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Dax: Angriff auf die „heilige Kuh“

Eigentlich ist das schon ein heftiger Cocktail derzeit für den Dax: die Bedrohung des Kerns des deutschen Geschäftsmodells durch Trump und dazu noch eine potentzielle neue Euro-Krise durch die Vorgänge in Italien..

Man könnte die deutschen Autobauer BMW, Daimler und Volkswagen als das Herz nicht nur des Dax, sondern des gesamten Geschäftsmodells Deutschlands bezeichnen! Und genau dieses Herz wird jetzt durch Donald Trump angegriffen, der dafür als Basis ein US-Gesetz aus dem Jahr 1962 (Trade Expansion Act) heranzieht, das eigentlich – wie schon der Name „Trade Expansion“ verrät – den globalen Handel stärken und nicht bremsen sollte! Auf Grundlage eines einzigen Paragrafens wird dieses per se handelsfreundliche Gesetz nun zum Trojanischen Pferd, das Trump seine protektionistische Agenda ermöglichen soll!

Das alles ist sicher eine Drohkulisse Trumps in Sachen Mexiko und Kanada wegen der NAFTA-Verhandlungen (die scheinbar nicht sehr gut laufen!), aber es zielt natürlich auch auf die deutsche Autodindustrie, die Trump bekanntlich schon mehrfach verbal attackiert hatte. Damit geht es jetzt nicht mehr um die vergleichsweise unbedeutenden Exportgüter Aluminium und Stahl, bei denen Deutschland und die EU zwar zähneknirschend, aber ökonomisch ohne schwerwiegende Folgen eben Zölle hinnehmen könnten. Jetzt dagegen geht es mit den Autos gleichsam um die „heilige Kuh“ der Teutonen, und an dieser heiligen Kuh wiederum hängen sehr viele Jobs hierzulande!

Klar ist: Trump handelt nach seiner alten Strategie: stelle eine schockierende Forderung auf, auf die die Anderen reagieren müssen und halte den Druck dann stets aufrecht, aber sorge gleichzeitig dafür, dass die Sache nicht eskaliert, um den für die USA vorteilhaftesten Deal möglich werden zu lassen. On diese Taktik funktioniert, ist noch völlig offen – aber faktisch hat das Erpressungs-Charakter und erinnert ein bißchen an die Methoden der Mafia, mit der Trump sich ja arrangieren mußte in seiner Zeit als New Yorker Immobilienmogul!

Vorbörslich sind die deutschen Autobauer noch moderat im Minus, moderater jedenfalls als die Autowerte in Japan und Südkorea. Psychologisch wichtiger aber dürfte sein: es kann alle und jede Branche treffen, wenn man einfach einen einzigen Paragrafen eines Gesetzes heranziehen kann, dessen Grundintention genau das Gegenteil davon ist, was die Trump-Administration jetzt damit macht. Genau deswegen handelt es sich ja auch schon jetzt um einen Handels-Krieg: es kann wie im Krieg jeden treffen, man ist der Willkür der Starken ausgeliefert!

Eigentlich ist das schon ein heftiger Cocktail derzeit für den Dax: eine potentzielle neue Euro-Krise durch die Vorgänge in Italien, dazu  jetzt die Bedrohung des Kerns des deutschen Geschäftsmodells – wenn das alles den Dax nicht interessiert, ist er geistig tot! Oder er muß eben dann später – so wie gestern – den Preis für seine vorherige Ignoranz zahlen.

Charttechnisch auf der Oberseite nun die Marke 13010/15 als Widerstand, darüber das Verlaufshoch bei knapp über 13200 Punkten. Unten dagegen nun die 12915 als erste Unterstützung, dann die 12850/60, die 12800 und schließlich das Ausbruchsniveau bei 12650 Punkten..


(Chart durch anklicken vergrößern)


Foto: Claus Ableiter
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