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Das Problem mit der Tsipras-Regierung

Von Markus Fugmann

Die griechische Tsipras-Regierung spaltet die Beobachter: die einen sind hymnisch dafür, die anderen lehnen sie mit scharfen Worten ab. Warum aber agiert die Tsipras-Regierung in einer Art und Weise, die viele vor den Kopf stößt?

Um zu verstehen, aus welcher psychologischen Grundposition die Syriza-Führung agiert, sollte man sich bewußt machen, dass die Wähler der Syriza überwiegend die Verlierer innerhalb der griechischen Gesellschaft sind. An ihnen sind die geflossenen Gelder aus der Eurozone vorbei gegangen, während sich andere die Taschen voll gestopft haben, vor allem Staatsbedienstete und ihr angehängtes Klientel. Jetzt fordern diese Verlierer legitimerweise ihr Recht: die Dinge müssen ab jetzt anders laufen, so ihre Botschaft. Und sie müssen wirklich anders laufen, auch im Interesse der Gläubiger: Sparen allein wird die griechische Wirtschaft nicht mehr auf die Beine bringen können, so viel ist klar!

Also müssen sich die Geldströme verändern: bislang geht das Kapital an die Regierung, notwendig wäre die Schaffung einer internationalen Institution – unter Beteiligung griechischer Volksverterter. Diese Institution wiederum entscheidet über die Verwendung der Kredit-Gelder – und das in einer transparenten, für die Öffentlichkeit einsehbaren und der Öffentlichkeit zu kommunizierenden Verfahrensweise. Dann entfiele das Problem, das die Gläubiger haben: sie wissen nicht, wo die Gelder landen, sehen die Bedingungen für die gewährten Kredite nicht erfüllt. Auch das ist verständlich.

Was an der Tsipras-Regierung stört: sie fordert zurecht Wachstum und Investitionen. Aber sie sagt nicht, wie das Wachstum erreicht werden soll, wohin die Investitionen fliessen sollen. Man hat das Gefühl, es interessiert sie auch nicht besonders – Vorschläge von Ökonomen wurden angehört, aber nicht weiter verfolgt (zumindest bislang). Dahinter steht ein sozialistisches Menschenbild: die Wirtschaft muss den Menschen dienen, die Gelder sind schon irgendwie da. Aber die Gelder müssen erst erwirtschaftet werden, damit sie dann den Menschen dienen können!

Wichtiger ist Syriza die Umverteilung der Vermögensverhältnisse – das ist legitim. Aber es reicht eben nicht aus. Tsipras und die Seinen verhalten sich wie Kinder, die vom Onkel immer neue Mittel zugesteckt bekommen – und sagen: die anderen, der große Bruder, hat viel mehr bekommen als wir, wir sind leer ausgegangen bisher, daher sind wir jetzt dran. Implizit setzt daher die Haltung der Tsipras-Regierung voraus, dass die Gelder aus Europa immer fliessen werden, weil man eben einen Anspruch darauf habe. Aber dieser Anspruch besteht eben nicht!

Was es jetzt braucht, ist Hilfe zur Selbsthilfe – und der Abschied der Griechen von einer schon unter osmanischer Fremdherrschaft ausgeprägten Mentalität, die immer mit dem Finger auf andere zeigt (so etwa mit der Forderungen für Reparationen Deutschlands, die berechtigt sind, aber auf einem anderen Blatt stehen) und sich um Eigen-Verantwortung herumdrückt.



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10 Kommentare

  1. ….lassen wir mal Griechenland beiseite und da stelle ich mir seit einiger Zeit die Frage: Was ist das für ein fragwürdiges Wirtschaftssystem, welches am laufenden Band mit billionenschweren Gelddruckprogrammen (QEs) am Leben erhalten wird, weil es anderenfalls vollständig kollabieren würde……

    Wir sollten endlich schlußmachen mit dieser armseligen Volksverdummung, die gerade das leistungslose Einkommen massiv fördert und die hart arbeitenden Menschen ausplündert….das geschieht weltweit so, nicht nur in Griechenland….

