 Meter von hier regiert das Volk“. Der Hinweis gilt dem südlich vom Bahnhof gelegenen Reichstagsgebäude, Sitz des deutschen Parlaments, und soll dem Betrachter ganz offensichtlich eine uns allen bekannte Botschaft vermitteln:

Wir leben in einem Gesellschaftssystem, in dem wir als Volk das Sagen haben. Und da das Volk zu groß ist, um als Ganzes regieren zu können, übergeben wir diese Aufgabe an sogenannte Volksvertreter. Die bestimmen wir, indem wir sie alle vier Jahre wählen. Sollten sie nicht so handeln, wie wir das von ihnen erwarten, dann können wir sie nach dem Ablauf ihrer Amtszeit wieder abwählen und durch andere ersetzen.

Diese Grundsätze der parlamentarischen Demokratie werden uns von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben und im Verlaufe unseres Lebens durch eine Reihe weiterer Informationen ergänzt und untermauert. So erfahren wir unter anderem: Unsere Wahlen sind frei, gleich, geheim, allgemein und unmittelbar und werden auf der Grundlage einer Verfassung abgehalten, die unsere Würde für unantastbar erklärt und uns körperliche Unversehrtheit garantiert. Wir sind vor dem Gesetz alle gleich und haben das Recht, unsere
Meinung zu äußern und uns mit anderen zum Zwecke gemeinsamer Meinungsäußerung zu versammeln.

Die Formulierungen erwecken in uns den Eindruck, dass es sich bei der parlamentarischen Demokratie um ein zu unser aller Gunsten entwickeltes System handelt, das den Einzelnen schützt, dem Gemeinwohl dient und dessen oberstes Ziel darin besteht, den Willen
der Mehrheit der Bevölkerung in die Tat umzusetzen. Doch ist das tatsächlich so? Wollen wir alle, dass immer weniger Menschen immer größere Vermögen anhäufen, während der Lebensstandard der Masse bestenfalls stagniert, in vielen Fällen sogar sinkt? Dass der Niedriglohnsektor explodiert, dass Arbeits- und Obdachlosigkeit um sich greifen? Dass von Jahr zu Jahr mehr Geld für Rüstung und den Ausbau von Sicherheitsapparaten ausgegeben wird, während am Bildungs- und Gesundheitswesen immer drastischer gespart wird? Sind wir dafür, dass die Umwelt zunehmend zerstört wird? Dass in unserem Namen Kriegseinsätze unterstützt werden? Dass Persönlichkeitsrechte abgebaut und wir alle immer stärker überwacht werden?

Wendet man sich direkt an die Menschen und fragt sie, was sie von dieser Entwicklung halten, dann fällt die Antwort eindeutig aus: Die meisten sind damit nicht einverstanden, viele lehnen sie sogar rundheraus ab. Wie aber kann das sein? Wie kommt es, dass zwischen dem, was die Menschen wollen, und dem, was in ihrem Namen und auf Grund ihrer offensichtlich frei getroffenen Wahlentscheidung umgesetzt wird, ein solch krasses Missverhältnis besteht – in einer Gesellschaft, deren Verfassung doch besagt, dass alle Macht vom Volk ausgeht?

Wir lassen uns täuschen

Die Antwort auf diese Frage lautet: Wir lassen uns täuschen. Wir akzeptieren die wohlklingenden Formulierungen unserer Verfassung, die auf dem Gleichheitsgrundsatz basieren, und schließen daraus, dass wir alle nicht nur gleiche Rechte genießen und gleich behandelt werden, sondern dass wir alle gleich sind. Das aber stimmt nicht. In einer vom Geld beherrschten Gesellschaft wie der unseren können die Menschen auf Grund ihrer Vermögensverhältnisse gar nicht gleich sein. Wer über viel Geld und großen Besitz verfügt, ist nämlich nicht nur wohlhabender, sondern kann sich auf Grund seiner wirtschaftlichen Überlegenheit über diejenigen, die weniger besitzen, erheben, sie von sich abhängig machen und sie im Extremfall sogar vollends beherrschen. Die Vermögensverhältnisse entscheiden also nicht nur darüber, wer reich und wer arm ist, sondern vor allem darüber, wer in welchem Ausmaß Macht ausüben kann und welche gesellschaftlichen Hierarchien sich im Lauf der Zeit bilden.

Diese Aufspaltung der Gesellschaft hat schon lange vor der Einführung des Parlamentarismus und sogar schon lange vor der Einführung des Geldes begonnen. Ihre Anfänge gehen auf die Tauschwirtschaft zurück. Sie ist die Grundlage, auf der sich ein Zustand entwickeln konnte, der die gesamte bisherige Geschichte der Menschheit prägt: die soziale Ungleichheit. Sie hat es den Menschen, die mehr Besitz angehäuft und damit mehr Macht erlangt haben als andere, ermöglicht, Strukturen zu schaffen, die ihren privilegierten Status festigen, die sie einmal erworbene Privilegien auf Dauer beibehalten und diese sogar auf nachfolgende Generationen übertragen lassen.

