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Das „V“ ist vom Tisch – es war auch zu offensichtlich

Claudio Kummerfeld

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am

Gehen Sie mal durch deutsche Innenstädte dieser Tage. Die Leerstände nehmen sprunghaft zu. Dazu wird Karstadt Kaufhof jetzt in zahlreichen mittelgroßen Städten noch großer Anker-Häuser dicht machen, wodurch noch mehr Innenstädte veröden. Alleine das zeigt, dass die Krise zum Beispiel im Einzelhandel nicht mal eben in Form von einer V-förmigen Erholung vorbei geht. Auch aktuelle Daten zur Kurzarbeit zeigen, dass sie nur minimal zurückgeht, und im Juni immer noch 6,7 Millionen Menschen kurzarbeiten. Diese Millionen von Menschen werden jetzt wohl kaum dank Mehrwertsteuersenkung neue Fernseher kaufen oder locker und bestens gelaunt eine Urlaubsreise buchen, geschweige denn ein neues Auto kaufen. Also… wer den gesunden Menschenverstand einschaltet, der sieht auch schon ganz ohne Expertenmeinung, dass die aktuelle Konjunkturkrise nicht in Form eines V verschwinden wird.

Das „V“ ist vom Tisch

Ja, das „V“ ist vom Tisch. Genau so wird es aktuell auch in einer Veröffentlichung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) geschrieben. Trotz der Lockerungen von Corona-Beschränkungen und der von der Politik angekündigten Unterstützungsmaßnahmen sei für die deutschen Unternehmen keine schnelle Erholung in Sicht, so der DIHK. Die Aussagen des Verbands basieren auf einer Umfrage (hier die Details), die man vom 22.-26 Juni bei 8.500 Unternehmen durchgeführt hat. So rechne die Hälfte der Betriebe frühestens im nächsten Jahr mit einer Rückkehr zur geschäftlichen Normalität. Nur ein Drittel erwarte eine Normalisierung schon in diesem Jahr.

So bedeutend Überbrückungshilfen und Konjunkturpakete auch seien. Nichts sei für Unternehmen so wichtig wie die Chance, selbst wieder am Markt Umsatz machen zu können, so die aktuelle Aussage des DIHK. Der Umfrage zufolge erwarten weiterhin vier von fünf Betrieben für das gesamte Jahr einen Umsatzrückgang. Im DIHK-Konjunkturradar fällt die Geschäftslage auf den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebungen 1985. Die Umfrage bestätige die Prognose eines Wirtschaftseinbruchs von 10 Prozent in diesem Jahr. Auch werde der Weg aus dem Tal eher länger als kürzer. Die Unternehmen würden mit großer Sorge sehen, dass ihre Geschäfte nicht schnell wieder in Gang kommen, obwohl der Shutdown in Deutschland und anderen Partnerländern gelockert worden ist, so der DIHK.

Probleme gab es schon vor Corona

Wir meinen: Die Rezession war schon kurz vor Corona im Anflug. Und jahrelang hatten sich (Thema Zombieunternehmen) immer mehr unrentable Unternehmen (mit Hilfe der Nullzinspolitik der EZB) im Wirtschaftskreislauf angestaut, die jetzt umso schneller den Bach runtergehen (siehe Karstadt Kaufhof, Maredo, Vapiano uvm). Es ist also aktuell nicht nur eine Corona-Rezession. Sie hat die unterschwellig brodelnden Probleme offengelegt, und bringt kaputte Marktteilnehmer derzeit schneller zu Fall, als es der Fall gewesen wäre, wenn die Volkswirtschaft vorher kerngesund war. Und wie will man die Kurzarbeiter (immerhin derzeit 20 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten) zum Konsum animieren? Und Millionen von Menschen, die nicht in Kurzarbeit sind, aber zum Beispiel als Solo-Selbständige in Existenznot sind und nun Hartz 4 beantragen sollen? Die werden auch nicht konsumieren. Die wirtschaftliche Erholung wird wohl ein langes, verdammt trockenes Brot werden, so meinen wir. Hier noch einige ausgewählte Aussagen des DIHK von heute im Wortlaut:

Kaum Spielraum für Zukunftsinvestitionen

Konkret berichten 60 Prozent der Unternehmen von weniger Nachfrage und 43 Prozent von stornierten Aufträgen. Mehr als ein Drittel der Betriebe plant weniger Investitionen, in der Industrie sind es sogar 55 Prozent. „Dabei brauchen wir angesichts der enormen Herausforderungen bei Digitalisierung und Energiewende Innovationen und Investitionen hierzulande, um auch nach der Krise wettbewerbsfähig zu sein“, betont der DIHK-Hauptgeschäftsführer.