    VG

    1. @GN, wie sieht dann die Altrnative zu diesem System aus nach Ihrer Auffassung?

      1. Hallo Herr Fugmann,

        ja, gute Frage, wie sieht eine Alternative aus. Das wäre hier jetzt eine lange Diskussion. Ich möchte sie mal versuchen aus meiner Sicht beantworten. Keinesfalls so, wie sich die Linken das vorstellen. Motto: Wir nehmen den Reichen das Geld weg und alles wird gut…..

        Zuerst einmal eine klare Rückbesinnung auf wahre Werte. Wahre Werte sind für mich nicht Apple, Amazoon, Google % Co…..wo ist da bitte eine Zukunft. Noch mehr Autos und sinnfreien Elektronikmüll produzieren??? Wahre Werte sind für mich z. B. die Familie. Zeit für die Kinder….Zeit für die Alten….da haben uns die Südländer, also auch Griechenland doch erheblich was voraus.

        Wir verbrauchen z. Zt. jeden Tag 90 Millionen Barrel Erdöl am Tag, das sind umgerechnet 45 Supertanker….jeden Tag…und das soll so weiter gehen, bis ans Ende unserer Tage…..

        Mir fällt da gerade ihr Artikel zum BGE ein, das wäre für mich ein klarer Ansatz für eine bessere Zukunft….oder Harald Welzers Vorstellungen sind mir sehr sympathisch…

        Eins heißt das für mich aber auch ganz klar: Verzicht auf materiellen Konsum unserer heutigen Wachstumsideologie. Und daß dies nur noch eine Ideologie ist und mehr nicht, so weit dürften wir wohl übereinstimmen…..

        Es gibt keine einfache Anwort auf Ihre Frage, weil unsere Gesellschaft halt in der Frage der Zukunft sehr gespalten ist. Nur , so weitergehen sollte es jedenfalls nicht…

        Viele Grüße

        GN

        1. Die Frage ist nicht gut. Ich denke das die Frage gut wäre wenn festgestellt würde „ich meine Sie haben Recht oder „ich meine das sie unrecht haben“. So scheint es mir das nur „gelauert“ wird. Sie entwickeln eine Idee und es wird destruktiv darauf eingegangen. Das würde nicht geschehen wenn der Hinweis das sie Recht haben „könnten“ gegeben wäre.
          Sollte dem Widersprochen werden müsste Positive Aspekte des Kapitalismus entwickelt werden, die es sicher gegeben hat.
          Ich denke das Soziale Emanzipation eine Lösung sein kann.http://www.linkes-oldenburg.de/wp-content/uploads/2014/11/Beitragen.pdf

    2. Nur so’n Gedanke,
      Nix gegen Griechenland.
      Eigentlich ist es doch eh egal, wie das am Sonntag ausgeht. Doch überschaut man mal die letzten 12 bis 15 Monate, so kann man doch getrost behaupten, dass hier nichts so aus Zufall geschieht. Man sollte nicht den Teufel an die Wand malen, doch aus meiner Sicht sieht es eher danach aus, als wäre man durchaus bemüht, einen Finanzcrash, zumindest in Europa, herbeizuschwören. Ukraine, dann Greece, dann Ukraine, jetzt wieder Greece, zwischedurch mal IS, dann wieder ja und wieder nein. Der Grexit ist doch beschlossen, denn wenn irgendetwas politisch so heftig verneint wurde, traf es danach immer ein!
      Also,….geht es hier womöglich drum, eine Finanzblase zum platzen zu bringen, bevor sie unüberschaubar groos wird, und am Ende zu gross und teuer?
      Man kann das Thema Griechenland nicht mehr ernst nehmen. Zu sehr sind da die Meinungsschwankungen einzelner Personen! Mir scheint als würden da ganz andere Leute die Fäden ziehen. Auch Herrn Tsipras scheint doch mehr oder weniger immer die Meinung zu vertreten, die ihm zugesteckt wird!
      Da kommt doch was,….
      oder Herr Fugmann?
      Jetzt sagen sie bloss ich läge komplett daneben,….damit ich wenigstens ruhig schlafen kann ;O)

      1. @ Mo Gerret, da ich um Ihren Schlaf extrem besorgt bin, lassen Sie mir gar keine andere Wahl als zu sagen, das Sie komplett daneben liegen :)

        Viele Grüsse!

