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David Stockman: Warum Trumps Steuerreform ein Rohrkrepierer wird..

FMW-Redaktion

David Stockman war Budget-Direktor unter Ronald Reagan – kennt sich also aus in Sachen Politik und Staatsfinanzen! Er war einer der Haupt-Treiber für die dann im Jahr 1982 verabschiedete Steuerreform in den USA – die bislang letzte Steuerreform!

In einem Interview mit dem Trump sehr positiv gegenüber stehenden Sender „Fox Business News“ erklärt Stockman, warum die Trumpsche Steuerreform, wenn sie denn wirklich kommt, eher ein Steuerreförmchen“ werde! Hier die wichtigsten Punkte Stockmans:

– vor der letzten Steuerreform Anfang der 1980er-Jahre waren die USA in einer ganz anderen Ausgangslage, das Land hatte weniger als eine Billionenn Schulden (heute sind es 20 Billionen Dollar)

– die Steuerreform sei nicht finanzierbar, daher werde sie nicht kommen – oder nur eine ganz kleine Reform werden

– Versuche, die geplante Steuerreform gegenzufinanzieren hätten keine Aussicht auf Realisierung

– sinnvoller wäre eine Senkung der Lohnsteuern der arbeitenden Bevölkerung

– die Senkung der Unternehmenssteuer ist gut für die Wall Street, bringt aber keinen neuen Jobs, weil die Firmen stattdessen die Dividenden erhöhen oder eigene Aktien zurück kaufen würden; die US-Firmen haben Jobs ins Ausland verlagert, weil die Arbeitskosten im Ausland geringer seien, da spiele die (Senkung der) Unternehmenssteuer gar keine Rolle

– die großen US-Firmen zahlen ohnehin schon weniger Steuern als die offiziellen 35% Unternehmenssteuer

– die angeblichen Gewinnsprünge der US-Unternehmen (+14% erstes Quartal, +11% zweites Quartal) seien Augenwischerei: die Zahlen der US-Unternehmen seien jetzt wieder da, wo sie Mitte 2014 waren – nach Mitte 2014 gab es die „earnings deflation“ (also rückläufige Unternehmensergebnisse) – daher sei der Anstieg der Kurse unter Berufung auf die angeblich so tollen Zahlen Schwachsinn!

– die Märkte hättetn ultraniedrige Zinsen eingepreist, aber die Zinsen würden in den nächsten Jahren steigen (Fed), ausserdem werde die Fed den Märkten durch die Bilanzreduzierung Liquidität entziehen

– die Fed hebe die Zinsen an, um sie dann wieder senken zu können in einer Rezession

– die „smart guys“ an der Wall Street werden auf die Notenbanken reagieren, wenn die Notenbanken ihre Bilanzen reduzieren: sie werden dann das verkaufen, was die Notenbanken auch verkaufen – daher werde der Zug dann genau in die andere Richtung laufen als in den letzten Jahren mit der massiven Rally

– die Trump-Administration sei substanzlos, kompletter Fake!

Aber sehen Sie das bemerkenswerte Interview hier selbst:


David Stockman. Foto: Gage Skidmore/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)



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7 Kommentare

  1. ja, ist interessant.
    Aber seine Grundannahmen treffen nicht zu.
    Die Grundannahme, daß die FED wirklich über die nächsten Jahre ihr Balance sheet wie angekündigt reduzieren wird und die Zinsen weiter anheben wird ist falsch.
    Fake news, wie man so schön sagt.
    Selbst wenn man davon ausgeht die Aktienbörse würde die Bedrohung durch die FED nicht erkennen, man braucht doch nur den Bondmarkt anzuschauen.
    Bitte mal die 10year yields anschauen, die sind seit dem starken anstieg Anfang 2017 auf 2.6% nämlich am FALLEN auf 2.3% !
    Kann denn einer irgendwie erklären warum der Bondmarkt so komplett dämlich wäre dieses steigenden Zinsen NICHT zu antizipieren, wenn sie doch schon seit MONATEN „telegraphiert“ worden sind, wie einer der Interviewer richtig bemerkte ??
    Sind die „smart guys“ wirklich so grenzdebil zu warten bis die FED das Zeug auf den Markt wirft oder fangen die nicht schon bei der Ankündigung an ?
    Die Antwort ist simpel: Weil es keiner ernst nimmt !
    Ich kann dieses Schwachsinn (sorry für die drastische Wortwahl), daß die FED die Aktienmärkte durch Zinserhöhungen und Anleihenverkäufe aus ihrer Bilanz in den freien Fall schicken wird einfach nicht mehr hören.
    Sicher kann der Markt durch diverse Ereignisse fallen die wir jetzt gar nicht am Schirm haben, aber die FED wird nicht die Ursache sein.