Im ausgehenden Mittelalter sind die Besitzer großer Vermögen noch einen Schritt weiter gegangen und haben sich das Geldsystem und damit den Blutkreislauf der Gesellschaft unterworfen, indem sie Banken gegründet und sich so das Recht der Geldschöpfung angeeignet haben. Später, nach der Gründung der Nationalstaaten, haben die von ihnen beherrschten Banken sich dieses Recht auf der Grundlage nationaler Währungen mit den Zentralbanken geteilt und damit als „Finanzwesen“ einen ganz eigenen Wirtschaftszweig geschaffen, der mit der Zeit immer einflussreicher wurde. Da dem Rest der Bevölkerung nicht entging, dass auf diese Weise einige Wenige zusehends reicher und mächtiger wurden, hat sich immer stärkerer Widerstand gegen diese Entwicklung gebildet. Als mit der Industrialisierung dann Schulen eingeführt, der Analphabetismus nach und nach überwunden und das allgemeine Bildungsniveau immer weiter angehoben wurde, nahm dieser Widerstand für die Privilegierten zunehmend bedrohlichere Formen an, sodass sie sich gezwungen sahen, Zugeständnisse zu machen.

Ein historisches Zugeständnis

Das historisch wichtigste Zugeständnis – und die zugleich geschickteste Täuschung der Öffentlichkeit – war die Einführung des Parlamentarismus. Indem die Gleichheit der Menschen in einer von Ungleichheit geprägten Welt zum Verfassungsgrundsatz erhoben wurde, entstand mit der parlamentarischen Demokratie eine Fassade, hinter der sich die tatsächlichen Machtstrukturen nicht nur hervorragend verbergen, sondern ungehindert weiter ausbauen ließen. Das Prinzip dieser Täuschung ist im Grunde recht einfach: Man unterschlägt einen fundamental bedeutsamen Mechanismus, der die gesellschaftliche Realität seit Jahrhunderten prägt, und übertüncht ihn mit hochtrabenden Worten. So gibt es bis heute weltweit keine einzige parlamentarische Demokratie, in deren Verfassung die Bedeutung des Geldes für die Entstehung von Machtstrukturen erwähnt oder in der das Prinzip der Geldschöpfung auch nur angesprochen wird. Dafür aber wird in den meisten Verfassungen, verbrämt mit blumigen Formulierungen über die soziale Verpflichtung von Eigentum, der Schutz desselben garantiert – und zwar ohne jede Begrenzung nach oben.

Auf diese Weise ist eine Herrschaftsform entstanden, die sich vordergründig auf den Willen der Mehrheit des Volkes stützt, die aber tatsächlich einer Minderheit nützt und die es darüber hinaus geschafft hat, die soziale Ungleichheit in krassem Widerspruch zum offiziell beteuerten Gleichheitsgrundsatz zu einem akzeptierten und gesetzlich geschützten Dauerzustand werden zu lassen.

Ernst Wolff über das Finanzsystem und die Politik
Der Buchautor Ernst Wolff

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Das sind die Informationsquellen der Profis – Werbung

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Lieber Börsianer,

gelegentlich werde ich als Börsenanalyst oder Vermögensberater gefragt, woher ich meine Informationen beziehe? Oder anders gefragt: Wie recherchiert ein Profi eine Aktie? Zunächst möchte ich mein Berufsbild etwas entmystifizieren. Auch Profis kochen nur mit Wasser und stützen ihre Entscheidungen wesentlich auf öffentlich zugängliche Informationen. Am Anfang steht also immer die Lektüre des Geschäftsberichts und die harte Analyse der Geschäftszahlen.

Dann beginnt die Arbeit des Analysten erst richtig. Aktienanalyse ist People´s Business. Zu Deutsch: Wir müssen mit den handelnden und verantwortlichen Personen des Unternehmens in Kontakt kommen. Als Vermögensverwalter lässt man durchblicken, dass man umfassende Investitionen im Unternehmen beabsichtigt. Damit haben Sie schon einmal das Ohr Ihres Gesprächspartners.

Zunächst werden Sie abgespeist mit professionellem Werbeversprechen. Etwa so: Wir setzen voll auf die Elektro-Mobilität und expandieren derzeit proaktiv im chinesischen Wachstumsmarkt.

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Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Ihr Gesprächspartner bleibt hartnäckig im Ungefähren. Dann sind die Expansionspläne wohl noch nicht weit gediehen. Die Aktie ist also eher kein Kauf. Oder aber: Ihr Gegenüber packt…..

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US-Wahl egal für die US-Märkte? Experte Andre Stagge mit ausführlicher Erklärung

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Ande Stagge über die aktuelle Lage im S&P 500 und zur US-Wahl

Ist der Ausgang der US-Wahl letztlich egal für die US-Aktienmärkte? Das denken manche Beobachter. Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht dieses Thema im folgenden aktuellen Video im Detail. Ausführlich geht er auf die einzelnen Standpunkte von Joe Biden und Donald Trump ein. Zum Beispiel seien die Steuerideen von Joe Biden eindeutig schlecht für die Wirtschaft. Natürlich muss man fair sein und erwähnen, dass die US-Unternehmen durch die große Steuersenkung von Donald Trump im Jahr 2017 massiv profitiert hatten. Andre Stagge glaubt an einen Wahlsieg von Joe Biden, und dass dies letztlich nicht gut für die Märkte wäre – auch wegen der Idee von Joe Biden den Mindestlohn in den USA drastisch anzuheben. Wichtig werde auch die Phase direkt nach der Wahl, und ob Donald Trump bei einer möglichen knappen Wahlniederlage Probleme machen wird.



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