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Daten aus China: Auf den ersten Blick Top, auf den zweiten Flop

FMW-Redaktion

Wie doch Daten täuschen können. Europa und vor allem die USA zeigen hier immer wieder schlimme Beispiele von Manipulation, die leider kaum beachtet werden. Bei Daten aus China kann man praktisch gar nicht hinter die Kulissen blicken, sondern nur erahnen, dass da was gewaltig schief läuft. So war z.B. die Aussage des chinesischen Ministerpräsidenten Li Kequiang aus dem Jahr 2007 vielsagend (laut Wikileaks aus US-Quellen), er verlasse sich nicht auf die offiziellen Daten zum Bruttoinlandsprodukt, sondern viel lieber auf Daten zum Eisenbahntransport oder Stromverbrauch, um herauszufinden ob es in China aufwärts oder abwärts geht. Die Vermutung liegt nämlich nahe, dass die Provinzen in China geschönte Zahlen nach Peking melden für die Erstellung von Daten, damit sie gut da stehen.

Auch wenn diese Info aus geheimen US-Quellen stammt, erscheint sie doch plausibel. In einem Staat, wo jeder kleine oder mittlere Regierungsbeamte vermeintlich Angst vor dem Zorn der Mächtigen ganz oben an der Spitze haben muss, will niemand als Versager gebrandmarkt werden – da versucht doch jeder gut dazustehen, um vielleicht sogar persönliche „Nachteile“ zu vermeiden? Aber wir schweifen ab. Heute früh gab es aus China offizielle Daten, die sich zunächst gut lesen. Es ist bekannt, dass China Außenhandelsüberschüsse erzielt. Sie stiegen aktuell für Juli auf 52,3 Milliarden US-Dollar, wobei die Erwartungen bei 47,5 Milliarden Dollar lagen (Juli 2015 48 Milliarden Überschuss). Das sieht erstmal gut aus.

Aber: Die Exporte fielen um 4,4% – die Importe aber fielen sogar um 12,5%. Also ist nicht gestiegene wirtschaftliche Aktivität oder mehr Exportvolumen verantwortlich für die schöne Überschusszahl, sondern einfach nur die deutlich stärker gesunkenen Importe gegenüber den ebenfalls gesunkenen Exporten. Vertraut man diesen offiziellen Daten, sieht es mit dem Außenhandel Chinas auch ein Jahr nach dem großen Einbruch immer noch nicht nach Aufschwung, sondern weiter nach Kontraktion aus. (warum sollten schlechte Daten gefälscht werden?)

Leider übernehmen auch aktuell einige Medien die offiziellen chinesischen Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) unwidersprochen. So lautet die offizielle Zahl für das zweite Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal +6,7% – ein Traum, wenn diese Zahl denn stimmen würde. Bei den schwachen Außenhandelsdaten, wie kann man da so stark wachsen im BIP? Wir finden dafür keine Erklärung! Es muss wohl Zauberei sein. Ministerpräsident Li Kequiang hat das Ziel oder besser gesagt die Erwartung, dass das BIP in China in den nächsten fünf Jahren pro Jahr mindestens um 6,5% ansteigt.

Letztes Jahr waren es offiziell +6,9%. Schaut man sich die Kapitalströme an, fließen aber massiv Gelder aus China ab. Die privaten chinesischen Investoren kaufen mit ihrem Geld lieber „sichere“ europäische Unternehmen als irgendwo in China in wackligen Kreditblasen zu landen. Denn Unternehmen wie Staatsbetriebe scheinen in China massiv überschuldet zu sein. Es muss also, so darf man es annehmen, weitergehen wie im letzten Jahr. Wird die KP in Peking auch weiterhin die Krise zudecken mit Notenbankgeld, mit Infrastrukturprogrammen, mit Krediten?



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1 Kommentar

  1. Hallo FMW-Redaktion!Schon aufgemerkt?Heute ist Earth Overshoot Day,früher als sonst immer!Ob da irgendwelche chinesischen,amerikanischen,europäischen oder sonstwelche Wachstumszahlen gefälscht oder nur frisiert sind,interessiert nur die Gordon Geckos dieser Welt&sonst keinen!Die,weltweiten Flüchtlingsströme sind die Erstürmung der Bastillen der Finanzwelt!Noch feiert die Bourgeoisie aus Finanzhaien&Politik ihre Bälle.Im Untergrund werden jedoch schon die Guilottinen geschärft,welche dann die ultralockeren Hälse der weltweiten „Geldpolitik“durchtrennen wie Butter!Liberte,Egalite,Fraternite,wir sind das Volk,Hasta la Victoria siempre!Ich denke,wir stehen vor unruhigen Zeiten,aber übernotwendigen Zeiten!Das Alternativlose muss weg,definitiv!

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