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Das Problem mit der Tsipras-Regierung

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Von Markus Fugmann

Die griechische Tsipras-Regierung spaltet die Beobachter: die einen sind hymnisch dafür, die anderen lehnen sie mit scharfen Worten ab. Warum aber agiert die Tsipras-Regierung in einer Art und Weise, die viele vor den Kopf stößt?

Um zu verstehen, aus welcher psychologischen Grundposition die Syriza-Führung agiert, sollte man sich bewußt machen, dass die Wähler der Syriza überwiegend die Verlierer innerhalb der griechischen Gesellschaft sind. An ihnen sind die geflossenen Gelder aus der Eurozone vorbei gegangen, während sich andere die Taschen voll gestopft haben, vor allem Staatsbedienstete und ihr angehängtes Klientel. Jetzt fordern diese Verlierer legitimerweise ihr Recht: die Dinge müssen ab jetzt anders laufen, so ihre Botschaft. Und sie müssen wirklich anders laufen, auch im Interesse der Gläubiger: Sparen allein wird die griechische Wirtschaft nicht mehr auf die Beine bringen können, so viel ist klar!

Also müssen sich die Geldströme verändern: bislang geht das Kapital an die Regierung, notwendig wäre die Schaffung einer internationalen Institution – unter Beteiligung griechischer Volksverterter. Diese Institution wiederum entscheidet über die Verwendung der Kredit-Gelder – und das in einer transparenten, für die Öffentlichkeit einsehbaren und der Öffentlichkeit zu kommunizierenden Verfahrensweise. Dann entfiele das Problem, das die Gläubiger haben: sie wissen nicht, wo die Gelder landen, sehen die Bedingungen für die gewährten Kredite nicht erfüllt. Auch das ist verständlich.

Was an der Tsipras-Regierung stört: sie fordert zurecht Wachstum und Investitionen. Aber sie sagt nicht, wie das Wachstum erreicht werden soll, wohin die Investitionen fliessen sollen. Man hat das Gefühl, es interessiert sie auch nicht besonders – Vorschläge von Ökonomen wurden angehört, aber nicht weiter verfolgt (zumindest bislang). Dahinter steht ein sozialistisches Menschenbild: die Wirtschaft muss den Menschen dienen, die Gelder sind schon irgendwie da. Aber die Gelder müssen erst erwirtschaftet werden, damit sie dann den Menschen dienen können!

Wichtiger ist Syriza die Umverteilung der Vermögensverhältnisse – das ist legitim. Aber es reicht eben nicht aus. Tsipras und die Seinen verhalten sich wie Kinder, die vom Onkel immer neue Mittel zugesteckt bekommen – und sagen: die anderen, der große Bruder, hat viel mehr bekommen als wir, wir sind leer ausgegangen bisher, daher sind wir jetzt dran. Implizit setzt daher die Haltung der Tsipras-Regierung voraus, dass die Gelder aus Europa immer fliessen werden, weil man eben einen Anspruch darauf habe. Aber dieser Anspruch besteht eben nicht!

Was es jetzt braucht, ist Hilfe zur Selbsthilfe – und der Abschied der Griechen von einer schon unter osmanischer Fremdherrschaft ausgeprägten Mentalität, die immer mit dem Finger auf andere zeigt (so etwa mit der Forderungen für Reparationen Deutschlands, die berechtigt sind, aber auf einem anderen Blatt stehen) und sich um Eigen-Verantwortung herumdrückt.

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    GN

    3. Juli 2015 13:18 at 13:18

    ….lassen wir mal Griechenland beiseite und da stelle ich mir seit einiger Zeit die Frage: Was ist das für ein fragwürdiges Wirtschaftssystem, welches am laufenden Band mit billionenschweren Gelddruckprogrammen (QEs) am Leben erhalten wird, weil es anderenfalls vollständig kollabieren würde……

    Wir sollten endlich schlußmachen mit dieser armseligen Volksverdummung, die gerade das leistungslose Einkommen massiv fördert und die hart arbeitenden Menschen ausplündert….das geschieht weltweit so, nicht nur in Griechenland….

    VG

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      Markus Fugmann

      3. Juli 2015 13:21 at 13:21

      @GN, wie sieht dann die Altrnative zu diesem System aus nach Ihrer Auffassung?