    1. @PK, ob die Fed nicht doch irgendwann die Zinsen schneller anheben muß als gedacht (z.B. wenn Trumps Steuersenkung tatsächlich kommt), wissen wir erst hinterher! Und auch Anleihemärkte könne sich irren – auch wenn diese im Rufe stehen, weitsichtiger zu sein als die Aktienmärkte. Man denke nur an das Taper tantrum 2013, als Bernanke den Ausstieg aus QE ankündigte, was die Anleihemärkte damals völlig auf dem falschen Fuß erwischt hatte..

    2. „aber die FED wird nicht die Ursache sein.“

      Nein, das wird sie nicht. Bis jetzt geht die Party ja noch weiter, aber die Fed wird dann wohl der Trigger sein. Vielleicht der Anlaß, das viele bemerken, das der König gar keine Kleider an hat. Vielleicht kommt ja ein anderer Anlaß schon eher als die FED, wer weiß das schon.Viele hoffen vielleicht, dass sie sich retten können, bis die “ greatest Steuerreform aller Zeiten“ von der „größten Jobmaschine aller Zeiten“ endlich in Kraft tritt. Ich halte die Grundannahmen für zutreffend.

  2. D.Stockmann ist ein Kenner dieser Materie u.seine Ansicht absolut nachvollziehbar,dass es jemand gibt der auch dessen Meinung besserwisserisch abweist ist nicht erstaunlich.

    1. darf ich mal den „Kenner“ dieser Materie zitieren ?

      Stockman:
      „Stockman suggests you’d be a fool to hold anything but cash now, and maybe a few bars of gold. He thinks the Federal Reserve’s efforts to ease the pain from the collapse of our “national leveraged buyout” — his term for decades of reckless, debt-fueled spending by government, families and companies — is pumping stock and bond markets to dangerous heights.“

      Und jetzt ratet mal wann das war ?
      Na ?
      Anfang 2012 !

      Ich bin einer von den „Fools“, die seit 20008 voll investiert sind und hab erst letzte Woche meine Quote runtergefahren, was wahrscheinlich auch ein Fehler war.
      Ja, jeder hat so seine Propheten und jeder Prophet seine Jünger.
      Stockman hat die letzten 5 !! Jahre nachweislich nicht den Schimmer wo die Reise hingeht, daß ihn überhaupt noch jemand ernst nimmt ist ein Wunder.

    2. übrigens, noch interessanter ist dieses Zitat von Stockman:
      “The Fed is a patsy. It is a pathetic dependent of the big Wall Street banks, traders and hedge funds. Everything (it does) is designed to keep this rickety structure from unwinding.”
      Und damit hat er völlig recht, aber damit widerspricht er sich sogar selber, denn oben in dem Link meint er ja die FED würde wissentlich durch Zinserhöhungen den Aktienmarkt auf Talfahrt schicken.

      Er selber ist einfach tief frustriert, fast all seine Investment Firmen landeten in der Pleite, wie Collins & Aikman, Heartland etc.
      Man merkt doch in den Interviews, wie emotional er diskutiert, nie die Basis für sinnvolle Entscheidungen.

  3. „sinnvoller wäre eine Senkung der Lohnsteuern der arbeitenden Bevölkerung“
    Das würde ich ebenfalls für sehr wirkungsvoll erachten.

    Ob die Steuerreform in dem Umfang kommt wie Trump das wünscht, bleibt tatsächlich abzuwarten.

    Ansonsten bewundere ich mal wieder die Sachkenntnis von PK.
    Zudem mit einem abrufbaren Detailwissen wie ein Lexikon ausgestattet.

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