Finanzierungsprobleme nehmen zu

Hinzu kommt, dass immer mehr Unternehmen mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen haben. Das schränkt zusätzlich Raum für Investitionen in neue Technologien, Produkte und Märkte ein. Mehr als 40 Prozent berichtet von Liquiditätsengpässen. Fast jeder zweite Betrieb meldet einen Rückgang des Eigenkapitals. „Das geht vor allem bei mittelständischen Unternehmen schnell an die Substanz, weil zur Finanzierung laufender Zahlungsverpflichtungen die Umsätze fehlen“, berichtet Wansleben.

„Wir sollten den Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesregierung deshalb unbedingt mittelstandsfreundlicher gestalten, damit auch zahlenmäßig mehr Unternehmen davon profitieren können. Außerdem läuft die Zeit davon. Wir sehen Bundesregierung und EU-Kommission hier erheblich unter Zugzwang.“

EU-Binnenmarkt muss wieder anspringen

Wegen der Corona-Einschränkungen im Welthandel rechnet der DIHK in diesem Jahr mit einem Exportrückgang von 15 Prozent. „Jeder zweite Arbeitsplatz in Deutschland hängt am Export,“ betont Wansleben. „Deshalb kann das nationale Konjunkturpaket nur einen Teil der Krise lösen.“

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Scheer

    30. Juni 2020 18:12 at 18:12

    Das V ist vom Tisch? Also wenn ich mir den Kursverlauf von Tesla ansehe ist das ein Paradebeispiel von einem „V“

    • Avatar

      Zimmermann

      30. Juni 2020 19:16 at 19:16

      Ja, ich kann mir nicht helfen. Aber wenn ich den Tesla-Kurs so anschaue, muss ich irgendwie an Wirecard denken. Schau ich mir die Realitäten in Abstimmung mit dem Börsenkurs an, bringe ich das in meinem Kopf auch nicht zusammen. Da scheint mir einiges gepreist, das auch nicht stimmen kann. Im Gegensatz zu den anderen Autoherstellern (weltweit), scheint Tesla das Corona-Thema nichts anhaben zu können.

      • Avatar

        Michael

        30. Juni 2020 22:07 at 22:07

        @Scheer, @Zimmermann,
        manchmal, nein eigentlich fast immer, frage ich mich, ob Kommentatoren eigentlich die Artikel lesen. Oder nur den immer gleichen Senf, in welche Richtung auch immer, verschleiernd auf die Aussagen schmieren wollen.

        Wann immer von der V-Erholung hier auf FMW geschrieben wird, bezieht sich diese auf die Realwirtschaft. Wann immer die meisten Senf verschmieren, geht es um die Aktienkurse. Wirtschaft und Börsen sind seit mindestens etwa 20 Jahren Paralleluniversen.

        Wirtschafts-V ganz klar nein, Börsen-V vermutlich (wie V) ja. V-wie-Vollpfosten-Politikern und -Bankern sei Dank ✌️

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    Zimmermann

    30. Juni 2020 19:08 at 19:08

    Die V-förmigen Erholung ist doch nur Finanzanlaystengeschwätz. Unterhalten Sie sich mal mit Unternehmern (keine Manager, zu Unternehmern besteht da nämlich ein erheblicher Unterschied), dann ist klar was und wie es läuft.

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      Markus

      30. Juni 2020 22:51 at 22:51

      Das stimmt, Vorfinanzierungen z.B. für Baumaterial stellt für manche Handwerker jetzt teilweise schon eine Herausforderung dar. Es müssen substanzielle Sicherheiten geboten sein, sonst gibts von der Bank kein Geld.
      2021 wird sehr spannend.

