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Das ultimative Brexit-Barometer läuft immer weiter gegen die Briten

Gestern wussten die EU-Verhandler für den Brexit noch nicht einmal, ob die britischen Verhandlungspartner gestern überhaupt in Brüssel eintreffen würden. Sie kamen dann doch. Und es ging erst einmal nicht um…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Gestern wussten die EU-Verhandler für den Brexit noch nicht einmal, ob die britischen Verhandlungspartner gestern überhaupt in Brüssel eintreffen würden. Sie kamen dann doch. Und es ging erst einmal nicht um Inhalte. Nein, die EU-Seite forderte erst einmal, dass die Briten klar formulieren sollen, welche Positionen sie denn überhaupt genau vertreten.

Der EU-Verhandlungsleiter Michel Barnier sagte dazu er sei besorgt, die Zeit dränge. Man brauche von der britischen Seite Papiere, die klar seien, damit man konstruktive Verhandlungen führen könne. Der britische Brexit-Verhandler David Davis sagte dazu (direkt neben Barnier stehend), dass Phantasie und Flexibilität gefragt seien. Im Klartext: Die Briten wissen noch nicht einmal selbst, was ihre Standpunkte sind, und wie sie in die Verhandlungen gehen wollen.

Man kann also als Außenstehender davon ausgehen, dass die inhaltlichen Verhandlungen über den Brexit noch nicht einmal begonnen haben. Das Problem für die Briten ist, dass die EU-Seite eine klare Verhandlungslinie zu haben scheint. Und außerdem ist die EU in einer tausendmal besseren Situation, weil man der eindeutig größere Markt ist. Die Zeit arbeitet also gegen Großbritannien, das offensichtlich gar nicht weiß, was es will.

Für die Briten scheint wohl das mit Abstand wichtigste Verhandlungsziel zu sein, auch nach dem Brexit einen freien Marktzugang zum EU-Binnenmarkt zu haben. Darüber will die EU aber erst sprechen, wenn klar ausverhandelt ist, wie hoch die Austrittsrechnung ist (geschätzt 50 Milliarden Euro oder mehr), die die Briten an die EU bezahlen werden. Auch müsse erst geklärt sein, wie zukünftig die Personenfreizügigkeit von EU-Bürgern in Großbritannien aussehen wird. Und darüber gibt es noch überhaupt keine Einigkeit.

Die Idee der Briten alle EU-Regeln hinter sich zu lassen und keine Personenfreizügigkeit mehr zuzulassen, aber dennoch freien Marktzugang zum Binnenmarkt zu haben, das ist das Kernproblem! Es widerspricht dem fundamentalen Prinzip der EU. Und wie Barnier sagte, die Zeit rennt.

Am 29. März verkündete Theresa May offiziell den Austritt aus der EU. Seitdem tickt der Zeitplan. In zwei Jahren erfolgt automatisch der Austritt, wenn man sich bis dahin nicht einigt. Dann wäre es ein harter kalter Brexit, mit Handelsschranken, Zöllen, Grenzen etc. Ganze fünf Monate von diesen zwei Jahren sind nun bereits vergangen, ohne dass man offensichtlich irgendeinen substanziellen Fortschritt gemacht hat. Denn Irrwitz auf britischer Seite erkennt man zum Beispiel an folgender Formulierung.

So schreibt die britische Seite in ihrem Forderungskatalog man „unterstreicht die Idee einer Zollgrenze, die die Notwendigkeit einer Zollgrenze beseitigt“. Wer versteht das? Wer kann damit etwas Konstruktives anfangen? Wie soll man als EU-Verhandler damit vorankommen? In der Zwickmühle sitzen aber wie gesagt die Briten. Der Zeitplan von zwei Jahre scheint bei dem gigantischen zu verhandelnden Berg an Vereinbarungen nicht haltbar zu sein.

Das scheint sich auch immer mehr in dem ultimativen Brexit-Barometer abzuzeichnen, auf das wir vor einigen Tagen schon einmal hingewiesen hatten. Der Euro steigt immer weiter gegen das britische Pfund. Das Pfund wird also stetig schwächer. Zum Zeitpunkt der Austritts-Verkündung am 29. März (rot eingekreist) stand Euro gegen Pfund (EURGBP) bei 0,85, heute schon bei 0,9256. Zahlreichen Banken rechnen mit einem weiteren Anstieg, und auch mit dem Erreichen der Parität, also einem Kurs von einem Euro, der dann ein Pfund kostet.