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        GN

        3. Juli 2015 16:32 at 16:32

        Hallo Herr Fugmann,

        ja, gute Frage, wie sieht eine Alternative aus. Das wäre hier jetzt eine lange Diskussion. Ich möchte sie mal versuchen aus meiner Sicht beantworten. Keinesfalls so, wie sich die Linken das vorstellen. Motto: Wir nehmen den Reichen das Geld weg und alles wird gut…..

        Zuerst einmal eine klare Rückbesinnung auf wahre Werte. Wahre Werte sind für mich nicht Apple, Amazoon, Google % Co…..wo ist da bitte eine Zukunft. Noch mehr Autos und sinnfreien Elektronikmüll produzieren??? Wahre Werte sind für mich z. B. die Familie. Zeit für die Kinder….Zeit für die Alten….da haben uns die Südländer, also auch Griechenland doch erheblich was voraus.

        Wir verbrauchen z. Zt. jeden Tag 90 Millionen Barrel Erdöl am Tag, das sind umgerechnet 45 Supertanker….jeden Tag…und das soll so weiter gehen, bis ans Ende unserer Tage…..

        Mir fällt da gerade ihr Artikel zum BGE ein, das wäre für mich ein klarer Ansatz für eine bessere Zukunft….oder Harald Welzers Vorstellungen sind mir sehr sympathisch…

        Eins heißt das für mich aber auch ganz klar: Verzicht auf materiellen Konsum unserer heutigen Wachstumsideologie. Und daß dies nur noch eine Ideologie ist und mehr nicht, so weit dürften wir wohl übereinstimmen…..

        Es gibt keine einfache Anwort auf Ihre Frage, weil unsere Gesellschaft halt in der Frage der Zukunft sehr gespalten ist. Nur , so weitergehen sollte es jedenfalls nicht…

        Viele Grüße

        GN

        • Avatar

          Peter

          4. Juli 2015 11:17 at 11:17

          Die Frage ist nicht gut. Ich denke das die Frage gut wäre wenn festgestellt würde „ich meine Sie haben Recht oder „ich meine das sie unrecht haben“. So scheint es mir das nur „gelauert“ wird. Sie entwickeln eine Idee und es wird destruktiv darauf eingegangen. Das würde nicht geschehen wenn der Hinweis das sie Recht haben „könnten“ gegeben wäre.
          Sollte dem Widersprochen werden müsste Positive Aspekte des Kapitalismus entwickelt werden, die es sicher gegeben hat.
          Ich denke das Soziale Emanzipation eine Lösung sein kann.http://www.linkes-oldenburg.de/wp-content/uploads/2014/11/Beitragen.pdf

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      Mo Gerret

      3. Juli 2015 14:56 at 14:56

      Nur so’n Gedanke,
      Nix gegen Griechenland.
      Eigentlich ist es doch eh egal, wie das am Sonntag ausgeht. Doch überschaut man mal die letzten 12 bis 15 Monate, so kann man doch getrost behaupten, dass hier nichts so aus Zufall geschieht. Man sollte nicht den Teufel an die Wand malen, doch aus meiner Sicht sieht es eher danach aus, als wäre man durchaus bemüht, einen Finanzcrash, zumindest in Europa, herbeizuschwören. Ukraine, dann Greece, dann Ukraine, jetzt wieder Greece, zwischedurch mal IS, dann wieder ja und wieder nein. Der Grexit ist doch beschlossen, denn wenn irgendetwas politisch so heftig verneint wurde, traf es danach immer ein!
      Also,….geht es hier womöglich drum, eine Finanzblase zum platzen zu bringen, bevor sie unüberschaubar groos wird, und am Ende zu gross und teuer?
      Man kann das Thema Griechenland nicht mehr ernst nehmen. Zu sehr sind da die Meinungsschwankungen einzelner Personen! Mir scheint als würden da ganz andere Leute die Fäden ziehen. Auch Herrn Tsipras scheint doch mehr oder weniger immer die Meinung zu vertreten, die ihm zugesteckt wird!
      Da kommt doch was,….
      oder Herr Fugmann?
      Jetzt sagen sie bloss ich läge komplett daneben,….damit ich wenigstens ruhig schlafen kann ;O)

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        Markus Fugmann

        3. Juli 2015 15:08 at 15:08

        @ Mo Gerret, da ich um Ihren Schlaf extrem besorgt bin, lassen Sie mir gar keine andere Wahl als zu sagen, das Sie komplett daneben liegen :)

        Viele Grüsse!

