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Technologiekrieg um Dominanz im Internet Datenkabel: Wie USA und China in der Tiefsee ringen

China USA Datenkabel
Foto: tomasragina - Freepik.com

In den Tiefen der Weltmeere tobt ein unsichtbarer Krieg zwischen den USA und China, der die Zukunft der globalen Kommunikation und Sicherheit bestimmen könnte. Ihr Schlachtfeld: die unterseeischen Datenkabel, die Lebensadern unserer vernetzten Welt.

Diese Kabel sind nicht nur physische Strukturen, die am Meeresboden liegen; sie sind strategische Vermögenswerte, die über 95% des internationalen Datenverkehrs transportieren. Von vertraulichen Regierungskommunikationen bis hin zu Milliarden von täglichen Internettransaktionen fließt alles durch diese dünnen Kabelstränge.

USA und China: Die fragilen Lebensadern der digitalen Welt

Die Verletzlichkeit dieser Datenströme wurde im März schmerzlich bewusst, als Houthi-Rebellen vier zentrale Unterseekabel, die durch das Rote Meer führten, durchtrennten. Dieser Akt der Sabotage führte zu einer erheblichen Unterbrechung des Datenaustausches zwischen Asien und Europa. Als Reaktion darauf wurden die Datenströme über alternative Routen umgeleitet, insbesondere durch das Netzwerk Chinas.

China ist dafür bekannt, die Geschwindigkeit seiner Backbones – der Hauptdatenleitungen des Internets – zu drosseln, was den Durchsatz an Daten einschränkt. Dieses Vorgehen ist nicht nur ein technisches Hindernis; sie stellt auch ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Es besteht die berechtigte Sorge, dass China den Datenfluss, der durch seine Kabel strömt, überwacht und möglicherweise sensible Informationen extrahiert.

Vom Staatsmonopol zum privaten Wettbewerb

In der Frühzeit des Unterseekabelgeschäfts waren es vor allem staatliche Konsortien, die die Verlegung und Wartung dieser kritischen Infrastruktur übernahmen. Mit der Zeit haben jedoch private Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Heute halten private Akteure wie der chinesische Ausrüster HMN Tech zehn Prozent aller bestehenden und geplanten weltweiten Kabel.

Im Vergleich dazu liefert der französische Kabelhersteller ASN 41 Prozent und das US-Unternehmen Subcom 21 Prozent der Kabel. Diese Zahlen verdeutlichen die Verschiebung von staatlich dominierten zu privatwirtschaftlich geführten Unternehmungen in diesem Sektor und unterstreichen die strategische Bedeutung, die diese Infrastruktur für Staaten und private Akteure gleichermaßen hat. Mittlerweile werden nur noch ein Prozent der Datenkabel von rein staatlichen Unternehmen unterhalten. Diese Zahlen zeigen auch, wie sehr sich China mittlerweile im weltweiten Kabelescghäft engagiert.

Während private Unternehmen zunehmend das Unterseekabelgeschäft dominieren, bleibt der strategische Kampf um die Kontrolle dieser Kabel zwischen den USA und China bestehen. Dieser Kampf ist Teil eines größeren Technologiekrieges, der darüber entscheiden könnte, wer die wirtschaftliche und militärische Vorherrschaft in den kommenden Jahrzehnten erlangt.

SeaMeWe-6: Brennpunkt im Machtkampf zwischen USA und China

Ein Schlüsselprojekt in diesem Kampf ist das SeaMeWe-6-Kabel, ein Unterseekabel, das Daten von Asien nach Europa über Afrika und den Nahen Osten transportieren soll. Ursprünglich war das chinesische Unternehmen HMN Tech in der engeren Auswahl, um diesen Vertrag zu erhalten. Doch eine erfolgreiche Kampagne der US-Regierung führte dazu, dass das amerikanische Unternehmen SubCom den Zuschlag für den Bau dieses strategisch wichtigen Kabels erhielt.

Die USA haben gezielt Druck auf ausländische Länder ausgeübt, um die Beteiligung von HMN Tech an internationalen Projekten zu verhindern. Dies zeigt, wie ernst die USA die Bedrohung durch potenzielle chinesische Spionageaktivitäten nehmen und wie entschlossen sie sind, ihre Interessen in diesem Bereich zu schützen. Die Kampagne umfasste diplomatische Gespräche, in denen Washington seine Verbündeten und Partnerländer davon überzeugte, das chinesische Unternehmen abzulehnen. In einem Fall zog sich China Mobile aus einem Konsortium zurück, das ein Kabel von Kalifornien nach Singapur, Malaysia und Hongkong verlegen sollte, nachdem in Washington Manöver unternommen wurden, um die chinesische Beteiligung an US-Kabeln zu blockieren.

Europas digitale Souveränität: Die Global Gateway-Strategie

Inmitten dieser geopolitischen Rivalität zwischen den USA und China hat die Europäische Union eine eigene Vision für ihre digitale Zukunft entworfen.

Ein zentrales Element dieser Vision sind Projekte im Rahmen der “Global Gateway-Strategie”, die darauf abzielen, die digitale Konnektivität innerhalb Europas und darüber hinaus zu fördern. Diese Initiative ist nicht nur eine strategische Antwort auf Chinas Belt and Road Initiative, sondern auch ein entscheidender Schritt, um Europas digitale Souveränität zu stärken.