Eine Garantie ist so eine Prognose natürlich nicht. Aber bis jetzt ist der Trend eindeutig, der kurz nach der Austrittserklärung begann. Der stetige Anstieg des Euro verdeutlicht auf die Sicht dieser fünf Monate, dass der Markt immer mehr von einem größer werdenden Problem für die britische Seite ausgeht!


EURGBP seit Januar.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    sabine

    30. August 2017 22:19 at 22:19

    50 Milliarden Euro will die EU als Ausgangsrechnung? Das ist die Warnung an andere Xitter, die auch raus wollen.
    http://www.rp-online.de/politik/ausland/was-uns-die-eu-kostet-bid-1.2229839
    Was kostet jährlich die EU?
    Deutschland führt die Liste mit 7,651 Millarden Euro an. Im Klartext: Deutschland überweist im Jahr 22,4 Milliarden Euro (Stand: Haushalt 2004). Zieht man alle Rückflüsse wie Fördermittel für Bauern oder andere Subventionen ab, zahlt Deutschland 7,651 Millarden Euro mehr ein, als es herausbekommt.
    Waren die Briten nicht Einzahler? Warum müssen sie dann noch für den Austritt zahlen? Wie ist das beim Bausparen? Ich zahl ein, und am Ende, damit ich rauskomme, zahl ich nochmal? Ach, die Briten hatten ja einen Milliardennutzen durch den Zugang zum europ. Markt. Das sie ohne Zoll an andere in der EU etwas verkaufen konnten. Und wenn das nicht mehr geht? Hat man ja noch die Milliarden, die man sich wegen der EU spart. Und man kann ja auch Zölle für die deutschen Autobauer einführen. Die da drüben gut verdienen. Gegen die Japaner…. usw.

  2. Avatar

    sabine

    30. August 2017 22:22 at 22:22

    Faz net erzählt von 14 Milliarden.
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/deutschland-zahlt-am-meisten-in-den-eu-haushalt-14378202.html
    Der Nettobeitrag, also die Differenz zwischen den Beitragszahlungen und den Rückflüssen aus den diversen EU-Fonds, sank 2015 zwar leicht. Er beträgt aber immer noch rund 14,3 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte Deutschland 15,5 Milliarden Euro gezahlt. Das war ein Rekordwert. Direkt hinter Deutschland ist in diesem Jahr Großbritannien zum zweitgrößten Nettobeitragszahler der EU vor Frankreich aufgestiegen. Das Land überwies trotz des Rabatts, den GB auf seine Beitragszahlungen erhält, 2015 rund 11,5 Milliarden € mehr nach Brüssel, als es aus den Fonds erhielt. Das war mehr als doppelt so viel wie 2014. Ohne Rabatt hätten die Briten noch einmal 6 Milliarden Euro mehr gezahlt.“
    Da würde ich auch rauswollen!

    • Avatar

      Michael

      31. August 2017 02:41 at 02:41

      Die armen Briten, wurden sie doch von Anfang an grausam und undemokratisch zum EU-Mitgliedsland gezwungen und hatten zu keiner Zeit auf keinem Gebiet jemals die Wahl oder jemals Vorteile von der EU-Mitgliedschaft!
      Jetzt wären sie eigentlich endlich wieder frei, würde man sie nicht zu schrecklichen und unmenschlichen Austrittsverhandlungen, basierend auf bestehenden Verträgen zwingen.
      Mit Phantasie und Flexibilität werden sie es schaffen, Hunderttausende von schlecht bis gar nicht bezahlten EU-Ausländer-Jobs mit Einheimischen zu besetzen und im Gegenzug die einigermaßen gut entlohnten Arbeitsplätze im Banken- und Börsensektor im europäischen Finanzmarkt kollegial abzutreten und locker zu kompensieren.

      Kartoffel klauben, Unkraut jäten, Geschirr spülen, für andere putzen, wir machen alles für 2 Pfund pro Stunde wieder selber…
      Da würde ich gerne reinwollen, aber man darf ja nicht mehr.

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

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