        • Avatar

          Mo Gerret

          3. Juli 2015 15:14 at 15:14

          Ob nun gewollt oder nicht, der Effekt könnte der gleiche sein, deshalb,
          Ich nehm doch vorsichtshalber mal Beruhigungstabletten ;O)
          Gruß und schönes Wochenende

          • Avatar

            Peter

            4. Juli 2015 11:19 at 11:19

            da dachte ich Sie wären es selbst.

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    manU

    3. Juli 2015 15:56 at 15:56

    Ich finde es nicht wirklich störend wie sich die Tsipras Regierung verhält. Sie ist die erste Regierung, die seit sie im Amt ist klar sagt was Sache ist: Ohne Schuldenschnitt, geht nix mehr. Im Prinzip hat das ja der IWF mit seinem Bericht heute belegt, dass das so ist. Wenn jetzt noch einer sagt, ja aber das ist ja mal wieder schwarz/weiss gedacht, dann soll er mir den Graubereich aufzeigen, und zwar ohne eine Art Schuldenmoratorium oder weitere Sparvereinbarungen, dass wäre aus meiner Sicht auch nur der Versuch das Schwarze für die Öffentlichkeit unter einem grauen Tuch zu verstecken bis es dann in 1-2 Jahren wieder durchscheint, weil es zwischenzeitlich ein noch tieferes Schwarz geworden ist.
    D.h. es sollte jetzt eine Entscheidung her, die nun ja quasi mit der Haltung der Tsipras Regierung erzwungen wird. Entweder Schuldenschnitt und Geld her oder halt Staatspleite + evtl. Grexit (aus dem Euro). Für mich wäre das auch die erste grundlegende Entscheidung, die getroffen werden müsste bevor ich einen Masterplan zum Aufbau der Wirtschaft in Griechenland schmieden würde, denn je nach Entscheidung würde die Strategie allgemein und im Detail ganz anders aussehen. In so kurzer Zeit diese Monster-Aufgabe für beide Fälle auch nur zu skizzieren, ist aus meiner Sicht unmöglich. Deshalb meine ich ist es richtig von Tsipras & Co sich erstmal der wesentlichen Frage und der grundlegenden Entscheidung zu widmen. Hop oder Top, bekommt Griechenland vom Euroraum noch eine letzte Chance? Haben die Regierungschefs, die Euro-Gruppe, die Zentralbänker … Vertrauen genug um diese letzte Chance zu gewähren? Momentan sieht es nicht so aus. Die Verantwortlichen versuchen eher das graue Tuch zu weben, sowohl Schwarz oder Weiss würden in diversen Euroländern radikale Parteien beflügeln die den aktuellen Parteien an der Macht am Stuhl sägen, die eigenen Interessen haben eben immer Vorrang. Schade, mir wär Schwarz oder Weiß lieber, dann wäre auch in der EU vielleicht der Druck so hoch damit endlich mal strukturelle Probleme im Euroraum angegangen werden müssten.

    • Avatar

      Peter

      4. Juli 2015 11:25 at 11:25

      Es spielt überhaupt keine Rolle was Tsipras macht oder sagt,auch nicht was die anderen sagen. Auch Schulden-schnitt und so weiter ist ohne jeden Belang.
      Es ist der normale Kapitalismus und das ist ein System und dem kommst du nach oder gehst kaputt. Da die Griechen weiterhin mitspielen wollen werden sie kaputt gehen, das einzige was sie in der EU halten wird, ist das sie in der Nato sind. Aber dem Volk wird es an den Kragen gehen. HartzIV war es in Deutschland, da sollen 700 Mio. eingespart werden. Und in Afrika verhungern Menschen, das schon vor IS und dem was den Europäischen Terror abgelöst hat.
      Grüße

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Immobilien: Nach der Coronakrise wird es einen Gewinner geben!