Die EU setzt dabei auf eine Reihe von “Kabelprojekten von europäischem Interesse”, die darauf abzielen, die Abhängigkeit von einzelnen Kabelverbindungen zu reduzieren und die Resilienz gegenüber potenziellen Sabotageakten zu erhöhen. Diese Projekte sind Teil eines größeren Bestrebens, ein robustes Netzwerk von Unterseekabeln zu schaffen, das als “EuroRing” fungiert und als Rückgrat für den europäischen Datenverkehr dient. Gleichzeitig wird ein “Global Ring” von strategischen internationalen Gateway-Verbindungen etabliert, um die globale Vernetzung Europas zu sichern.von strategischen internationalen Gateway-Verbindungen etabliert, um die globale Vernetzung Europas zu sichern.

Die Auseinandersetzung um die unterseeischen Kabel ist weit mehr als ein technologisches Ringen – sie ist ein Machtkampf, der die geopolitische Landschaft des 21. Jahrhunderts prägt. Die USA und China mögen die Hauptakteure auf diesem Spielfeld sein, doch Europa darf sich nicht zum Zuschauer degradieren lassen. Es geht hier nicht nur um Datenströme und Kabelrouten, sondern um die Wahrung unserer digitalen Selbstbestimmung.

Die “Global Gateway-Strategie” der Europäischen Union ist ein Schritt in die richtige Richtung, um eine unabhängige und sichere digitale Infrastruktur zu gewährleisten. Doch es bedarf mehr als nur strategischer Projekte, um die digitale Souveränität Europas zu sichern. Es erfordert eine gemeinsame Vision, koordinierte Anstrengungen und die Bereitschaft, in Technologien zu investieren, die Europa in die Lage versetzen, seine eigenen Wege zu gehen – unabhängig von den geopolitischen Strömungen, die von anderen Großmächten diktiert werden.



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3 Kommentare

  1. Tja, unterseeische Infrastruktur als strategische Vermögenswerte. Überall auf der Welt, nur in Deutschland nicht. Da darf ruhig ein solcher Vermögenswert mal in die Luft gesprengt werden – interessiert keinen Menschen, nicht einmal die Betreiber bzw. Anteilseigner. Respekt.

  2. Hallo zusammen,

    Das die USA Angst vor chinesischer Spionage haben, ist schlicht lächerlich, da sie nachweislich (Danke, Herr Snowden) selbst die größten Datenspione sind, die man sich nur vorstellen kann.

    Bei der Infrastruktur der Datenkabeln geht es faktisch um extrem sensible Marktmonopole und damit letztlich um Marktkontrolle, nicht um Spionage. Das Internet war zu keinem Zeitpunkt ein geeigneter Ort für wirklich sensible Daten, da dort permanent das Wechselspiel zwischen Sicherheitssystemen und Angriffssystemen herrscht.

    Das privatwirtschaftliche Systeme in vielen Bereichen effizienter arbeiten als staatliche Systeme ist selbsterklärend, insbesondere bei der Errichtung und Unterhaltung von Infrastrukturen. Jeder Staat definiert für sich, wo er Infrastrukturmonopole zulässt und/oder diese reguliert.

    Solche Regulierungsansätze für die Tiefsee gibt es nur spärlich bis gar nicht … also wird mit den härtesten Bandagen gekämpft, um sich diese Monopole einzuverleiben.

    Die EU spielt dort eher eine untergeordnete Rolle, siehe Galileo – Navigation, was sich nach wie vor nicht gegen das GPS durchsetzen kann.

    Viele Grüße … allen ein schönes langes Wochenende…
    Andi

    1. Angst vor Spionage ist vielleicht falsch ausgedrückt. Faktisch gemeint ist damit das „Monopol auf Spionage“, wie Sie es ja selbst schreiben. Und dass von beiden Seiten spioniert wird, gibt die EU indirekt dadurch zu, dass sie eigene Infrastruktur betreiben will.
      Und damit bin ich beim Thema, die EU will immer viel, am Ende werden aber keine Ergebnisse erzielt. Keine Ahnung, wie es bei Breitbandverkabelung aussieht, aber bei IT-Infrastruktur gibt es praktisch nur noch chinesische und amerikanische Firmen (Fujitsu spielt hier praktisch keine Rolle mehr). Da man die Bildung in den MINT-Berufen in den letzten 20-30 Jahren massiv vernachlässigt hat, ist Open Source im großen Maßstab nicht möglich, weil ganz einfach die Man-Power fehlt. DIe Chinesen werden bewusst rausgehalten und am Ende macht man sich dann doch wieder abhängig von amerikanischen Konzernen.
      Wenn derartige Projekte dann noch zentral aus irgendeinem Ministerium betreut werden, ist ein Scheitern vorprogrammiert. Oder spricht heute noch irgendjemand vom Gaya-X-Projekt, der souveränen Cloud für Europa?
      Für mich wäre es ein Wunder, wenn das bei dem Breitbandthema anders laufen würde. Irgendwelche Consulting-Firmen verdienen sich eine goldene Nase, aber für den Bürger ist es die reinste Steuergeldverschwendung.

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