Asien

Das Yuan-Dilemma der Chinesen

Der Yuan fällt auf den tiefsten Stand zum US-Dollar seit sechs Jahren - aber er wertet zu anderen Währungen wie dem Euro deutlich auf. Peking steht vor einem Dilemma..

FMW-Redaktion

Am Mittwoch geht es in die nächste Runde des beliebten Spiels: „Würfele dein BIP!“. Es müßte schon Erstaunliches passieren, wenn das BIP Chinas nicht bei +6,7% liegen würde wie von Peking „prognostiziert“ – denn es handelt sich für Chinas Führung um eine politisch eminent wichtige Zahl. Und in Sachen Politik verstehen die Herren in Peking keinen Spaß!

Gleichwohl ist Peking unter Druck. Faktisch hat die Führung einen massiven fiskalischen Stimulus gegeben in den letzten Monaten – aber sehr viel gebracht hat das für Chinas Konjunktur offenkundig nicht.

Was also tun? Die Währung abwerten? Der Yuan ist heute durch das Fixing der People´s Bank of China auf den tiefsten Stand zum US-Dollar seit sechs Jahren gefallen. Der onshore-Yuan wohlgemerkt, also der in Shanghai geahndelte, genauer gesagt gemanagde Yuan. Demgegenüber gibt es in Hongkong einen, nunja, etwas freieren, aber durch gezielte Eingriffe dann doch nicht ganz so freien offshore-Yuan (in Hongkong gehandelt), der „nur“ in der Nähe der Tiefststäbde des Jahres 2016 steht:

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Dollar-Yuan (offshore)

In den letzten Wochen hat sich der Abverkauf der chinesischen Währung gegenüber dem US-Dollar beschleunigt. Aber das Problem für Peking ist eigentlich ein Anderes: während der Yuan zum Dollar abwertete, wertete er zu anderen Währungen – speziell zum kürzlich von Peking eingerichteten Währungskorb – deutlich auf! Und zwar in der Vorwoche um satte 0,6% – das ist die größte Aufwertung des Yuan seit drei Monaten. Alleine zum Euro um 0,7% – eine Bürde für den Export.

All das ist also eigentlich weniger die Folge einer Yuan-Schwäche, sondern der derzeitigen Dollar-Stärke. Was also tun? Im Grunde muß Peking dem starken Dollar folgen, und den Yuan weiter abwerten. Aber damit riskiert man, dass noch mehr Kapital aus dem Reich der Mitte abfließt als ohnehin schon. Und dieser Abfluß kennt viele Wege – ob über Investitionen in den Hongkonger Aktienindex Hang Seng (womit man faktisch Yuan in Hongkong Dollar tauscht), oder auch in Form von Firmenkäufen in Europa, den USA oder wo sonst auch immer. So hat, seit der Yuan abwertet, die Zahl und das Volumen von Firmenkäufen durch Chinesen deutlich zugenommen, in Europa um den Faktor fünf in 2015 im Vergleich zum Vorjahr 2014!

Damit die Dinge nicht aus dem Ruder laufen, braucht Chinas Führung jetzt faktisch einen schwächeren Dollar. Der stark Dollar ist eine gigantische Belastung für China, für Emerging Markets insgesamt – weil er die Kosten für Kapital erhöht. Und damit zu weniger Investitionen führt, weniger Krediten, faktisch höheren Schulden etc. Letztlich, und das gilt auch für China, hängen alle am Dollar. Manch Blase – vor allem chinesischen Immobilienmarkt i Städten wie Shanghai und Shenzhen – droht zu Platzen, wenn der DOllar weiter aufwertet..



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2 Kommentare

  1. Scheint eine gute Sache für Gold zu sein ;-)

  2. Jeder weitere Zinsanstieg der Fed kommt wie ein Bumerang nach Amerika zurück. Aber momentan sieht es tatsächlich so aus, als dass man den Zinserhöhungs-Crash á la Januar 2016 nochmal wiederholen will. Der Einbruch der Märkte zum Jahresauftakt war wohl noch nicht heftig genug, um die Zinswende zu begrabe und QE4 zu starten. Hoffentlich gerät diese Crash 2.0 Strategie nach einem erneuten Dezember-Hike nicht außer Kontrolle. Es ist schon erstaunlich, wie viele US-Ökonomen immer noch negieren, dass die USA in die selbe Schuldenfallle laufen, wie Japan. Und dass, obwohl die offizielle US-Staatsverschuldung wohl noch vor Dezember die 20 Billionen Dollar-Marke erreichen wird (110% des BIP). Gruselig!

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