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Mieter von gewerblichen Immobilien sind wohl die Gewinner nach der Krise

Alle Bereiche des Lebens und der Wirtschaft sind derzeit von der Coronakrise betroffen, so auch die Immobilien. So hört man die letzten Tage, dass zahlreiche gewerbliche Großmieter wie Adidas, Deichmann und Co einfach Mietzahlungen für ihre Ladengeschäfte aussetzen. Aber wie wird die Lage bei Immobilien nach der Coronakrise aussehen? Wird alles weitergehen wie bisher? Ich möchte hier ein Szenario besprechen, dass nicht mit hundertprozentiger Garantie so eintreten muss. Aber die im folgenden Text beschriebene Auswirkung der Coronakrise auf die Branche scheint mir logisch.

Die Lage am Markt für Immobilien wird sich nach der Krise ändern

Bislang war es so: Die Eigentümer von Immobilien waren die Gewinner. Egal ob gewerblich oder privat, wer besitzt und vermietet, konnte jahrelang immer höhere Mieten kassieren. Und die jahrelange Flutung der Märkte mit Notenbankgeld und die abgeschafften Zinsen trieben Assets wie Aktien und Immobilien immer weiter nach oben. Die Käufer von Wohnungen und Projektentwickler von Gewerbeimmobilien mussten immer höhere Grundstückspreise und Erstellungskosten zahlen – und waren somit gezwungen die Mietpreise immer weiter hochzuschrauben, wenn sie denn noch eine nennenswerte Rendite auf ihren Kapitaleinsatz erzielen wollten. Aber jetzt wird sich einiges ändern. Womöglich nicht für private Mieter.

Aber die Mieter von Gewerbeimmobilien im Bereich Einzelhandel und in der Gastronomie, die werden nach der Coronakrise die großen Gewinner sein. Natürlich meine ich diejenigen Mieter, die diese aktuelle Durststrecke finanziell überleben werden, und auch danach ihre Cafes, Restaurants und Bekleidungsgeschäfte weiter betreiben. Bisher war es so: Der Immobilien-Eigentümer konnte bei Auslauf des Mietvertrags für den nachfolgenden Zeitraum stets kräftige Mietpreissteigerungen verlangen. Aber was passiert jetzt? Selbst nach gigantischen Rettungspaketen und KfW-Kreditprogrammen werden zahlreiche Gastronomen und Bekleidungsgeschäfte nicht überleben. By the way… viele kleine Unternehmer werden diese Kredite wohl gar nicht erhalten (mehr dazu hier). Entweder gehen zahlreiche Unternehmer in den nächsten Monaten pleite, oder dank der KfW-Kredite werden sie vielleicht erst in einem Jahr überschuldet aufgeben und ihren Laden dicht machen.

Angebot und Nachfrage

Dadurch, dass zahlreiche dieser Mieter aus dem Markt ausscheiden, verschiebt sich das Machtgefüge zwischen Mietern und Vermietern bei Immobilien im gewerblichen Bereich. Es wird viel Leerstand geben. Die Entwicklung hatte ja schon vor der Coronakrise in Innenstädten und Einkaufszentren eingesetzt. Zu viel Fläche, zu hohe Ladenmieten und immer mehr Online-Konkurrenz machen den Mietern schon seit Jahren zunehmend das Leben schwer. Nach und nach gaben einige auf und machten ihre Läden dicht. Dieser Trend wird nun durch die Coronakrise massiv beschleunigt werden. Der Leerstand wird deutlich zunehmen. Und die Eigentümer der Flächen werden auf einmal den bestehenden Mietern entgegenkommen. Ja, diese Prognose wage ich, auch wenn ich selbst kein Experte für Immobilien bin. Es geht um das Grundprinzip von Angebot und Nachfrage.

Mieter werden nach Auslauf der Verträge womöglich günstigere Anschlussverträge aushandeln können, weil die Vermieter sehen, wie links und rechts schon Flächen leer stehen. Da hat man Angst seinen noch vorhandenen Bestandsmieter zu verlieren, denn der hat nun die freie Auswahl. Und ganz schnell werden wohl auch die Neuvermietungspreise für Flächen im gewerblichen Bereich purzeln. Wer also die Coronakrise finanziell überlebt, und/oder wer nach der Krise ganz neu mit einer Geschäftsidee im Einzelhandel oder in der Gastronomie startet, der wird womöglich spürbar geringere Mietkosten erwarten dürfen, oder aushandeln können! Vielleicht noch nicht Ende April oder im Mai. Aber wohl in sechs Monaten, wenn nach und nach andere Gewerbemieter pleite gehen und ihre Läden dicht machen. Die letzten Tage haben Restaurantketten wie Maredo und Vapiano bereits Insolvenz angemeldet. Ob und wie viele dieser Läden fortbestehen werden nach einer möglichen Restrukturierung? Unklar, aber die Pleitewelle wird wohl kommen. Was man jetzt in Einzelfällen sieht, ist erst der Anfang.