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    Hesterbär

    1. Juli 2020 09:25 at 09:25

    Ja, das „V“ ist vom Tisch! Das sollte allmählich auch Realitätsverweigerern und Träumern klar werden. Es wird aber auch kein „L“ werden. Das wirtschaftliche Desaster wird weiter zunehmen; die zwangsläufigen Kettenreaktionen sind durch keine Maßnahmen mehr aufzuhalten und am Ende werden der Zusammenbruch des Geld- und Finanzsystems und einhergehend auch das Ende des Euros stehen.

    Eine der spannendsten Fragen ist für mich, wann es zu einer massiven Inflation kommt und ob es überhaupt zu Inflation außerhalb der Vermögenspreise kommen wird. Sie wird uns ständig und immerfort mit anscheinend zwingenden Gründen angekündigt, aber bisher kommt sie einfach nicht.

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Christine Lagarde: Headlines zur EZB-Pressekonferenz – sehr dovish!

Markus Fugmann

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am

Die wichtigsten Aussagen der EZB-Chefin Christine Lagarde auf der EZB-Pressekonferenz – wie wird sie sich zu den ökonomischen Perspektiven durch die neuen Lockdowns äussern?

– Lagarde und Vize de Guindos betreten den Saal – beide mit Mundschutz..

– Neue Corona-Welle: Wirtschaft verliert an Fahrt, klare Verschlechterung des Ausblicks, vor allem im Dienstleistungsbereich

– Konsumenten halten sich zurück

– Inflation geringer aufgrundd fehlender Nachfrage

– FMW: jetzt das Übliche Loblied auf die EZB-Maßnahmen (gähn..)

– Risiken klar abwärtsgerichtet

– EZB wird im Dezember auf die neue Entwicklung reagieren und dabei auch Wechselkurs berücksichtigen

– Corona-Maßnahmen bringt „headwinds“ für wirtschaftlichen Ausblick (FMW: wo ist bloß die viel besungene „V-Erholung“?)

– Inflation dürfte negativ bleiben wegen deutscher Mehrwertsteuersenkung und niedrigem Ölpreis (FMW: Brent Öl fällt gerade erstmals seit Mai unter die Marke von 37 Dollar)

– Banken zeigen bei Kreditvergabe strengere Kriterien aufgrund steigender Risiken

– jetzt kommt der schon rituelle Aufruf Lagardes zu fiskalischen Maßnahmen, diese sollten zielgerichtet sein

– Lagarde jetzt über „Next Generation EU“ – wie Daniel Stelter sagen würde die „Klimaplanwirtschaft“

– Lagarde „hat“ fertig, jetzt kommen Fragen, natürlich alle virtuell..

—-

– Lagarde: für nächste EZB-Sitzung im Dezember werden alle Instrumente untersucht – das wird bereits vorbereitet, damit die EZB bei der Erholung (der Vermögenspreise…?) helfen kann

– FMW: Lagarde bisher sehr dovish, das bringt auch den Ölpreis so unter Druck, der Euro jetzt unter 1,17

– Lagarde: morgen kommen BIP-Zahlen, diese „könnten positiv überraschen“ (Prognose ist +15%), aber für das 4.Quartal sieht es nicht gut aus

– Lagarde zu Inflation: wir die derzeit negative Inflation nicht Deflation, weil es ein Sondereffekt der Pandemie ist

– Lagarde: Dass die Staaten der Eurozone Anleihen mit Gemeinschaftshaftung ausgeben, hat die Wahrnehmung der Eurozone verändert

– Lagarde: haben auf dieser Sitzung nicht über Veränderung der Geldpolitik diskutiert

Hier der Live-Feed zur EZB-PK:

Chrstine Lagarde - die Aussagen auf der EZB-Pressekonferenz

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Hans-Werner Sinn: Warum die Inflation ausbleibt, und wann sie kommt

Claudio Kummerfeld

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Der ehemalige Chef des ifo-Instituts, hoch angesehene und bekannteste Ökonom Deutschlands Hans-Werner Sinn (hier jüngst im Gespräch mit Marc Friedrich) hat aktuell der Mission Money ein ausführliches Interview gegeben. Ein echter zweiter Lockdown müsse in Deutschland vermieden werden, so der Appell von ihm.

