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Dax: 40 statt 30 Werte, Rüstungsgeschäfte verpönt uvm – Deutsche Börse will IHRE Meinung hören

Nach dem Wirecard-Skandal, der letztlich in der Insolvenz des Unternehmens mündete, folgte letztlich der zwangsläufige Rauswurf der Aktie aus dem Dax. Dass er so lange dauerte, lag an den Regularien der Deutschen Börse für die Zusammensetzung des Dax. Und dann folgte aus Sicht vieler Kommentatoren der nächste Skandal. Für Wirecard rückte Delivery Hero in den Dax auf, eine Plattform für die Vermittlung von Essenslieferungen, quasi ein Mittler zwischen Restaurants und hungrigen Kunden. Ein Unternehmen, dass nur Verluste schreibt und dazu noch nicht mal in Deutschland tätig ist. Lediglich die Firmenzentrale ist in Deutschland beheimatet (hier mehr Details). Eine gemessen an den bisherigen Regularien zwingend richtige Aufnahme war das, da die Aktie zum Beispiel aktiv genug gehandelt wird und die Marktkapitalisierung groß genug ist (hier die aktuellen Kriterien). Aber Qualitätskriterien sind das nicht.

Die Aufnahmekriterien für den Dax sollen jetzt wohl (endlich) an die moderne Welt angepasst werden, so möchten wir es mal formulieren. Aber ob die Deutsche Börse nicht ein klein wenig zu weit geht mit dem, was sie da heute veröffentlicht hat? So sollen Unternehmen nicht mehr im Dax enthalten sein, wenn sie mehr als zehn Prozent ihrer Geschäfte in „umstrittenen“ Bereichen wie Rüstung machen. Da könnte man ja auch gleich fragen, ob nicht ein Mindestniveau an „grünem Geschäft“ zwingend Voraussetzung sein sollte? (Ironie) Neben vielen Detailänderungen will die Deutsche Börse vor allem die Basis des Dax verbreitern, mit zukünftig 40 statt 30 enthaltenen Aktien.

Beim Klick an dieser Stelle können Sie an der Umfrage der Deutschen Börse bis zum 4. November teilnehmen und sich äußern, ob sie diese angedachten Änderungen gut finden, oder eben nicht. Was die Deutsche Börse bei Dax und Co ändern will, hier im Wortlaut:

Erweiterte Qualitätskriterien:

– Nachweisliche Profitabilität der Unternehmen bei Aufnahme in den DAX-Index
– Fristgerechte Vorlage von Quartalsberichten für den DAX-Index und eines testierten Jahresberichts für alle Auswahlindizes mit Sanktionsmöglichkeiten bis hin zum Indexausschluss (Fast Exit) im Falle der Nichterfüllung
– Nachweis eines Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat für alle Mitglieder der DAX-Auswahlindizes
– Ausschluss von Unternehmen mit Umsätzen von mehr als 10% mit kontroversen Waffen bei allen Mitgliedern der DAX-Auswahlindizes

Anpassung an internationale Standards:

– Notierung im Regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse Voraussetzung für die Index-Mitgliedschaft, und damit Entkoppelung von Zugehörigkeit zum Premiumsegment Prime Standard – höhere Flexibilität in der Gestaltung der Indexregeln

– Reguläre Überprüfung der Indexzusammensetzung alle sechs Monate statt einmal jährlich, um Veränderungen in der Kapitalmarktlandschaft schneller auch im DAX umsetzen zu können

Transparenz und Berechenbarkeit:

– Nur noch Berücksichtigung der Free-Float-Marktkapitalisierung, wie international üblich; Verzicht auf das Kriterium Börsenumsatz
– Einführung einer Mindestliquidität gemessen am Xetra/FWB-Handelsumsatz zur Sicherstellung der Investierbarkeit der Indizes

An der Frankfurter Börse wird der Dax-Kurs ermittelt
Foto: Deutsche Börse AG



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