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Schwellenländer drohen durch die Pandemie im Chaos zu versinken

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Christus-Statue in Rio - Schwellenländer hart getroffen durch Pandemie

Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung schauen die Märkte zur Zeit vor allem auf die dramatischen Entwicklungen in den USA und Europa. Doch für die Schwellenländer, die bereits vor der Pandemie angeschlagenen waren, droht nun der ökonomische Super-GAU.

Schwellenländer leiden bereits unter dem Abzug von Kapital

Wie wir schon vor der Pandemie berichteten, bewegten sich wichtige Schwellenländer bereits vor der Pandemie in schwerem Fahrwasser. Einige Länder, wie Argentinien, Brasilien, die Türkei, Venezuela, Südafrika oder Chile haben bereits Schlagseite. Die sich jetzt bereits in Ansätzen abzeichnenden globalen Verwerfungen drohen diese Staaten ökonomisch zum Kentern zu bringen. Die Schwellenländer sind besonders abhängig von Mittelzuflüssen aus den Industriestaaten und reagieren in einer Krise wie jetzt sehr sensibel auf eine Umkehr der Kapitalströme. Doch genau das passiert bereits, wie das Institute of International Finance (IIF) berichtet: Seit Ende Januar 2020 sind 95 Mrd. USD aus Aktien und -Anleihen der Emerging-Markets von ausländischen Investoren abgezogen worden.

Damit sind in dieser relativ kurzen Zeitspanne deutlich mehr Gelder rapatriiert worden als in der Finanzkrise ab September 2008. Die Kapitalflucht der Investoren aus Nordamerika und Europa aus den Schwellenländer-Märkten ist in weltweit unruhigen Zeiten ein bekanntes Phänomen. Gerade dann stellen stark überschuldete und politisch instabile Länder ein besonderes Verlustrisiko dar, das es zu meiden gilt. Kommt es zeitgleich zu Turbulenzen an den großen Finanzmärkten in New York, Tokio und London, wird die Liquidität dringend zu Hause benötigt, um Vermögenslöcher zu stopfen oder Margin-Calls zu bedienen.

Für eine Pandemie schlecht gewappnet

Im speziellen Fall der COVID-19-Pandemie befürchten die Investoren wahrscheinlich zu Recht, dass die Gesundheits- und Sozialsysteme einiger Schwellenländer mit der Seuche überfordert sein könnten. Eine Befürchtung, die in Indien bereits Realität ist. Dort sind soziale Sicherungssysteme kaum vorhanden, das Gesundheitssysteme ist extrem fragil und die Bevölkerungsdichte sehr hoch. Die jetzt eingeleiteten Maßnahmen zum Schutz der Menschen verursachen Chaos im indischen Verkehrssystem und bringen die Menschen ohne jeden Schutz noch dichter zusammen. In Brasilien, wo das Virus mittlerweile ebenfalls angekommen ist, folgte die Regierung um Präsident Jair Bolsonaro zunächst der Strategie Londons und Washingtons und verharmloste das Virus. Jetzt rudert die Staatsführung in Brasília zurück, wahrscheinlich wie in den USA und England viel zu spät.

Die bereits getätigten und sich aktuell verstärkenden Kapitalabflüsse werden die fiskalpolitischen Möglichkeiten in den Schwellenländern stark beeinträchtigen. Zum einen wird weniger Geld für die Seuchenbekämpfung und zur Abmilderung der ökonomischen und sozialen Folgen mobilisiert werden können. Zum anderen steigen die Kosten für die Kreditaufnahme ausgerechnet jetzt deutlich an. Gleichzeitig schwinden auch die Devisenreserven, die nicht nur für die hohen Zinslasten der zum Teil hoffnungslos in US-Dollar überschuldeten Länder benötigt werden, sondern auch für den Ankauf von Schutzkleidung, Test-Kits und teuren medizinischen Geräten. Staaten wie Venezuela, Brasilien, Südafrika oder Argentinien sind zudem wichtige Rohstofflieferanten. Die Preise für natürliche Ressourcen waren in den letzten Wochen stark rückläufig, was die Ökonomien dieser Staaten zusätzlich belastet. Außerdem müssen viele Förderstätten zum Schutz der Arbeiter vorübergehend stillgelegt werden. In Südafrika für mindestens drei Wochen. Es ist daher zu befürchten, dass die Schwellenländer die Pandemie noch schwerer werden bewältigen können als die Industriestaaten.