        1. Ob nun gewollt oder nicht, der Effekt könnte der gleiche sein, deshalb,
          Ich nehm doch vorsichtshalber mal Beruhigungstabletten ;O)
          Gruß und schönes Wochenende

          1. da dachte ich Sie wären es selbst.

  2. Ich finde es nicht wirklich störend wie sich die Tsipras Regierung verhält. Sie ist die erste Regierung, die seit sie im Amt ist klar sagt was Sache ist: Ohne Schuldenschnitt, geht nix mehr. Im Prinzip hat das ja der IWF mit seinem Bericht heute belegt, dass das so ist. Wenn jetzt noch einer sagt, ja aber das ist ja mal wieder schwarz/weiss gedacht, dann soll er mir den Graubereich aufzeigen, und zwar ohne eine Art Schuldenmoratorium oder weitere Sparvereinbarungen, dass wäre aus meiner Sicht auch nur der Versuch das Schwarze für die Öffentlichkeit unter einem grauen Tuch zu verstecken bis es dann in 1-2 Jahren wieder durchscheint, weil es zwischenzeitlich ein noch tieferes Schwarz geworden ist.
    D.h. es sollte jetzt eine Entscheidung her, die nun ja quasi mit der Haltung der Tsipras Regierung erzwungen wird. Entweder Schuldenschnitt und Geld her oder halt Staatspleite + evtl. Grexit (aus dem Euro). Für mich wäre das auch die erste grundlegende Entscheidung, die getroffen werden müsste bevor ich einen Masterplan zum Aufbau der Wirtschaft in Griechenland schmieden würde, denn je nach Entscheidung würde die Strategie allgemein und im Detail ganz anders aussehen. In so kurzer Zeit diese Monster-Aufgabe für beide Fälle auch nur zu skizzieren, ist aus meiner Sicht unmöglich. Deshalb meine ich ist es richtig von Tsipras & Co sich erstmal der wesentlichen Frage und der grundlegenden Entscheidung zu widmen. Hop oder Top, bekommt Griechenland vom Euroraum noch eine letzte Chance? Haben die Regierungschefs, die Euro-Gruppe, die Zentralbänker … Vertrauen genug um diese letzte Chance zu gewähren? Momentan sieht es nicht so aus. Die Verantwortlichen versuchen eher das graue Tuch zu weben, sowohl Schwarz oder Weiss würden in diversen Euroländern radikale Parteien beflügeln die den aktuellen Parteien an der Macht am Stuhl sägen, die eigenen Interessen haben eben immer Vorrang. Schade, mir wär Schwarz oder Weiß lieber, dann wäre auch in der EU vielleicht der Druck so hoch damit endlich mal strukturelle Probleme im Euroraum angegangen werden müssten.

    1. Es spielt überhaupt keine Rolle was Tsipras macht oder sagt,auch nicht was die anderen sagen. Auch Schulden-schnitt und so weiter ist ohne jeden Belang.
      Es ist der normale Kapitalismus und das ist ein System und dem kommst du nach oder gehst kaputt. Da die Griechen weiterhin mitspielen wollen werden sie kaputt gehen, das einzige was sie in der EU halten wird, ist das sie in der Nato sind. Aber dem Volk wird es an den Kragen gehen. HartzIV war es in Deutschland, da sollen 700 Mio. eingespart werden. Und in Afrika verhungern Menschen, das schon vor IS und dem was den Europäischen Terror abgelöst hat.
      Grüße

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