Die deutsche Wirtschaft wird laut Hans-Werner Sinn die zweite Corona-Welle überleben. Aber es werde eine große Pleitewelle geben. In einem ersten Schritt würden zahlreiche Unternehmen in die Insolvenz gehen, die bis jetzt dank ausgesetzter Insolvenzpflichten viel neue Schulden angehäuft hätten. Und erst in einem zweiten Schritt würde es dann die Banken hart treffen, weil die ja in Folge der Insolvenzen die Kreditausfälle zu verkraften hätten.

Hans-Werner Sinn mit Schwerpunktthema Inflation

Ein zentral wichtiges Thema im folgenden ausführlichen Interview ist die möglicherweise anstehende Inflation in Europa und Deutschland. Hans-Werner Sinn äußert sich hierzu ausführlich. Vor Corona habe die Geldmenge der EZB 3,2 Billionen Euro betragen, seitdem sei bis heute 1 Billion Euro dazugekommen. Bis Sommer 2021 werde die Summe auf 5,4 Billionen Euro anwachsen. Es entstehe ein gigantischer Geldüberhang.

Hans-Werner Sinn erklärt ausführlich seine große Sorge vor der anstehenden Inflation. Zunächst erklärt er ausführlich, warum es bislang trotz Geldschwemme keine Inflation in Form von Preisexplosionen gebe (ab Minute 23 im Video). Seine Ausführungen dazu sind hochinteressant. Das zusätzlich geschaffene oder besser gesagt in den letzten Monaten nicht ausgegebene Geld sei nicht aktiv, weil es herumliege. Bei den Bürgern auf den Sparkonten oder im Tresor. Bei den Banken liege es laut Hans-Werner Sinn herum zum Beispiel auf deren Zentralbankkonten. Es werde nicht vollständig als Kredit an Wirtschaft oder Verbraucher herausgereicht. Daher wirke die gestiegene Geldmenge nicht inflationär. Denn in Krisenzeiten würden sich die Menschen nicht trauen Geld auszugeben.

Aber nach der Krise, wenn es zum Beispiel einen Impfstoff gegen Corona gebe und die Wirtschaft wieder boomt, dann steige auch wieder der Optimismus bei den Menschen. Gewerkschaften würden höhere Löhne verlangen, die Unternehmen würden die Preise anheben usw. Die Inflation könne dann sehr leicht über das 2 Prozent-Ziel der EZB ansteigen. Dann müsse die EZB die Zügel anziehen. Aber dann stehe man vor einem gewaltigen Problem. Hierzu wollen wir die wirklich sehr interessanten und aufschlussreichen Ausführungen von Hans-Werner Sinn nicht vorwegnehmen. Schauen Sie bitte das Video! Nur so viel. Er erläutert auch dann möglicherweise anstehende Folgeeffekte wie dann platzende Luftbuchungen und ein Bankensterben.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: https://www.hanswernersinn.de/de/Bildarchiv

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Lockdown: Was läuft falsch bei den Corona-Maßnahmen?

Markus Fugmann

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Heute dürften in Deutschland und Frankreich neue Beschränkungen und Corona-Maßnahmen bis hin zum Lockdown verkündet werden. Im Grunde reagieren die durch die starken Anstiege alarmierten Regierungen in Europa alle ähnlich. Nach Informationen des Informations-Mediums für Intellektuelle, also bild.de, dürfen ab 04.November in Deutschland sich maxiximal zehn Menschen treffen, die wiederum maximal aus zwei Haushalten stammen dürfen.

Lockdown, Corona-Maßnahmen und Anreizkonflikte

Viele Menschen gehen davon aus, dass die Corona-Maßnahmen schon gerechtfertigt seien – auf der anderen Seite gibt es jene, die das Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen latent verharmlosen – und nicht selten eine Verschwörung der Eliten vermuten zur Entmündigung der Bürger. Symbol dafür ist ihnen der Lockdown.

Nun müssen die Regierungen die Bevölkerung schützen – aber sind die getroffenen Maßnahmen gerechtfertigt? Professor Christian Rieck macht auf zwei zentrale Probleme der Maßnahmen deutlich, die häufig entweder zu „Überreaktionen“ oder zu „Unterreaktionen führen.  Es gebe viele „Anreizkonflikte“, die zu problematischen Reaktionen der Betroffenen führen, so Rieck.

In folgendem Video erklärt er, was er damit meint:

 

Lockdown und Corona-Maßnahmen - sind sie gerechtfertigt?

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