Schwellenländer bekommen den Stress im Finanzsystem zu spüren

Seit Mitte März bekommen die Schwellenländer die Krise bereits an den Finanzmärkten zu spüren. Die Zinsaufschläge, die Entwicklungsländer aktuell gegenüber zehnjährigen US-Staatsanleihen zahlen müssen, sind seitdem stark angestiegen. Besonders hart trifft es die Ukraine. Der osteuropäische Pleitestaat muss nun statt 400 Basispunkten Zinsaufschlag über 1.200 Basispunkte mehr bezahlen. Der Risikoaufschlag türkischer Staatsanleihen hat sich von 352 Anfang März auf aktuell über 700 erhöht. Russland steht trotz des Ölpreisverfalls mit 350 Basispunkten aufgrund der niedrigen Staatsverschuldung von lediglich 12,5 Prozent des BIP noch vergleichsweise gut da. Deutlich dramatischer stellt sich die Lage für den afrikanischen Ölproduzenten Nigeria dar, der nach einer Verdreifachung der Zinsaufschläge nun ebenfalls bei über 1.200 Basispunkten Zinsaufschlag gegenüber US-Anleihen angekommen ist. Auch Südafrika ist mit in den Aufwärtssog bei den Renditen geraten und muss aktuell 1.120 Basispunkte Zinsaufschlag bezahlen. Argentinien, dass seinen Schuldendienst bereits ausgesetzt hat, ist sogar gezwungen, für seine stark ausfallgefährdeten Anleihen (S&P-Rating: CCC-) Mehrkosten in Höhe von 2.640 Basispunkten am Kapitalmarkt zu akzeptieren. Das Land ist bereits de facto bankrott.

Die Kapitalflucht und die steigenden Risikoprämien werden auch in den Währungsentwicklungen der Schwellenländer sichtbar. Seit der verstärkten Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus Anfang Februar über die Landesgrenzen Chinas hinaus, kam es auch an den Devisenmärkten zu heftigen Bewegungen. Der mexikanische Peso verlor seitdem 23 Prozent, der russische Rubel über 20 Prozent (was übertrieben scheint), der argentinische Peso von niedrigem Niveau aus nochmals 5 Prozent und der südafrikanische Rand 16 Prozent.

Fazit und Möglichkeiten der Stabilisierung

Die bereits sichtbaren Folgen für die Schwellenländer sind wahrscheinlich nur der Beginn schwerer ökonomischer, sozialer und politischer Verwerfungen. In den kommenden Wochen und Monaten könnten sich die Turbulenzen infolge der Rezession in den USA und Europa, der zunehmenden Anzahl von COVID-19-Fällen auch in den Schwellenländern, einer fortschreitenden Unterbrechung der Lieferketten und einer sinkenden Nachfrage nach Rohstoffen, Waren und Dienstleistungen noch vergrößern. Der für viele Entwicklungsländer als Devisenquelle enorm wichtige Tourismus ist bereits weitgehend kollabiert.

Ein Großteil der Schwellenländer hat keine ausreichenden Rückstellungen oder fiskalischen Spielräume, um die heimische Wirtschaft mit großen Konjunkturpaketen á la USA oder Deutschland zu unterstützen. Würde die Zentralbank Argentiniens vergleichbar der US-Notenbank Fed eine staatliche Schuldensause von 10 Prozent des BIP durch Gelddrucken finanzieren, würde sich der Restwert des argentinischen Peso in Luft auflösen. Der makroökonomische Handlungsspielraum der Schwellenländer ist generell im Vergleich zu fortgeschrittenen Volkswirtschaften aufgrund der begrenzten Glaubwürdigkeit ihrer Währungen stark limitiert. Selbst Staaten mit niedriger Verschuldung, wie Russland, bekommen dies bereits durch die massive Abwertung ihrer Währung zu spüren. Daher sind die Schwellenländer auf externe Hilfe mittels harter Devisen angewiesen.

