Anleihen

Das Rätsel ist gelöst: Der Besitz von US-Staatsanleihen der Saudis

FMW-Redaktion

Es war lange ein Geheimnis, das nun enthüllt ist: wieviel hat Saudi-Arabien in US-Staatsanleihen investiert? Seit 1974 hat das US-Finanzministerium den Besitz von US-Anleihen durch Saudi-Arabien nicht mehr publiziert – also seit der Ölkrise. Kürzlich war das Thema von hoher auch politischer Relevanz, weil die Saudis angeblich gedroht hatten, ihre US-Staatsanleihen zu verkaufen, wenn die Klagen in den USA gegen die Rolle der Saudis beim 11.September zugelassen würden. Die New York Times hatte damals von einer Summe von 750 Milliarden Dollar gesprochen – wohl eher gemutmaßt.

Nun hat das US-Finanzministerium plötzlich Saudi-Arabien (und andere Satellitenstaaten der Saudis wie Kuwait etc.) in die offiziellen Daten wieder aufgenommen. Und es sind deutlich weniger als die von der New Yorl Times berichteten 750 Milliarden Dollar, es sind lediglich 116,8 Milliarden Dollar. Das reduziert das Drohpotential der Saudis erheblich, die US-Anleihen zu verkaufen, wenn die Klagen zugelassen würden über die Beteiligung Saudi-Arabiens an den Terroranschlägen im Jahr 2001. Warum aber erfolgt die Veröffentlichung der Daten nun zu einem Zeitpunkt, an dem eben diese Daten von großer Relevanz sind? Dazu die Sprecherin des US-Finanzministeriums, Whitney Smith:

“We recently undertook a thorough data and legal analysis to determine if we could report data in a more comprehensive and transparent fashion. We concluded that it was consistent with transparency and the law to disclose the data in a disaggregated fashion.”

Aha, soso. Transparenz, wir verstehen. Warum aber jetzt diese Transparenz, und vorher nicht? Diese Frage wird wohl offen bleiben, eine veritable Antwort ist die Aussage der Sprecherin jedenfalls nicht. Immerhin: die Daten zeigen nun, dass die Saudis das Volumen der US-Staatsanleihen in den letzten beiden Jahren deutlich gesteigert haben – vor zwei Jahren waren es noch 82,7 Milliarden Dollar:

Saudi-Arabien
(Zum Vergößern bitte anklicken)

Ganz an der Spitze der Anleihegläubiger der USA nach wie vor China und Japan, dann mit weitem Abstand die Cayman Islands (Hedgefonds!). So weit, so interessant. Aber eines bleibt offen: die Saudis haben nach offiziellen Daten Devisenreserven im Volumen von 587 Milliarden US-Dollar – das heißt, lediglich 20% der Devisenreserven der Saudis sind in Dollars geparkt. Und das ist ungewöhnlich, weil die meisten Zentralbanken dieser Welt etwa zwei Drittel ihrer Reserven in Dollars haben, sprich überwiegend in US-Staatsanleihen.

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König Salman ibn Abd al-Aziz von Saudi-Arabien. Foto: Gemeinfrei

Wie auch immer: ein Motiv der Veröffentlichung der Daten durch das US-Finanzministerium dürfte sein, der amerikanischen Öffentlichkeit zu zeigen, dass man nicht abhängig sei von den Saudis – das wäre bei einer Summe von 750 Milliarden, die die New York Times ins Spiel gebracht hatte, sicher anders gewesen. Denn dann wären die Saudis ein großer Player gewesen am Markt für US-Staatsanleihen, genauer gesagt die Nummer drei hiner China und Japan. Nun aber ist klar, dass die Saudis auch durch einen Verkauf ihrer US-Anleihen ihr Defizit von 16% des BIP, das Saudi-Arabien letztes Jahr produziert hatte, nicht eine schwarze Null schreiben könnten..



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1 Kommentar

  1. Nunja, wieviel die Saudis gekauft haben, wurde nicht veröffentlicht, aber wieviel die OPEC insgesamt gekauft hat schon und wie hoch die saudischen Gesamtreserven sind, ist auch bekannt. Wurde von mir auf mehreren Seiten nach den entsprechenden Berichten büer angebliche Drohungen der Saudis auch so kommuniziert, dass Saudi-Arabien nichtmal ansatzweise über 750 Mrd. USD verfügt, die sie auf den Markt werfen könnten.

    “ Aber eines bleibt offen: die Saudis haben nach offiziellen Daten Devisenreserven im Volumen von 587 Milliarden US-Dollar – das heißt, lediglich 20% der Devisenreserven der Saudis sind in Dollars geparkt. “

    Nein, das heisst es nicht, da die Reserven natürlich nicht nur aus Staatsanleihen bestehen. 20% der saudischen Reserven, sind US-Staatsanleihen, darüber hinaus werden aber sicherlich auch US-Unternehmensanleihen, Agency-Anleihen, Aktien etc. in USD gehalten.

    Unabhängig davon gilt allerdings, dass die USA veröffentlichen, von wo aus gekauft wurde, aber nicht, wer Käufer ist. So werden z.B. für die Karibikstaaten, aber auch europäische Steueroasen wie Luxemburg, die Schweiz oder Belgien hohe Käufe ausgewiesen, was aber nur bedeutet, dass sich die Konten der Käufer dort befinden.

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