Die Fed hat diesem Bedürfnis bereits Rechnung getragen und ihre Dollar-Swap-Linien geografisch stark ausgeweitet und bietet nun auch Entwicklungsländern über diesen Weg einen Zugang zu US-Dollar-Liquidität. Bereits 80 Länder haben zudem den Internationalen Währungsfonds (IWF), gemäß dessen Direktorin Kristalina Georgiewa, um finanzielle Hilfe gebeten. Der supranationalen Institution stehen zur Zeit dafür 1 Billion US-Dollar zur Verfügung. Dieser Betrag muss dringend in Anbetracht der Vielzahl der Hilfegesuche aufgestockt werden.

Auf Ebene der G20-Staaten wurde beim jüngsten virtuellen Sondergipfel ebenfalls über Hilfen für Entwicklungsländer diskutiert – allerdings sehr abstrakt. So sollen Handelsbeschränkungen abgebaut und die Entwicklungshilfe ggf. aufgestockt werden. Dem Rest der Welt sollten die Schwellenländer nicht egal sein. Wenn diese im Zuge der jetzt bevorstehenden Weltrezession noch tiefer in finanziellem Chaos versinken, würde dies für die gesamte Weltwirtschaft einen zusätzlichen Schock bedeuten. Eine schnelle wirtschaftliche Erholung exportorientierte Länder wie Deutschland nach dem Abebben der Pandemie wäre dann unwahrscheinlich.

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Dirk Müller über die dramatischen Folgen der Corona-Krise

„Unser Finanzsystem hat fertig“

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Die Corona-Krise nimmt immer dramatischere Foolgen für die Wirtschaft an – der Einbruch ist heftiger als in der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929, sagt Dirk Müller. Eigentlich sollte „Mr. Dax“ bei einer Finanzmesse auftreten – aber da das aufgrund der Corona-Krise nicht möglich ist, hielt Dirk Müller seinen Vortrag von zuhause aus per Video.

Corona-Krise schlimmer als Weltwirtschaftskrise 1929

Der Crash der Aktienmärkte passierte sogar schneller als in der Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929 (und folgende). Und das wird bedeuten, dass da viele Finanz-Player erwischt wurden – daher sind viele Pleiten im Finanzsektor wahrscheinlich, von denen wir in den nächsten Wochen und Monaten erfahren werden. Das gilt auch und vor allem für Banken – Dirk Müller erwartet daher Banken-Pleiten. Wenn aber Banken pleite gehen, werden auch die Gelder auf deren Konten in Gefahr sein, sagt Dirk Müller – denn faktisch ist ein Kontoguthaben bei einer Bank eine Art Kredit, den man der Bank gibt.

Dirk Müller über den Crash des Kreditsystems

„Unser Finanzsystem hat fertig“, so Dirk Müller – wir erleben jetzt einen reset des Systems. Das Coronavirus sei nur der Auslöser für diesen reset – und die Ausrede zugleich, warum eben dieser „reset“ nun vermeintlich nötig sei. Bisher haben die Notenbanken es nicht geschafft, die Märkte zu beruhigen, was aber eigentlich durch das „plunge protection team“ der Amerikaner möglich gewesen, aber eben nicht erfolgt sei, meint Dirk Müller.

Das eigentliche Problem könnten die Notenbanken so oder so nicht lösen, so „Mr. Dax“: den „Credit Crunch„. Alle brauchen nun Liquidität, um Kredite und Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Cash ist King im deflationären Schock.

Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gesellschaft

Was fast noch schlimmer ist: die Menschen haben Angst um ihre Jobs und damit um ihre Zukunft. Dazu kommt noch die Angst um die Gesundheit der eigenen Familie – Müller spricht daher von einer so noch nie dagewesenen „Angstkombination“, die massive und bisher unkalkulierbare Auswirkungen auf die psychische Verfassung der Gesellschaft haben dürfte. Es könne daher zu sehr häßlichen Szenen kommen, die wir bisher nicht für möglich halten. Diese „Angstkombination“ in der Gesellschaft verstärke dann die Neigung der Menschen, Sündenböcke zu suchen – vielleicht die Flüchtlinge, die mit der einheimische Bevölkerung etwa um Arztbesuche konkurrieren?

Sehen Sie hier das Szenario von Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise:

Dirk Müller über die Folgen der Corona-Krise

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